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Schluss mit Anti-Aging: Lasst uns bitte in Würde altern!

Illustration: Kristine Romano
„Beklagt euch nicht über das Altwerden, es ist ein Privileg, das vielen verwehrt bleibt“, meinte Mark Twain einst. In Zeiten einer Pandemie sind seine Worte besonders gültig. Doch unsere kollektive Besessenheit mit dem Älterwerden scheint keine Grenzen zu kennen – vor allem, wenn es um unser Aussehen geht.
Seit Jahren ist Jugendlichkeit so etwas wie eine soziale Währung. Deshalb macht sich die Schönheitsbranche auch unsere Unsicherheiten in Bezug aufs Altern zunutze. Unzählige Hautpflege- und Make-up-Marken schüren Angst vor alternder Haut und erzeugen Schamgefühle in uns, die mit dem natürlichen Hautalterungsprozess in Verbindung stehen, indem sie Cremes und Seren mit den Labels „Anti-Aging“ oder „Anti-Falten“ versehen. Auf Instagram ersetzen Gesichter mit einer glatten Stirn, einer straffen Kieferpartie und vollen Wangen schon lange jenen mit Falten. Apps wie Photoshop und diverse Filter sind daran nicht ganz unschuldig, aber dank der sozialen Medien erfreuen sich Behandlungen mit Botox (zur Faltenreduzierung) und Fillern (zur Straffung von Gesichtspartien) großer Beliebtheit bei all jenen, die jugendlich(er) aussehen wollen.
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Die Botschaft? Altern ist etwas, gegen das wir ankämpfen sollen.
Wenn du regelmäßig Artikel von Refinery29 liest, weißt du bestimmt, dass wir darum bemüht sind, ein urteilsfreies Umfeld zu schaffen. Ob du nun Anti-Aging-Hautpflegeprodukte kaufst oder dich für Injectables (oder jede andere Art von Schönheitsbehandlung) entscheidest, liegt ganz bei dir. Aber es ist schwer zu leugnen, dass ein faltenfreies Gesicht zu einem schwer erreichbaren Schönheitsideal geworden ist, wodurch das Wort „Altern“ mittlerweile einen extrem negativen Beigeschmack hat.
In einer Umfrage, die wir mit unseren Followern durchführten, gaben 62 Prozent der Befragten an, dass sie bereits über eine Behandlung mit Botox oder Fillern nachgedacht haben. „Falten“ oder „Hängebacken“ zu haben oder „alt“ auszusehen, sehen sie als echte Schönheitsprobleme an, die ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Im Laufe der Zeit ist es uns gelungen, das Stigma rund um Dinge wie Gesichtsbehaarung, Aknenarben und Cellulite zu beseitigen, was sich aber nicht über den Druck, ewig jung auszusehen, sagen lässt.

In einer Umfrage, die wir mit unseren Followern durchführten, gaben 62 Prozent der Befragten an, dass sie bereits über eine Behandlung mit Botox oder Fillern nachgedacht haben. „Falten“ oder „Hängebacken“ zu haben oder „alt“ auszusehen, sehen sie als echte Schönheitsprobleme an, die ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl beeinträchtigen.

Dieses Jahr scheint jedoch eine große Veränderung im Gange zu sein, wenn es um unsere Einstellung zum Altern geht. Alles beginnt mit der Sprache, die wir in Bezug darauf verwenden. Der Wunsch danach, veraltete Begriffe wie „Anti-Aging“ aus der Welt zu schaffen, scheint lauter und lauter zu werden. Obwohl viele Hersteller:innen diesen Begriff immer noch verwenden, nimmt der Gegenwind gegen Kosmetikriesen, die ihre Produkte so kennzeichnen, weiter zu. Das liegt daran, dass wir uns jetzt der Auswirkungen, die das Label „Anti-Aging“ auf unser Selbstvertrauen und unsere psychische Gesundheit hat, immer mehr bewusst werden.
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Der Begriff „Anti-Aging“ ist nicht mehr zeitgemäß

