11 Frauen sprechen über negative Stereotypen, die sie besonders stören

Ehrgeizige Frauen sind zickig.
Deutsche sind immer ernst.
Mädchen haben feminin zu sein.
Ob gut oder schlecht, niemand von uns ist vor Stereotypen gefeit. Bestenfalls sind sie lästig und reduktiv. Im schlimmsten Fall können sie aber einschränkend auf das Potenzial einer Person wirken (durch Klischees, die auf dich projiziert werden oder durch deine eigenen Vorstellungen darüber, was für dich im Rahmen des Möglichen ist und was nicht).
Psychotherapeut Matt Lundquist erklärt, dass Klischees zu etwas führen können, das unter Fachleuten als „Stereotyp-Bedrohung“ (aus dem Englischen: Stereotype Threat) bezeichnet wird. Das Phänomen beschreibt die Befürchtung von Betroffenen, auf der Grundlage von negativen Stereotypen beurteilt zu werden, oder negative Stereotype in Bezug auf die Eigengruppe unbeabsichtigt durch eigenes Verhalten zu bestätigen. Diese Angst löst bei Mitgliedern sozial abgewerteter Gruppen/Minderheiten ein Gefühl der Bedrohung aus.
„In gewisser Hinsicht kann die Weise, wie wir wahrgenommen werden, eine Art selbsterfüllende Prophezeiung sein“, erklärt Lundquist. „Alle möglichen Lebensumstände können einen Einfluss darauf haben, was eine Person für sich selbst als möglich erachtet: eine erfolgreiche Ehe, Kontrolle über Gefühle oder berufliche Entwicklungschancen.“
Klischees, sagt er, hätten hier ihre Finger im Spiel.
„Eine Person, die davon abgehalten wurde, einen bestimmten Lebensweg aufgrund von Vorstellungen über z.B. ihre Hautfarbe einzuschlagen, kann sich unerfüllt fühlen“, sagt Lundquist.
Und selbst wenn jemand trotz eines hinderlichen Stereotyps vorankommt und Erfolg hat, kann es durchaus der Fall sein, dass er oder sie noch härter arbeiten muss, um den eigenen Wert unter Beweis zu stellen. Das wirkt sich wiederum negativ auf die Psyche aus.
In einer Studie fanden Forscher:innen heraus, dass starre Geschlechterstereotypen bereits einen Einfluss auf Kinder im Alter von fünf Jahren haben können. Das kann möglicherweise dazu führen, dass Jungen anfälliger für Gewaltausübung sind und Mädchen eher Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt werden. Eine andere Studie aus dem Jahr 2016 legt zudem nahe, dass die geistige Gesundheit von Männern umso schlechter ist, je mehr sie sich an männliche Normen anpassen.
Stereotype sind oft unbewusst und werden uns schon in jungen Jahren eingeimpft. Genau das macht es so schwer, sie loszuwerden. Selbst wenn man sich nicht bewusst damit beschäftigt, können sie die Art und Weise beeinflussen, wie man über sich selbst denkt. Vor diesem Hintergrund baten wir 11 Frauen, uns die negativen Stereotypen zu verraten, die ihnen am meisten zu schaffen machen.

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