Ich liebe mein Leben als Single & wünsche mir trotzdem einen Partner

Es gibt viele Gründe, warum ich gern eine Beziehung hätte. Ich liebe es, jemanden um mich zu haben. Ich lache gern viel. Und ich hätte auch nichts dagegen, wenn sich zur Abwechslung mal jemand anderes um die Spinnen in meiner Wohnung kümmern würde. Ich versuche zwar, mich auf die positiven Seiten des Singlelebens zu konzentrieren, aber ich bin auch nur ein Mensch und denke ab und zu dann eben doch über das nach, was ich nicht habe. Viele dieser Dinge machen mich zeitweise traurig, aber heute möchte ich über ein Thema sprechen, das mich wütend macht: Geld.
Dass die Mieten eigentlich überall in der westlichen Welt viel zu hoch sind, brauche ich niemandem zu erzählen. Das Problem wäre nur halb so groß, wenn ich es durch zwei teilen könnte. Mindestens drei Mal am Tag – wenn ich meine Yogaleggings an einem aus den Dielen hervorragenden Nagel aufreiße, auf der einzigen funktionierenden Herdplatte koche oder wenn es an der Tür klingelt und ich vier Etagen runterrennen muss, damit mir der Nachbarschaftsdieb nicht mein Amazon-Paket klaut – werde ich daran erinnert, mit viel Scheiß ich mich nicht beschäftigen müsste, wenn ich mir eine bessere Wohnung leisten könnte. Und wenn wir mal ehrlich sind, müssten Josh und ich (ich nenn ihn jetzt einfach mal Josh) noch nicht mal das Doppelte meiner jetzigen Miete ausgeben, um uns eine Wohnung inklusive begehbarem Carry-Bradshaw-Kleiderschrank leisten zu könnten. Aber zurück zur Realität.
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Ich lebe in einer Einraumwohnung im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Ich wohne im vierten Stock und einen Aufzug gibt es natürlich nicht – genauso wenig wie einen Müllschacht, einen Deckenventilator, eine Arbeitsplatte oder mehr als eine Steckdose pro Zimmer. Der Linoleumboden in der Küche ist so brüchig, dass ich fast schon in die Wohnung unter mir linsen kann. Ich kann nicht duschen, wenn gleichzeitig irgendjemand anderes im Gebäude Wasser laufen lässt. Mein Kühlschrank wurde gebaut, als Clinton, der Mann, Präsident war. Aber hey: Immerhin funktioniert die Toilettenspülung! Manchmal zumindest. Und für diesen Himmel auf Erden bezahle ich fast 2.000 Euro pro Monat (ich wohne in New York, remember) – und damit habe ich ehrlich gesagt sogar noch Glück. Doch wenn wir mal ehrlich sind, ist die Wohnung maximal 1.000 Euro Wert. Also genau so viel, wie ich bezahlen würde, wenn ich mir die Miete mit jemandem teilen würde. Dass dieser jemand nicht nur meinen Geldbeutel, sondern auch meinen Vibrator entlasten würde, erwähne ich an dieser Stelle nur mal so nebenbei.
Solltest du gerade an einer Kontra-NYC-Liste sitzen, kannst du den Stift direkt wieder fallen lassen, denn ich zieh definitiv nicht weg. Ich liebe die Stadt und habe mir bewusst hier ein Leben aufgebaut. Und nein, es ist auch keine Option für mich, mir mit 36 Jahren eine*n Mitbewohner*in zu suchen, vergiss es. Ich sage ja gar nicht, dass ich in einem Luxus-Penthouse mit hauseigener Kosmetikerin wohnen will. Alles, was ich will, ist eine durchschnittliche, heile Wohnung – das kann doch nicht zu viel verlangt sein, oder? Sag was du willst über meine Stadt, aber wenn sich eine Frau mit sechsstelligem Jahresgehalt nur ein Apartment ohne rissige Wände, schlecht isolierte Fenster und launische Klospülung leisten kann, wenn sie es zusammen mit ihrem Partner/ihrer Partnerin bezahlt, dann ist die Kacke echt am Dampfen.
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Ernsthaft: Es ist, als würde die Stadt mich auslachen und sagen: Sorry, Süße, aber egal, wie hart du auch arbeitest, du wirst es dir nie leisten können, da zu wohnen, wo du glücklich wirst.

