Warum ich so oft wie möglich mit Männern über meine Periode spreche

Photographed by Ruby Woodhouse.
Die Periode. So oft wir auch über sie sprechen und versuchen, das Thema zu enttabuisieren, es ist immer noch mit einer Menge Scham und Schuldgefühlen verbunden. Welche Frau kennt es nicht – das Bedürfnis, einen Tampon oder eine Binde zu verstecken oder zu lügen, wenn sie erklären muss, warum es ihr nicht gut geht. Warum schämen wir uns für einen völlig natürlichen biologischen Vorgang, von dem die Hälfte der Weltbevölkerung betroffen ist? Nun, das könnte etwas mit Männern zu tun haben.
Ich bin eine muslimische Araberin. In meiner Kultur sind die Tage einer Frau ein Tabuthema. Das damit verbundene Schamgefühl wurde aber von Männern geschaffen. In meinen Kreisen wird es nicht gutgeheißen, wenn Frauen in Gegenwart von Männern über ihre Periode sprechen. Bei uns dürfen Binden und Tampons nicht in Gemeinschaftstoiletten herumliegen. Außerdem sind muslimische Frauen von religiösen Pflichten wie Beten und Fasten befreit, wann immer sie menstruieren. Wenn ich also meine Periode habe, wird von mir erwartet, dass ich so tue, als hätte ich schon gebetet, oder dass ich lüge und sage, dass ich faste, sollte mich ein Mann fragen. Unter Frauen können wir zwar etwas offener darüber reden, aber ganz frei kann man das nicht tun und es ist trotzdem noch unangenehm.
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Als ich jünger war, fragte ich meine Mutter immer, warum dieses Thema tabu ist. Sie antwortete immer: „Darüber redet man einfach nicht.“ Jetzt, Jahre später, bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich weiß, warum wir in der Anwesenheit von Männern wie auf Eiern gehen, wenn es um unsere Menstruation geht. Diese Einstellung ist uns allen von klein auf vermittelt worden. Schamgefühle in Verbindung mit der Regel sind uns allen – Frauen und Männern – durch eine Kombination aus kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Faktoren anerzogen worden. Deshalb ist es jetzt schwieriger, diese Haltung zu hinterfragen, als sie einfach als unumstößlich zu akzeptieren. Ich verheimliche meine Periode vor meinem Vater oder männlichen Freunden, weil das einfach eine Gewohnheit für mich ist. Und obwohl ich jetzt älter bin und besser informiert bin, ist es mir manchmal immer noch unangenehm, in der Öffentlichkeit einen Tampon herauszuholen.
Das ist aber kein kulturspezifisches Problem. Die Scham- und Schuldgefühle sind auch in der westlichen Gesellschaft gang und gäbe. Meiner Erfahrung nach fühlen sich auch viele weiße westliche Männer unwohl, wenn Frauen über ihre Regelblutung sprechen. Natürlich meine ich damit nicht alle Männer. Ich habe männliche Freunde und Kollegen, die sich mit dem Thema gut auskennen und nicht sofort in Panik geraten, wann immer es aufkommt. Leider stellen sie aber alles andere als die Mehrheit dar. Oft scheinen Männer die Tatsache, dass Frauen menstruieren, ignorieren oder beschönigen zu wollen. Ich meine, es ist ja nicht ihr Problem, oder?

Männer haben zwar das Stigma geschaffen, aber Frauen sind diejenigen, die dagegen ankämpfen, es aus der Welt zu schaffen. Sie versäumen aber einen wichtigen Punkt – Männer in diese Unterhaltungen miteinzubeziehen.

