Traumdeutung: Was bedeutet es, wenn du vom Tod träumst?

Photographed by Michael Beckert.
Vor einigen Monaten habe ich geträumt, dass meine Mutter gestorben ist. Danach bin ich schweißgebadet aufgewacht, hatte Panik und war kurz davor, loszuheulen. Ich wusste zwar, es war nur ein Alptraum. Nichtsdestotrotz habe ich meine Mutter um sechs Uhr morgens angerufen, um sicherzugehen, dass es ihr gut geht. Natürlich klang sie ziemlich mürrisch (immerhin habe ich sie aus dem Schlaf gerissen), aber ihre Stimme an diesem Morgen zu hören, war beruhigender als jede Liebesballade es je hätte sein können.
Wenn jemand in unserem Traum stirbt – sei es ein geliebter Mensch oder eine fremde Person – sind wir immer sehr beunruhigt, erklärt die Traumanalytikerin Lauri Loewenberg. Denn wir fragen uns dann oft, ob es vielleicht eine Vorahnung sein könnte. Aber da kann dich Loewenberg beruhigen: In den meisten Fällen ist es das nicht!
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„Träume solltest du immer symbolisch betrachten. Du darfst sie nicht wörtlich nehmen, sonst flippst du sofort aus“, meint sie. „Wenn du vom Tod träumst, bedeutet das eigentlich, dass in deinem Leben eine Art Veränderung oder ein Ende geschieht. Für das Unterbewusstsein geht das mit dem Ende des Lebens ‘so wie du es jetzt kennst‘ einher.“
Die Einzelheiten des Traums können mehr Einblick in das geben, was dir wirklich durch den Kopf geht. Die Person, die du dir vorstellst, spielt dabei eine große Rolle. „Normalerweise stehen sie stellvertretend für ein Merkmal oder eine persönliche Eigenschaft, das oder die du hast“, schreibt der Traumexperte und Psychologe Ian Wallace in seinem Buch The Top 100 Dreams: The Dreams That We All Have Have and What They Really Mean. „Der Tod eines geliebten Menschen im Traum deutet darauf hin, dass deine besondere Eigenschaft in irgendeiner Weise transformiert wird. Die Verwandlung ist oft das Ergebnis einer großen Veränderung in deinem wachen Leben, bei der du alte Gewohnheiten loslassen und neue Wege des Handelns erleben wirst.“
Meine Mutter ist zum Beispiel sehr warmherzig und fürsorglich. Das bin ich auch. Aber ich mache mir manchmal Sorgen, dass die Leute mich dann weniger ernst nehmen, deshalb versuche ich, diese Seite von mir auf der Arbeit zu verdrängen. Vielleicht hat mein Unterbewusstsein diesen Kampf aufgefasst.
Dasselbe gilt für Träume, in denen du einen Star sterben siehst. „Ich hatte eine Klientin, die immer wieder davon träumte, sie sei die beste Freundin von Madonna… und die starb dann in ihren Träumen“, sagt Loewenberg. „In der Therapie fanden wir heraus, dass Madonna für sie das Muttersein repräsentiert, nicht nur, weil ihr Name übersetzt Mutter bedeutet, sondern weil Madonna ziemlich viele Kinder hat“, sagt Loewenberg. „Meine Klientin überlegte sich, ihre Eileiter abbinden zu lassen, was den ‘Tod‘ ihrer Fähigkeit wieder Mutter zu werden bedeutete. Ihre Träume ließen sie wissen, dass es in Ordnung ist, diesen Teil von sich loszulassen.“
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Auch die Art, wie der Tod im Traum eintritt, ist von Bedeutung. „Ein natürlicher Tod stellt eine Veränderung oder ein Ende dar, das sich auf natürliche Weise vollzieht. Ein Mord steht dagegen für eine erzwungene Veränderung oder ein erzwungenes Ende – zum Beispiel, wenn du jemanden aus deinem Leben streichst. Wenn du mit dem Rauchen oder Trinken aufhörst, träumst du vielleicht, dass du ermordet wirst, weil dieser Teil von dir getötet wird.“
Solltest du im Traum in einem Krankenhaus sein, könnte das bedeuten, dass du „eine ungesunde Abhängigkeit zu einem geliebten Menschen hast und in deinem wachen Leben verantwortungsbewusster und selbständiger sein musst“, fügt Wallace hinzu. Bist du aber in einem Friedhof, könnte dein Unterbewusstsein dir vermitteln wollen, dass du die Vergangenheit langsam ruhen lassen musst.
Zu guter Letzt kommt es auch immer darauf an, wie du dich nach dem Aufstehen fühlst: „Die freudige Erkenntnis, dass deine Lieben noch am Leben sind, verdeutlicht, dass deine Verbindung zu ihnen wiedergeboren und erneuert wird. Das wird dir helfen, eine noch stärkere Bindung zu ihnen aufzubauen“, meint Wallace.
Bei mir hat das definitiv so gestimmt. Nach meinem Alptraum hätte ich stundenlang mit meiner Mutter reden können; nur leider wollte sie lieber weiterschlafen und etwas später wieder telefonieren – wer kann es ihr verübeln?

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