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Mein Freund ist mit seinen Ex-Freundinnen befreundet & es macht mich fertig

Willkommen bei Can We Talk?, der Sex- und Beziehungskolumne, die deine brennendsten Fragen rund um Sex, Dating, Beziehungen und Trennungen beantworten will, die du deinen Partner:innen ungern stellen möchtest – oder auch deinen Freund:innen. Dieses Mal hilft die Beziehungstherapeutin Moraya Seeger DeGeare jemanden, deren Partner sich andauernd mit seinen Ex-Freundinnen trifft.
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Liebe Moraya, 
Mein Freund und ich sind seit über einem Jahr zusammen und haben gerade mit einem großen Problem zu kämpfen: Er ist immer noch mit den meisten seiner Ex-Freundinnen in Kontakt und trifft sich allein mit ihnen, wenn sie es vorschlagen und er Zeit hat. Ich finde das unangebracht – und das ist der Auslöser all unserer Streits in letzter Zeit. Mein größtes Problem dabei ist, dass er meine Gefühle überhaupt nicht berücksichtigt, wenn er überlegt, sich mit seinen ehemaligen Partnerinnen zu treffen. Stattdessen wirft er mir vor, ich würde ihm nicht vertrauen und sei wohl einfach unsicher (dabei ist niemand von uns jemals fremdgegangen oder wurde betrogen). Manchmal sagt er auch, ich wolle ihn kontrollieren und er habe Angst, ich würde ihn irgendwann auch davon abhalten wollen, andere Freund:innen zu treffen. Wie kann ich meinem Partner vermitteln, dass ich mich unwohl damit fühle, dass er mit seinen Ex-Freundinnen befreundet ist, ohne dass es so rüberkommt, als wollte ich seine Freiheit untergraben? Es fühlt sich so an, als würde er sie mir vorziehen und sei auch bereit, mich deswegen zu verlieren.
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Danke für deine Hilfe!
„Keine Freundin von Ex-Freundinnen“
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Liebe „Keine Freundin von Ex-Freundinnen“,
Das ist ein uralter Streitpunkt: Kann man mit einem:einer Ex befreundet bleiben? Ich verrate dir meine Antwort direkt: Man kann absolut gesunde Beziehungen zu Ex-Partner:innen führen – und manche Leute kommen auch gar nicht drumherum, wenn ihr Umfeld eher klein ist. Wie dein Partner an diese Freundschaften herangeht, sorgt aber eindeutig für Unsicherheit in eurer Beziehung, weil er deine Gefühle nicht ernst nimmt.
Was mich an deiner Situation sorgt, ist nicht unbedingt die Frage, ob er zu einer Ex Kontakt haben sollte oder nicht, sondern eher die Tatsache, dass du ihm deine verletzten Gefühle mitteilst, er sie aber ignoriert. Dass du dich mit der Situation so unwohl fühlst, ist vor allem deswegen berechtigt, weil du die fehlende Rücksicht deines Partners spürst. „Rücksichtsvolle Partner:innen vermitteln Verständnis, Wertschätzung und Fürsorge“, erklärt ein Artikel im Journal of Personality and Social Psychology. „Sie sind warmherzig, und empfindlich für die Gefühle ihrer Partner:innen.“ Diese Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einer gesunden Beziehung. Dein Partner sollte dich hören, dir glauben und dir Sicherheit vermitteln. Jetzt gerade lässt er dich aber einfach abblitzen. Fehlende Rücksichtnahme kann aber dafür sorgen, dass dein Vertrauen in ihn leidet, und dich emotional sehr belasten. Genau darin sehe ich hier das Problem: Dein Partner scheint gar nicht neugierig zu sein, warum dir eure Situation so wehtut.
Wir alle sehnen uns nach einer Bindung. Dadurch vergewissern wir uns, dass wir Menschen gefunden haben, die uns einfach verstehen – sowohl in romantischen als auch in platonischen Situationen. Schenkt dir dein Partner keine Rücksicht, fühlst du dich womöglich allein, im Stich gelassen oder wütend, und wünschst dir vielleicht, er würde sein Verhalten ändern. Dann muss sich dringend etwas ändern – und ich bin hier, um dir dabei zu helfen, diese Veränderung in die Wege zu leiten.
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Während du dich um mehr Rücksichtnahme in deiner Beziehung bemühst und dich gleichzeitig mit einer ganzen Horde an Ex-Freundinnen rumschlagen musst, solltest du in euren Gesprächen mehr Raum für Verständnis ermöglichen. Dazu empfehle ich dir, erstmal mit dir selbst zu „reden“ und dich zu fragen: Worüber streitet ihr zwei euch wirklich? Geht es um die Ex-Freundinnen an sich, oder um deine verletzten Gefühle darüber, dass dein Partner deine Emotionen und Werte ignoriert? Die fehlende Rücksicht deines Partners hat eindeutig dafür gesorgt, dass du dich fragst, ob es überhaupt okay ist, eine emotionale Meinung zu seinem Verhalten zu haben.