Diese Einstellung ist meiner Meinung nach der Grund für all die Tabus, Stigmata und die Scham im Zusammenhang mit unseren Tagen. Männer haben zwar das Stigma geschaffen, aber Frauen sind diejenigen, die dagegen ankämpfen, es aus der Welt zu schaffen. Sie und all die damit verbundenen Kampagnen und offenen Diskussionen versäumen aber einen wichtigen Punkt – Männer in diese Unterhaltungen miteinzubeziehen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, ihre Stigmata und Schamgefühle zu bekämpfen, anstatt unsere. Wir müssen ihr Unwohlsein und ihre Unbeholfenheit in Frage stellen und uns die zentrale Frage stellen: Warum? Warum ist es ihnen unangenehm, über unsere Periode zu sprechen?
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Das ist genau das, was ich jetzt versuche – mit Männern über meine Periode zu sprechen. Vor ein paar Monaten hatte ich es ein für alle Mal satt, das Thema zu vermeiden, „Bauchschmerzen“ als Ausrede zu benutzen und mich mit einem Tampon im Ärmel ins Bad zu schleichen. Das ist jetzt nicht mehr so. Ich stelle meine Hygieneartikel jetzt offen und stolz im Badezimmer oder auf der Toilette zu Hause und bei der Arbeit zur Schau. Wenn ich einkaufen gehe, verstecke ich meine Binden nicht mehr unterhalb anderer Artikel, damit der männliche Kassierer ja nicht bemerkt, was er gerade eingescannt hat. Wenn ich jetzt gefragt werde, ob es mir gut geht oder warum ich mich nicht gut fühle, sage ich, dass ich Menstruationsbeschwerden habe. Ich lasse mir nicht länger das Gefühl vermitteln, dass mir eine Körperfunktion peinlich zu sein hat.
Die Reaktionen auf mein neues Verhalten waren gemischt. Viele Männer zeigten sich unbeeindruckt. Sie zuckten nicht einmal mit der Wimper und boten mir eine Tasse Tee an. Einer fragte mich sogar, ob er Binden für mich kaufen solle, als ich erwähnte, dass ich fast keine mehr hätte. Ich hatte offene Gespräche mit männlichen Freunden, in denen ich alles rund um das Thema Periode ansprach. Meine männlichen Familienmitglieder reagierten ebenfalls erstaunlich positiv. Dadurch, dass ich freier darüber spreche, wie es mir während meiner Tage geht, ist es mir auch nicht mehr so peinlich oder unangenehm, Zeit mit meinem Vater zu verbringen, wenn ich meine Periode habe. Darüber hinaus haben er und ich sogar damit angefangen, darüber zu reden. Jetzt erkläre ich ihm ehrlich, wie ich mich fühle, und er zeigt im Gegenzug Verständnis für mein Unbehagen. Noch einfacher fiel es mir, das Thema bei meinem Bruder anzuschneiden. Obwohl er erst ein Teenie ist, reagiert er völlig gelassen darauf.
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Was niemanden überraschen wird: Manche Männer reagieren aber auch negativ. Einige fühlten sich sichtlich unwohl und völlig unbeholfen. Manche erklärten mir, dass etwas weniger Information zu diesem Thema auch gereicht hätte oder meinten: „Das ist eklig. Lass uns lieber nicht darüber reden.“ Weniger lautstarke Männer wechselten einfach mitten im Gespräch das Thema. Ein Mann stand sogar tatsächlich auf und verließ den Raum, als ich anfing, über Regelblutungen zu reden.
Deshalb werfe ich aber noch lange nicht die Flinte ins Korn. Ich werde damit weitermachen, mit Männern über Regelblutungen zu sprechen, um das Thema sowohl in meiner eigenen Kultur als auch in der westlichen Gesellschaft zu destigmatisieren. Natürlich sind nicht alle Frauen in der Lage, auf eine sichere Weise mit Männern darüber zu reden oder sie herauszufordern. Mit ist bewusst, dass ich in einer privilegierten Lage bin, offen über Perioden sprechen zu können. Deshalb möchte ich hiermit jede einzelne Frau, der es möglich ist, dazu ermutigen, das Gleiche zu tun – und sei es nur, indem sie die Worte äußert: „Ich habe meine Tage.“
Je offener wir mit Männern über unsere Periode sprechen, desto eher können wir das Thema enttabuisieren und ohne Scham menstruieren.

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