Periodenarmut: Warum Schottland jetzt Gratis-Tampons für Schüler*innen anbietet

Foto: Sophia Giesecke
Schottland ist das erste Land, in dem mit Beginn des neuen Schuljahres kostenlos Hygieneartikel wie Tampons und Binden für Schüler*innen und Studierende zur Verfügung gestellt werden. Das von der Regierung initiierte Programm ist eine Reaktion auf das in letzter Zeit viel diskutierte Phänomen der Periodenarmut („period poverty“).

Was bedeutet Periodenarmut?

Eine im Guardian veröffentlichte Studie des „Young Scot“ hat herausgefunden, dass von 2.000 Befragten in Schottland mindestens jede*r vierte Schüler*in oder Student*in schon einmal Schwierigkeiten hatte, die finanziellen Mittel für Hygieneartikel während der Periode aufzuwenden. Offensichtlich stellt die ausreichende Versorgung mit Periodenprodukten für viele Menschen und Familien eine enorme Belastung dar, da sie kaum oder gar nicht in der Lage sind, das Geld für teure, als Luxusartikel besteuerte Tampons und sonstige Hygieneprodukte aufzubringen.
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Doch Schottland ist kein Einzelfall. In Deutschland sieht es ähnlich aus, denn der Mehrwertsteuersatz für Periodenprodukte liegt auch hier bei rund 19 Prozent. Zum Vergleich: Für Lebensmittel, Bücher und Zeitungen wird der niedrigste Steuersatz von nur 7 Prozent verlangt. Eine Packung Tampons oder Binden in der Drogerie kann dann schnell bis zu 5 Euro kosten. Aufs Jahr gerechnet kommt da ein kleines Sümmchen zusammen. Auch in England wird die Problematik der Periodenarmut seit mehreren Jahren öffentlich diskutiert, da offenbar immer mehr Schüler*innen dem Unterricht fern bleiben, während sie menstruieren.

Dürfen Tampons wie Luxusprodukte besteuert werden?

Schottlands Staatssekretärin für öffentliche Gesundheit und Sport, Aileen Campbell, hat das Thema nun zur Priorität gemacht und erklärt zum neuen Programm gegen Periodenarmut: „In einem Land, das so reich ist wie Schottland, ist es nicht akzeptabel, dass irgendjemand Probleme hat, grundlegende Hygieneartikel zu kaufen.“ Insgesamt lässt sich der Staat den kostenlosen Zugang zu Tampons und Binden für rund 395.000 Schüler*innen und Student*innen deshalb ab sofort rund 5,2 Millionen Pfund kosten. Nicht nur in Schulen und Universitäten, sondern in auch in allen öffentlichen Gebäuden soll es zukünftig Automaten geben, die Hygieneartikel gratis zu Verfügung stellen – für alle Menschen, die menstruieren.
Das politische Vorpreschen Schottlands in diesem Punkt zeigt, dass der unzureichende Zugang zu grundlegenden Hygieneartikeln, zu denen Tampons eben gehören, keinesfalls nur ein Problem armer Länder ist, sondern auch westliche und reiche Industrieländer betrifft. Weltweit haben laut WaterAid rund 1,25 Milliarden Menschen, die menstruieren, nicht einmal Zugang zu einer Toilette. Es bleibt zu hoffen, dass Schottland in seiner Vorreiterrolle nun die Diskussion und den Handlungsbedarf beim Thema Periodenarmut weltweit antreibt, denn Tampons und alle anderen Hygieneprodukte sind kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis.
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