Ja, ich muss nebenbei horrende Studienkredite abbezahlen, aber das rechtfertigt trotzdem nicht, dass meine Schuhe in der Küche und meine Schlüpfer im Wohnzimmerschrank leben müssen. Meine verheirateten Freund*innen mussten nicht aus der Stadt ziehen, um eine schicke Wohnung zu finden und glücklich zu werden, warum sollte ich das also machen müssen? Warum sollte eine alleinstehende Frau ihren Job und ihren Freundeskreis zurücklassen müssen, nur, damit sie sich eine Wohnung leisten kann, die den Eltern nicht Tränen in die Augen treibt? Ernsthaft: Es ist, als würde die Stadt mich auslachen und sagen: Sorry, Süße, aber egal, wie hart du auch arbeitest, du wirst es dir nie leisten können, da zu wohnen, wo du glücklich wirst. Das ist doch einfach zum Kotzen. Es fühlt sich an, als wäre mein Glück zum Greifen nah, aber der Schlüssel zur Traumwohnung liegt am Boden eines Greifautomats voller Kuscheltiere.
Als Single musst du viele Kämpfe kämpfen, so viel steht fest. Frauen in Partnerschaften werden nicht ständig um 5 Uhr morgens mit Tinder-Nachrichten inklusive Blowjob-Anfrage geweckt. Sie müssen nicht auf unzählige erste Dates gehen, die zu absolut nichts führen (außer zu einer viel zu hohen Getränkerechnung, natürlich). Und sie werden auch nicht von jedem (!) gefragt, ob sie vergeben sind. Mit diesem ganzen Mist müssen sich verliebte, verlobte und verheiratete Frauen nicht beschäftigen. Aber noch schlimmer finde ich, dass sie einen finanziellen Vorteil haben, nur weil sie sich ihr Schlafzimmer mit jemandem teilen. Und das macht mich richtig sauer.
Ich will einen Freund. Jetzt. Jemanden, mit dem ich die Rechnungen teilen kann – und den ich im Idealfall auch wirklich liebe. Ich will die 900 Euro haben, die ich im Monat sparen würde, wenn ich mit jemandem zusammenleben würde. Und da habe ich noch nicht mal die Kosten für Strom, Gas, Internet, Netflix, Spotify, Amazon Prime und Haustierversicherung reingezählt. Und hör mir auf mit dem Thema Urlaub! Ich sag nur Mietwagen, Einzelzimmer,…
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Ich würde einfach nur gern Mitglied des 50%-Sale-Clubs sein, wenn’s keine Umstände macht.

Versteh mich nicht falsch: Ich wünsche mir keinen Sugar Daddy. Keinen Mann, der alles für mich bezahlt. Ich verdiene mein Geld gerne selbst und stehe auf eigenen Beinen. Aber ich will einen Partner, mit dem ich mir Aufwandskosten teilen kann. Für Dinge, die wir beide brauchen und benutzen. Ich will weiter hart arbeiten und mein stinknormales, bescheidenes Leben führen. Ich würde einfach nur gern Mitglied dieses prestigeträchtigen 50%-Sale-Clubs sein, wenn’s keine Umstände macht. Seit Jahren schaue ich Freund*innen und Bekannten dabei zu, wie sie jemanden kennenlernen und anschließend ein leichteres Leben führen als ich. Nur weil sie in einer Beziehung sind. Mir wird es finanziell nie so gut gehen wie ihnen, es sei denn, ich verdiene auf einmal doppelt so viel wie jetzt.
Nichtsdestotrotz gibt es tausend Gründe, warum ich es liebe, single zu sein. Ich verreise gern allein, treffe all meine Entscheidungen allein, muss um 6 Uhr morgens nicht leise sein, wenn ich aufstehe. Ich kann Cat Power in Endlosschleife hören, so lange ich will. Ich liebe es, mich frei zu fühlen. Aber ich finde es auch okay, dass mich dieses Geldding einfach richtig anpisst. Es ist okay, wütend zu sein, weil ich Miete und Rechnungen nicht mit jemandem teilen kann und mir im Notfall auch kein zweites Einkommen zur Verfügung steht. Das macht die Gesamtsituation noch beschissener. Ein weiterer Schlag ins Gesicht. Noch eine Sache, die ich nicht haben kann, weil ich single bin. Vielen Dank auch.
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