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Meine Freundin hat einen Sugar Daddy & ich glaube, er ist ein Betrüger

Willkommen bei Taking Stock. In dieser Kolumne beantwortet die Finanzberaterin Paco de Leon alle schwierigen, emotional aufgeladenen Fragen rund ums Geld. Die letzten beiden Jahre haben viele von uns dazu gezwungen, unsere finanziellen Prioritäten auf den Kopf zu stellen, und Taking Stock soll dir dabei helfen, den Durchblick zu behalten.
Diesen Monat geht es darum, zu einer geliebten Person durchzudringen, die nicht erkennt, dass sie finanziell betrogen wird (oder kurz davor steht). 
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Liebe Paco,
ich glaube, eine meiner Freundinnen ist kurz davor, betrogen zu werden. Sie ist seit Kurzem auf der Suche nach einem Sugar Daddy, und anfangs habe ich sie dabei auch unterstützt. Sie glaubt jetzt, jemanden gefunden zu haben. Sie haben sich noch nicht getroffen, und trotzdem hat er schon nach ihren Bankdaten gefragt, um ihr „Geld zu schicken“. Ich meinte zu ihr, das hörte sich zu gut an, um wahr zu sein, und dass das vermutlich ein Scam war. Meine Freundin findet aber, ich sehe das zu negativ und fände es ja nur nicht gut, dass sie so schnell einen Sugar Daddy gefunden hat. Tue ich gar nicht! Ich finde einfach, dass wir im Umgang mit Leuten online vorsichtiger sein sollten – vor allem, wenn finanzielle Transaktionen dabei eine Rolle spielen. Wie kann ich sie davon überzeugen – und zwar schnell! –, dass sie ihre Daten nicht an diese Person weitergeben sollte, und ihr dabei helfen, die Anzeichen eines Betrugs zu erkennen? Oder soll ich es sie auf die „harte Tour“ lernen lassen?
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Liebe vorsichtige Freundin,
du hast Recht: Wir sollten alle vorsichtig sein, wenn es darum geht, unsere finanziellen Daten mit Fremden im Internet zu teilen. Solche finanziellen Betrugsmaschen findest du inzwischen überall – vor allem heute, da unsere Leben zunehmend online stattfinden. Von Phishing-Taktiken bis hin zu Catfishing-Versuchen gibt es jede Menge kreative neue Formen des Betrugs, mit denen uns Täter:innen Geld aus der Tasche zu ziehen versuchen. 
An deiner Stelle würde ich ein ehrliches, offenes Gespräch mit deiner Freundin suchen. Ich würde ihr mitteilen, dass sie mir sehr am Herzen liegt, dass ich mir für sie wünsche, dass all ihre Beziehungsträume wahr werden, und dass ich sie immer unterstütze. Ich würde ihr aber auch erklären, dass sich in Beziehungen mit ungleichem Machtverhältnis und finanziellem Austausch ideale Bedingungen für Betrug ergeben können – genauso, wie überfüllte Sehenswürdigkeiten der perfekte Nährboden für Taschendiebstahl sind. Ich würde sie dazu ermutigen, immer die Augen offen zu haben, um eventuelle Warnsignale rechtzeitig zu erkennen. Dazu kann sie einigen grundlegenden Regeln folgen, die sie finanziell schützen.
Regel #1: Teile nie deine Bankdaten oder andere persönliche Informationen. Jedes Mal, wenn du online mit jemandem deine Bankdaten teilst, machst du dich damit anfällig für potenzielle Bedrohungen. Deine Freundin sollte ihre Bankdaten oder andere sensible persönliche Informationen unter keinen Umständen mit ihrem potenziellen Sugar Daddy teilen – selbst wenn er behauptet, er brauche ihre Sozialversicherungsnummer, um ihr Gehalt zahlen zu können. Wer wirklich daran interessiert ist, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, wird sich dazu auch auf eine Zahlmethode einlassen, mit der sie sich wohl fühlt.
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Regel #2: Verwende eine Drittanbieter-App, um Zahlungen zu erhalten.  Eine Drittanbieter-App wie PayPal ist eine deutlich sicherere Alternative dazu, die eigenen Bankdaten weiterzugeben – aber auch die sind nicht völlig betrugssicher. Dabei läuft die Masche oft so: Ein:e Betrüger:in nutzt zum Beispiel eine gestohlene Kreditkarte, um dir über diese Apps Geld zu schicken, und behauptet dann, zu viel geschickt zu haben. Du sollst dann die Differenz zurückschicken. Die wandert dann in die Tasche des Betrügers oder der Betrügerin – und wenn die Person, deren Kreditkarte gestohlen wurde, das geklaute Geld dann zurückverlangt, bleibt es oft an dir hängen, diesen Betrag zu zahlen.
Achte darauf – und warne deine Freundin davor –, dass sie dem potenziellen Sugar Daddy kein Geld zurückschickt (immer ein Warnsignal!), auch nicht wegen „versehentlich“ zu viel überwiesenem Geld. Dabei kann es sich nämlich um genau diese Masche handeln.
Regel #3: Keine Hektik. Wenn jemand überstürzt eine finanzielle Entscheidung oder eine solche trifft, die zumindest finanzielle Konsequenzen haben kann, ist das ein Warnsignal. Wenn wir vorschnell handeln, begehen wir schneller Fehler. Genau deswegen sind Hektik und Dringlichkeit geläufige Verkaufs- und Betrugstaktiken. Dadurch wird nämlich ein Gefühl des Mangels erschaffen, weil wir den Eindruck haben, uns würde die Zeit weglaufen. Aber natürlich braucht die Suche nach dem richtigen Sugar Daddy und das langsame Aufbauen von Vertrauen seine Zeit. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht beschleunigen – und gerade Vertrauen gehört dazu.
Du kannst selbst tätig werden, indem du deine Freundin dazu ermutigst, selbst ein bisschen zu recherchieren. Wenn sie darüber nachdenken würde, eine:n Finanzberater:in zu engagieren oder in einem Job zu arbeiten, mit dessen Branche sie sich nicht auskennt, würde sie sich ja vermutlich vorher auch gründlich informieren, um diese neue Welt besser zu verstehen. Wenn du sie dazu aufforderst, sich auch hier dementsprechend zu informieren, stößt sie dabei vielleicht auf (abschreckende) Erfahrungsberichte. Womöglich fällt es ihr leichter, sich die warnenden Worte und Ratschläge eher zu Herzen zu nehmen, wenn sie von Menschen kommen, die sie nicht kennt. Wir waren alle schon in derselben Situation: Manchmal weist uns eine geliebte Person auf etwas hin, das wir nicht wahrhaben wollen – bis uns eine außenstehende Person genau dasselbe sagt. In der Hinsicht sind Menschen einfach komisch.
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Ich finde, es wäre lieb und hilfreich, deine Freundin vor einem möglichen Betrug zu warnen. Ich bin aber auch der Meinung, dass es dabei Grenzen gibt, was du selbst unternehmen kannst. Und du solltest dich nicht dafür schuldig fühlen, wenn sie dir nicht zuhört. Letzten Endes ist sie ein erwachsener Mensch, der seine eigenen Entscheidungen trifft. Du hast ihr aber zumindest wichtige Informationen geliefert, die ihr dabei helfen können, die für sie bestmögliche Entscheidung zu treffen.
Deine Finanzfreundin,
Paco
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