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So bietest du Betroffenen einer Fehlgeburt wertvolle Unterstützung

Samantha Payne erzählt mir von ihrem Baby, das sie durch eine Fehlgeburt verloren hat und das nächstes Jahr eingeschult worden wäre. „Ich erinnere mich immer an Ereignisse, die von großer Bedeutung für das Kind gewesen wären. Ich habe zwei lebendige Kinder, trage aber für immer drei in meinem Herzen und werde mein Ungeborenes nie vergessen“, erzählt sie Refinery29 am Telefon.
Als Geschäftsführerin von Pink Elephants, einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich frühen Schwangerschaftsverlusten widmet, sagt Payne, dass sie die mangelnde Unterstützung im Zusammenhang mit ihren eigenen Fehlgeburten dazu gebracht hat, diese gemeinnützige Organisation zu gründen.
„Wenn es sich um einen ‚gewöhnlichen‘ Todesfall handelt, erwartet niemand von dir, dass es dir schon eine Woche später wieder gut geht. Bei einer Fehlgeburt geht es aber um ein ungeborenes Baby, weshalb ich nach einigen Tagen wieder völlig normal und dazu bereit sein soll, wieder zu versuchen, schwanger zu werden und einfach weiterzumachen“, sagt Payne.
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„Zwischen unseren beiden Kindern erlitten wir mehrere Verluste. Bei jedem Mal verblüffte mich die falsche Vorstellung, dass so eine Tragödie etwas sei, das in einem frühen Stadium passiert und Frauen deshalb schnell drüber hinwegkommen sollen. Das war bei mir nämlich ganz und gar nicht der Fall. Diese Erfahrung war tiefgreifend und hat mich für immer verändert. Ich werde mich für immer an die Babys erinnern, die es nicht geschafft haben.“
Zu Fehlgeburten kommt es durchaus häufiger, als man zunächst vielleicht annehmen würde. Im Falle von diagnostizierten Schwangerschaften, bei denen die Frauen das Kind austragen wollten, beträgt die Fehlgeburtsrate bis zu 20 Prozent. Aber die Scham, die mit diesem stillen Verlust einhergeht, wird nicht dadurch gemildert, dass er so häufig vorkommt. Payne erzählt, dass Pink Elephants manchmal Menschen Unterstützung bietet, die diese Erfahrung vor 20 machen mussten. Der Grund? Ihnen wurde damals keine Hilfe angeboten.
Bei einer so hohen Zahl kann es gut sein, dass du jemanden kennst, der dir am Herzen liegt, der eine Fehlgeburt erlitten hat. Trauer ist chaotisch, unangenehm und schmerzhaft. Wie du eine Freundin oder ein Familienmitglied in dieser „tabuisierten“ Situation trösten kannst, ist schwierig, aber die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun, sollte dich nicht davon abhalten, Betroffenen zur Seite zu stehen.
„Ich weiß, dass es unangenehm ist, eine Fehlgeburt zu betrauern, wenn es dir bisher noch nie selbst widerfahren ist“, sagt Payne. „Aber für die betroffene Person ist diese Erfahrung Millionen Mal schmerzhafter. Sie muss nämlich nicht nur den Verlust selbst verarbeiten, sondern auch versuchen, einen Weg zu finden, es anderen Leuten mitzuteilen, die die Situation nicht nachvollziehen können.“
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Was du sagen kannst (und was nicht), um zu helfen

Das Schlimmste, was du tun kannst, ist, die Fehlgeburt eines Menschen unter den Teppich zu kehren und überhaupt nicht darüber zu sprechen.
„Es geht darum, diesen Verlust anzuerkennen, anstatt nichts zu sagen. Schweigen ist ohrenbetäubend“, sagt Payne. „Als Freund:in oder Angehörige:r hast du die Möglichkeit, eine Person zu unterstützen, die das gerade durchgemacht hat, indem du ihre Erfahrung bestätigst, selbst wenn dir so etwas selbst noch nicht passiert ist.“
Payne empfiehlt, etwas zu sagen wie: „Es tut mir leid, dass du das durchmachen musst“, und: „Ich bin für dich da“. Da Fehlgeburten häufig in einem frühen Stadium der Schwangerschaft passieren, müssen sich Betroffene oft verharmlosende Aussagen anhören, die sie beruhigen sollen, wie z. B.: „Wenigstens weißt du, dass du schwanger werden kannst“, oder: „Zumindest ist es früh passiert“. „Solche gut gemeinten Kommentare haben aber einen gegenteiligen Effekt, denn sie nehmen Trauernden die Berechtigung, sich Raum für ihren seelischen Schmerz zu nehmen.“
„Wir sollten diese Erfahrung nicht minimieren. Stattdessen sollten wir anerkennen, was Betroffene durchmachen, ihnen mit Empathie und Verständnis begegnen und einfach ein sicheres Umfeld bieten, in dem sie sich wohl genug fühlen, ihre Erfahrungen mit dir zu teilen.“

Was du tun kannst, um zu helfen

„Schick Blumen, sprich dein Beileid aus, bring eine Woche lang Mahlzeiten für die betroffene Person vorbei“, empfiehlt Payne. „Bei jedem anderen Todesfall gibt es oft einen Ansturm auf den Trauernden oder die Trauernde. Bei einer Fehlgeburt ist das oft nicht der Fall. Daher ist es wirklich wichtig, dass wir Fehlgeburten wie jeden anderen Trauerfall behandeln.“
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Es ist auch sehr wichtig, sich bei Menschen, die eine Fehlgeburt erlebt haben, zu melden und nach ihr zu sehen. „Melde dich regelmäßig, ohne eine Reaktion zu erwarten. [Die trauernde Person] befindet sich oft in einem Kampf-oder-Flucht-Trauerzustand und durchlebt eine Phase, während der sie sich am liebsten für den Rest ihres Lebens in ihrem Bett verkriechen will. Das ist völlig normal. Wir sollten aber unbedingt Dinge tun, die ihnen helfen, diese Zeit so gut wie möglich zu überstehen.“

Wie sollten Partner:innen von Betroffenen diese am besten unterstützen?

