27 Frauen erzählen, was sie gern vorher übers Muttersein gewusst hätten

Wir haben Mütter gefragt, welcher Aspekt des Elterndaseins – ob groß oder klein – sie am meisten überraschte.

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„Es ist das größte Geschenk“, „Es ist der härteste Job der Welt“, „Es ist soooo anstrengend“ – wenn du Eltern danach fragst, wie sich die Kindererziehung so anfühlt, bekommst du meist dieselben Sprüche zu hören. Aber was ist mit den unerwarteten, vielleicht erschreckenden, brutal ehrlichen Details? Wir haben Mütter gefragt, welcher Aspekt des Elterndaseins – ob groß oder klein – sie am meisten überraschte. Und das waren ihre Antworten…
„Es ist der Wahnsinn, wenn du an einem Wochentag um 3 Uhr nachts Kacke wegmachen musst und deinem Kind versicherst, dass alles in Ordnung ist. Nur so tiefe Liebe macht sowas möglich.“ – Jaeda, 40
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„Dass es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick sein muss. Ich hatte vorher so viele Erwartungen daran, wie es wohl sein würde, sie zum ersten Mal zu sehen. Und versteh mich nicht falsch: Es war eine irre Erfahrung und total emotional – aber gleichzeitig fragte ich mich: Wer ist dieser Mensch? Und wieso hört sie nicht auf zu weinen? Und wird sie immer so rot, angeschwollen und komisch aussehen? Niemand hatte mir vorher erzählt, dass ich keine sofortige Verbindung zu meinem Baby haben und es ein paar Wochen dauern würde, bis sie mich anlächelte, mich erkannte und ich mich in sie verliebte. Ich hatte auch nicht gewusst, wie stark sich das Stillen auf mich auswirken würde. Ich hatte gehört, dass es anstrengend sein würde, hatte aber keine Ahnung, wie sehr es mich deprimieren würde, wenn es nicht klappte, und dass ich meine Brüste nach jedem Stillen mit Eis würde kühlen müssen, weil sie so wund waren. Das war ein ganz neues Schmerzlevel!“ – Abbey, 26
„Wie viel mehr ich mich darüber ärgern würde, dass meine eigene Mutter meine lesbische Beziehung nicht toleriert. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man sich nicht mehr darum bemühen kann, Mitgefühl und Verständnis für die eigenen Kinder und deren Liebesleben zu entwickeln.“ – Felicidad, 35
„Ich schätze, am meisten überraschte es mich, ein Baby zu bekommen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber wir konzentrieren uns immer alle so auf die Schwangerschaft: wie das Baby im Bauch heranwächst, wie die Geburt wohl laufen wird. Wir sprechen viel weniger darüber, wie es ist, ein Baby mit nach Hause zu bringen und plötzlich für diesen winzigen Menschen verantwortlich zu sein. Ich dachte, ich würde das problemlos hinkriegen, weil ich sieben Jahre alt war, als meine Schwester geboren wurde und ich mich immer um sie kümmerte – was sich jetzt echt lustig anhört. Ich weiß noch, wie ich nach der Geburt meines Babys nach Hause kam und dachte: ‚Oh mein Gott – was ist denn in den ersten 24 Stunden normal?‘ Ich kann heute sagen, dass ich mir wünsche, ich hätte keine Zeit auf einen Geburtsplan verschwendet und mich stattdessen besser darauf vorbereitet, ein Baby zu haben. Unsere Gesellschaft ist so individualistisch, dass wir viele gemeinsame Pflegetraditionen verloren haben. Ich habe den Eindruck, dass man früher viel mehr mitbekam, wie sich Mütter und Eltern um ihre Babys kümmerten; heute sieht man das nicht mehr. Frischgebackene Mütter fühlen sich vermutlich besser unterstützt, wo es diese Community noch gibt.“ – Abby, 36
