Die beste Pediküre überhaupt: 9 Tipps von einer medizinischen Fußpflegerin

Foto: Eylul Aslan.
Die Londoner Fußspezialistin Dina Gohil hat sich den etwas unschmeichelhaften Spitznamen „Die Fußkratzerin“ hart erarbeitet – und das, obwohl ihre Fachkenntnis so weit über die Hornhautentfernung hinausgeht. Ihre loyalen Kund:innen reisen aus allen Ecken des Landes an, um sich von Dina Gohil die Füße verwandeln zu lassen.
Bei ihr lässt sich nahezu alles buchen – von einer Nagelreparatur über eine Infektionsbehandlung bis hin zur Überprüfung der Passgenauigkeit deiner Schuhe. Insbesondere im Frühling kann sich Dina vor Terminanfragen kaum retten. Kein Wunder, schließlich steht die Sandalensaison kurz bevor.
Meine Füße stecken schon seit Anfang Winter in fetten Biker-Boots. Die Vermutung liegt also nahe, dass meine Füße nicht gerade frühlingsfit sind – in anderen Worten: rissige Fersen, Hornhaut und ziemlich ungesunde Zehennägel (dank meiner Nagellack-Sucht haben meine Nägel schon seit Jahren nicht mehr atmen können). Weil jetzt aber der Sommer vor der Tür steht, musste ich Dina einen Besuch abstatten – und was ich von ihr über die Pflege meiner Füße und eine gesunde Pediküre gelernt habe, möchte ich hier teilen.
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Gönn deinen Zehennägeln eine Lack-Pause (& so erkennst du, dass du sie beschädigt hast)

Nagellack hält an den Fingernägeln gefühlt fünf Minuten – auf den Zehennägeln hingegen würde er wohl alles überleben. Aber nur, weil der Lack ewig hält, heißt das nicht, dass du ihn nicht trotzdem ab und zu entfernen solltest. Laut Dina ist es wichtig, deinen Zehennägeln auch mal eine Atempause zu gönnen. Ansonsten sehen sie nämlich irgendwann mitgenommen und verfärbt aus (so wie meine).
„Wenn du deine Nägel immer unter einer Lackschicht versteckst, solltest du darüber nachdenken, auch mal eine Pause einzulegen“, rät Dina. „Es reichen auch schon ein paar Stunden, um deinen Nägeln eine Chance zu bieten, sich an der Luft zu erholen. Wenn du sogar eine ganze Woche pausieren kannst, ist das fantastisch.“ Nachdem du deinen Nagellack entfernt hast (Dina ist dabei gar nicht so wichtig, dass der Entferner acetonfrei ist, aber das kannst du natürlich selbst entscheiden), gönne deinen Füßen ein warmes Bad in einer mit Salzwasser gefüllten Schüssel. Sobald sie wieder trocken sind, kannst du eine neue Schicht Nagellack auftragen. „Das würde ich alle zwei Wochen wiederholen.“

Verzichte nie auf den Base Coat

Klar: Es kann verlockend sein, einfach direkt den Nagellack aufzutragen – vor allem, wenn dich das warme Wetter spontan zu deinen Sandalen greifen lässt. Dina betont aber, wie wichtig es ist, immer mit einem Base Coat zu starten. „Du solltest eigentlich jedes Mal zuerst eine untere Schicht Base Coat auftragen. Trotzdem verzichten viele Leute darauf – obwohl im Nagellack zahlreiche Chemikalien stecken, die sich auf das Nagelbett auswirken können.“ Dina zufolge kann das Auftragen von Nagellack auf den „nackten“ Nagel dafür sorgen, dass sich die Nageloberfläche verfärbt und weiß, vergilbt oder sogar gelb werden kann. „Wenn dir selbst bisher keine Veränderung aufgefallen ist, hast du wohl einfach Glück gehabt. Nagellack kann nämlich den Nagel schwächen und ihn anfälliger für Pilzinfektionen, Trockenheit oder Brüchigkeit machen – alles Dinge, die du lieber vermeiden solltest.“
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Öle können deine Nägel verwandeln

