Warum ich gern das dritte Rad bin & wir den Begriff neu definieren sollten

Weißt du, was ich mag? Freundschaften. Weißt du was ich nicht mag? Wenn Freundschaften auseinandergehen, nur weil neuerdings eine*r eine*n Partner*in hat. Ich spreche natürlich vom Thema “fünftes Rad am Wagen“. Oder sagen wir besser “drittes Rad am Fahrrad“, denn ein Pärchen plus ein*e Freund*in macht drei. Aber du weißt, worauf ich hinauswill.
Ich selbst war schon unzählige Male das dritte Rad. Und genau wie das Wort “single“ sollte auch die Bezeichnung “drittes Rad“ ab sofort nicht mehr negativ besetzt sein, finde ich. Ich bin aus zwei Gründen nämlich sogar gern das dritte Rad. Erstens, gibt es nichts, das grundsätzlich falsch an Dingen wäre, die es drei Mal gibt – oder anders gesagt: Aller guten Dinge sind drei. Zweitens, tun wir, wenn wir ehrlich sind, Paaren einen Gefallen.
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Spulen wir noch mal zurück auf Anfang. Was genau ist eigentlich ein drittes (oder eben fünftes) Rad? Na ja, rein technisch gesehen, ist das entweder ein Ersatzrad (und wann kommt das zum Einsatz? Genau, wenn etwas schief gelaufen ist – als Retter in der Not) oder ein Rad, das für mehr Stabilität sorgt (erinnerst du dich dran, wie viel Spaß Dreirad fahren gemacht hat und wie sicher du dich gefühlt hast?). Im übertragenen Sinne ist das dritte Rad die Person, die mit einem Paar Zeit alleine verbringt. Eine Person, die mit einem befreundeten Pärchen gemeinsam in ein Café geht. Oder im Park spazieren. Oder (und jetzt halt dich fest) in den Urlaub fährt. Ja, das alles habe ich schon gemacht. Ich bin eben eine echte Expertin in Sachen drittes Rad.
Wenn ich genau überlege, wen ich zu meinen besten Freund*innen zählen würde, dann sind das alles Personen, die ich kennengelernt habe, als sie single waren. Und wenn ich mich immer direkt zurückgezogen hätte, als sie jemanden kennengelernt haben, dann würde ich jetzt entweder gar keine oder nur sehr oberflächliche Freundschaften führen. Ich gebe mir immer Mühe, Freundschaften aufrechtzuerhalten – ganz gleich, wie das Liebesleben meiner Freund*innen gerade aussieht. Und meine verliebten, verlobten und verheirateten Freund*innen haben mir nie das Gefühl gegeben, nicht willkommen zu sein, wenn wir zu dritt Zeit miteinander verbringen. Und ich geh mal davon aus, dass sie sich, wenn sie keinen Bock auf mich hätten, einfach nicht mit mir verabreden würden.
Bisher habe ich mich mit allen Partner*innen meiner Freund*innen sehr gut verstanden und ich habe mich jedes Mal von ganzem Herzen gefreut, wenn ein*e Single-Freund*in Liebe gefunden hat. Ich habe dadurch nicht eine*n Freund*in verloren, sondern eine*n neue*n gewonnen. Wenn man es so sieht, haben wir alle gewonnen. Und ich bin sehr froh, dass meine BFFs Menschen gefunden haben, die auch ich gern mag. Ich habe keine Angst davor, das dritte Rad zu sein, denn ich liebe die zwei anderen Räder. Und sie scheint meine Anwesenheit auch nicht zu stören. Im Gegenteil. Und deswegen bin ich auch absolut pro drittes Rad. Aber diese Meinung teilt nicht jede*r.
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Viele Menschen haben diese eigenartige, meiner Meinung nach falsche, Vorstellung, eine dritte Person würde sich aufdrängen oder stören. Als würde allein die Anwesenheit von ihr es dem Paar erschweren, zu existieren. Ich denke, Menschen mit dieser Überzeugung heben Paare auf ein Podest und zermalmen gleichzeitig die Gefühle von Singles, als wären sie Autos in einer Schrottpresse. Anzunehmen, dass das dritte Rad etwas Negatives ist, vermittelt Singles das Gefühl, weniger Wert zu sein als Paare. Aber dem ist nicht so. Wir sind genauso wertvoll und wichtig wie Menschen, die ihre Miete teilen. Außerdem wird dabei noch ein weiterer Punkt unter den Teppich gekehrt – nämlich, dass die meisten Paare gern mit anderen Zeit verbringen.
Die meisten Paare verbringen sehr viel Zeit zu zweit. Und mir ist bewusst geworden, dass ich frischen Wind, Abwechslung und neuen Input in ihr Leben bringe. Ich bin wie eine überraschende neue Zutat, die einen ohnehin schon fantastischen Cocktail noch ein klitzekleines bisschen aufpeppt. (Ja, ich habe mich selbst gerade mit einem dekorativen Zitronen-Twist verglichen, na und?) Ich liebe die Dynamik, die zwischen mir und meinen befreundeten Pärchen besteht. Ich liebe es, mit ihnen über Gott und die Welt zu quatschen und ihre Perspektive zu bestimmten Dinge zu hören – und ganz nebenbei zu erleben, wie Paare kommunizieren und miteinander wachsen. Als würden sie mir Nachhilfe in Sachen zukünftige Beziehungen geben. Abgesehen davon ist es immer super lustig, sich auf eine Seite zu stellen, wenn sie sich streiten. Spaß!
