Diese 3 Frauen ließen sich jung scheiden & sind dankbar dafür

Collage: Refinery29 UK.
Obwohl Hochzeiten unter Freund:innen häufig ein Thema sind, gilt dasselbe wohl nicht für Scheidungen. Für junge Frauen kann es demnach eine ziemlich einsame Erfahrung sein, in den 20ern oder frühen 30ern die Scheidung einzureichen. Wir haben mit ein paar jungen Frauen darüber gesprochen – und festgestellt, dass sie ihre Entscheidung dennoch null bereuen.
Als Adele mit 33 Jahren ihre Scheidung von Simon Konecki verkündete, taten viele Leute direkt so, als sei es eine absolute Seltenheit, sich in diesem Alter scheiden zu lassen. Dabei sind das längst keine einzigartigen Promi-News: Viele junge, weibliche Stars heiraten früh und lassen sich nicht allzu viel später wieder scheiden. Denk nur mal an Britney Spears, die sich 2007 mit 25 von Kevin Federline scheiden ließ; oder an Angelina Jolie, die 24 war, als sie die Scheidung von Jonny Lee Miller einreichte; oder an Scarlett Johansson, die 2011 mit 26 Jahren die Ehe mit Ryan Reynolds beendete; oder an Katy Perry, die mit 27 im Jahr 2012 mit Russell Brand dasselbe machte; oder an Reese Witherspoon, die 31 war, als sie 2007 mit Ryan Phillippe abschloss. Wie kann es also sein, dass sich junge Frauen oft so allein – und manchmal wie Versagerinnen – fühlen, wenn sie sich von ihren Partnern scheiden lassen?
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„Wir haben früh geheiratet und uns dann zu zwei sehr verschiedenen Menschen weiterentwickelt“, erzählt die Floristin Kaiva gegenüber Refinery29 über ihre Ex-Ehe. Sie war erst 21, als sie bei einer kleinen Zeremonie mit dem Mann vor den Altar trat, mit dem sie zu dem Zeitpunkt seit anderthalb Jahren zusammen gewesen war. „Wir waren sehr verliebt“, sagt sie. Die beiden hatten geplant, später nochmal eine „echte Hochzeit“ zu feiern. Heute ist Kai 25 Jahre alt, und hat sich vergangenes Jahr von ihrem (jetzigen Ex-)Mann scheiden lassen. „Wir mussten uns keine Anwält:innen dazuholen, weil wir nichts hatten, was wir hätten aufteilen müssen“, sagt sie über ihre Finanzen. Nach der Trennung lebte ihr gemeinsamer Hund noch eine Weile abwechselnd bei ihnen, den Kai aber letztlich an einen Familienfreund weitergab, weil sie „nicht an die Beziehung erinnern werden wollte“.
Die Scheidung war im September endlich durch. Kai glaubt heute aber, sie hätte sich schon früher zur Trennung trauen sollen. „Ich glaube, wir hielten uns lange daran fest, dass wir ja verheiratet waren. Das war so offiziell. Der entscheidende Moment kam aber, als er mich um eine offene Ehe bat“, erzählt sie. „Da hätte ich vermutlich gehen sollen, machte ich aber nicht. Stattdessen wartete ich noch zwei Jahre. Anfang letzten Jahres bemerkte ich aber, dass ich wirklich traurig war. Also machte ich Schluss.“ Kai stellte schnell fest, dass ihre Eltern – die sich ein paar Jahre vorher hatten scheiden lassen – sehr „unterstützend“ waren, ihre Freund:innen hingegen „total schockiert“, aber doch hilfsbereit. Niemand von ihnen fragte: Bist du sicher, dass du das tun willst? Das führte dazu, dass Kai Details über ihre Ehe teilte, die sie vorher für sich behalten hatte. „Es schwang beinahe schon eine gewisse Scham darin mit, so früh zu heiraten. Trotzdem redet niemand darüber, dass sich auch junge Leute scheiden lassen. ‚Scheidung‘ ist so ein schwerwiegender Begriff“, sagt sie. Dabei liegt das Durchschnittsalter beim Zeitpunkt der Scheidung in Deutschland bei Frauen bei 43,9 Jahren (bei Männern sind es 47 Jahre). 