Eine inoffizielle Instagram-Umfrage unter befreundeten Zeitschriftenredakteur:innen ergab, dass die Mehrheit den Begriff „Anti-Aging“, den Kosmetikmarken verwenden, nicht mehr zeitgemäß finden. „Diese Bezeichnung lässt Altern wie ein Problem erscheinen. Außerdem hat es etwas Antifeministisches“, sagte eine:r der Befragten. Ein:e andere:r kommentierte: „Das ist altersdiskriminierender Schwachsinn. Frauen dürfen keine Anzeichen von Weisheit oder Reife zeigen.“ Als Beauty-Redakteurin war ich enttäuscht, dass Maybelline diese Nachricht offensichtlich nicht verstanden hat und ihr neues 4-in-1 Matte Make-up als „Instant Anti-Age“ bezeichnet. Keine Schminke dieser Welt kann das Rad der Zeit zurückdrehen. Maybelline ist aber nicht die einzige Marke, die in letzter Zeit für Stirnrunzeln gesorgt hat.
Chanels neue Produktreihe enthält ein Serum, das angeblich „eine Anti-Aging-Wirkung hat, die das Auftreten der fünf Zeichen von Hautalterung verhindert und behebt“. Das Wort „beheben“ an sich ist zwar harmlos, wirkt sich aber indirekt auf die Art und Weise aus, wie wir Hautalterung wahrnehmen. Es suggeriert, dass feine Linien und Falten (die völlig normal und natürlich sind) etwas Schlechtes seien – etwas, das in Ordnung gebracht werden müsse. Marken wie Murad und RoC sind nur einige andere Beispiele.
Um für die neue Serie zu werben, teilte Chanel einen Instagram-Post mit einer Kamelie, dem Hauptbestandteil davon. Die Caption lautete: „Wie alt sehe ich aus?“. Es dauerte nicht lange, bis das Bild viele Kommentare von Personen erhielt, die diese Frage persönlich nahmen. Jemand schrieb: „Das Lebensalter ist nur eine Zahl. Frag dich bitte nicht, wie alt du aussiehst. Ich bin mir sicher, dass wir unabhängig von unserem Alter oder der neuen Unsicherheit, die dank solchen Fragen entstehen, fantastisch aussehen. Wir haben so viele tolle Dinge, auf die wir uns freuen können. Ich brauche keine Marke wie Chanel, die mir indirekt mitteilt, dass etwas ein Problem ist, was tatsächlich keines ist.“ Jemand anderes kommentierte: „Wie alt sehe ich aus? Echt jetzt? Lasst uns Leuten dabei helfen, ihre Unsicherheiten zu überwinden, und nicht noch mehr Komplexe schaffen. An alle Frauen auf diesem Planeten: Stellt euch niemals diese Frage! Stattdessen solltet ihr euch selbst sagen, wie toll ihr heute ausseht.“
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Die traditionellen und unrealistischen Schönheitsideale von ewiger Jugend werden ohne Frage zunehmend weniger zeitgemäß.

