Ich wünschte, jemand hätte mich & meine sensible Haut vor Vitamin C gewarnt

Hautpflegeprodukte zu testen, gehört für mich zur Berufsbeschreibung. Bisher hatte ich damit meistens Glück; meine Haut reagiert nur relativ selten negativ auf neue Produkte (zumindest konnte ich das bis vor Kurzem noch behaupten). Letzten Monat… lief das aber ein bisschen anders.
Ich hatte am Tag davor den letzten Rest meines geliebten morgendlichen Serums aufgebraucht, das Major Fade Hyper Serum von #PillowtalkDerm [das in Deutschland leider noch nicht erhältlich ist]. Stattdessen griff ich also zu einem Vitamin-C-Serum einer beliebten Marke, das mir von zahlreichen Dermatolog:innen und anderen Redakteur:innen empfohlen worden war. Leider schaute ich dabei nicht so gründlich auf die Verpackung, auf der „25% L-ascorbic acid“ stand.
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Wenn du dich mit Hautpflege auskennst, denkst du jetzt vielleicht schon: Sei vorsichtig damit! Wer kein absoluter Skincare-Profi ist, sollte wissen: L-ascorbic acid, also L-Ascorbinsäure, ist die aktive Form des Antioxidans-Stoffes Vitamin C – und in fast jedem Serum anzutreffen, das verspricht, den Teint zum „Strahlen“ zu bringen. Laut Dermatolog:innen gilt L-Ascorbinsäure schon seit Langem als die effektivste Form von Vitamin C. Das Problem dabei: L-Ascorbinsäure ist instabil und kann in hohen Konzentrationen für Reizungen oder sogar Entzündungen sorgen.
Obwohl meine Haut zwar nicht brannte oder kribbelte, als ich dieses spezifische Vitamin-C-Serum auftrug, wachte ich zwei Tage später mit einem zugeschwollenen rechten Auge auf. Stell dir einfach die Szene aus Hitch – Der Date-Doktor vor, in der Will Smith ein Antiallergikum durch einen Strohhalm trinkt. Zu der Schwellung gesellte sich schnell rote, trockene, schuppige Haut rund um meine Augen sowie periorale Dermatitis (Mundrose), die ich mir selbst diagnostizierte, nachdem ich „weißer Ausschlag rund um Mund“ gegoogelt hatte.
Meine Hausärztin verschrieb mir direkt ein Medikament dagegen, und sie und meine Dermatologin wiesen mich dazu an, sofort sämtliche Hautpflege abzusetzen. (Wenn du selbst mal eine allergische Reaktion auf irgendein Produkt entwickelst, solltest du dir ebenfalls direkt medizinische Hilfe suchen!) Ich spülte also das Vitamin-C-Fläschchen aus und entsorgte es im Recycling-Müll. Die Pulle hatte mich 140 Euro gekostet. Ich hatte also gerade wortwörtlich jede Menge Geld in die Tonne gehauen.
Meine Schwellung ließ zum Glück schnell nach. Nach etwa einer Woche, während der ich überhaupt keine Skincare-Produkte in mein Gesicht gelassen hatte (vom gelegentlichen Spritzer Pflegespray), kehrte meine Haut schließlich wieder zum Normalzustand zurück. Trotzdem blieben einige Fragen offen. Warum hatte dieses Vitamin-C-Serum so eine starke Reaktion ausgelöst? Und sollte ich jetzt für immer auf Vitamin-C-Produkte verzichten? Hier kommt nun, was ich während meiner Recherche erfahren habe.
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Meine Haut kurz nach der allergischen Reaktion.
Meine Haut eine Woche danach.
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Achte auf die Vitamin-C-Konzentration

Ich will eins klarstellen: Die entzündliche Reaktion war weder die Schuld dieses speziellen Serums noch die von Vitamin C als Wirkstoff. Der Fehler lag ganz allein in der Anwendung – bei mir also. Mein erster Fehler war es, du kannst es dir vielleicht schon denken, die Verpackung nicht gründlich durchzulesen. Das Serum war brandneu und clever verpackt – in einer luftleeren Flasche statt in einem Glas-Fläschchen mit Pipette, das das Serum Luft und Licht ausgesetzt hätte. Ich bin mir also sehr sicher daran, dass das Serum an sich okay und nicht mittlerweile instabil geworden war. Nein, das Problem war die 25-prozentige Konzentration, die sich für meine empfindliche Haut als zu hoch herausgestellt hatte. Laut der Dermatologin Dr. Shereene Idriss, die auf ihrem YouTube-Channel viel über Vitamin C spricht, sollten empfindliche Hauttypen am besten L-Ascorbinsäure mit geringerer Konzentration (am besten unter 10 Prozent) verwenden. „Alles darüber könnte deine Haut reizen“, erklärt sie.

Bedenke die pH-Skala

Obwohl es ein Antioxidans ist, ist Vitamin C ein saurer Wirkstoff – vor allem in Form von L-Ascorbinsäure. „Das Problem mit L-Ascorbinsäure ist, dass sie höchst instabil ist. Um sie zu stabilisieren, muss ihr pH-Wert stark gesenkt werden. Empfindliche Haut kann darauf aber gereizt reagieren und brennen“, erklärt die Dermatologin Dr. Whitney Bowe. Für den Kontext: Unsere Haut hat einen pH-Wert von rund 5,5. Vitamin-C-Seren auf L-Ascorbinsäure-Basis hingegen haben meist einen pH-Wert von 3,5 oder weniger. Das ist vergleichbar mit einem chemischen Säurepeeling für zu Hause. 
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Rückblickend hätte ich das Vitamin-C-Serum mit diesem grundlegenden pH-Wissen wohl weniger wie ein normales, alltägliches Serum behandelt und es mir nicht einfach so auf die Haut geklatscht.

