Durch diese häufigen Fehler schadest du deiner Haut

Illustration by Olivia Santner
Was ist die sogenannte Hautbarriere und wie kannst du sie schützen? Dermatolog:innen und Hautpflegeexpert:innen betonen immer wieder, dass der übermäßige Gebrauch von Säuren oder zu häufiges Waschen deines Gesichts diese Schutzschicht deiner Haut überbeanspruchen oder sogar „beschädigen“ kann. Sie machen aber auch darauf aufmerksam, dass dem mithilfe einiger Inhaltsstoffe entgegengewirkt werden kann. Was genau kann man sich aber darunter vorstellen und stimmen diese Behauptungen überhaupt? Was kannst du tun, damit deine Haut wieder gesund wird oder bleibt?
Beschädigte Haut zu reparieren, scheint das A und O bei der Hautpflege zu sein. Mit diesem wachrufenden und suggestiven Konzept wird uns von allen Seiten versprochen, die Qualität unserer Haut wiederherstellen zu können. Es bietet das perfekte Gegengewicht zu unserem stressigen Leben voller Termine und passt hervorragend zu unserem heutigen Lifestyle, der sich durch Erschöpfung, Überarbeitung und Überbeanspruchung auszeichnet. Funktioniert unsere Haut, dieses lebenswichtige Organ, das die gesamte äußere Oberfläche unseres Körpers bedeckt, aber wirklich so?
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Was ist die Hautbarriere und wie schützt du sie?

Neben Reparatur und dem Hautpflege-Boom, den wir gerade erleben, ist die Hautbarriere ein Thema, das in den letzten 18 Monaten immens an Beliebtheit gewonnen hat. „Deine Haut hat eine biologische Funktion“, sagt Dermatologin Dr. Zena Willsmore. „Sie ist dazu da, Wasserverluste zu verhindern und das Eindringen von schädlichen Einflüssen zu unterbinden. Sie ist aber keineswegs mit einem Stück Frischhaltefolie zu vergleichen, weil sie ziemlich komplex und widerstandsfähiger ist, als du vielleicht denkst.“ Dr. Willsmore fährt fort: „ Dieses Organ bildet eine mechanische Barriere, wodurch du nicht plötzlich ertrinkst, wenn du in die Badewanne steigst. Außerdem weist es antioxidative Eigenschaften auf und bekämpft Infektionen.“
Die oberste Schicht der Haut wird Epidermis genannt. Darunter befindet sich die Dermis, die eine gelartige Trennwand darstellt. „Dort befinden sich die Kollagenfasern, die das Grundgerüst der Haut bilden“, erklärt Dr. Willsmore. „Die Epidermis ist hauptverantwortlich für den Schutz der Haut. Einen großen Teil dieser schützenden Funktion übernimmt der oberste Teil der Epidermis, der als Stratum corneum bekannt ist. Dieser verhindert Wasserverlust und das Eindringen von Schmutz, Schadstoffen und Bakterien.“

Wie kannst du feststellen, ob deine Hautbarriere beschädigt ist?