Dr. Ana
Nicht nur Insider der Beauty-Branche stellen die Anti-Aging-Botschaften in Frage. Diese Woche appellierte Schauspielerin Jamie Lee Curtis auf dem Radically Reframing Aging Summit, „Anti-Aging ein Ende zu setzen“. „Ich bin eine Verfechterin natürlicher Schönheit. Leider kommt es mir aber so vor, als würden alle versuchen, sie auszumerzen“, sagte sie zum Publikum. Aber auch in den sozialen Medien ist die Anti-Aging-Sprache bei jungen Frauen sehr unbeliebt geworden. Im Vergleich zu Instagram, das voller bearbeiteter Bilder ist, kommt TikTok authentischer rüber. In einem viralen Video mit dem Titel: „(DU FÄNGST MIT 25 AN, ZU ALTERN!) Folgt mir für weitere Anti-Aging-Tipps“ bezeichnet TikToker @mattrandon den Alkohol- und Zuckerkonsum als Alterungsbeschleuniger. Das Video erreichte 5,8 Millionen Views und sorgte für viele besorgte Kommentare, in denen zahlreiche TikToker den harschen Ratschlägen widersprachen. In einem Punkt waren sich alle einig: Lasst Frauen bitte altern, ohne ihre Lebensweise in Frage zu stellen.
„Wenn du dein Leben nicht mehr genießen kannst, um einen völlig natürlichen Prozess zu vermeiden, was ist dann der Sinn? Akzeptier ihn“, antwortete jemand. Eine andere Person kommentierte: „Oder lasst Frauen in Ruhe altern“, während eine andere schrieb: „Ich gebe sicher nicht nach. Es macht mir nichts aus, wenn ich mit der Zeit älter aussehe. Das bringt eine weitere Phase deines Lebens nun mal mit sich.“
Laut Dr. Ana, Ärztin für Ästhetik und Hautpflegeexpertin, „werden die traditionellen und unrealistischen Schönheitsideale von ewiger Jugend ohne Frage zunehmend weniger zeitgemäß.“ Sie fährt fort: „In unserer Klinik neigen wir dazu, negative Begriffe wie ‚Anti-Aging‘ zu vermeiden. Außerdem habe ich in letzter Zeit bemerkt, dass sich die Aufmerksamkeit von ‚Anti-Aging‘-Routinen hin zu gesünderen Schönheitsstandards verlagert.“ Dr. Ana glaubt, dass diese Entwicklung eine Gegenreaktion darauf sein könnte, dass wir uns zu Beginn der Pandemie aufgrund von unzähligen Zoom-Calls vermehrt mit dem Aussehen unseres Gesichts beschäftigten und deshalb ständig neue „Makel“ entdeckten. „Diese Tendenz lässt nun endlich nach“, sagt sie. Was erfreulich ist, ist, dass sich Patient:innen laut Dr. Ana jetzt eher wünschen, so gut wie möglich auszusehen und sich so zu fühlen, anstatt zehn Jahre jünger zu wirken – wie es früher der Fall war. „Anstelle von Anti-Aging konzentrieren wir uns darauf, die Haut jeder Altersgruppe aufzufrischen, zu verjüngen oder zu optimieren. Wir sollten nicht gegen den Alterungsprozess ankämpfen, sondern ihn auf die gesündeste Art und Weise unterstützen und uns an ihm erfreuen.“
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Der neueste Future of Beauty Report von AVON sagt das Ende von Anti-Aging voraus. Er verwirft sogar scheinbar positive Alternativkonzepte wie „Pro-Aging“ und setzt stattdessen auf „authentisches Altern“. „Produkte, die dabei helfen sollen, länger jung auszusehen oder das Rad der Zeit zurückzudrehen, sprechen Verbraucher:innen nicht mehr an“, heißt es in dem Bericht. „Heutzutage ist uns mehr denn je bewusst, was für ein Segen das Älterwerden ist. Außerdem hat sich die Einstellung, dass das Altern ein Schönheitsproblem sei, entsprechend geändert.“ Hannah Roberts, Global Brand Director, stellt fest, dass uns die Pandemie in Bezug aufs Älterwerden „die Augen geöffnet hat“. „Es ist nicht etwas, wovor wir Angst zu haben brauchen, oder ein Kampf, den es zu ‚gewinnen‘ gilt. Es ist etwas, nach dem wir streben sollten“, sagte sie. In Bezug auf Hautpflege erwartet Hannah, dass bald nicht mehr von der Absicht, „das Rad der Zeit zurückzudrehen, die Rede sein wird“. Vielmehr wird es um wirksame Produkte gehen, die spezifische Hautpflegebedürfnisse ansprechen, um für gesunde Haut in jedem Alter zu sorgen.
Zahlreiche Marken verzichten jetzt ganz auf Begriffe wie „Falten“, „müde Haut“ und „feine Linien“ auf ihren Verpackungen. Nun liegt der Schwerpunkt auf frisch aussehender Haut und dem Versuch, das Aussehen dieser zu erhalten. Der koreanische Hautpflege-Favorit Glow Recipe zum Beispiel setzt auf Begriffe wie „elastisch“ und „prall“. Ebenso konzentrieren sich bahnbrechende Beauty-Brands wie Byoma und CeraVe mit Begriffen wie „hydratisierend“ und „schützend“ darauf, die Hautbarriere gesund zu halten. Diese Begriffe spielen auf die Gesundheit und Verjüngung der Haut an, verteufeln aber nicht den natürlichen und unvermeidlichen Alterungsprozess.
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Es gibt nur sehr wenige Produkte, die tatsächlich „Anti-Aging“-Ergebnisse erzielen können (wie Injektionspräparate und klinische Behandlungen wie Lasern, Microneedling und eine Handvoll aufgetragener Inhaltsstoffe). Das hindert Hersteller:innen aber nicht daran, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen, die alle auf Anti-Aging ausgerichtet sind, wie Anti-Falten-Seren und -Cremes.

