Brustkrebs-Vorsorge – alles, was du darüber wissen solltest

Foto: Ashley Armitage
Vor drei Jahren bemerkte Allie Brudner beim Duschen einen Knoten in ihrer linken Brust. „Ich dachte mir nichts dabei“, erinnert sie sich. „Das war nur ein paar Wochen vor meiner Hochzeit; eine verrückte Zeit in meinem Leben.“ Erst einige Wochen zuvor hatte sie sich gynäkologisch untersuchen lassen. Die Befunde hatten ergeben, dass ihr Gesundheitszustand ausgezeichnet war. Zu diesem Zeitpunkt war sie erst 28. Sie verdrängte dieses Ereignis unter der Dusche und konzentrierte sich stattdessen auf ihren anstehenden Hochzeitstag.
Ein paar Wochen nach der Zeremonie bemerkte sie, dass sich der Knoten manchmal weicher anfühlte und ein bisschen größer zu sein schien. Sie holte einige Familienmitglieder und eine Freundin, die im medizinischen Bereich tätig war, zu Rate. „Das ist doch nichts, worüber ich mir Sorgen machen muss, oder?“, fragte sie die anderen. Die Reaktion auf ihre Frage war aber immer dieselbe: ein besorgter Gesichtsausdruck und der Rat, sich vielleicht noch einmal untersuchen zu lassen. Also ließ sie weitere Tests durchführen. Schließlich stellte sich heraus, dass sie einen dreifach negativen Brustkrebs im zweiten Stadium hatte.
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Brudner, die später die gemeinnützige Organisation The Breasties, die sich auf Brust- und Krebs der Geschlechtsorgane spezialisiert, mitbegründete, ist jetzt in Remission. Geschichten wie ihre machen deutlich, wie wichtig es ist, mit dem eigenen Brustgewebe vertraut zu sein. Laut Johns Hopkins Medicine werden etwa 40 Prozent der diagnostizierten Brustkrebsfälle von Frauen entdeckt, die einen Knoten ertastet haben. Wenn du also weißt, wie sich deine Brust im Normalfall anfühlt, wirst du Veränderungen, die auf ein Problem wie Krebs hinweisen könnten, eher bemerken.
Meinungen dazu, wann und wie du deine Brust am besten untersuchen solltest, haben sich jedoch in den letzten Jahren geändert. Wir haben Ärzt:innen zu Rate gezogen und die aktuellsten Informationen zusammengetragen.

Werden Selbstuntersuchungen der Brust immer noch empfohlen?

Die Antwort auf diese Frage ist kompliziert. Einige Ärzt:innen und Organisationen drängen nicht mehr zur monatlichen Selbstuntersuchung. Stattdessen wollen sie mehr Aufmerksamkeit darauf lenken, wie wichtig unsere Selbstwahrnehmung in diesem Zusammenhang ist, erklärt Dr. Sandhya Pruthi, eine Spezialistin auf dem Gebiet der Brustgesundheit.
Im Unterschied zu einer Selbstuntersuchung ist Selbstwahrnehmung zwanglos. Dr. Pruthi ermutigt Frauen beispielsweise dazu, ihre Brüste regelmäßig abzutasten, während sie sich anziehen oder duschen, anstatt zu versuchen, sich an einen strengen Zeitplan zu halten.
Es gibt sogar Argumente, die ganz gegen das eigene Abtasten sprechen. Eine Studie zeigte, dass Frauen, die sich selbst untersuchen, sich mit größerer Wahrscheinlichkeit einer Biopsie unterziehen (die angstauslösend und teuer sein kann), aber nicht weniger wahrscheinlich an Brustkrebs sterben.
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Aber nicht alle Ärzte sind mit diesem Trend weg von Selbstuntersuchungen einverstanden. „Obwohl die Meinungen bei diesem Thema derzeit auseinandergehen, denke ich, dass es immer noch wichtig ist, sich selbst zu untersuchen“, sagt Gynäkologin Dr. Eileen Y. Krim. „Ich verstehe die Logik derjenigen Fachleute nicht, die sich gegen Selbstuntersuchungen aussprechen. Ja, es kann passieren, dass eine Frau etwas ertastet, das sich am Ende als nichts herausstellt, aber ich würde ohne Frage eine Patientin lieber dreimal im Jahr wegen etwas Unwichtigem sehen, als etwas Wichtiges zu übersehen.“
Personen, die das eigene Abtasten befürworten, betonen außerdem, dass Selbstuntersuchungen angesichts der COVID-19-Pandemie eine noch wichtigere Rolle spielen könnten. Das hat damit zu tun, dass viele Menschen ihre jährlichen Vorsorgeuntersuchungen während der Lockdowns abgesagt oder verschoben haben, bemerkt Bri Majsiak, Mitbegründerin von The Breasties.
Es gibt keinen Grund, auf formale Selbstuntersuchungen zu verzichten, wenn sie dich beruhigen – vor allem, wenn dir Fachleute dazu geraten haben. Bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko können sich die Richtlinien zur Brustkrebs-Vorsorge unterscheiden, z. B. aufgrund einer starken familiären Vorbelastung oder einer genetischen Veranlagung. Außerdem steigen die Erkrankungschancen mit fortschreitendem Alter. Such also ruhig deine Ärzt:innen auf, um dich über dein Risiko-Level schlauzumachen und den besten Vorbeugungsplan für dich zu entwickeln.

Brust abtasten: So geht es richtig!

