Wie dir dein Körper zeigen will, dass du (zu) gestresst bist

Foto: Eylul Aslan
Wann immer ich richtig gestresst oder unruhig bin, fängt ein kleiner Muskel in meinem Hals an zu zucken – regelmäßig und über mehrere Tage hinweg, bis er dann nach einiger Zeit von alleine damit aufhört. Ich war irgendwann sicher, dass dieses Zucken bedeutete, ich würde bald sterben; schließlich war es direkt an meiner Halsschlagader. Also machte ich einen Arzttermin aus – und siehe da: Gesichts- und Körperzuckungen wie diese sind weit verbreitete Symptome von Stress, Angst und Unruhe.
Die Psychotherapeutin und Sozialarbeiterin Amy Morin erklärt mir, dass diese Ticks ein Anzeichen für besonders starken Stress oder sogar eine Angststörung sein können (wenn sie auch meist nicht allein auftreten), nach einer Zeit aber meistens verschwinden – wie auch in meinem Fall. „Stress sorgt für die Anspannung der Muskeln. Das wiederum wirkt sich negativ auf das Nervensystem aus und beeinflusst dadurch körperliche Signale“, sagt sie. „Angst und Belastung können auch den Adrenalinpegel steigen lassen; als Konsequenz fangen einige Muskeln womöglich an, zu zucken. Diese Ticks können dabei ganz viele verschiedene Formen annehmen. Manche Betroffenen klagen beispielsweise über zuckende Arme oder Beine.“
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Die Auswirkungen von Stress und Unruhe auf den Körper sind gut erforscht, haben sich bloß noch nicht überall rumgesprochen. Dabei wirkt sich eine schlechte geistige Verfassung in vielen Fällen auch körperlich aus. Einige Menschen merken dann beispielsweise angespanntere Muskeln als sonst – zum Beispiel im Kiefer, was für Schmerzen sorgen kann.
„Wird der Stress stärker, können sich diese Ticks verschlimmern“, betont Morin. „Stress und Angst sorgt für eine stärkere Ausschüttung von Stresshormonen im Körper, was sich wiederum auf die Muskelaktivität auswirkt.“
Generell gilt aber auch Entwarnung: Morin meint, dass ein Zucken, das im Zusammenhang mit Stress steht, meist harmlos ist. Verschwindet das Zucken aber nicht nach ein paar Tagen, solltest du, um auf Nummer sicher zu gehen, deinem Arzt bzw. deiner Ärztin deswegen einen Besuch abstatten. Solche Ticks können nämlich auch andere körperliche Auslöser haben oder eine Nebenwirkung eines Medikaments sein. 
Und natürlich ist das stressbezogene Zucken nur ein Symptom – um gegen die Wurzel vorzugehen, empfiehlt Morin eine Therapie oder andere Formen der Entspannung. Sollten sich diese Ticks auf deinen Alltag auswirken, kannst du dir von deinem Arzt oder deiner Ärztin dafür auch dementsprechende Medikamente verschreiben lassen.
Wenn es dir selbst nicht gut geht oder du eine Person kennst, die eventuell Hilfe brauchen könnte, kannst du die Hotline der TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 anrufen oder den Chat der TelefonSeelsorge nutzen.

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