Nein, die Corona-Impfung macht deine Brüste nicht größer

Foto: Daantje Bons.
Schon seit Beginn der Corona-Impfkampagne kursieren jede Menge Fehlinformationen und Gerüchte rund um den Impfstoff – und vor allem jede Menge Fragen. Darf ich nach der Impfung Alkohol trinken und/oder Gras rauchen? Sollte ich mich impfen lassen, wenn ich schwanger bin? Und was kann ich gegen die Nebenwirkungen der Impfung machen? Die meisten dieser Fragen sind noch relativ vernünftig und lassen sich mit einer gezielten Googlesuche klären; insbesondere rund um die Auswirkungen der Impfung auf weibliche Körper gibt es aber inzwischen so viele Gerüchte, dass es kaum noch möglich ist, mit Sicherheit zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Aktuell machen vor allem Impf-Fehlinformationen im Zusammenhang mit Brüsten, Brustkrebs und Oberweite die Runde, mit denen wir hier aufräumen wollen.
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Das erste unbegründete Gerücht behauptet, der Impfstoff könne Brustkrebs verursachen. Einige Frauen hätten demnach seit der Impfung unregelmäßige Knoten in der Nähe ihrer Brüste bemerkt; Expert:innen für Brustgesundheit zufolge hat das aber mit Brustkrebs nichts zu tun, sondern ist ein ganz normales Anzeichen der erwünschten Immunreaktion des Körpers auf den Impfstoff. 

Es gibt absolut keine Verbindung zwischen dem Impfstoff und Brustschwellungen oder -krebs.

Dr. Sarah Vinnicombe
Eine der weniger verbreiteten Nebenwirkungen des COVID-19-Impfstoffs sind geschwollene Lymphknoten, unter anderem im Achselbereich“, erklärt die Pflegefachkraft Jane Murphy von der britischen Wohltätigkeitsorganisation Breast Cancer Now. Lymphknoten – bohnenförmige Säcke aus Zellen, die im ganzen Körper verteilt sind – können bei bzw. nach jeder Impfung und Krankheit anschwellen, wenn das Immunsystem die Erreger bekämpft, sagt sie. „Das ist meist eine vorübergehende Reaktion und verschwindet nach ein paar Wochen von selbst. Bei manchen Leuten kann es auch länger dauern.“ Die Lymphknotenschwellung tritt laut Robert-Koch-Institut nur bei 0,1 bis 1 Prozent der Geimpften auf.
„Es gibt absolut keine Verbindung zwischen dem Impfstoff und Brustschwellungen oder -krebs“, betont auch Dr. Sarah Vinnicombe von der British Society of Breast Radiology (BSBR). Trotzdem haben sich bei Breast Cancer Now schon einige Anrufer:innen gemeldet, die sich nach der Impfung Sorgen um ihre Brust machten, sagt die Organisation.
@ellemarshalll

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Die angeschwollenen Lymphknoten nach der Impfung haben leider auch ein weiteres grundloses Gerücht ins Leben gerufen: dass der Impfstoff von BioNTech-Pfizer die Brust vergrößere. Mehrere Frauen haben behauptet, nach der Impfung seien ihre Brüste gewachsen; online kursiert dafür inzwischen sogar der Name „Pfizer boob job“. Eine der Ersten, die davon erzählte, war eine junge TikTokerin, die aufgeregt behauptete, ihre Brüste seien seit der Impfung um zwei Körbchengrößen gewachsen. Das Video wurde inzwischen über zwei Millionen Mal gesehen, und in den Kommentaren drücken zahllose Leute ihre Hoffnung aus, an dem Gerücht könnte was dran sein.
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Zugegeben: Einige Frauen haben seit der Impfung tatsächlich das Gefühl, ihre Brust sei gewachsen; auch das liegt aber höchstwahrscheinlich an geschwollenen Lymphknoten – ein vorübergehendes Phänomen, betont Murphy erneut. „Das ist wahrscheinlich kein Brustgewebe.“
Auf den ersten Blick wirkt das Gerücht vielleicht harmlos; manche Leute macht es aber womöglich noch skeptischer gegenüber dem Impfstoff. Als Reaktion auf das virale Video schrieben Dutzende User:innen, sie hätten jetzt Angst davor, sich impfen zu lassen. Um das an dieser Stelle noch einmal klarzustellen: Die COVID-19-Impfstoffe wurden getestet, für sicher und wirksam befunden und erst dann zugelassen, und körperliche Reaktionen auf den Impfstoff – wie das Anschwellen der Lymphknoten – sind ein normales Anzeichen dafür, dass die Immunreaktion funktioniert. 
Trotzdem: Wenn du auch einige Wochen nach deiner Impfung noch eine Veränderung deiner Brust feststellst, wende dich an deinen (Frauen-)Arzt oder deine (Frauen-)Ärztin, empfiehlt Breast Cancer Now. „Ein Knoten oder eine Schwellung in deiner Brust oder Achsel kann ein Symptom für Brustkrebs sein, und es ist wichtig, dass du dir selbst während der Coronakrise medizinischen Rat einholst“, betont die Organisation. 
Selbst wenn Gerüchte rund um den Corona-Impfstoff und unsere Gesundheit unabsichtlich verbreitet werden und auf den ersten Blick relativ harmlos klingen, können sie trotzdem bei vielen Leuten zu Verwirrung und Besorgnis führen. Angeschwollene Lymphknoten allein sind vielleicht nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest; diese Nebenwirkung kann aber gleichzeitig eine Erinnerung daran sein, dass du dir regelmäßig die Brust abtasten (lassen) solltest, um echte Veränderungen rechtzeitig zu bemerken. 
Du machst dir Sorgen um deine Brustgesundheit? Dann wende dich bitte an deinen Arzt bzw. deine Ärztin oder an das kostenlose Brustkrebstelefon vom Brustkrebs Deutschland e.V. unter 0800 0 117 112. 

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