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Wie Kai wusste auch die Innenarchitektin Micaela nach einem entscheidenden Moment, dass sie ihre Ehe beenden musste. „Ich schätze, es ist ein bisschen ungewöhnlicher, so früh zu heiraten und sich scheiden zu lassen. Der Grund dafür, sich so jung scheiden zu lassen, ist aber meistens der, dass es dafür einen konkreten Auslöser gibt“, erzählt die 34-jährige Micaela. „Ich kenne niemanden, der oder die sich in den 20ern oder 30ern scheiden ließ, bloß weil es mit der Beziehung nicht funktionierte. Normalerweise tut irgendjemand was, was dann zur Scheidung führt. Und das kann viel schlimmer sein, als sich über Jahrzehnte hinweg langsam auseinanderzuleben. Du hattest schließlich diese Erwartung in deinem Kopf und glaubst, auf ein langes, gemeinsames Leben hinzuarbeiten – und dann wird dir plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Das kann sehr schwierig sein.“ Micaela reichte die Scheidung ein, nachdem sie während der Corona-Pandemie herausfand, dass ihr Mann eine Affäre hatte, als diese Frau Micaela eine Nachricht schickte.
„Vielleicht gibt es auch Paare in den 20ern und 30ern, die sowas zusammen durchgestanden haben“, sagt sie. „Ich persönlich kann aber nicht die nächsten wer-weiß-wie-vielen Jahrzehnte damit verbringen, ihm ratlos ins Gesicht zu schauen und zu grübeln: Fühlt er sich erfüllt? Oder betrügt er mich wieder?“ Obwohl Micaelas Freund:innen und Familie bei der Scheidung absolut hinter ihr stehen – die hoffentlich dieses Jahr abgeschlossen wird –, musste sie doch feststellen, dass viele Leute auf sehr spezifische Art versuchen, sie zu trösten. „Alle meinten: ‚Oh, zumindest habt ihr keine Kinder!‘ Als würde es das besser machen.“ Micaela – die mit ihrem Ex-Mann insgesamt neun Jahre zusammen war, davon dreieinhalb Jahre verheiratet – hatte aber geglaubt, mit diesem Mann tatsächlich mal Kinder zu bekommen. „Jetzt muss ich alle meine Erwartungen nochmal von vorn angehen, und es fühlt sich nicht alles leichter an, bloß weil wir keine Kinder haben. In vieler Hinsicht glaube ich, wenn wir Kinder bekommen hätten, käme es mir jetzt eher so vor, als seien es diese neun Jahre wert gewesen und als hätte ich etwas Positives daraus mitgenommen.“ Stattdessen fühlte sie sich durch diesen Kommentar nur noch isolierter. „Ich glaube, das ist eins der größten Probleme, wenn du dich früh scheiden lässt: Dieses Gefühl, mit deiner Erfahrung sehr allein dazustehen.“
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Daher liegt es Micaela am Herzen, dass sich andere junge Frauen während des Scheidungsprozesses nicht so einsam fühlen – vor allem, weil die Corona-Pandemie rund um den Globus für höhere Trennungs- und Scheidungsraten gesorgt hat. „Ich habe einen enormen Zuwachs an Trennungen unter Paaren beobachtet, die diese Trennungen nicht hatten kommen sehen“, bestätigt auch die Trennungs- und Scheidungsberaterin Sara Davison. „In manchen Fällen schwingt da ein großes Stigma mit. Die Trennung wird als Versagen betrachtet. Viele Leute denken: Naja, du hast ja geheiratet, du solltest es also bleiben. Wenn es nicht klappt, heißt das, dass was nicht mit dir stimmt oder du es vielleicht nicht genug probiert hast. Ich glaube, wenn man einen solchen Scheidungsprozess durchmacht, kann das dazu führen, dass dein Selbstwertgefühl stark darunter leidet.“
Wie Kai und Micaela denkt auch die heute 38-jährige Autorin Helly, ihre mutige Entscheidung, sich mit 27 Jahren scheiden zu lassen und nochmal neu anzufangen, sei „das Beste, was mir je passiert ist“. Bevor sie in ihren 20ern heiratete, hatte Helly immer geglaubt, eine Partnerschaft verleihe ihr einen „Wert“. „Ich holte mir diese Bestätigung immer aus Beziehungen“, erzählt sie und gibt zu, dass sie deswegen von einer Partnerschaft in die nächste überging. „Einige von ihnen waren kurz, andere länger. Ich hielt aber nie wirklich inne, um mir mal zu überlegen, was ich eigentlich wert war oder von einer Beziehung verdiente.“ Ihren Ex-Mann lernte sie mit Anfang 20 kennen, als die beiden für dieselbe Firma arbeiteten. Er war etwa zehn Jahre älter als sie, und sie fand ihn „gutaussehend, charmant, lustig, wild… Wir hatten einfach sehr viel Spaß zusammen“. Trotzdem ergänzt sie: „Bei ihm schwang immer auch eine gewisse Gefahr mit. Sein Temperament war ziemlich unberechenbar.“ Er hatte Stimmungsschwankungen und verschwand teilweise einfach. Als die beiden beschlossen, zusammen nach Australien zu ziehen, ließ Helly es zu, „dass sich dieses Muster weiter durch unsere Beziehung zog“. 