Dass zu einer ordentlichen Maniküre auch immer ein pflegendes Öl gehört, ist sicher vielen klar – aber es gibt auch spezielles Öl für die Fußnägel, das mitgenommenen Nägeln neues Leben einhaucht. Und das muss auch gar nicht teuer sein. „Nach deinem Fußbad trägst du ein Öl auf, um deine Nägel zu rehydrieren. Dazu nehme ich am liebsten pflanzliche Öle. Das sind echte Wundermittel: Sie helfen dabei, Nagelbruch zu verhindern, spenden Feuchtigkeit, verbessern die Struktur der Nägel und beschleunigen ihre Wachstumsrate.“ Davon sind inzwischen auch Dinas Kund:innen überzeugt. Sie empfiehlt, einen klitzekleinen Klecks Öl auf den trockenen Nagel aufzutragen und es dann mit den Fingern einzumassieren. Manchmal vermischt Dina das Öl zusätzlich mit ein paar Tropfen Teebaumöl, das natürlich antibakteriell wirkt. 

Das ist die einzige Hornhautfeile, die du benutzen solltest

Immer wieder wird Dina gefragt, ob man Hornhautfeilen aus Metall benutzen sollte – die einer Käsereibe ähneln (autsch!) –, doch rät sie eindeutig davon ab. „Du weißt vorher nicht, wie viel Hornhaut du entfernen musst, und eine solche Feile kann enorme Schäden anrichten. Das ist es einfach nicht wert, also nimm bitte keine Feile aus Metall.“ 
Stattdessen setzt Dina auf Hornhautfeilen, die aussehen wie große Nagelfeilen. „Ich liebe diese Feilen“, sagt sie. „Aber bitte wende sie immer nur auf trockener Haut an. Ich bin kein großer Fan von der Anwendung auf feuchter Haut, weil du dabei schnell zu viel Hornhaut entfernst. Das Ergebnis sind wunde Füße.“ Aber wie viel ist zu viel? Dazu vertraut Dina auf einen Trick: „Streiche dreimal mit der Feile über die Fußfläche und gehe danach mit den Fingern rüber, um zu spüren, wie sich der Fuß anfühlt. Wenn die Oberfläche immer noch ein bisschen rau ist, streiche noch dreimal rüber und hör dann auf.“ Dina rät dazu, ein Tool wie dieses mehrmals pro Woche zu verwenden, anstatt sämtliche Hornhaut auf einmal entfernen zu wollen. „Viele Leute ignorieren ihre Füße ewig und schrubben dann wie blöde. Das solltest du nicht tun!“ Nach der Hornhautentfernung folgt dann eine Fußcreme, um die zurückgebliebene Haut zu pflegen.
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Spar dir die Gel- oder Shellac-Pediküre – vor allem bei Nagelpilz

Wie auch bei den Fingernägeln gilt hier: Wenn du Gel oder Shellac zu lange trägst, kann das dem Nagel schaden. „Ich hatte schon Kund:innen, die seit sechs Wochen ihre Nägel unter Gel oder Shellac verstecken und dann Angst davor haben, was darunter lauern könnte“, sagt sie und bezieht sich dabei auf schwache, brüchige, mitgenommene Nägel.
Dina meint, dass Gel oder Shellac keine gute Idee sei, wenn deine Füße häufig feucht werden – zum Beispiel in schwitzigen Socken oder Arbeitsstiefeln. „Dann kann es schnell zu einer Pilzinfektion kommen“, erklärt sie, „und wenn du eine Gel-Pediküre nutzt, um damit eine Pilzinfektion zu kaschieren, verschlimmerst du sie damit nur.“ Zu den Symptomen von Nagelpilz gehören Verfärbungen (oft weiß, gelb oder dunkelbraun), Verdickungen, Gerüche oder Schmerzempfindlichkeit. Aber keine Sorge: Dina zufolge lässt sich Nagelpilz bei der medizinischen Fußpflege leicht behandeln.
Bei Gel oder Shellac gilt daher: Lass den Lack nach ein, zwei Wochen entfernen und deine Nägel danach durchatmen. So bewahren sie ihre Feuchtigkeit und erholen sich von selbst.