dR. anJALI mAHTO

Die meisten „Anti-Aging“-Produkte sind nichts als heiße Luft

Die Abkehr vom Begriff „Anti-Aging“ ist nachvollziehbar, da die meisten Anti-Aging-Pflegeprodukte Expert:innen zufolge nicht wirklich das halten, was sie versprechen. Die Dermatologin Dr. Anjali Mahto erklärt, warum: „Wenn wir uns klinische Daten ansehen, gibt es nur sehr wenige Inhaltsstoffe, die nachweislich tatsächlich eine echte Anti-Aging- oder verjüngende Wirkung haben.“ Sie nennt Retinoide als einen der wenigen Inhaltsstoffe, die das Erscheinungsbild von feinen Linien und Falten minimieren können – vorausgesetzt, dass das dein Ziel ist. „Dass nur diese kleine Gruppe an Inhaltsstoffen auch wirklich effektiv ist, ist für Werbeleute in der Schönheitsbranche eine bedauernswerte Tatsache“, sagt Dr. Mahto. Es gibt nur sehr wenige Produkte, die tatsächlich „Anti-Aging“-Ergebnisse erzielen können (wie Injektionspräparate und klinische Behandlungen wie Lasern, Microneedling und eine Handvoll aufgetragener Inhaltsstoffe). Das hindert Hersteller:innen aber nicht daran, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen, die alle auf Anti-Aging ausgerichtet sind, wie Anti-Falten-Seren und -Cremes.
Im Februar äußerte sich die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel besorgt über Kosmetika wie Hautpflegeprodukte, die sich mit Anti-Falten- oder Anti-Aging-Labels brüsten. Beliebte Hautpflegebestandteile wie Hyaluron- und Polyglutaminsäure können zwar beispielsweise feine Fältchen reduzieren – das aber nur vorübergehend. Auch kollagenfördernde Inhaltsstoffe wie Vitamin C und Retinol können den vorprogrammierten Alterungsprozess nicht vollständig aufhalten. Hautpflegeartikel, die vorgeben, den Alterungsprozess aufhalten oder ihm entgegenwirken zu können, führen Konsument:innen in die Irre. Auch Dr. Mahto berichtet, dass die vielen Anti-Aging-Produkte, die die Beauty-Branche überschwemmen, in den meisten Fällen keine spürbare Wirkung auf unsere Haut haben.
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Botox wird immer unbeliebter, so Expert:innen

Früher dachten wir bei Injektionsmitteln wie Botox zur Faltenreduzierung für gewöhnlich an reiche Promis und wohlhabende Influencer. Mittlerweile sind solche Behandlungen aber sehr verbreitet. 2020 wurden trotz der jeweiligen Lockdowns weltweit über 14 Millionen nicht-chirurgische Eingriffe mit Botox oder Fillern durchgeführt. Expert:innen in dieser Branche zufolge scheint die Nachfrage nach Anti-Aging-Prozeduren wie diesen jedoch zu sinken.
„Ich habe festgestellt, dass immer weniger Patient:innen gezielt nach Injektionsmitteln oder invasiven Eingriffen fragen“, bestätigt Dr. Ana. Die Expertin scheut sich nicht davor, Menschen mit unrealistischen Erwartungen abzuweisen. Das ist ihr zufolge aber immer seltener nötig, da sich Patient:innen immer mehr einen eher natürlichen Look zu wünschen scheinen. Statt Injektionsmitteln wählen sie jetzt zunehmend einen leichteren und sanfteren Ansatz, um einen hautverjüngenden Effekt zu erzielen. Sie nennt Radiofrequenz-Therapien, Lasern und Microneedling als beliebte Optionen.
Natasha Clancy ist eine prominente Kosmetikerin und Gründerin des Studios Kichi. Sie glaubt, dass Botox seine Blütezeit bald hinter sich haben könnte. „Wir treten in ein neues Zeitalter ein, in dem wir im Gegenteil zu früher ausdrucklose Gesichter nicht mehr so bereitwillig akzeptieren oder dem Druck, sich mit Botox behandeln zu lassen, nachgeben“, so Natasha gegenüber R29. Ihre Kund:innen verzichten zunehmend auf Prozeduren mit diesem Nervengift und wollen stattdessen einfach frischer aussehen. Auch angesehene Kosmetikerinnen wie Lisa Harris und Joanna Czech sprachen kürzlich über ihre Abneigung gegen Botox-Injektionen. Lisa, die das Verfahren in ihrer Klinik nicht anbietet, berichtet, dass sie die Auswirkungen schlechter Injektionen oft rückgängig machen muss, während Natasha erklärt, dass wir nicht viel über die langfristigen Auswirkungen regelmäßiger Anti-Falten-Injektionen wissen.
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Natasha sagt, dass Botox eine sichere Behandlung sein kann, wenn sie von einer qualifizierten Fachkraft durchgeführt wird. Sie betont aber, dass es keine Garantie dafür gibt, dass dieser Eingriff im späteren Leben den Alterungsprozess nicht vielleicht beschleunigt. Die Gesichtsspezialistin Joanna Czech schließt sich dieser Meinung an und erklärte kürzlich gegenüber R29: „Wenn du deine Muskeln – insbesondere den Frontalis (den Muskel, der die Augenbrauen anhebt) – immer wieder durch solche Injektionen lähmst, wird er mit der Zeit nicht mehr so gut funktionieren wie vorher.“
Natasha erzählt, dass ihre Patient:innen sich deshalb stattdessen darauf konzentrieren, gesunde Haut zu haben, anstatt den Hautalterungsprozess an sich stoppen zu wollen. Natasha vermeidet Botox und behandelt ihre Patient:innen mit Lasern, wie dem LaseMD, die den natürlichen Glanz der Haut steigern, sowie mit Wirkstoffen wie Retinol. „Botox-Injektionen können zwar feine Linien und Falten reduzieren, aber sie tragen nicht zur Gesundheit der Haut bei. Es ist fast so, als würdest du dir ein Pflaster aufkleben, anstatt das darunter liegende ‚Problem‘ zu behandeln“, sagt Natasha.