Dann beschäftige dich tiefer mit deinem Hintergrund: Hast du selbst schon Beispiele von Betrug erlebt, vielleicht durch ein Elternteil oder eine:n Freund:in, der:die fremdgegangen ist? Mache dir in Ruhe deine Gedanken und sage zu dir selbst: „Wenn ich beschließe, meinem Partner mit seinen Ex-Freundinnen zu vertrauen, was stört mich dann ansonsten an der Situation?“ Diese anderen Dinge sind wichtig. Du solltest sie anerkennen und sie dir durch den Kopf gehen lassen.
Nach dieser Selbstreflexion stellst du dir die schwierigste Frage von allen: Möchte ich mich verletzlich machen und über das sprechen, was ich gerade erkannt habe? Ist die Beziehung das wert?
Nehmen wir mal an, dass du dich dazu entscheidest, das Gespräch mit deinem Partner zu suchen, um eure Beziehung zu stärken. Dann lautet meine Empfehlung folgendermaßen: Wenn du deinen Partner das nächste Mal auf ein Treffen mit seiner Ex ansprichst, verlagere den Fokus des Gesprächs von seinem Verhalten zu deinen Bedürfnissen, die du dir überlegt hast. Wenn du das Gespräch beginnst, konzentriere dich weniger auf: „Bitte tu dies und jenes nicht mehr“, sondern eher auf: „Mir ist klar geworden, wieso es mir so nah geht, wenn du Zeit mit einer Ex verbringst, und ich würde dir das gern erklären. Bist du offen dafür?“
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Ihm zu sagen, er „darf“ irgendetwas nicht mehr tun oder sich nicht mehr auf eine bestimmte Art verhalten, ist womöglich nicht die beste Strategie. Offensichtlich glaubt er ja, er könne durchaus so weitermachen wie bisher – und mittlerweile ist auch klar, dass er das nicht im naiven Glauben macht, für dich sei das okay. Also wechsle von Schuldzuweisungen zu Verletzlichkeit, indem du ihm erklärst, warum dir das so wehtut. Sage ihm, wie du dir eine ehrliche, vertrauensvolle Beziehung vorstellst. Teile deine tieferen Sorgen mit ihm – oder sogar die Trauer, die es in dir auslöst, dass er auf deine Sorgen nicht reagiert.
Ich vermute, er hat sich auch schon in der Vergangenheit in Beziehungen so verhalten. Vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass diese Beziehungen in die Brüche gingen. Bitte ihn darum, dir zu erklären, was ihm diese Freundschaften mit seinen Ex-Freundinnen bringen. Wenn du das Ganze von einem Standpunkt voller Neugier und Empathie angehst und ihm zeigst, dass du ihn gerne besser verstehen würdest, fühlt er sich womöglich wohl genug, um tiefer in sich hineinzuschauen und dir alles zu erklären. Vergiss dabei aber nicht, dass dieses Verhalten – aus welchem Grund auch immer – für ihn ganz normal war, bevor ihr euch kennengelernt habt. Warum hält er es für nötig, für eine Ex verfügbar zu sein, wenn sie sich meldet? Vielleicht war er mal derjenige, der zurückgelassen wurde; zum Beispiel, weil er in seiner Kindheit von einer Bezugsperson verlassen wurde, eine geliebte Person starb oder er von einer Ex geghostet wurde. Vielleicht nahm er sich daraufhin bewusst oder unbewusst vor, niemals jemandem denselben Schmerz zuzufügen. Obwohl er also womöglich glaubt, er täte das Ganze aus Empathie, kann es auch bedeuten, dass es ihm schwerfällt, gesunde Grenzen zu ziehen. Oder er fühlt sich einzigartig dazu qualifiziert, seinen Ex-Freundinnen zu helfen. Oder er kann einfach nicht Nein sagen, weil er niemanden enttäuschen will. Ganz egal, welcher Grund dahinter steckt: Du brauchst einen besseren Einblick darin, wieso er das tut. Vor allem, weil du sagst, er entscheidet sich effektiv für sie und gegen dich – eine Überzeugung, die du ablegen kannst, wenn du herausfindest, dass sein Verhalten nichts mit dir oder einer Ex zu tun hat, sondern mit einem tiefen emotionalen Bedürfnis.
