Schadet es meinen Nägeln, wenn ich Gel & Shellac abkratze? Das meint die Expertin

Illustration: Olivia Santner
Es gibt eine Handvoll „Beauty-Regeln“, die du, wenn wir mal ganz ehrlich sind, ruhig ignorieren kannst. Zum Beispiel darfst du dich beim Augenbrauenzupfen gerne auch oberhalb der Brauen austoben – und wenn du gerade nichts anderes da hast, ist ein Abschminktuch natürlich besser als nichts. Aber dann wären da noch die Regeln, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben: Ja, du solltest auf jeden Fall täglich Sonnencreme tragen. Ja, du solltest dich auf jeden Fall täglich abschminken. Und nein, du solltest auf keinen Fall deine Gelnägel abkratzen.
Du hast immer geglaubt, das sei nur eine geldgierige Empfehlung von Nagelstudios, die dich mit dieser Regel zum – natürlich kostenpflichtigen – Entfernungstermin ködern wollen? Verständlich. (Und ich finde auch: Die Entfernung von Gelnägeln sollte immer kostenlos sein, wenn du sie dir im selben Salon neu machen lässt.) Aber selbst, wenn es dich ein paar Euro mehr kostet, solltest du nicht auf die professionelle Entfernung von Gel und Shellac verzichten – und das liegt ganz einfach daran, wie diese Gele funktionieren. 
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Sowohl Gel als auch Shellac wird nämlich unter UV-Licht gehärtet und verbindet sich dabei mit dem Naturnagel. Daher lassen sich solche Gele auch nicht mit acetonfreiem Nagellackentferner lösen und halten deutlich besser und länger als reguläre Lacke. Und nur, weil sich das Gel irgendwann vielleicht am Rand abheben und abziehen lässt, wenn du genug Gewalt anwendest, heißt das nicht, dass du dabei nur den Lack entfernst – sondern auch gleich deinen Nagel.
„Dabei ziehst du die obere Schicht deines Nagels mit ab und machst ihn dünner“, warnt Natalia Mihailova vom Londoner Nagelstudio DryBy. „Stell dir mal vor, du würdest beim Abschminken auch gleich die oberste Hautschicht deines Gesichts entfernen – oder du würdest dein Make-up nicht abwaschen, sondern -kratzen. Genau dasselbe passiert mit deinem Nagel, wenn du deine Gel- oder Shellacnägel abkratzt.“ Mal ganz davon abgesehen, dass sich das nach Horrorfilmmaterial anhört, kann ich schon verstehen, wenn du da jetzt nur müde lächelst. Schließlich bluten deine Nägel ja nicht, wenn du deinen Shellac abziehst. Und weh tut’s auch nicht. Kann ja dann gar nicht so schlimm sein, ne?
Leider doch – denn bloß, weil deine Nägel keine Schmerzensschreie von sich geben, sind sie trotzdem rund zehnmal brüchiger als deine Haut und ohnehin schon tagein, tagaus vor lauter Händewaschen und -desinfizieren sehr aggressiven Bedingungen ausgesetzt. Und da willst du jetzt wirklich noch eine Schutzschicht abziehen? Tu’s bitte nicht.
Aber was, wenn dein Nagelstudio zurzeit geschlossen hast, du einfach keine Zeit für einen Termin oder nicht das nötige Kleingeld übrig hast, um dir das Gel professionell entfernen zu lassen? Dann, empfiehlt Natalia, solltest du beim nächsten Gel-Termin einfach mal nett nachfragen, wie du den Lack am besten und sichersten selbst zu Hause entfernst. Spoiler: Du brauchst auf jeden Fall acetonhaltigen Entferner, Wattepads und Alufolie. 
Ich selbst bin jedenfalls gerade auf Shellac-Entzug, nachdem ich meine Nägel den Sommer über mit einer Maniküre nach der anderen gestresst habe. Dank dem CND Rescue RXx Daily Keratin Treatment (23,95 €), das ich zweimal täglich auftrage, und dem CND SolarOil Nail & Cuticle Conditioner (7,95 €) sahen meine Nägel zum Glück auch schon nach zehn Tagen viel besser aus. Jetzt sind sie mir dafür noch dankbar – aber vermutlich nur bis zur nächsten Gelmaniküre…

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