Übertreib es nicht mit Säuren und Peelings

Das führt mich direkt zu meinem nächsten Problem: Bevor ich zu dem hochkonzentrierten Vitamin-C-Serum griff, hatte ich schon regelmäßig abends Retinol verwendet und meine Haut zweimal pro Woche gepeelt. Das ist prinzipiell in Ordnung – doch hatte die starke L-Ascorbinsäure meine Hautschutzbarriere wohl an ihre Grenzen gebracht. Meine Kollegin Jacqueline Kilikita hat letztens erst über die problematische wachsende Beliebtheit von peelenden Säuren in der Hautpflege geschrieben. In ihrem Artikel betont sie die Gefahren dahinter, diverse peelende Säuren miteinander zu kombinieren, die einen herrlichen „Glow“ versprechen, aber die Hautschutzbarriere beschädigen können – vor allem, wenn deine Haut ohnehin empfindlich ist.
Nochmal: Die L-Ascorbinsäure war hier nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass ich meine Haut vorher schon stark gepeelt hatte. In Zukunft würde ich Vitamin C definitiv vorsichtiger in meine Routine einbauen und ein Serum beispielsweise erstmal an einer kleinen Stelle testen, bevor ich es auf meinem kompletten Gesicht verteile. Außerdem würde ich darüber immer einen feuchtigkeitsspendenden Moisturizer auftragen sowie alle anderen peelenden Säuren aus meiner Routine entfernen.

Versuch’s mit inaktiven Formen von Vitamin C

Ich werde auch in Zukunft nicht komplett auf L-Ascorbinsäure verzichten. Sie funktioniert einfach zu gut – frag doch nur mal die Fans vom CE Ferulic Serum von SkinCeuticals (165,00 € via SkinCeuticals) mit ihrem tollen, strahlenden Teint. Weil meine empfindliche Haut aber eben so negativ darauf reagiert hat, empfiehlt mir Dr. Bowe eine Alternative: „Ich schwöre auf neuere, stabilere Vitamin-C-Derivate wie Tetrahexyldecyl Ascorbate.“ Auch Dr. Idriss hat Tetrahexyldecyl Ascorbate schon als tolle Vitamin-C-Option für sensible Haut benannt. „Der Stoff ist im Gegensatz zur wasserlöslichen L-Ascorbinsäure öllöslich“, erklärt sie. „Er kann mit einem pH-Wert von rund 5 formulier werden und ist daher nicht zu sauer. Viele Hauttypen tolerieren ihn gut.“
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Obwohl Tetrahexyldecyl Ascorbate eine inaktive Form von Vitamin C ist – was heißt, dass er in der Form erst zu L-Ascorbinsäure umgewandelt werden muss, bevor er seine Wirkung entfalten kann –, bietet er dieselben Vorteile wie die aktive Form. „Auch dieser Stoff hat eine hautaufhellende Wirkung, dient als Kollagen-Booster und hat die antioxidativen Eigenschaften von purem Vitamin C“, erklärt Dr. Idriss. Um es kurz zu sagen: Tetrahexyldecyl Ascorbate funktioniert genauso wie L-Ascorbinsäure – nur sanfter.

Es ist auch okay, gar kein Vitamin C zu verwenden

Skincare ist letztendlich immer eine persönliche Entscheidung. Das hier soll überhaupt keine Abrechnung mit Vitamin C sein. Dennoch gibt es einige Dermatolog:innen, die den Stoff nicht sonderlich mögen – zum Beispiel Dr. Anjali Mahto: „Ich persönlich verwende Vitamin C nicht regelmäßig in meiner Hautpflege. Ich könnte auch drauf verzichten.“ Warum? „Ich mag es nicht, meinen Patient:innen zu viele Schichten an Hautpflege aufzudrücken“, erklärt sie. „Je mehr Variablen in einen Behandlungsplan einfließen, desto eher kommt es zu Reizungen, Empfindlichkeit und Hautschuppung.“ Statt Vitamin C empfiehlt Dr. Mahto zum Beispiel Azelainsäure, die auch gegen Pigmentflecken hilft und den Teint ausgleicht.
Ich persönlich bin bei einer etwas zurückhaltenderen Pflegeroutine geblieben. Ich verwende einen sanften, ölbasierten Cleanser, größtenteils zur Make-up-Entfernung, gefolgt von einem Moisturizer und Sonnenschutz. Die gruselige Vitamin-C-Reaktion und die damit verbundene Recherche haben mich lange über die Untersuchungen von Jessica Defino bei The Unpunishable nachdenken lassen. Dort schreibt sie viel darüber, dass unsere Haut ein selbstregulierendes Organ ist, und stellt die Theorie auf, dass unser übermäßiger Gebrauch von Hautpflegeprodukten oft dafür sorgt, dass Hautprobleme überhaupt erst entstehen und somit mehr schadet als nutzt. Ich jedenfalls bin ohne Vitamin C erstmal besser dran – und dafür ist mir meine frisch traumatisierte Haut vermutlich ziemlich dankbar.
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