Als ich Payne frage, wie Partner:innen Betroffene am besten unterstützen können, erinnert sie mich schnell daran, dass auch sie mit Trauer zu kämpfen haben werden.
„Wir sollten sicherstellen, dass Partner:innen nicht nur in eine unterstützende Rolle gedrängt werden. Sie waren schließlich auch an der Schwangerschaft beteiligt, haben sich auf das Baby gefreut und sich potenzielle Babynamen durch den Kopf gehen lassen. Sie haben darüber nachgedacht, wie sie das Kinderzimmer einrichten würden, und haben sich vorgestellt, wie sie in Zukunft mit dem Kind Fußball spielen würden. Auch sie haben einen Verlust erlitten – wenn auch nicht physisch –, denn auch sie hatten sich im Kopf bereits auf den Neuankömmling vorbereitet. Auch für sie hat sich diese imaginäre Zukunft auf einmal aufgelöst. Deshalb benötigen sie ebenfalls Unterstützung“, so Payne.
Trauer äußert sich bei jedem Menschen anders. Manche versuchen, das Problem auf praktische Weise zu „lösen“, während andere ihre Trauer eher auf eine emotionale Art verarbeiten. „Ich denke, es geht darum, Partner:innen dazu zu befähigen, zu verstehen, dass sie in diesem Prozess unterschiedlich trauern können. Das bedeutet aber nicht, dass die andere Person nicht ebenfalls trauert.“
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Sie ermutigt Partner:innen dazu, zu verstehen, dass es keine Frist fürs Trauern gibt. Es kann einen Monat, ein Jahr oder ein Jahrzehnt dauern, bis der Schmerz verarbeitet ist. Sie sollten also verständnisvoll und geduldig sein.

Was passiert, wenn Betroffene keine angemessene Unterstützung erhalten?

Payne ist sich der vielen Faktoren bewusst, die dazu beigetragen haben, dass eine Fehlgeburt zu einem kulturellen Tabu geworden ist: „Es geht um die Gesundheit von Frauen, um den Tod eines Babys, um die Sichtbarmachung von Blut und es handelt sich um ein gynäkologisches Problem.“
„Für Betroffene ist es sehr schwierig, auszusprechen, dass sie eine Fehlgeburt hatten. Ein Element der Scham kommt hier ins Spiel, auch wenn es absolut nichts ist, wofür sie sich schämen sollten oder woran sie die Schuld tragen. Wenn eine Frau nicht schwanger werden kann oder schwanger wird und ihr Baby verliert, ist das mit einem tiefen Gefühl der Scham verbunden“, sagt Payne.
Eine Fehlgeburt als Trauerfall und nicht als Versagen der Frau zu normalisieren, bedeutet, dass die Trauer auf eine viel gesündere Weise verarbeitet werden kann. „Wenn eine Person nicht anfängt zu trauern, zeigt sich das oft erst viel später und beeinträchtigt die psychische Gesundheit enorm; es kommt zu Angstzuständen, Depressionen, Stressstörungen und sogar zu Suizidgedanken.“
„Diese Trauer steht Betroffenen zu und sollte ihnen nicht länger abgesprochen werden“, sagt Payne und bezieht sich damit auf das Schweigen rund um das Thema Fehlgeburten oder die Verharmlosung der Erfahrung einer Person, wenn wir uns weigern, ihr den Raum und die Mittel zu geben, angemessen zu trauern. Anstatt Betroffenen das Recht zu nehmen, ihren Schmerz zu verarbeiten, sollten wir ihre Erfahrungen und ihr Leid anerkennen.
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Wie leistest du langfristige Unterstützung?

Um Frauen, die eine Fehlgeburt erlebt haben, zu unterstützen, ist es wichtig, sich auch noch viele Monate danach zu melden und nach ihnen zu sehen. „Das ist nicht etwas, über das wir nur akut sprechen sollten, denn der Verarbeitungsprozess ist damit noch nicht unbedingt abgeschlossen. Unangenehme Emotionen könnten wieder aufkommen, sobald eine betroffene Person wieder versucht, schwanger zu werden oder bereits erneut schwanger ist und Angst vor einem weiteren Verlust hat“, sagt Payne.
Payne empfiehlt auch, den Verlust jedes Jahr zu würdigen. „Bei Totgeburten wird es immer üblicher, die Geburtstage der Babys mit einem Kuchen und einer netten Geste zu feiern. Bei Fehlgeburten ist das aber viel seltener der Fall.“
„Bezieh also dieses Baby in die Zahl der Enkelkinder mit ein. Wenn das Ungeborene bereits einen Namen hatte, solltest du ihn verwenden. Denk daran, dass das Baby für immer im Herzen der Mutter bleiben wird und sie sich immer daran erinnern wird. Es ist also wichtig, das anzuerkennen und sich damit anzufreunden.“

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