Zeit im Grünen gegen PMS: Ist da wirklich was dran?

Foto: Refinery 29 & Getty Images
Ich erinnere mich noch genau daran, wie eine Freundin von mir eines Tages wie in den Filmen langsam zu Boden sank und lauthals zu heulen begann, weil ihre Lieblingspizzeria an diesem Tag geschlossen hatte. Ihre Reaktion beunruhigte mich in keiner Weise, da ich wusste, dass sie gerade mit PMS zu kämpfen hatte. Außerdem konnte ich ihr Verhalten als jemand, die gegen monatliche Zusammenbrüche nicht immun ist, nur allzu gut nachvollziehen; für viele Frauen ist das prämenstruelle Syndrom ein fixer Bestandteil ihres Lebens.
Bis zu drei von vier Menschen, die menstruieren, berichten, dass sie unter PMS leiden. Mit Hunderten von dokumentierten Symptomen, die von Müdigkeit und Blähungen bis hin zu Depressionen und starken Krämpfen reichen, sind diese Tage vor dem Beginn der Regelblutung eine ziemlich kräfteraubende Zeit. Außerdem gibt es (schockierenderweise) nicht sehr viele Informationen über die Ursachen und was wir dagegen tun können. Tatsächlich werden fünfmal mehr Studien über erektile Dysfunktion als über PMS durchgeführt, obwohl nur 19 Prozent der Menschen mit Penis Erektionsprobleme haben, während 90 Prozent der Frauen und AFAB-Personen (assigned female at birth, z. Dt.: „bei der Geburt zugewiesenes weibliches Geschlecht“) an PMS leiden.
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Wenn wir diesen systemischen Sexismus aber fürs Erste beiseiteschieben, gibt es einige bewährte Methoden zur Bekämpfung von schwereren Symptomen. Bei manchen Menschen aber führt kein Weg an Medikamenten vorbei, um körperlichen und emotionalen Auswirkungen von PMS die Stirn zu bieten. Und was ist mit dem Rest? Nun, Forscher:innen haben herausgefunden, dass der Schlüssel tatsächlich in unserer Umgebung liegen könnte.
Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Environmental National veröffentlicht wurde, weist darauf hin, dass die Zeit, die wir in der Natur verbringen, PMS-Symptome verringern könnte.
Bei einer Befragung von mehr als 1.000 Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren, die in Städten in Norwegen und Schweden leben, stellten Forscher:innen fest, dass Frauen, die im Laufe ihres Lebens in Gegenden mit mehr Grünflächen leben, seltener unter PMS-Symptomen leiden als jene, die in weniger grünen Gegenden wohnen.
Wissenschaftler:innen am Barcelona Institute for Global Health und der Universität Bergen wollten herausfinden, ob das Wohnen in der Nähe einer städtischen Grünfläche PMS-Symptome lindern könnte und ob das vom Body Mass Index (BMI) der jeweiligen Person, dem Grad der Luftverschmutzung oder körperlicher Aktivität abhängt. Sie kamen zu dem Schluss, dass Frauen, die in grüneren Gebieten leben, wesentlich seltener unter Symptomen wie Angstzuständen, Depressionen, Schlafstörungen, Spannungen in der Brust und sogar Blähungen leiden.
Der Hauptverfasser der Studie, Kai Triebner, wies darauf hin, dass die psychologischen Auswirkungen bemerkenswert sind. „Drei der vier Symptome, die sich durch Zeit im Grünen verbesserten, waren psychologischer Natur. Das stimmt mit dem überein, was wir bereits wussten: Kontakt zur Natur hilft, Stress zu reduzieren und unsere geistige Gesundheit zu verbessern“, sagte er.
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Triebner erklärte, dass Zeit in der Natur den Cortisolspiegel – auch bekannt als „Stresshormon“ – senkt. „Stress kann PMS-Symptome verschlimmern und den Cortisolpegel erhöhen, was wiederum mit einer erhöhten Ausschüttung von Progesteron verbunden sein könnte, das mit dem Auftreten von PMS-Symptomen in Verbindung gebracht wird.“
Er merkte an, dass diese Forschungsergebnisse „ein weiterer Baustein“ in dem Versuch seien, zu verstehen, was die besten Bedingungen für ein gesundes Leben sind. (An dieser Stelle ist es wichtig anzumerken, dass nicht alle von uns die Möglichkeit haben, viel Zeit im Grünen zu verbringen).
Was jedoch die Behandlung von PMS betrifft, so ergab die Untersuchung, dass Frauen über einen längeren Zeitraum hinweg Grünflächen ausgesetzt sein müssen, um den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen zu können. „Hie und da Zeit im Grünen zu verbringen, ergab bei unserer Analyse keine signifikanten Ergebnisse“, sagte Payam Dadvand, Forscher am Barcelona Institute for Global Health, und Koordinator der Studie. „Unsere Studie macht daher klar, wie wichtig es ist, sich regelmäßig im Grünen aufzuhalten, um PMS-Symptome beachtlich zu mindern.“
In den meisten Fällen sind Personen, die menstruieren, gezwungen zu lernen, mit ihren Symptomen zurechtzukommen und unsere eigenen Bewältigungsmechanismen zu finden. Und obwohl der Aufenthalt in der Natur nachweislich positive Auswirkungen auf unser psychisches Wohlbefinden hat, gibt es keine genauen wissenschaftlich erwiesenen Dos and Don'ts dafür, was funktioniert und was nicht. Was wir manchmal also wirklich brauchen, ist eine gute Pizza.

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