Mehr Akzeptanz für die natürliche Hauttextur

Dank Influencern wie Joanna Kenny, Rikki Sandhu und Alicia Lartey, die mit ihrem authentischen Auftreten wie ein Hauch frischer Luft sind, erkennen wir allmählich, dass unsere Hauttextur – einschließlich feiner Linien und Falten – nichts ist, wofür wir uns schämen sollten. Der unmöglich straffe Look, den wir in den sozialen Medien und im Fernsehen sehen, ist nur mit sehr viel Mühe oder gar nicht erreichbar. Deshalb sollten wir unsere Haut in ihrer ganzen natürlichen, strukturierten Pracht zeigen und sie akzeptieren, wie sie nun mal ist – und das gilt auch für alternde Haut. „Soziale Medien und Filter beeinträchtigen unsere Wahrnehmung vor normaler und gesunder Haut erheblich“, stimmt Dr. Ana zu, „aber es ist unglaublich wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, freundlich mit uns selbst umzugehen, wenn wir unsere Haut betrachten.“
Dr. Ana sagt, dass gesunde Haut nicht perfekt ist. „Normale Haut hat Poren. Echte Haut hat eine Textur und sie hat auch Falten. Das sind alles wichtige anatomische Strukturen, die sogar in der Haut von Babys und Kindern vorhanden sind.“ Sie rät ihren Patient:innen, die wegen ihrer alternden Haut Unsicherheiten haben, sich im Spiegel nicht allzu genau zu betrachten. „Es bringt wirklich nichts, die eigene Hautbeschaffenheit extrem genau unter die Lupe zu nehmen“, sagt Dr. Ana, „vor allem, da andere Leute – bis auf ein paar Ausnahmen vielleicht – ohnehin nicht so genau hinschauen.“
Jahrelang haben Hautpflegemarken aus unserer Unsicherheit in Bezug aufs Altern Profit geschlagen. Wenn uns die Pandemie aber etwas gelehrt hat, dann, dass das Älterwerden etwas ist, das wir feiern sollten, anstatt uns dagegen zu wehren. Ob du dich mit Anti-Aging-Hautpflege beschäftigst oder nicht, ist allein dir überlassen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass das Konzept, das uns vermittelt, dass wir alles tun sollen, um den natürlichen Alterungsprozess aufzuhalten oder ihm entgegenzuwirken, veraltet (um nicht zu sagen unrealistisch) ist. Letztendlich ist es eine Genugtuung, zu wissen, dass jede Lachfalte ein Beweis dafür ist, dass das Leben schön ist und du es genießt.

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