Was wir unseren Müttern gern sagen würden, aber nicht können

Foto: Eylul Aslan.
In ein paar Wochen ist Muttertag – der einzige Feiertag des Jahres, auf den wir uns alle einigen können. An diesem einen Tag machen wir all das, was wir eigentlich auch an den restlichen 364 Tagen tun sollten: Wir danken unseren Müttern und zeigen ihnen in Form eines Kuchens oder Champagner oder Tee oder Schokolade oder irgendeines anderen käuflichen Liebesbeweises, dass wir sie lieben. Dass wir ihnen unendlich dankbar für die nicht-käuflichen Geschenke sind, die sie im Idealfall jeden Tag mit uns teilen – bedingungslose Liebe und lebenslange Selbstlosigkeit
Trotzdem gibt es Dinge, die wir ihnen gern sagen würden, die uns aber – aus welchem Grund auch immer – nicht über die Lippen kommen. Vielleicht tut die Wahrheit zu sehr weh; vielleicht sind die Worte heute nicht mehr wichtig. Vielleicht würden sie auch alte Narben aufreißen, oder eure Mutter-Kind-Beziehung zu stark belasten.
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Aber was würde passieren, wenn wir ihnen sagen würden: „Vielleicht könntest du das öfter tun“, oder: „Ich wünschte, du könntest das verstehen“? Oder: „Du solltest dir selbst mehr vertrauen“? Würden sie weinen? Würden sie zustimmen? Würden sie sich uns öffnen? Wären sie uns dankbar?
Wir haben acht Frauen danach gefragt, was sie ihren Müttern gern sagen würden, aber nicht sagen können – und bekamen sehr emotionale Antworten.
*Einige Namen wurden aus den oben genannten Gründen von der Redaktion geändert.

Sophie, 28

Ich wünschte, ich könnte meiner Mutter sagen, dass ich ihr verzeihe, dass sie mir erst gesagt hat, dass sie mich liebt, als ich 21 war. Ich kann nicht behaupten, dass ich je werde verstehen können, wieso sie diese drei kleinen Wörter nicht aussprechen konnte. Ich weiß aber, dass sie mir ihre Liebe auf unzählige andere Arten zeigte. Ich wünschte, ich könnte sie fragen, was ihr passiert ist, das sie so vorsichtig hat werden lassen und sie bis heute davon abhält, ihre Gefühle öffentlich zu zeigen. Ich wünschte, ich wäre mutig genug, um zu versuchen, sie wirklich zu verstehen.

Lea, 24

Jeden Tag will ich dich packen und schütteln – nicht, weil du mich nervst, nicht, weil du mir peinlich bist, nicht, weil wir uns streiten. Nichts davon. Ich will dich schütten, weil du so toll bist, ohne es zu wissen. Ich vergebe dir dafür, dass du mich in Gummistiefeln von der Schule abgeholt hast, für die dreistündigen Spaziergänge an Weihnachten, dafür, dass du mit uns in den Urlaub gefahren bist, ohne irgendwas gebucht zu haben, und dafür, dass wir dann immer in den beschissensten Hotels landeten. All das ist heute egal. Ich wünsche mir all das zurück, was mich damals wahnsinnig machte. Ich liebe dich, Dad liebt dich, und die ganze Familie liebt dich. Du solltest dich auch lieben.
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Martina, 24

Meine Mutter arbeitet in der Politik und setzt sich unermüdlich für die Probleme von Frauen ein. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich ihr zwar dankbar dafür bin, so ein starkes feministisches Vorbild gehabt zu haben, dass ich aber auch Liebe und Aufmerksamkeit brauchte. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich damals keine Richterin brauchte, oder all die eingeredeten Schuldgefühle. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich mir damals mehr Ehrlichkeit und Einfühlsamkeit, mehr Geduld und mehr Verantwortungsgefühl von ihr gewünscht hätte. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich ihr all das verzeihe, was passiert ist, und dafür, dass ihr ihre Karriere immer wichtiger war als wir – aber dass ich jahrelang still darunter litt. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich immer eine Mutter brauchte.

