Warum ich beschlossen habe, mir in der Selbst-Isolation die Haare abzurasieren

Rosie Jarvis ist eine 3D-Künstlerin aus London. Im Interview mit Jacqueline Kilikita (Beauty Editor von Refinery29 UK) hat sie erzählt, warum sie sich ihre Haare am 12. Tag der Selbst-Isolation abrasiert hat.
„Ich wollte meine Haare eigentlich schon seit einer Weile abrasieren. Vor ein paar Jahren sah ich eine Frau mit einem Buzzcut und sie sah so badass aus; ich wollte ihr Selbstbewusstsein haben und dachte, jetzt ist die perfekte Zeit, es einfach zu tun!
Ich arbeite hauptberuflich als Game Artist und fand schon immer, dass der Look sehr artsy und stark aussieht. Ich muss mich an keinen Dresscode halten und ich arbeite auch nicht in der Öffentlichkeit also kann ich tragen was ich will. Also dachte ich, warum eigentlich nicht. Ich muss in den nächsten Wochen eh nicht auf irgendein Event oder so gehen. Wenn ich meinen neuen Haarschnitt also hassen würde, hätte ich also genug Zeit, ihn rauswachsen zu lassen – oder online eine Perücke zu bestellen. Außerdem kann ich jetzt auch ganz in Ruhe austesten, mit welchen Klamotten ich meine neue Frisur am besten kombinieren kann.
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Foto: Rosie Jarvis
Rosie bevor sie ihre Haare abrasiert hat
Ich habe meine Haare eh nie so wirklich gemocht und sie auch nie gern gestylt. Ich hasse es, wenn sie fettig aussehen oder mir der Wind sie in die Augen weht oder wenn sie beim Sport im Gesicht festkleben. Sie sahen nur gut aus, wenn ich mir viel Zeit genommen habe, sie zu föhnen und anschließend Locken reinzumachen – die allerdings nur sehr kurz gehalten haben. Weil ich an einer Sozialphobie leide, gehe ich nicht zum Friseur. Deswegen schneide ich meine Haare schon seit sieben Jahren selbst. Meinen Buzzcut habe ich zwar jetzt noch nicht so lange, aber ich liebe es, über das alles nicht mehr nachdenken zu müssen.
Ich hätte mir meine Haare sowieso abrasiert – Selbst-Isolation hin oder her. Und mein Freund hat auch schon immer gesagt, ich würde gut mit kurzen Haaren aussehen. Und dann dachte ich: Wenn ich es eh irgendwann machen will, warum dann nicht jetzt? Also fragte ich meinen Freund eines Abends, ob er mir den Kopf rasieren könnte und das tat er dann auch.
Foto: Rosie Jarvis
Ich liebe meinen Buzzcut! Ich bereue es absolut nicht. Ich war überrascht, weil ich gedacht hab, ich würde dadurch maskuliner aussehen, aber ich fühle mich immer noch genauso feminin wie vorher. Meine Familie, meine Freund*innen und mein Freund mögen es auch alle und ich habe schon sehr viele positive Reaktionen und Komplimente bekommen.
Ich denke, es gibt mehrere Gründe, warum sich viele Menschen jetzt die Haare abrasieren. Ich geh davon aus, dass es die meisten ihr Äußeres verändern, um ein Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen in dieser beängstigenden Situation. Oder sie wollen einfach etwas mehr Spannung und Abwechslung, weil ihnen langweilig ist. Außerdem posten gerade viele Bilder von ihrem neuen Buzzcut, was Frauen, die ohnehin darüber nachgedacht hatten, sich die Haare zu abzurasieren, motiviert, es jetzt durchzuziehen und den Schritt zu wagen.
Ich liebe es, aufzuwachen und schon gestylt und bereit für den Tag zu sein. Außerdem habe ich viel Spaß, mit verschiedenen Outfits und Accessoires zu experimentieren. Jetzt wirken sie auf einmal ganz anders in Kombination mit dem Buzzcut; sie fühlen sich stylisher an. Ich denke, ich werde den Look für eine Weile behalten. Irgendwann lasse ich meine Haare vielleicht ein kleines bisschen rauswachsen und probiere einen Pixie-Cut aus – einfach nur, weil ich sehr schnell gelangweilt bin von einem Look. Aber kurze Haare werde ich definitiv erst Mal eine ganze Weile haben.“

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