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Mein Partner verheimlichte mir jahrelang seine Schulden – & dann starb er

Willkommen bei Taking Stock. In dieser Kolumne beantwortet die Finanzberaterin Paco de Leon alle schwierigen, emotional aufgeladenen Fragen rund ums Geld. Die letzten beiden Jahre haben viele von uns dazu gezwungen, unsere finanziellen Prioritäten auf den Kopf zu stellen, und Taking Stock soll dir dabei helfen, den Durchblick zu behalten.
Letztes Mal haben wir über „finanzielle Untreue“ gesprochen. Seitdem haben wir Refinery29-Leser:innen gefragt, ob sie es immer als Lüge betrachten würden, wenn ihre Partner:innen finanzielle Informationen zurückhalten – und ob das automatisch ein K.O.-Kriterium für eine Beziehung wäre. Gibt es finanzielle Details, die du deinem Partner oder deiner Partnerin nicht mitteilen musst?
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Mae, 32
Für Mae hatten die Geheimnisse ihres ehemaligen Partners langfristige finanzielle und emotionale Konsequenzen. „Mein Freund, mit dem ich über Jahre hinweg zusammen war, verheimlichte enorme geschäftliche und persönliche Schulden vor mir“, erzählt sie. „Er war selbstständig in einer gut bezahlten Branche. Ich hatte daher nie einen Grund zu vermuten, dass es ihm finanziell schlecht gehen könnte.“
„Etwa ein Jahr vor seinem Tod erzählte er mir von seiner lebensbedrohlichen Krankheit, von der er selbst schon vor unserer Beziehung gewusst hatte“, sagt Mae. „Von seinen Schulden erfuhr ich aber erst nach seinem Tod. Wir hatten einen angenehmen Lebensstil – es hatte uns nie an etwas gefehlt. Er versicherte mir, er hätte eine Lebensversicherung in meinem Namen abgeschlossen, damit ich nach seinem Tod Geld bekam.“
„Als ich dann nach seinem Tod nach den Unterlagen zu dieser Versicherung suchte, fand ich heraus, dass er sein Geschäft durch diverse Kredite mit extremen Zinssätzen am Leben erhalten hatte. Und eine Lebensversicherung gab es auch nicht“, erzählt sie weiter. „Er hatte aufgehört, sein Auto und unser Haus abzubezahlen, und es wurde wegen Betrugsverdachts gegen ihn ermittelt. Das alles war ein absoluter Schlag in die Magengrube für mich. Ich stand plötzlich vor einem finanziellen Abgrund und musste fast alles verkaufen, was wir besessen hatten. Eine Woche nach seinem Tod zog ich aus unserem Haus aus.“
„Hätte ich vor seinem Tod von seinen Schulden erfahren, wäre das für mich wohl ein K.O.-Kriterium gewesen“, meint sie. „Es sagte so viel über seinen Charakter aus, was mir vorher nie aufgefallen war, und ich fühlte mich zutiefst hintergangen. Es ging mir nicht darum, dass seine Konten leer waren – sondern darum, dass er mir nicht genug vertraut hatte, um mir die Wahrheit zu sagen.“
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„Mein jetziger Partner und ich reden ganz offen über unsere Finanzen und haben auch schon unsere finanzielle Vergangenheit besprochen, sowie darüber, wie unsere gemeinsame finanzielle Zukunft aussehen soll“, sagt sie. „Wir kennen nicht unsere jeweiligen Kontobeträge, und danach würde ich auch nie fragen. Solange wir uns beide um unsere geteilten finanziellen Verpflichtungen kümmern, finde ich nicht, dass wir das Recht darauf haben, nach konkreten Summen zu fragen. Wir sparen beide schon für die Rente, haben eigene Anlagen und sind uns darin einig, dass wir darauf auch weiter getrennt einzahlen würden, falls wir heiraten sollten. Außerdem würden wir einen Ehevertrag abschließen und somit festlegen, dass wir beide keinen Anspruch auf das Konto des oder der jeweils anderen haben.“
„Der Betrug in meiner ehemaligen Beziehung hat mir bewiesen, wie wichtig es ist, ganz ehrlich mit einem Partner oder einer Partnerin umzugehen“, meint Mae. „Gespräche rund um Geld können sehr unangenehm sein. Geheimnisse sind aber viel schlimmer.“
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Kay, 31
„Ich bin von uns beiden diejenige mit den heimlichen Schulden. Ich bin komplett pleite“, gibt Kay zu. „Ich glaube, das könnte das Ende meiner Beziehung bedeuten, wenn mein Partner davon erfährt.“
„Ich halte meine Schulden geheim, weil ich ihn nicht enttäuschen will. Wir wollen zusammenziehen und womöglich auch gemeinsam ein Haus kaufen. Es ist mir wahnsinnig peinlich, dass ich vermutlich dafür verantwortlich sein werde, dass sein Traum nicht so klappt, wie er sich das vorstellt.“