Tessa, 24

Ich würde ihr sagen, dass ich mir wünschen würde, sie würde sich mal ein bisschen öffnen und häufiger zu neuen Dingen Ja sagen. Wenn ich etwas erwähne, was sie nicht kennt, schaltet sie einfach ab. Wenn ich sie irgendwohin einlade, wo sie noch nicht war, reagiert sie sehr zurückhaltend. Ich liebe es, Geschichten aus ihrer Jugend zu hören, als sie noch viel reiste und lockerer war. Sie klingt wie eine coole Person. Aber all das muss ich immer nur von meinem Vater hören. Sie erzählt mir das nie. Ich wünschte mir, sie würde sich ein bisschen locker machen und zum Beispiel mal ein Buch lesen, das ich ihr empfohlen habe, oder mal was Neues ausprobieren. Vielleicht würde es ihr sogar gefallen. Aber wenn ich ihr das sagen würde, würde sie mich ignorieren. Eins ist sicher: Sie könnte uns so viele neue gemeinsame Erlebnisse ermöglichen.
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Natasha, 31

Ich wünschte, ich könnte meiner Mutter sagen, dass es an ihr liegt, glücklich zu sein – das kann niemand anderes für sie übernehmen. Ich wünschte, sie könnte ein bisschen stolz auf ihr Leben, ihre Persönlichkeit und ihr Aussehen sein. Ich wünschte, ich könnte ihr erzählen, dass es total erfüllend sein kann, als introvertierter Mensch über den eigenen Schatten zu springen und sich Mühe zu geben. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass es das wert ist. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, sie soll optimistischer sein. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, sie sollte sich mal über die kleinen Dinge im Leben freuen. Ich wünschte, ich könnte ihr das Selbstvertrauen schenken, um einfach mal glücklich zu sein.

Rosie, 27

Ich wünschte, ich könnte meiner Mutter erzählen, dass ich eine Abtreibung hatte – kann ich aber nicht, weil sie mir nie verzeihen würde. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass das die richtige Entscheidung für mich war, aber sie würde mich eine Mörderin nennen. Ich wünschte, ich könnte ihr erzählen, wie sehr mir das wehtat.

Sarah, 28

Ich würde ihr sagen, dass ich respektiere, dass sie ihre Meinung immer offen ausspricht, ganz egal, in welcher Situation. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass ich ihr zwar dankbar für meine lockere Erziehung und zufrieden mit dem Menschen bin, der ich heute bin – dass ich mir aber auch wünsche, sie hätte mir zumindest manchmal ein Abendessen gekocht oder die Wohnung geputzt. Ich wünschte mir, sie würde mir manchmal ein bisschen mehr Mitleid schenken, anstatt immer nur zu sagen: „So ist das Leben nun mal.“ Ich würde ihr gern sagen, dass ich mir wünsche, sie hätte mir früher mehr Zuneigung geschenkt – und heute auch noch. Gleichzeitig bin ich ihr aber auch dankbar, weil sie mir damit unabsichtlich beigebracht hat, dass ich mich nie irgendwelchen Stereotypen unterwerfen muss – und dass die Meinung einer Frau wichtig ist.

Alice, 26

Wenn ich bedenke, wie oft und stark mich meine Mama selbst für die kleinsten Erfolge lobt und feiert, wünsche ich mir, ich hätte ihr viel öfter gesagt, wie sehr sie mich inspiriert hat, und dass ich nur deswegen dieser starke Mensch bin, weil sie es mir vorgelebt hat. Ich bewundere ihren Erfolg – als Geschäftsfrau, als Mutter, als Frau, als Freundin, als Schwester, als all das, was sie für so viele glückliche Menschen ist. Sie ist mutig und liebevoll, von innen und außen wunderschön, und wirklich außergewöhnlich. Ich weiß, dass wir alle unsere eigene Mutter für die beste der Welt halten, aber ich bin unendlich dankbar für meine. Sie ist mein Fels in der Brandung. Ich schäme mich dafür, dass ich es dir nicht oft genug sage, aber: Danke – von ganzem Herzen.

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