Ist es je möglich, mit der Familie der:des Ex in Kontakt zu bleiben?

Foto: Jessica Garcia
Elaine Ventura war etwa ein halbes Jahr mit ihrem Ex zusammen gewesen, als sich die beiden trennten. Die Trennung verlief relativ schmerzlos. „Wir waren einfach nicht auf derselben Wellenlänge“, erklärt sie. „Außerdem war ich viel älter als er.“ Kurz danach gingen sie getrennte Wege. Seitdem haben sie kein einziges Wort mehr ausgetauscht. Ventura hat aber immer noch Kontakt zu seiner Mutter.
„Ohne seine Mutter auszukommen, fiel mir viel schwerer, als ihn gehen zu lassen“, meint sie. „Wir waren das perfekte Trio: mein Ex, seine Mutter und ich. Sie behandelte mich wie ihre eigene Tochter. Wenn ich nicht gerade bei ihrem Sohn war, war ich mit ihr unterwegs.“ Ventura erwähnt, dass die Mutter ihres ehemaligen Partners einmal sogar Partei für sie ergriff, als er und sie einen Streit hatten. Selbst Jahre nach der Trennung liken die beiden Frauen immer noch die Instagram-Posts der anderen. Während Ventura keine Lust hat, die Verbindung zu ihrem Ex jemals wieder aufzunehmen, hat seine Mutter aber immer noch einen besonderen Platz in ihrem Herzen.
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Keine Beziehung ist gleich. Aus diesem Grund ist es schwer, eine pauschale Aussage darüber zu machen, wie man sich den Familienmitgliedern des ehemaligen Partners oder der ehemaligen Partnerin gegenüber verhalten sollte. Rachel Sussman, eine Ehe- und Familientherapeutin, die das Buch The Breakup Bible (zu Deutsch: Die Trennungsbibel) geschrieben hat, erklärt, dass es einen Ansatz gibt, der dir am schnellsten dabei helfen kann, über eine Trennung hinwegzukommen. „Ich empfehle, bestimmte Personen und Orte vorübergehend oder dauerhaft zu meiden und manche Dinge für eine Weile sein zu lassen: von gemeinsamen Freund:innen und der Ex-Familie über Lieblingsrestaurants, in denen ihr früher immer zusammen gegessen habt, bis hin zu all den Sachen, die ihr während eurer Beziehung gemeinsam gemacht habt“, sagt sie. Außerdem empfiehlt sie, den Kontakt zu dem oder der Ex völlig abzubrechen.
Der Wunsch, die Verbindung zur Ex-Familie aufrechtzuerhalten, ist völlig normal, meint Sussman. Wenn du mit jemandem zusammen bist, verschmelzen eure sozialen Kreise sehr oft miteinander. Ist die Beziehung sehr ernst, kann sich die Familie der anderen Person im Laufe der Zeit sogar wie deine eigene anfühlen. Es kann also niederschmetternd sein, deine bessere Hälfte und ihre Familie auf einmal zu verlieren. Immerhin bist du nach einer Trennung wahrscheinlich ohnehin schon sehr verletzlich und fühlst dich einsam.
Kristin Marquet Chester zum Beispiel baute im Laufe ihrer jahrelangen Beziehung ein sehr gutes Verhältnis zu den Eltern ihres Partners auf. „Sie wurden mit der Zeit zu so etwas wie Ersatz-Eltern“, sagt sie. Dann erwischte sie ihren Freund beim Fremdgehen. „Ihn auf frischer Tat zu ertappen, war herzzerreißend“, erinnert sie sich. „Ich habe mich umgedreht und bin weggegangen. Das war das Ende unserer Liebesgeschichte. Wenn sich Leute respektlos verhalten, kann ich einfach null Geduld oder Mitgefühl aufbringen.“
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Mit ihrem damaligen Freund Schluss zu machen, fiel ihr leicht. Sich von seinen Familienmitgliedern zu trennen, wäre aber eine viel schwierigere Angelegenheit gewesen. Deshalb hielt sie den Kontakt zu ihnen aufrecht. Als ob nichts passiert wäre, kommunizierten wir weiterhin „per E-Mail, schrieben einander SMS und telefonierten. [Mein Ex] war wahrscheinlich wütend [darüber], aber ich kann es nicht hundertprozentig bestätigen, weil wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr miteinander sprachen“, sagt Chester. Im Laufe der nächsten zwei Jahre nahm der Kontakt zu den Eltern ihres ehemaligen Partners langsam ab. Irgendwann brach er dann ganz ab. „Damals fand ich das richtig traurig“, sagt sie. Jetzt aber liegt das letzte Gespräch mit dieser Ex-Familie Jahre zurück und es stört sie nicht mehr, dass sie keine Verbindung mehr zu ihr hat. Vielleicht liegt es daran, dass sich diese Funkstille wie ein natürliches und nicht wie ein abruptes Ende anfühlte, über das sie die Kontrolle hatte.
