Wie es sich anfühlt, als Beauty-Redakteurin unter Akne zu leiden

Foto: bereitgestellt von Karina Hoshikawa.
Wenn du meinem jugendlichen Ich erzählt hättest, dass ich in der nicht allzu weit entfernten Zukunft mein Geld damit verdienen würde, über die Beauty-Industrie zu schreiben, hätte ich das garantiert für eine fiese Lüge gehalten. Mit 14 war ich gerade erst dabei, meine Liebe für Kosmetik & Co. zu entdecken – meist in Form von YouTube-Videos irgendwelcher „Beauty-Gurus“ oder überteuerter Zeitschriften –, und investierte jeden Cent aus meinem Nachhilfejob in Eyeliner von Urban Decay. (Meine damalige Lieblingsfarbe war ein glitzerndes Smaragdgrün – ich war meiner Zeit eindeutig weit voraus.) Im selben Alter rastete meine Haut aber leider aus, und ich bekam strahlend rote, entzündete Pickel im ganzen Gesicht. Heute bin ich 28, leide aber immer noch unter chronischen Pickeln, meist am Kiefer und Kinn – typische hormonelle Akne eben. Als Teenagerin hätte ich aber nie gedacht, dass Beauty-Redakteur:innen auch nur einen Pickel im Gesicht hätten. Schließlich steht „Schönheit“ schon in ihrem Jobtitel.
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Ich durchbreche hier mal kurz die vierte Wand und rede direkt mit dir: In meinem momentanen Job bei Refinery29 schreibe ich viele Beauty-Reviews. Das läuft meistens so ab, dass mir eine Kosmetikmarke ein Produkt vor dessen Veröffentlichung zuschickt, damit ich es ausprobieren kann. Das ist ein enormes Privileg, das ich nicht als selbstverständlich ansehe. Trotzdem hat es dazu geführt, dass ich den Zustand meiner eigenen (alles andere als „perfekten“) Haut andauernd genau untersuche, um herauszufinden, wie gut ein Produkt für mich funktioniert. Als Jugendliche arbeitete ich mich systematisch durch jede Akne-Marke aus der Drogerie, um meine schlimmen Pickel irgendwie zu besänftigen. Später hatte ich dann quasi uneingeschränkten Zugang zu beinahe jedem Beauty-Produkt, das sich mit Geld kaufen lässt – von der Möglichkeit mal ganz abgesehen, die absoluten Expert:innen auf dem Gebiet der Hautpflege zu Rate zu ziehen –, und hatte trotzdem noch ein Kinn voller Pickel. Es dauerte nicht lange, bevor bei mir die ersten Zweifel aufkamen: Gehöre ich überhaupt hierher? Wenn ich nicht mal selbst herausfinden kann, was mit meiner Akne los ist, wie sollen mir dann meine Leser:innen vertrauen können, wenn ich über Hautpflege schreibe?

Später hatte ich dann quasi uneingeschränkten Zugang zu beinahe jedem Beauty-Produkt, das sich mit Geld kaufen lässt, und hatte trotzdem noch ein Kinn voller Pickel.

Karina Hoshikawa
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Lass uns mal eine kurze Zeitreise unternehmen – zu der allerersten edlen Gesichtsbehandlung, in deren Genuss ich als Beauty-Redakteurin kam. Soll heißen: Die Marke oder der Salon lud mich gratis ein, um die verwendeten Produkte bzw. den Service auszutesten und im Idealfall positiv darüber zu berichten. Schon damals war ich Dermatologie-Stammkundin; seit meiner Jugend hatte ich schon verschreibungspflichtige Mittel wie Differin und später Isotretinoin verwendet. Trotzdem hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie eine „echte“ Gesichtsbehandlung im Kosmetikstudio gehabt. Ich weiß noch, dass ich den Salon mit Tränen in den Augen verließ, weil ich beim Reinkommen „nur“ eine Vielzahl an Pickeln im Gesicht gehabt hatte, beim Rausgehen aber total rot und geschwollen aussah. Die Behandlung, die ich mir vorher als beruhigende Wellness-Erfahrung vorgestellt hatte, sorgte dafür, dass ich mein Spiegelbild daraufhin erst einmal hasste. Diese strahlenden Selfies nach der Kosmetik, die meine Freund:innen online posteten, entsprachen überhaupt nicht meiner eigenen Erfahrung.
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Inzwischen laufe ich aber seit über einem Jahrzehnt mit Akne rum, und meine Beziehung zu meiner Haut hat sich enorm verändert. Ich habe das Glück, in meinem Job unheimlich viele Produkte ausprobieren zu können; dadurch konnte ich herausfinden, was genau für meine Haut funktioniert (und was nicht). Oft frage ich mich, ob ich auch ohne meinen Traumjob irgendwann herausgefunden hätte, dass meine fettige Haut total auf Niacinamid schwört und mir ein milder Peeling-Reiniger (im Gegensatz zu einem aggressiven Peeling) die meisten Pickel vom Hals halten würde? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
Foto: bereitgestellt von Karina Hoshikawa.
Ein Selfie von 2020 — von dem ich nicht dachte, dass es irgendwer mal sehen würde, geschweige denn das ganze Internet.
Wenn ich so auf meine bisherige Karriere zurückblicke – ich arbeite seit 2015 als Redakteurin –, wird mir bewusst, wie sehr eine frühe Liebe für und eine persönliche Beziehung zur Hautpflege meine Job-Laufbahn bis heute beeinflusst. Obwohl ich das meiste von dem, was ich heute verwende, geschenkt bekomme, weiß ich noch genau, wie es sich anfühlt, viel Geld für Produkte auszugeben, die am Ende vielleicht gar nicht viel bewirken. Das ist beschissen, frustrierend, und extrem teuer. Klar: Jede Haut ist anders. Worauf ich hiermit aber hinauswill: Wenn ich von einem Produkt schwärme, ist das absolut berechtigt. Und ich hoffe, dass du das genauso siehst, wenn du aufgrund meiner Empfehlung etwas kaufst.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, während der ich alles gegeben hätte, um „perfekte Haut“ zu bekommen. Heute habe ich aber bereits den Großteil meines Lebens mit Akne verbracht und muss sagen: Diese Akne hat mir viel Wissen und Mitgefühl geschenkt. Beides hilft mir jeden Tag in meinem Job. Und das finde ich wirklich wunderschön.
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