Natürlich verbringen Paare gern mit anderen Leuten Zeit. Natürlich brechen sie nicht für immer und ewig den Kontakt zu allen anderen Menschen ab. Darauf können wir uns wohl alle einigen. Doch ein Punkt, bei dem ich eine andere Meinung habe als manch andere*r, ist, viele denken, Paare wollen ausschließlich mit anderen Paaren Zeit verbringen – und nicht mit Einzelpersonen. Das würde ja alles aus dem Gleichgewicht bringen! Kippt ein Tisch nicht um, wenn eine Person auf der einen und zwei Leute auf der anderen Seite sitzen? Können Autos überhaupt in beide Richtungen abbiegen, wenn auf der Rückbank links ein Single sitzt? Darf man eigentlich drei Kinotickets kaufen??
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Und wenn das dritte Rad eine Frau ist? Dann ist das die größte Katastrophe überhaupt! Schlimmer geht’s nicht. Ein männlicher Single ist wie ein süßer Welpe, der sich verirrt hat. Das Paar – oder zumindest eine*r der beiden – wird alles daran setzen, ihn so schnell wie möglich zu verkuppeln, denn wir können den armen Jungen ja nicht im Regen stehen lassen, oder? Nicht, wenn es da draußen all diese großartigen Single-Frauen gibt. Aber ein weiblicher Single? Das ist ein gemeines Luder. Eine Verführerin. Sie wird einen Teil des Paares in ihre Sexhöhle locken und das Paar auseinanderbringen! Verschwinde bloß, du Drittes-Rad-Mädchen! Du magst ja nett sein, aber wir wollen dich hier nicht haben!
Schwachsinn. Ich kann mit Sicherheit sagen, mein Interesse daran, Zeit mit einem Paar zu verbringen, beschränkt sich einzig und allein auf den Fakt, dass ich meine Freund*innen nicht verlieren will, nur, weil sie jemanden gefunden haben, mit dem oder der sie regelmäßig Sex haben. Und ich will mich auch nicht weniger willkommen fühlen, nur, weil sie jemanden gefunden haben, der oder die die Liebe ihres Lebens sein könnte. Ich will niemanden auseinanderbringen – ich meine hey! wir reden hier von meinen Freund*innen! Warum sollte ich ihnen wehtun wollen?
Das dritte Rad zu sein, macht uns manchmal sehr deutlich bewusst, dass wir allein sind. Wir denken dann schnell, uns würde etwas fehlen. Aber genau wie das Wort “single“ muss auch der Begriff “drittes Rad“ dringend neu definiert werden. Wir müssen lernen, das Gute darin zu sehen, das, was schon immer da war. Und mit “wir“ meine ich gar nicht mal unbedingt die Paare. Sie würden sich schließlich gar nicht erst mit Single-Freund*innen verabreden, wenn sie keinen Bock darauf hätten, zu dritt Zeit zu verbringen. Wenn sie keine Lust hätten, würde sie es nicht tun. So einfach ist das. Mit “wir“ meine ich also hauptsächlich uns Singles.
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Ich denke Singles stört es mehr, das dritte Rad zu sein, als es Paare stört, ein drittes Rad zu haben. Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht.
Wir tun ihnen einen Gefallen. Wir versorgen sie mit einer zusätzlichen Person, die eine ganze Liste interessanter Themen mit sich bringt. Wir geben der Frage „Was gibt’s Neues?“ wieder einen Sinn. Ich meine überleg doch mal: Paare fragen sich nicht gegenseitig, was es so Neues gibt. Sie wissen eh alles über einander. Aber das dritte Rad, bei dem könnte wirklich etwas Spannendes passiert sein, seitdem man es das letzte Mal gesehen hat. Bei einer Unterhaltung mit ihm bezieht sich die Frage nicht darauf, was es zum Mittag in der Kantine gab. Wir sind mysteriös. Wir sind faszinierend. Wir sorgen dafür, dass es am 4er-Tisch einen freien Stuhl gibt, auf dem alle ihre Jacken und Taschen ablegen können. Gern geschehen.
Sei ein stolzes drittes Rad. Vergiss die negativen Konnotationen. Das vordere Rad eines Dreirads sorgt nicht nur für Stabilität, es lässt das Gefährt auch noch super süß aussehen.
Wenn unsere Freund*innen jemanden kennenlernen, fühlen wir uns schnell außen vor oder unvollständig – aber das ist unsere eigene Entscheidung. Ich habe beschlossen, mich nie davor zu scheuen, mich mit befreundeten Paaren zu treffen, denn wir sind schließlich Freund*innen. Es ist nicht nur absolut möglich, als Single mit einem Paar befreundet zu sein (und andersrum), sondern auch noch ganz normal und absolut fantastisch. Mit einem Händchen haltenden Paar durch den Park zu spazieren, kann awkward sein und vielleicht fühlst du dich dann auch einsam oder nicht richtig willkommen. Das verstehe ich, glaub mir! Aber es muss nicht unangenehm sein, wenn du es nicht willst. Ich habe gelernt, die Redewendung neu zu interpretieren und du kannst das auch.