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Ich fand es nicht toll, ein kleines Baby zu haben. Die Neugeborenenphase war einfach nicht mein Ding. Bei meinem ersten Kind war sie sehr stressig. Jetzt, wo ich mein zweites bekommen habe, versuche ich zu entspannen, es zu genießen und mir jede Menge Serien anzuschauen, anstatt mir darüber den Kopf zu zerbrechen, im Park das perfekte Foto zu bekommen. Ich verbringe außerdem weniger Zeit auf Instagram – was schwierig ist, weil es so eine offensichtliche, bequeme Beschäftigung ist, wenn du mitten in der Nacht im Dunkeln dein Baby stillst. Es ist aber einfach eine schlechte Idee. Da siehst du jede Menge perfekte Fotos und fühlst dich beschissen.“ – Abby, 36
„Dass du kein schlechter Mensch bist, bloß weil du an manchen Tagen vielleicht lieber keine Mama wärst.“ – Bernisha, 36
„Ich glaubte, einen woken Millennial-Mann geheiratet zu haben. Dann kam das Baby – und mit ihm jede Menge Erwartungen daran, wofür ich verantwortlich sein würde. Ich weiß noch, wie er zu mir sagte: ‚Aber du bist voller Hormone, die dich gut darin machen.‘ Ich antwortete, dass es nicht die Hormone waren, sondern dass ich mich neun Monate lang belesen und vorbereitet hatte. Eines Nachts lag er im Bett und las dieses 800-Seiten-Buch, das Obama empfohlen hatte. Ich war so genervt! Die einzigen Bücher, die ich las, erzählten mir, wie ich unser Kind am Leben halten konnte. Er hatte anfangs einfach überhaupt keine Ahnung. Es wurde deutlich besser, als ich wieder anfing zu arbeiten – ich glaube, das ist wichtig, um für Balance zu sorgen. Trotzdem scheint er immer noch zu glauben, ich sei die Managerin für alles. Er sagt dann sowas wie: ‚Wenn du willst, dass ich mit ihr aufstehe, weck mich einfach auf. Oder wenn du willst, dass ich was mache, schreib mir einfach eine Liste.’ Ich will keine Liste schreiben! Für mich schreibt ja auch niemand eine.“ – Rachel, 38
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„Niemand hat je erwähnt, dass manche von uns nicht mit Babys nach Hause kommen – wenn wir überhaupt überleben. In gewisser Hinsicht ist es immer noch tabu, darüber zu sprechen. Meine Tochter war eine Stillgeburt, und ich starb dabei vor einem Jahr beinahe selbst. Vor der Schwangerschaft hatte ich keine Ahnung davon, dass die Sterblichkeitsraten für Mütter und Babys bei Schwarzen Frauen so hoch sind. Nachdem ich mehrere Tage lang auf lebenserhaltende Maßnahmen angewiesen war und eine potenziell tödliche E.coli-Infektion überlebt hatte, informierte ich mich über all das im Nachhinein. Nachdem ich meine Story öffentlich erzählte, teilten immer mehr Frauen ihre Erfahrungen mit Fehl- oder Stillgeburten. Darüber müssen wir viel öfter sprechen.“ – Arion, 30
„Wie stark ich immer noch mein eigener Mensch sein wollen würde, nicht bloß eine Mutter. Ich liebe meine Tochter total, will aber auch genug Zeit für mich selbst. Kinder entwickeln irgendwann ihre eigenen Leben – zurecht. Und du verdienst auch eins.“ – Gabby, 47
„Ich habe weniger zu erzählen, wenn ich mich mit kinderlosen Freund:innen treffe. Ich kann mir vorstellen, wie blöd sich das anhört, aber die Wahrheit ist: Meine Gedanken und die Medien, die ich konsumiere, drehen sich hauptsächlich ums Mutterdasein. Ich weiß nicht, wie viele Blowjob-Storys ich noch hören kann. Ich schätze, am jetzigen Punkt in meinem Leben kann ich mich damit einfach nicht identifizieren.“ – Kate, 36
„Niemand warnt dich, wie schwer es wirklich ist. Es ist, als wollte dir niemand damit Angst einjagen, wie gestresst, müde und besorgt du von jetzt an sein wirst. Ich schätze, das kann man auch gar nicht so gut in Worte fassen. Vielleicht ist es auch leichter, so zu tun, als sei alles gut, damit wir nicht alle depressiv werden… obwohl ich glaube, dass viele Mütter es sind.“ – Naomi, 40
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„Dass das Elterndasein emotional nur noch anstrengender als leichter wird.“ – Trixie, 44
