Deine Beauty-Routine ist zu kompliziert – du brauchst nur ein Produkt

Foto: Myesha Evon Gardner
Hand aufs Herz: Wie viele Skincare-Produkte besitzt du? Platzt dein Badezimmerschrank aus allen Nähten? Im Schlafzimmer stehen noch ein paar rum, in einer Schublade lauern einige halbleere Fläschchen und in jeder Handtasche liegt irgendeine Creme? Während viele von uns sicher stolz auf unsere kunterbunten #Shelfies sind, scheint sich der Trend gerade in eine andere Richtung zu entwickeln; immer mehr Leute beschränken sich bei der Hautpflege tatsächlich nur noch auf eine Handvoll Töpfe, Tiegel und Tuben. 
Vergiss komplizierte 7-Step-Routinen und endlose Inhaltsstoffangaben: Minimalistische Beauty wird immer beliebter, je bewusster wir uns der umweltschädlichen Wirkung von zu viel „Zeug“ werden. „Konsument:innen wissen heute besser denn je, wie katastrophal sich ihre persönliche Körperpflege auf die Umwelt auswirken kann“, meint auch Livvy Houghton vom Future Laboratory, einem Beratungsunternehmen für strategische Frühaufklärung. „Der Fokus verlagert sich immer mehr von Routinen mit vielen Produkten bzw. vielen Inhaltsstoffen hin zu einem simpleren Ansatz.“
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Verwendest du zu viele Hautpflege-Produkte?

Wir wissen alle, dass die Beauty-Industrie ein Verpackungsproblem hat. Die Kosmetikbranche produziert jedes Jahr 120 Milliarden Verpackungen. Klar ist daher: weniger Produkte = weniger Müll. Noch dazu ist eine straffere Skincare-Routine ja auch viel effizienter. Das merken langsam auch die Beauty-Brands – und entwickeln immer mehr „Alles in einem“-Produkte, nach dem Motto: „Weniger ist mehr“. 
„Ein Produkt zu verwenden, das mehrere Pflegezwecke erfüllt, erhöht die Chancen, dass du es bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums komplett verbrauchst“, erklärt Yolanda Cooper, Gründerin der plastikfreien Beauty-Brand We Are Paradoxx. Die Pandemie treibt diesen Trend unter Hashtags wie #skinimalism oder #skipcare immer weiter voran. „Dadurch, dass wir mehr Zeit zu Hause verbringen, setzen sich Konsument:innen mehr denn je mit ihrer Haut auseinander und wollen verstehen, was sie braucht und mag“, erklärt Houghton. Viele von uns haben außerdem damit angefangen, unsere Wohnungen auszumisten, um uns ein besseres Gefühl der Kontrolle mitten im globalen Chaos zu verschaffen. Kein Wunder also, dass sich dieser Trend jetzt auch auf unsere Körperpflege überträgt.
Imelda Burke, Gründerin des britischen Naturkosmetik-Online-Shops Content Beauty & Wellbeing, meint, auf ihrer Seite sei die Kategorie der Multitasking-Produkte in den letzten zwei, drei Jahren immer weiter gewachsen. Sie ist überzeugt, dass das genauso weitergehen wird – und aus Skincare-Sicht ergibt das auch Sinn. „Die Haut ist ein sehr simples Organ, das vor allem eins will: Balance“, erklärt die Ästhetikerin Dija Ayodele. „Wenn du zu viele Produkte und Wirkstoffe verwendest, verwirrt das deine Haut und sorgt für Entzündungen und Verschlimmerungen deiner Hautprobleme.“
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Ist eine schlichte Skincare-Routine also besser?

Die Ästhetikerin Dr. Barbara Kubicka bekommt in ihrer Praxis andauernd die Konsequenzen zu vieler Produkte zu sehen. „Es kommen Leute zu mir, die über fettige, trockene, gereizte Haut oder verstopfte Poren klagen, alles durch zu viele aktive Inhaltsstoffe“, sagt sie. Das sind Wirkstoffe, die gezielt gegen ein bestimmtes Hautproblem angehen sollen – zum Beispiel Akne, Hyperpigmentierung oder Narben. Dazu gehören vor allem peelende Säuren (AHAs wie Glykolsäure und BHAs wie Salicylsäure), Retinol und Vitamin C.
Das ist dann nicht nur ein typischer Fall von „Zu viel des Guten“, sondern kann auch noch zu ernsthaften Hautproblemen führen, wenn diese Produkte miteinander kombiniert werden. Das fällt Ayodele vor allem auf, seit Kosmetikmarken immer häufiger Produkte auf den Markt bringen, die hauptsächlich einen einzigen Wirkstoff enthalten – meist sind das Seren und Toner. „Die wenigsten von uns sind Kosmetikwissenschaftler:innen. Woher weißt du also, ob du die richtige, wirksame Menge eines Inhaltsstoffes verwendest und ihn korrekt mit anderen kombinierst?“, fragt Ayodele. Ein Multitasking-Produkt hingegen vereint hautpflegende Stoffe so, dass sie ideal zusammenarbeiten. Das nimmt dir als Anwender:in die Aufgabe ab, herauszufinden, welche Stoffe sich nicht vertragen, sowie wann und wie du sie für die besten Ergebnisse auftragen solltest.