Wie viele ihrer anderen Freund:innen damals verlobte auch sie sich. „Rückblickend denke ich, dass es mir dabei mehr um die Aufregung und Vorfreude rund um die Verlobung und die Hochzeitspläne ging als darum, mir auszumalen, wie mein restliches Leben an seiner Seite wohl aussehen würde – und wie er sich als Vater meiner Kinder machen würde.“ Das Paar entschloss sich zu einer kleinen Hochzeit in Australien, und Helly weiß heute, dass es wohl ein „Alarmsignal“ hätte sein sollen, dass er „keine seiner Freund:innen und Verwandten“ einladen wollte. Tatsächlich ignorierte sie aber viele rote Flaggen in ihrer Beziehung. Drei Tage vor ihrer Hochzeit meinte Hellys Mutter zu ihr: „Weißt du, du bist noch nicht verheiratet. Du musst das nicht durchziehen.“ Sie erinnert sich: „Es hört sich schlimm an, aber da dachte ich mir: ‚Es wäre leichter, mich scheiden zu lassen, als jetzt die Hochzeit abzusagen‘.“ Die Ehe hielt sechs Monate. Für Helly hat sich alles zum Besten gewendet, weil sie heute „ein völlig anderer Mensch“ ist und „das definitiv nicht mehr mit mir machen lassen würde“. Ihre Finanzen aufzuteilen, war leicht, weil sie beide keine Immobilien besaßen. Also beschloss Helly, „ihm alles zu geben“. Seit 2019 ist sie inzwischen erneut verheiratet und hat einen elf Monate alten Sohn – und weiß, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. „Ich grause mich davor, darüber nachzudenken, wie mein Leben wohl ausgesehen hätte, wenn ich die Ehe aus irgendeinem falschen Gefühl der Loyalität fortgeführt hätte“, sagt sie.
„Ich weiß nicht, ob ich nochmal heiraten würde, aber ich würde dann auf jeden Fall eine große Party schmeißen“, meint Kai, die inzwischen wieder datet. „Die Ehe fühlt sich letztlich eben doch an wie Papierkram. Wenn ich es doch nochmal tue, dann nicht überstürzt.“ Micaela sieht das ähnlich. „Ich glaube nicht, dass ich nochmal heiraten würde“, sagt sie. „Ich finde es einfach zu kompliziert, sich scheiden zu lassen. Für meine geistige Gesundheit wünsche ich mir, dass ich die Scheidung endlich abschließen kann. Ich hasse diese Übergangsphase. Die finde ich emotional am anstrengendsten“, erzählt sie. Um diese Erfahrung zu verarbeiten, datet sie wieder. „Ich wollte nicht, dass ich eine Angst vorm Dating entwickle“, sagt sie. „Und ich hatte dabei auch schon positive Erfahrungen. Dadurch kann ich selbstbewusst in die Zukunft schauen. Ich weiß noch nicht genau, wie die aussieht – ob mich darin Langzeitbeziehungen erwarten oder nicht –, aber mir ist klar, dass es da draußen wirklich tolle Menschen gibt. Wenn du den Leuten immer eine Chance gibst und offen für Neues bleibst, können wunderschöne Dinge passieren.“

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