„Dass du bei der Geburt womöglich kackst. WTF?!“ – Camille, 37
„Ich dachte immer, dass die Stereotypen rund um kleine Jungs und Mädchen mit Konditionierung und veralteten Gender-Vorstellungen zusammenhingen. Meine Frau und ich sind sehr fortschrittlich und wollten auf Gender-Neutralität achten. Dann kam mein Sohn – und er ist ehrlich gesagt sehr jungenhaft. Wir haben ihm ein paar Puppen gekauft, aber er interessiert sich einfach nicht dafür. Er will Sachen kaputtmachen und mit Autos spielen. Er ist von Bussen besessen. Und das hat er definitiv von keiner seiner Mütter.“ – Katie, 36
„Wie lange die Erholung nach der Geburt dauern würde und was du dafür alles brauchst – wie zum Beispiel mit Hamameliswasser getränkte Binden und aufblasbare Donuts. Es dauert so viel länger, als ich dachte.“ – Kim, 33
„Dass ich mich manchmal so einsam fühlen würde – dass ich mich gleichzeitig aber der Menschheit mehr denn je verbunden fühlen würde. Mir fiel es schwer, mit meinem ersten Kind so richtig in den Flow zu kommen, weswegen ich wochenlang kaum mit jemandem sprach, außer mit diesem kleinen Baby, das nicht antwortete. Irgendwann wurde mir aber diese riesige Verantwortung dafür bewusst, mich um einen brandneuen Menschen zu kümmern, der eines Tages selbst in die Welt hinausgehen würde – dafür, was das für ein Mensch werden würde. Ich dachte darüber nach, zu welcher Welt ich da beitrug, und welche Welt ich für meine Kinder erschaffen wollte. Dadurch wünschte ich mir mehr denn je eine Community. Meine Kinder haben mich ganz stark ans Hier und Jetzt gebunden, an meine Nachbarschaft, und an die Generationen vor und nach mir. Das hatte ich so nicht erwartet.“ – Chelsea, 29
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„Das Mama-Hirn. Ich habe seit meinem Kind kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Das ist echt schlimm.“ – Brenda, 35
„Wie einsam und traurig das sein kann. Irgendwann machst du dir Sorgen, dass dein Leben vorbei sein könnte. Mit der Zeit lassen diese Gefühle nach, anfangs waren sie aber überwältigend. Das Muttersein und die Zeit nach der Geburt werden immer als so schön und toll dargestellt. Als es mir aber anders ging, dachte ich, es stimmte etwas nicht mit mir und ich hätte das Baby nicht verdient. Ich weiß noch, wie mir kalter Schweiß den Rücken runterlief, wenn ich daran dachte, wie mein Leben jetzt aussehen würde – wie sollte ich je wieder irgendwo Essen gehen, einen Film schauen, woanders übernachten? Es ist aber definitiv besser geworden, und ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Du schaffst das nicht alleine!“ – Cassandra, 28
„Die Leute versprechen dir immer, dass sie nach dem Baby für dich da sind – aber das Handy oder die Tür klingeln nie, wenn du die Hilfe gerade brauchst.“ – Tanayisha, 26
„Dass du nach der Geburt blutest – VIEL, und ÜBER WOCHEN hinweg. Das hat mir vorher niemand erzählt. Für jemanden, die an eine leichte Drei- bis Vier-Tage-Periode gewöhnt ist, war das ein echter Schock.“ – Aline
„Niemand hat mich davor gewarnt, wie schwierig es sein würde, nach der Entbindung zum ersten Mal zu kacken! Ich weinte dabei wie ein Baby und war mir sicher, dass ich untenrum einreißen würde – obwohl mir das nicht mal bei der Geburt passiert war. Nachdem ich eine Stunde gebraucht hatte, um was rauszudrücken, spürte ich untenrum kaum noch was. Alles war angeschwollen. Das war eine traumatische Erfahrung.“ – Jayed, 30
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„Bevor ich ein Kind bekam, verdankte ich mein Selbstwertgefühl zum Großteil meiner Karriere. Ich arbeite im Film und Fernsehen und war daran gewöhnt, von Kolleg:innen viel Lob und Respekt zu bekommen. Wenn du ein Baby bekommst, arbeitest du aber genauso hart – wenn nicht sogar härter! –, und trotzdem lobt dich niemand dafür. Ich arbeite noch daran, mich in meiner Rolle als Mutter erfolgreich zu fühlen. Ich weiß noch, dass meine eigene Mutter früher mal sagte: ‚Ich kündige.‘ Das verstehe ich total.“ – Melissa, 44