Welche Multitasking-Produkte sind die besten? 

Da wäre zum Beispiel The Pill von The Nue Co. (ca. 75 €), ein Supplement für die Haut, das verspricht, ihr jeden Tag all die Nährstoffe zu liefern, die sie braucht. Jules Miller, CEO von The Nue Co., erzählt: „Wir haben herausgefunden, dass die meisten Leute drei, vier, sogar fünf Produkte mit hochaktiven Wirkstoffen benutzen, um gegen verschiedene Hautprobleme vorzugehen. Diese Schichtung schadet aber mehr, als dass sie gut tut.“ Das Serum enthält genau die richtige Menge peelende (zum Beispiel Milchsäure), feuchtigkeitsspendende (nämlich Hyaluronsäure) und straffende Wirkstoffe, die einen sichtbaren Unterschied machen, die Haut aber nicht reizen. 
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Andere Luxus-Brands machen es ähnlich. U Beauty zum Beispiel, die Marke der Influencerin Tina Craig, ist für multifunktionale Produkte bekannt, die nicht nur Ergebnisse liefern, sondern auch Zeit und Verpackung sparen. Das Resurfacing Compound (ca. 99 €) versorgt die Haut dank seiner Formulierung aus Skincare-Alleskönnern mit allem, was sie brauchen könnte: Vitamin C hellt auf und schützt vor Umwelteinflüssen, Hyaluronsäure spendet Feuchtigkeit, AHAs peelen, Peptide reparieren die Haut und Retinol wirkt gegen feine Falten und verstopfte Poren. Das Serum ist vor allem auf TikTok unter Skincare-Fans und -Expert:innen ein echter Favorit. 
Auch Augustinus Bader, eine echte Beauty-Kultmarke, setzt auf All-in-one. Die Brand gibt es mittlerweile seit 30 Jahren und fundiert auf Baders Stammzellenforschung. „Bei uns gibt es keinen Haupt-Wirkstoff“, erklärt Bader, „sondern unsere TFC6-Formel, die essenzielle Vitamine und feuchtigkeitsspendende Moleküle enthält. Dadurch erneuert sich die Haut.“ The Cream und The Rich Cream (jeweils ca. 238 €) sind besonders beliebte Produkte, aber natürlich nichts für jeden Geldbeutel.
Darüber, ob dir diese High-End-Cremes und -Seren trotz ihrer hohen Preise letztlich Geld sparen, weil du dir insgesamt weniger Produkte kaufen musst, lässt sich streiten. Es gibt aber auch günstigere Alternativen. We Are Paradoxx zum Beispiel hat gerade das sogenannte Super Fuel (36,95 €, derzeit leider ausverkauft) gelauncht, das das Multitasking-Konzept auf den ganzen Körper ausweitet. „Die sanfte Mischung aus Argan-, Abyssinian- und Maracuja-Öl eignet sich für Haare, Gesicht und Körper“, erklärt Cooper. Und das stimmt: Öle sind echte Multitalente. Denk nur mal an den Klassiker Nuxe Huile Prodigieuse (derzeit 17,95 €). „Die Struktur eines Öls imitiert die von feuchtigkeitsspendenden Fetten, die von Natur aus in der Haut vorkommen. Daher kann es viel tiefer in die Haut eindringen als jede Lotion oder Creme“, erklärt Montague Ashley-Craig, Gründerin der nachhaltigen Skincare-Marke MONTA MONTA. „Genauso ist es beim Haar.“ Auch MONTA MONTA bringt demnächst ein All-in-one-Öl für Gesicht, Körper und Haare auf den Markt.
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Unsere persönlichen Empfehlungen sind übrigens der Olay Total Effects Whip Light as Air SPF 30 Moisturiser (39,95 €), der sich besonders für tagsüber eignet, und die Allies of Skin Multi Nutrient & Dioic Renewing Cream (ca. 110 €), die für Tag und Nacht gedacht ist.
Auch Multitasking-Cleanser werden gerade immer beliebter. „Cleanser sind voller hautpflegender Stoffe, die dann allerdings einfach weggespült werden. Wir sehen jetzt aber immer mehr Cleanser, die auch gleichzeitig andere Funktionen erfüllen“, meint Burke. Da wäre zum Beispiel die The Seated Queen Cold Cream (ca. 45 €), die gleichzeitig Make-up entfernt, die Haut reinigt und entweder als Moisturizer oder als Nachtmaske auch noch Feuchtigkeit spendet. Genauso vielseitig talentiert ist das Holifrog Sunapee Sacred-C Brightening Powder Wash (45,23 €), ein konzentriertes Puder, das als Cleanser, Peeling oder Maske verwendet werden kann.
Natürlich kommt jeder Skincare-Minimalismus aber auch irgendwo an seine Grenzen; schließlich gibt es Hautprobleme, die zusätzliche Produkte erfordern, und auch UV-Schutz ist schwer in Multitasking-Form zu integrieren. Deine Sonnencreme wird morgens also vorerst ein separater Hautpflege-Schritt bleiben müssen. Und obwohl die Ein-Produkt-Routine wohl erstmal noch ein optimistischer Traum bleibt, kommen wir ihr dank kosmetischer Fortschritte immer näher – ein echtes Win-Win für uns, unsere Zeit, unser Geld, und unseren Planeten
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