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Wenn du das Gefühl hast, dass ihr in eurem Gespräch nicht weiterkommt, kann es sich lohnen, ihn zu fragen, ob er überhaupt selbst weiß, was seine Entscheidungen antreibt. Vielleicht könnt ihr euch beide ein bisschen mit dieser Verwirrung auseinandersetzen. Letztlich solltet ihr aber zu dieser Frage zurückkehren: Wie könnt ihr für euch beide eine sichere Beziehung schaffen? Es hört sich so an, als ginge es bei eurem Streit vorrangig darum, dass dein Freund das Gefühl hat, du wolltest ihm vorschreiben, was er zu tun hat. Er hört die Message: „Triff dich nicht mit dieser Person.“ Das kann er so verstehen, als glaubtest du, er sei nicht vertrauenswürdig; dadurch blockt er das Gespräch direkt ab. Abhängig davon, wie er sich durch seine Welt bewegt, kann es für ihn schon triggernd sein, als „vertrauensunwürdig“ abgestempelt zu werden. Also versteckt er sich noch weiter hinter einer emotionalen Mauer, weil er sich nicht verstanden fühlt. Das heißt: Während du darunter leidest, dass du nicht gehört wirst, entfernt er sich immer weiter von dir. Ich wünsche mir von dir, dass du diese Mauer zwischen euch niederreißt.
Wenn diese offene Kommunikation allerdings nicht funktioniert – wenn er sich weiterhin weigert, dein Unwohlsein zu berücksichtigen –, musst du entscheiden, wie du weiter verfahren möchtest. Ihr müsst euch beide auf die eine oder andere Art ändern, denn wenn alles bleibt wie gehabt, bedeutet das entweder endlose Streitigkeiten oder das Runterschlucken von Misstrauen, bis diese verdrängten Gefühle unerträglich schmerzhaft werden.
Esther Perel schreibt: „Von dem Moment unserer Geburt jonglieren wir zwei widersprüchliche Bedürfnisse: das Bedürfnis nach Sicherheit und das nach Freiheit. Sie entspringen verschiedenen Quellen und zerren uns in unterschiedliche Richtungen.“ Diese tiefen Gespräche mit deinem Partner können euch beide dabei helfen, zu entdecken, was ihr wirklich braucht. Gleichzeitig können sie ein Licht darauf werfen, ob ihr unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung habt. Indem ihr eure Bedürfnisse ausdrückt, erschafft ihr eine Sicherheit, die euch zu einer tieferen Intimität führt. Aber achte darauf, ob er gewillt ist, diese Arbeit mit dir anzugehen.
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Konzentriere dich bei eurem Gespräch nicht vorrangig auf das zukünftige Verhalten deines Partners, sondern eher darauf, wie er darauf reagiert, dass du deine Verletzlichkeit mit ihm teilen möchtest. Das ist die Rücksichtnahme in einer Beziehung. Obwohl er vielleicht das Gefühl hat, gleich ausgeschimpft zu werden, sollte er mit dir darüber sprechen wollen, was bei dir los ist. Während du es ihm erklärst, zeigt er dir Verständnis und Wertschätzung? Ist er dazu bereit, dieses Gespräch weiter fortzuführen und im Laufe der Zeit immer wieder darauf einzugehen?
Nachdem ihr euch unterhalten habt, entscheidet ihr euch vielleicht dazu, gewisse Grenzen zu ziehen – zum Beispiel, dass er dir vorher Bescheid sagt, bevor er eine Ex trifft, damit du es nicht erst im Nachhinein erfährst. Oder, falls er unter der Angst davor leidet, Leute im Stich zu lassen, ist er vielleicht bereit, eine Therapie zu besuchen, um vergangene Traumata aufzuarbeiten? Wenn sich eure Beziehung weiter festigt, sollte eine gesunde Freundschaft mit einer Ex nicht so bedrohlich wirken.
Wenn ihr diese Gespräche führt, gewinnt ihr daraus neue Erkenntnisse, die euch dabei helfen, diese schwierigen Gewässer zu bewältigen. Du hast deine Gefühle kommuniziert – und entweder gibt er sich Mühe, dir Sicherheit zu vermitteln… oder ist nicht gewillt, sich mit deinem Unwohlsein auseinanderzusetzen. Wenn sich sein Verhalten nicht ändert – und er weiter seine Ex-Freundinnen trifft, ohne dabei deine Gefühle zu berücksichtigen –, würde ich an deiner Stelle gründlich darüber nachdenken, ob diese Beziehung deine Bedürfnisse erfüllt. Manchmal müssen wir nämlich die Entscheidung treffen, uns selbst mehr zu lieben. Du verdienst eine Partnerschaft, in der die andere Person nicht nur auf deinen Schmerz eingeht, sondern sich auch darum bemüht, ihn verheilen zu lassen.
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DeGeare ist eine Ehe- und Familientherapeutin, die sich auf Intimität, LGBTQIA+-Paare, Beziehungen zwischen Personen verschiedener Kulturen und die Entwicklung einer ethnischen Identität spezialisiert hat. Die Ratschläge in dieser Kolumne sollen dir eine Richtung aufzeigen, die dich zur Heilung führen und dir ein Gefühl von Sicherheit in dieser Welt vermitteln kann. Sie ersetzen keine Beziehung zu einem Therapeutin oder einer Therapeutin, der oder die deine persönliche Geschichte kennt. 

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