Ob du dich nun jeden Monat selbst untersuchst oder nicht, solltest du deine Brust nicht aus den Augen lassen. Wenn du eingeplantem, regelmäßigem Abtasten eher abgelehnt bist, empfiehlt Dr. Pruthi folgende Methode: „Heb einen Arm über deinen Kopf, wenn du unter der Dusche stehst oder vor einem Spiegel sitzt oder stehst. Mit der anderen Hand bewegst du dann deine Finger im Uhrzeigersinn von außen nach innen, bis du die gesamte Brust untersucht hast.“ Das ist nicht kompliziert und dauert auch nicht lange, erlaubt es dir aber, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich deine Brust anfühlt und schärft deinen Sinn dafür, mögliche Veränderungen feststellen zu können.
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Wenn du aber eine offizielle Selbstuntersuchung bevorzugst, wird von Expert:innen empfohlen, die gesamte Brust mit den Fingerkuppen deiner drei mittleren Finger abzutasten und dabei leichten, mittleren und festen Druck auszuüben. Sie empfehlen, jede Brust zweimal abzutasten, einmal im Stehen und einmal im Liegen. Danach solltest du mithilfe eines Spiegels überprüfen, ob du irgendwelche Haut-, Form- und Größenveränderungen erkennen kannst. Da sich dein Hormonspiegel während deiner Periode verändert, kann es sein, dass sich deine Brüste praller anfühlen. Deshalb solltest du deine monatliche Selbstuntersuchung Dr. Krim zufolge in der Woche nach der Menstruation durchführen (oder am ersten Tag des Monats – falls du dann nicht deine Tage hast).
In beiden Fällen solltest du auch die Partie unter den Brüsten, die Achselhöhlen und den gesamten Bereich bis hinauf zum Schlüsselbein überprüfen. „Diese Bereiche werden leider oft übersehen“, sagt Dr. Anna Maria Storniolo. Achte dabei auch auf Veränderungen der Hautbeschaffenheit, wie z. B. eine Verdickung an bestimmten Stellen, ein neues Gefühl von „Fülle“, eine Farbveränderung, Sekretion aus der Brust – jegliche Abweichung von deiner Norm kann von Bedeutung sein.
Foto: Getty Images

Was tun, wenn du glaubst, etwas entdeckt zu haben? 

Ruf deine Gynäkolog:innen oder Hausärzt:innen so schnell wie möglich an (oder einen Notarzt oder -ärztin, falls du keine hast). Teil ihnen mit, dass du besorgt bist, weil du denkst, einen Knoten in deiner Brust entdeckt zu haben, oder weil du eine Veränderung festgestellt hast, sagt Dr. Krim. Wenn sie versuchen, dich abzuwimmeln, ist es in Ordnung, dich zu wehren und auf eine Untersuchung zu bestehen, merkt Brudner an. „Die Brustkrebs-Community hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, für sich selbst einzutreten und Fragen zu stellen“, sagt sie.
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Bring so viele Info wie möglich zu deinem Termin mit, z. B. wann du zum ersten Mal bemerkt hast, das etwas anders aussieht oder sich unterschiedlich anfühlt, und ob sich seitdem etwas verändert hat (z. B. ob ein Geschwulst größer geworden ist). Danach wird normalerweise eine klinische Untersuchung und möglicherweise ein Mammogramm, ein Ultraschall oder beides durchgeführt. Dem Stony Brook Cancer Center zufolge stellen sich nach einer Biopsie etwa 80 Prozent der Knoten als gutartig heraus. Wenn es aber dennoch etwas Besorgniserregendes sein sollte, werden deine Ärzt:innen dich wahrscheinlich an Spezialist:innen oder Onkolog:innen überweisen, die dir bei den nächsten Schritten unter die Arme greifen können.

Welche anderen Untersuchungen brauche ich?

Das hängt von deinem Alter, deinen Risikofaktoren und den Richtlinien zur Brustkrebs-Vorsorge, die deine Behandelnden bevorzugen, ab. Häufig führen Gynäkolog:innen bei Kontrolluntersuchungen eine klinische Brustuntersuchung durch (d. h. Ärzt:innen untersuchen die Brust mit den Fingern). Um 40 herum beginnen die meisten Frauen mit jährlichen Mammogrammen, aber auch hier kommt es darauf an, als wie „gefährdet“ du eingestuft wirst. Sprich also mit Fachleuten über die beste Vorgehensweise für dich, sagt Dr. Pruthi. Eine dichte Brust macht es schwierig, ein mammographisches Bild zu lesen. Deshalb können in manchen Fällen zusätzliche Untersuchungen notwendig sein wie zum Beispiel ein Brust-Ultraschall, erklärt Dr. Storniolo. Zur Info: Diese Leistungen werden von der Versicherung abgedeckt.
In Deutschland gibt es jährlich etwa 70 000 Neuerkrankungen und über 18 000 Todesfälle. Mithilfe neuer Therapien können Sterberaten allerdings gesenkt werden. Außerdem tragen das erhöhte Problembewusstsein und der Anstieg an Vorsorgeuntersuchungen dazu bei, die Zahlen weiblicher Krebstoter zu verringern. Durch Früherkennung können Risikofaktoren für und Vorstufen von Brustkrebs frühzeitig entdeckt werden. Rechtzeitig bemerkt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar. Es lohnt sich also, deine Brust genau unter die Lupe zu nehmen. „Es ist unglaublich wichtig, deinen Körper gut kennenzulernen und herauszufinden, was für dich normal ist“, so Brudner.

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