Der typische Fehler bei der Fußcreme

Trockene Füße haben meist verschiedene Ursachen, sagt Dina. Da spielen nicht nur die Elemente – sprich: heißes oder kaltes Wetter – eine Rolle, sondern auch deine Wassereinnahme (trinkst du genug?) und deine Gene. Auch hautaustrocknende Medikamente (wie zum Beispiel Roaccutan gegen Akne) und Hormone können die Austrocknung der Haut bewirken. Der häufigste Grund für trockene Haut ist aber die fehlende Feuchtigkeitspflege. „Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass sie ihre Füße in der Dusche oder dem Bad diversen Chemikalien im Seifenwasser aussetzen“, erklärt Dina. Die können die Haut austrocknen. „Würdest du dein Gesicht waschen und danach keine Feuchtigkeitspflege auftragen?“
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In anderen Worten: Fußcreme ist Pflicht. Das sollte aber eben auch spezielle Fußcreme sein. „Keine Bodylotion! Nimm eine Fußcreme, die Urea enthält und der Haut damit ordentlich Feuchtigkeit spendet. Massiere die Creme gut ein, und nicht nur an der Ferse. Creme auch deine Fußoberseite ein.“

Du hast deine Zehennägel immer falsch gekürzt

„Sollten Zehennägel trocken oder nass geschnitten werden?“, wird Google ziemlich häufig gefragt – genauso, mit welchem Werkzeug man sich die Nägel überhaupt kürzen sollte. Dina hat auf beides dieselbe Antwort: Das ist Geschmackssache. „Ob du eine Nagelschere oder einen -clipper benutzt, ist deine Sache. Beides sind gute Werkzeuge, und wichtig ist bloß, dass sie sauber sind und du dich damit wohl fühlst. Du musst deine Zehennägel auch nicht zwingend nach einem Bad oder einer Dusche kürzen. Ich empfehle sogar, es im trockenen Zustand zu machen.“
Dina empfiehlt, immer noch eine kleine weiße Nagelspitze übrig zu lassen, anstatt bis auf die Haut runterzuschneiden. Bei der Form orientierst du dich am besten an der Natur: „Du musst deinen Zehennagel nicht unbedingt gerade quer abschneiden“, sagt sie. „Sieh dir den fleischigen Teil deines Nagels mal an, über dem die weiße Spitze herauswächst. Ist dein Nagel von Natur aus eher rund oder gerade? Richte dich danach, und achte darauf, keine scharfen Kanten stehen zu lassen. Mit einer dünnen Nagelfeile kannst du sicherstellen, dass die Ecken schön glatt sind.“

Peelingsocken sind nicht so gruselig, wie sie scheinen

Peelingsocken sind gerade auf TikTok der letzte Schrei, und die Ergebnisse sind sicherlich nichts für schwache Nerven; schließlich pellt sich die Haut dabei in dicken, trockenen Fetzen. Dabei sind diese Socken eine tolle Sache, meint Dina. „Zwar verlierst du dabei jede Menge Haut, aber die Socken sind eigentlich sehr sanft. Wenn du dich an die Anweisungen hältst – 60 Minuten einwirken lassen, dann die Produktreste abspülen –, kannst du dabei nichts falsch machen, vor allem, wenn du sehr dicke Hornhaut hast.“ Dabei solltest du aber nicht voreilig sein: Zieh die Haut nicht ab, bevor sie dazu bereit ist. „Ansonsten reißt du Haut mit ab, die noch gar nicht soweit war“, und das kann ganz schön wehtun.
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Und was ist mit dem viralen Hack, trockene, rissige Füße mit Glykolsäure zu peelen? „Sanft peelende Säuren können helfen“, sagt Dina. „Aber ist das eine langfristige Lösung? Vermutlich nicht. Einige Fußcremes enthalten Milchsäure, aber eben auch Urea, einen feuchtigkeitsspendenden Wirkstoff. Zwar würde dieser TikTok-Hack wohl funktionieren, ist aber nicht klinisch erprobt oder für die Füße entwickelt.“

Wie du erkennst, ob deine Füße mehr brauchen als nur Creme

Woran siehst du, ob deine trockenen Füße einfach bloß ein bisschen Feuchtigkeitscreme brauchen oder das Problem doch tiefer liegt? Das erkennst du ganz leicht: „Oberflächlich trockene Haut ist häufig weiß und von Linien durchzogen“, sagt Dina. „Mach deine Füße nass und sieh dir die Sohle mal genauer an. Wenn du dann keine Linien erkennst, ist die Trockenheit nur oberflächlich. Sind die Linien noch deutlich sichtbar, liegt das Problem tiefer“, und das bedeutet, dass deine trockene Haut chronisch sein könnte. Wenn in diesem Fall die Fußcreme nicht mehr ausreicht, solltest du dir einen Termin zur medizinischen Fußpflege buchen. 

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