„Dass ich kein Problem damit habe, von meinen Kindern entfernt zu sein. Bevor ich Mutter wurde, sagte man mir immer: ‚Oh, du wirst sie nie verlassen wollen!‘ Mal ehrlich: Ich bin total vernarrt in meine Kinder, habe aber auch kein Problem damit, mich mal für ein paar Tage von ihnen zu verabschieden. Ich habe Freund:innen mit Kindern, die nie eine Nacht von ihnen getrennt waren. Das ist einfach nicht mein Ding. Es ist, als wäre da dieser Druck – dass ich so tun sollte, als würde ich meine Kinder vermissen.“ – Indira, 39
„Mir hat niemand erzählt, wie verdammt unmöglich es ist, schwanger zu werden. Das ganze Geld, das ich für Kondome ausgegeben habe, war eine Verschwendung! Es ist nicht bloß schwierig, schwanger zu werden, sondern auch noch unheimlich schwierig, Informationen zur Fruchtbarkeit mit über 40 zu bekommen. Meine Erfahrung war brutal. Ich wurde immer wieder schwanger, hatte dann aber frühe Fehlgeburten. Bei einer Untersuchung wurde nur ein Blick auf mein Alter geworfen (damals war ich 38), und dann kam direkt: ‚Es liegt an Ihrem Alter.‘ Ich verstehe ja, dass es schwierig sein kann, in den späten 30ern schwanger zu werden. Je mehr ich aber erfuhr, desto sicherer war ich mir, dass hier noch was anderes mitspielte, das mit meinem Alter nichts zu tun hatte. Meine Ärzt:innen ignorierten das aber – obwohl ich sieben Fehlgeburten hatte! Übers Internet lernte ich viele Frauen in der Unfruchtbarkeits-Community kennen, von denen niemand dasselbe durchgemacht hatte. Eine Frau schlug schließlich eine Bauchspiegelung vor. Die ergab: Ich hatte Endometriose, und sobald ich mich deswegen hatte operieren lassen, wurde ich schwanger und brachte meinen Sohn zur Welt. Die Lektion, die ich daraus gelernt habe, ist die: Das Alter spielt eine wichtige Rolle – aber nicht die einzige. Wie viele emotionale Schmerzen ich mir hätte ersparen können…!“ – Lindsey, 40
„In Muttergruppen soll es eigentlich darum gehen, einander zu unterstützen. Meiner Erfahrung nach gibt es dabei aber auch jede Menge Angeberei. So nach dem Motto: ‚Ich bin eine tolle Mama, und ich mache das mit dem Stillen so.‘ Es ist komisch: Du verbringst plötzlich so viel Zeit mit diesen Frauen, die du kaum kennst. Das kann hilfreich sein, um Ratschläge zu bekommen, aber die Gespräche sind meist ziemlich oberflächlich.“ – Ash, 35
„Ich hatte keine Ahnung, wie finster die ersten paar Monate sein würden. Ich war so traurig und unruhig. Da ist plötzlich dieses Baby, und du bist verpflichtet, es zu lieben – aber das fühlte ich einfach nicht. Ich machte mir so viel Stress darüber, wann sich meine Gefühle wohl endlich ändern würden. Ich wünschte, ich hätte gewusst, dass ich eigentlich eine ziemlich normale postpartale Depression durchmachte. Ich fing an, meine Gefühle in meinem Blog aufzuschreiben; so viele Frauen meldeten sich daraufhin bei mir, um mir zu versichern, dass sie Ähnliches erlebt hatten. Warum hören wir das nicht häufiger? Viele sagten mir auch: ‚Oh, aber dieses erste Lächeln! Und das erste Kichern!’ Ich war übermüdet und depressiv – ganz ehrlich, dieses Lächeln würde da nicht reichen. Nach etwa sechs Monaten wurde alles erträglicher, und nach acht Monaten war es wirklich wunderschön. Wann immer meine Freund:innen ein Kind erwarten, versichere ich ihnen jetzt, dass es vielleicht nicht von Anfang an eine grandiose Erfahrung ist – und dass das okay ist.“ – Katy, 34

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