Ist mein Aussehen Schuld an meinem Singledasein?

Ich mache mir nicht viele Gedanken über mein Aussehen – okay, das war gelogen. Mein Aussehen ist mir schon wichtig, aber ich habe mir noch nie darüber Gedanken gemacht, ob mein Singledasein damit zusammenhängen könnte. Dass ich mir den Pony jeden Morgen glätte und ohne meine getönte Tagescreme eigentlich nicht das Haus verlasse, zeigt schon, wie wichtig mir ein gepflegtes Erscheinungsbild ist. Aber ich tue das nicht, um für potenzielle Partner attraktiver zu sein. Ich mache das alles in erster Linie für mich und mein Selbstbewusstsein. Im Grunde ist mein Make-up ein Schutzschild, der mich vor den negativen Einflüssen der Außenwelt bewahren soll. Und auch wenn ich gerne zu den Menschen gehören würde, die sich selbst in Omas Nachthemd sexy fühlen, bin ich doch eher ein Fan der guten alten Jeans.
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Vor kurzem aber hat man mich gefragt, ob ich jemals daran gedacht hätte, dass vielleicht mein Aussehen der Grund ist, warum ich immer noch single bin. Jemand schrieb unter einen meiner Artikel, ich sehe aus wie eine Bibliothekarin und würde deshalb wohl keinen Mann abkriegen. Nur einmal den Kopf schütteln, reicht hier als Antwort wahrscheinlich nicht aus. Deshalb versuche ich es noch etwas deutlicher zu sagen:
1. Das Aussehen hat rein gar nichts damit zu tun, ob es dir gegönnt ist, in einer Beziehung zu sein.
2. Ich bin wunderschön, also Klappe halten!

Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Thukydides
Ich bin kein Fan von radikalen Handlungen nur der Liebe wegen. Außerdem glaube ich, meinen Standpunkt als Single über die Zeit recht gut vertreten zu haben. Aber natürlich wiederhole ich mich gerne nochmal für alle, die es immer noch nicht verstehen: Du musst nicht in einer Beziehung sein, um ein erfülltes Leben zu haben! Wenn du änderst, wer du bist, wie du dich verhältst und wie du aussiehst, nur um eine*n Partner*in zu haben, kannst du dann überhaupt noch glücklich mit dir selbst sein?
Viel sinnvoller (und offen gesagt kostengünstiger) ist es doch, sich selbst zu lieben und zu verstehen, dass jeder Mensch Liebe, Partnerschaft und alles, was damit verbunden ist, verdient. Du bist hier und jetzt begehrenswert, so wie du bist!
Sprichwörter sind eigentlich ja nicht so mein Ding, aber das hier finde ich in Ordnung: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wen du attraktiv findest, ist also dir überlassen. Damit sind die Schönheitsstandards unserer Gesellschaft völlig überflüssig, denn jeder Mensch definiert Schönheit nun mal anders. Das klingt meiner Meinung nach viel besser. Ich mag die Idee, dass jede*r begehren und lieben kann, so wie er oder sie es will. Vielleicht stehst du nicht unbedingt auf die großen, blonden Typen mit Undercut, Brille und einer Vorliebe für Bücher, aber ich schon. Und ich hoffe, dass es Männer da draußen gibt, die Frauen mit Ponyfrisur, Strickpulli und einer beachtlichen Sammlung an Küchengeräten in der Wohnung bevorzugen.
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In unserer Gesellschaft gibt es eine Skala, mit der die Schönheit einer Person gemessen wird und die reicht von gruseligem Troll bis hin zu sexy Kardashian. Ich halte mich wahrscheinlich irgendwo in der Mitte auf. Dabei ist es doch nicht wichtig, was andere über mein Aussehen denken, sondern ich mich finde! Wir haben das Jahr 2019, Lizzo ist an der Macht und die wichtigste Meinung über mich, ist schlussendlich meine eigene. Aber auch der selbstbewussteste, positivste Mensch wird ab und zu durch die gängigen Schönheitsstandards auf die Probe gestellt. Mein Beispiel dafür: meine Haare.

Wir haben das Jahr 2019, Lizzo ist an der Macht und die wichtigste Meinung über mich, ist schlussendlich meine eigene.

Inspiriert von Michelle Pfeiffers Rolle in Scarface, habe ich mir vor einem Jahr meine langen Haare in einen coolen Bob schneiden lassen. Damals waren meine Haare sehr spröde und strähnig, deshalb schien eine kurze Frisur die beste Lösung zu sein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber noch nie kurze Haare. Ich liebte meine langen Haare und ehrlich gesagt, weiß ich nicht, woher diese plötzliche Abenteuerlust an dem Tag kam. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Angst, mein Haar könnte irgendwann so spröde sein, dass es dem Stroh im Osterkorb ähnelt – ich weiß es nicht.
Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, als der Stuhl sich umdrehte, war: „Männer werden mich nicht mehr mögen.“ Männer mögen Frauen mit langem Haar. Ich habe kein langes Haar mehr, also werden sie mich nicht mehr mögen. Ganz einfach, oder?
Ich schäme mich nicht für diesen Gedanken, weil ich weiß, dass mir das so von der Gesellschaft eingetrichtert wurde. Zum Glück aber konnte ich den Gedanken schnell abschütteln, als ich sah, wie gesund meine Haare jetzt waren. Sie hatten endlich wieder mehr Volumen und Glanz. Ich liebe meine neue Frisur und wenn sie jemandem nicht gefällt… Tja, nicht mein Problem. Außerdem ist es auch nicht wichtig, ob Männer mich jetzt noch mögen oder nicht. Was zählt, ist lediglich diese verdammt coole Frisur, die ich jetzt habe.
Als Frau habe ich ohnehin viele Jahre lang keine Kosten und Mühen gescheut, um mich in meiner Haut wohl zu fühlen. Und warum sollte ich dann einen Partner wollen, der etwas anderes will als genau das, was ich bin?
Ich bin nicht single, weil ich so aussehe, wie ich aussehe. Single zu sein ist nichts, was ein „weil“ hat. Aber Selbstliebe schon. Ich sehe so aus, weil ich es will. Denn diese Version meiner Selbst macht mich glücklich. Nein, ich sehe nicht aus wie ein Insta-Model, das in einem Infinity-Pool in Thailand herumplanscht – das werde ich auch nie. Aber wie ich aussehe, sollte für den Richtigen, vollkommen genug sein. In meinem Haus, vor meinem Spiegel, wird die Schönheit immer dem einzelnen Menschen und seinem einzigartigen Geschmack überlassen bleiben und nichts wird jemals verändert oder „verbessert“, um die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts zu erregen. Ich bin mir sicher, da draußen gibt es jemanden, der mich perfekt findet – und zwar so wie ich bin!

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