Und obwohl sie sich schuldig dafür fühlt, ihre Schulden vor ihrem Partner zu verbergen, heißt das nicht, dass Kay der Meinung ist, romantische Partner:innen müssten jedes kleine finanzielle Detail miteinander teilen. „Man sollte nicht alles teilen“, meint Kay. „Bloß all das, was beide betrifft.“
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Nooreen, 29
„Mein Ex-Mann verheimlichte seine Finanzen vor mir“, erzählt Nooreen. „Er war Türsteher bei einem Club – und Drogendealer.“
„Von den Drogen wusste ich nichts“, sagt sie. „Ich erfuhr davon, als wir unser Haus kauften und er darauf bestand, den gesamten Betrag in bar zu bezahlen. Das Haus war über 1,5 Millionen Euro wert!“
Für Nooreen war diese Halbwahrheit aber kein komplettes No-Go. „Wir haben das gemeinsam hinter uns gelassen, obwohl ich ihn dazu zwang, mit dem Dealen aufzuhören und prinzipiell keine Drogen zu nehmen“, sagt sie. „Wir ließen uns später dann doch scheiden. Das hatte aber andere Gründe.“
„Ich finde, die großen finanziellen Details sollte man definitiv mit dem Partner oder der Partnerin teilen! Zumindest alle fixen, gemeinsamen Ausgaben“, sagt sie. „Ich bin der Meinung, jede Person sollte noch eigenes ‚Spaßgeld‘ zur Verfügung haben. Den Großteil sollte man sich aber teilen.“
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Kinsey, 34
„Er hatte kein heimliches Konto oder heimliche Schulden. Er deutete aber an, sein Apartment gehörte ihm“, erzählt Kinsey. „Als es dann darum ging, ein gemeinsames Haus zu kaufen, fand ich heraus, dass ihm seine Wohnung eben doch nicht selbst gehörte. Das warf meine Berechnungen für die gemeinsame Anzahlung für das Haus komplett über den Haufen. Danach erfuhr ich dann noch, dass er auch gar kein Erspartes hatte, mit dem er sich seinen Anteil am Haus hätte leisten können.“
„Das war für mich noch kein K.O.-Kriterium. Er hatte mir ja auch keine riesigen Schulden verheimlicht. Unser Haus kauften wir uns dann trotzdem, indem ich die Anzahlung durch den Verkauf meiner Wohnung komplett selbst auslegte“, sagt Kinsey weiter. „Von dem Geld bezahlte ich auch die Renovierung des Hauses. Das einzige Problem, was wir hatten, war, dass er mein Geld benutzen wollte, um seine Wünsche für das Haus zu erfüllen – er wollte eine Außenküche, anstatt die bestehende Küche zu renovieren. Sorry (nicht wirklich), aber wenn ich das Geld hinblättere, bekomme ich jetzt erstmal meine Wünsche erfüllt. Für deine kannst du gerne sparen.“
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„Mein Mann wusste, dass ich Geld von meinen Eltern geerbt hatte, doch hatte ich ihm nie eine konkrete Summe genannt. Bis heute kennt er sie nicht“, sagt sie. „Ich habe ihm versichert, dass ich damit das Studium unserer Kinder finanzieren kann – mehr weiß er nicht. Ich will nicht, dass er merkt, dass er eine wohlhabende Frau geheiratet hat, weil ich möchte, dass wir gleichberechtigte Partner:innen sind. Wir haben beide ordentliche Karrieren und können sehr gut von unserem Einkommen legen. Das geerbte Geld rühre ich ohnehin nicht an; es wächst durch Investments nur weiter an. Irgendwann erzähle ich ihm vielleicht davon, falls es mal zu einem Notfall kommen sollte.“
Kinsey ist nicht der Meinung, dass eine Beziehung bedeutet, man müsste den:die Partner:in vollständig über die eigenen Finanzen informieren. „Ich finde, manches geht einfach niemanden etwas an“, sagt sie. „Trotzdem sollte man über alles reden. Mein Mann und ich haben zum Beispiel ein gemeinsames Konto, auf das wir beide für gemeinsame Ausgaben einzahlen – für Miete, Nebenkosten, Versicherungen, und so weiter. Solange wir uns beide gleichberechtigt an unseren Rechnungen beteiligen, ist alles gut.“
„Wir haben uns außerdem darauf geeinigt, jeweils separat Geld für die Rente anzusparen. Wir arbeiten beide in Vollzeit“, erzählt Kinsey. „Ich finde, es geht ihn nichts an, wofür ich mein persönliches Geld ausgebe, solange ich keine Schulden aufbaue und immer noch jeden Monat die vereinbarte Menge auf unser gemeinsames Konto einzahlen kann.“
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