Zur Zeit verwenden viele von uns mehr und teurere Beauty-Produkte als je zuvor. Zudem tragen wir mehr Schichten auf als früher – besonders wenn es um Peelings, Gesichtswässer und -masken geht. Mithilfe von Glykolsäure-Peelings zum Beispiel sieht unsere Haut strahlender aus. Allerdings können sie auch wunde Stellen und Trockenheit verursachen, zu Irritationen führen, deine Haut empfindlicher machen und sich möglicherweise sogar schädlich auf deine Schutzschicht auswirken. Die meisten Dermatolog:innen und Hautpflegeexpert:innen, mit denen ich im letzten Jahr sprach, klagten über etwas, das derzeit oft vorzukommen scheint: Junge Menschen überstrapazieren ihre Haut. Sollten wir also vielleicht für eine Weile eine Hautpflege-Fastenkur machen?
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Laut Dr. Willsmore ist es relativ einfach, die Arbeit deiner Hautbarriere zu stören. Die häufigste Art und Weise, auf die es zu solch einer Störung kommen kann, ist der übertriebene Gebrauch von aggressiven Inhaltsstoffen wie Säuren und Retinoiden oder durch mehrfaches, intensives Waschen deines Gesichts im Laufe des Tages. Eine in Mitleidenschaft gezogene Schutzschicht fühlt sich unangenehm an und ist schuppig und trocken. Wenn du ein heller Hauttyp bist, kann es auch passieren, dass du plötzlich sichtbare Rötungen im Gesicht hast. „Viele von uns verwenden Vitamin C, A, Azelain- und Glykolsäure in einem Durchgang. Bevor du dich versiehst, hast du auf einmal wunde Stellen“, sagt Dr. Willsmore. „Durch übertriebene Hautpflege entfernst du mehr Zellen, als du solltest, die Haut wird nicht mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt und der pH-Wert gerät aus dem Gleichgewicht. All diese Faktoren beeinträchtigen die normale Funktion der Haut, also die tägliche, unauffällige Abschuppung“, erklärt Dr. Willsmore.
Da wir alle von strahlender Haut träumen (gegen diese Besessenheit bin ich auf keinen Fall immun), ist es sehr einfach, Peelings doppelt oder sogar dreifach zu verwenden, ohne dir darüber weiter Gedanken zu machen. Wir wollen nichts mehr als Glow und Hautpflegemarken versprechen ihn uns. So finden Säuren auch ihren Weg in alle möglichen Artikel – von Cleansern über Seren bis hin zu Tonern. Personen mit fettiger Haut sind davon sogar noch mehr betroffen, da Produktlinien für diesen Hauttyp viel häufiger Peelings enthalten. Das soll aber nicht heißen, dass alle Hautpflegeprodukte schlecht oder zu aggressiv sind, oder dass Säuren an sich schlecht sind – wie immer geht es bloß darum, alles in Maßen zu tun.
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Die gute Nachricht? Unsere Haut ist sehr, sehr gut darin, sich selbst zu heilen. „Deine Hautzellen erneuern sich ungefähr jeden Monat“, bestätigt Dr. Willsmore. Denk daran, was passiert, wenn du einen Schnitt hast oder eine kleine Verbrennung erleidest – die Wundstelle heilt von selbst ab. Das ist bei jedem Heilungsprozess, der unsere Haut betrifft, der Fall.

Was ist eine Hautpflege-Fastenkur und wie funktioniert sie?

„Sogenannte Hautpflege-Fastenkuren sind nicht wirklich notwendig“, ergänzt Dr. Willsmore. „Wenn du zu viele Wirkstoffe verwendet hast und deine Haut dadurch wund geworden ist, solltest du sie eine Zeit lang absetzen und sie dann später wieder langsamer in deine Hautpflegeroutine einbauen. Ich würde dir aber trotzdem dazu raten, eine gute Feuchtigkeitscreme mit etwas wie Glycerin zu gebrauchen, um den Wasserhaushalt deiner Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen und diese zu beruhigen. Außerdem solltest du weiterhin darauf achten, dass deine Hautpflegeprodukte einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen, um so für ausreichend Schutz vor Sonneneinstrahlung zu sorgen. Expert:innen empfehlen auch Cremes, die Ceramide (von Natur aus in der Haut vorhandene Fette) enthalten, um die Hautbarriere zu reparieren und intakt zu halten.
Bis heute herrscht der Glaube, dass Hautpflege nur dann wirkt, wenn die Haut mit Rötungen und Irritation reagiert. Das mag vielleicht eine beliebte Marketing-Botschaft vieler Schönheitsmarken sein, die für Veränderungen deiner Haut sorgen wollen, aber lass dir eines gesagt sein: Die Kosmetiker:innen, Dermatolog:innen und Hautärzt:innen, mit denen ich zu tun habe, schwören auf die einfachsten Hautpflegeroutinen, die es gibt. Ich bin kein Profi, aber alles in allem verwende ich maximal nur sechs Produkte, einschließlich Sonnenschutz. Lass es bei der Hautpflege also ruhig angehen, denn weniger ist auch hier tatsächlich mehr.

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