Sussman betont, dass diese Taktik aber nicht für alle funktioniert. „Stell dir vor, du musst dir jedes Mal anhören, wie es deinem oder deiner Ex geht, wann immer du dich mit seiner oder ihrer Schwester triffst“, sagt Sussman. „Auf diese Weise gibst du dir selbst nicht die nötige Zeit, um den Trennungsschmerz zu verarbeiten, wenn du ständig an die Beziehung oder die Person, mit der du zusammen warst, erinnert wirst.“
Bevor du nach einer Trennung die Verbindung zu einer Person aufnimmst, die zu euren gemeinsamen Kontakten gehört, solltest du vorher völlig ehrlich zu dir selbst sein: Bist du wirklich über die Beziehung hinweg und mit der Trennung im Reinen, oder bist du möglicherweise noch gefühlsmäßig verwickelt? Willst du tatsächlich nur kurz vorbeischauen oder vielleicht doch eher die Beziehung zu Ex-Familienmitgliedern oder gemeinsamen Freund:innen nutzen, um dich mit deinem ehemaligen Partner oder deiner ehemaligen Partnerin verbunden zu fühlen?
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Selbst wenn ihr Schluss macht und es dir danach voll okay geht, rät Sussman dazu, eine vorübergehende Pause zu den Personen einzulegen, die du über deine:n Ex kennengelernt hast – dir zuliebe und aus Respekt zu deinem ehemaligen Partner oder deiner ehemaligen Partnerin. Sei offen zu ihnen: Erklär ihnen, dass du dich zurückziehen wirst, bis du über die Trennung hinweggekommen bist. Betone aber auch, dass du ihre Freundschaft schätzt und dass du sie wieder kontaktieren wirst, sobald du das Geschehene verarbeitet hast. Wenn du dann wieder Kontakt zu ihnen aufnimmst, ist es vielleicht keine schlechte Idee, sie darum zu bitten, einen Bogen um das Thema Ex zu machen.
Möglicherweise bittet aber dein:e Ex seine oder ihre Familie darum, sich von dir abzukapseln, sagt Sussman. Es kann ganz schön wehtun, festzustellen, dass dich die Geschwister deines oder deiner Ex in den sozialen Medien entfreundet oder blockiert haben. In diesem Fall empfiehlt Sussman, den rechten Weg zu beschreiten: Lass Vergangenes in der Vergangenheit und konzentrier dich auf deine anderen Beziehungen.
Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Nach einer Trennung hat man oft das Gefühl, niemanden zu haben, auf den man sich stützen kann – vor allem, wenn es sich dabei um eine langjährige Beziehung oder Ehe handelt, in der sich beide Leben und soziale Kreise sehr verstrickt haben. In diesem Fall kann eine Therapie hilfreich sein. Sussman schlägt aber auch vor, deine eigene Komfortzone zu verlassen, um neue Leute kennenzulernen. „Geh die Liste aller Menschen in deinem Leben durch. Für wen hattest du während deiner Beziehung etwas weniger Zeit als sonst? Es gibt bestimmt Leute, die sich darüber freuen werden, von dir zu hören – Freund:innen aus der Uni- oder Schulzeit, ehemalige Kolleg:innen, die du mochtest, oder Bekannte, die in einer anderen Stadt leben, die du nicht so oft siehst“, sagt sie.
Für manche Menschen ist eine Trennung besonders schwierig, da sie zum Beispiel gemeinsame Kinder mit dem oder der Ex haben und deshalb vielleicht häufig mit dieser Person und manchmal auch mit ihrer Familie sprechen müssen, um z. B. Sorgerechtsfragen zu klären. In diesen Fällen rät Sussman dazu, die Kommunikation auf ein Minimum zu beschränken – besonders zu Beginn, wenn der Trennungsschmerz noch frisch ist.
Denk daran, dass du dich nicht unbedingt für immer von deiner Ex-Familie verabschieden zu brauchst. „Du kannst mit diesen Personen zu einem anderen Zeitpunkt wieder in Kontakt treten, sobald du die Trennung verarbeitet hast und über den Liebeskummer hinweg bist“, sagt Sussman, „falls du das dann überhaupt noch willst.“

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