Therapeutinnen erklären, wie du Familiendrama an Weihnachten überlebst

Illustration: Seung Chun.
Für viele ist Weihnachten die Zeit der Freude, Nähe und des fantastischen Essens. Andere hingegen blicken den Feiertagen eher ängstlich hingegen, weil sie sich wie alle Jahre wieder auf jede Menge Familiendrama, Stress und verletzte Gefühle einstellen. Vielleicht hast du selbst eine schwierige Beziehung zu einem Familienmitglied; vielleicht sorgt auch das politische Klima für Spannungen rund um den Weihnachtsbaum. So oder so: Familiendrama ist wohl das Letzte, was du dir von den letzten freien Tagen dieses Jahres erhoffst.
Natürlich kannst du die Handlungen anderer Leute weder voraussehen noch kontrollieren. Dennoch gibt es einiges, was du tun kannst, um deine eigene geistige Gesundheit vor den Spannungen der Feiertage zu schützen. Betrachte die folgenden Therapeutinnen-Tipps einfach als unoffiziellen Feiertags-Survival-Guide.
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Sei dir deiner Trigger bewusst

Bevor die Weihnachtszeit so richtig losgeht, nimm dir ein paar Minuten Zeit, um dir darüber Gedanken zu machen, was genau dich bei Familientreffen in kalten Schweiß ausbrechen lässt. Verlierst du zum Beispiel die Nerven, wenn dich deine Tante mal wieder fragt, wieso du eigentlich noch Single bist? Oder eher dann, wenn politische Themen angesprochen werden? Oder wenn dein Cousin von Elon Musks „Arbeitsmoral“ schwärmt? Wenn du deine Trigger kennst, kannst du schon im Voraus einen lockeren Plan dazu schmieden, wie du dich verhalten möchtest, wenn du tatsächlich mit ihnen konfrontiert wirst.
Es hilft dir außerdem dabei, versehentlich selbst Themen anzuschneiden, die für dich in gefährliches Terrain führen könnten. „Lade im Gespräch niemanden in bestimmte Bereiche deines Lebens ein, wenn du sie aus diesen Bereichen eigentlich lieber fernhältst“, meint die Ehe- und Familientherapeutin Moraya Seeger DeGeare. In anderen Worten: Erzähl deiner Tante besser nichts von deinem letzten beschissenen Dates oder deinen Aktivitäten auf Tinder oder Bumble, wenn du dich vor der „Noch Single?“-Frage drücken möchtest.

Bring Gesprächsthemen mit

Eine der besten Möglichkeiten, ein Gespräch gezielt zu steuern, ist es, das Thema zu wechseln – also bereite dich darauf vor. Bring dir ein paar neutrale Gesprächsthemen mit, die du zücken kannst, wenn die Nerven am Esstisch zu zerreißen drohen.
Sprich zum Beispiel über Pläne für Silvester. Bleiben deine Verwandten zu Hause, oder gehen sie aus? Rede über deine liebsten Weihnachtsfilme. Darüber, ob dein alter Englisch-Lehrer noch an deiner ehemaligen Schule unterrichtet. Darüber, ob es wirklich wichtig ist, beim Waschen die Klamotten nach Farben zu trennen. Über dein Lieblingsessen zu Weihnachten. Darüber, wie du deine weißen Turnschuhe am besten sauber bekommst. Und wenn dich deine Tante schließlich fragen sollte, wann du denn endlich mal zu heiraten gedenkst, kannst du ihr einfach reingrätschen: „Haha, du bist echt lustig. Hast du in letzter Zeit irgendwas Gutes auf Netflix gesehen?“ Und wenn alle Stricke reißen, hilft eines fast immer: „Frag sie nach sich selbst“, empfiehlt die Ehe- und Familientherapeutin Kristen Harrington. „Dann vergessen sie vielleicht, gemein zu dir zu sein.“
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Gönn dir regelmäßige Pausen

Wenn du nur für ein paar Tage zu Hause bist und deine Familie sonst nicht so oft siehst, kann es verlockend sein, jede freie Minute mit ihnen zu verbringen, um eure gemeinsame Zeit wirklich zu „nutzen“. DeGeare meint jedoch, dass es völlig okay ist, auch mal einen Spaziergang zu machen oder anderweitig ein bisschen Zeit allein einzulegen. Wenn du dich dafür schuldig fühlst, denk dran, dass es tatsächlich für alle Beteiligten das Beste sein kann, zwischendurch voneinander getrennt zu sein – weil es die gemeinsame Zeit umso schöner macht.
„Oft – vor allem während der Feiertage – versacken die Leute zu Hause und verfangen sich in alten Kindheits-Teufelskreisen“, erklärt DeGeare. „Tu also alles, was du kannst, um diesem Kreislauf zu entkommen.“ Das heißt: Entferne dich regelmäßig aus dieser Situation, um dich selbst wieder zu erden. Ich persönlich bin ein großer Fan von extralangen Klopausen, wenn die Stimmung wirklich kippt.

Vergib dir selbst, wenn du die Nerven verlierst

Es lässt sich kaum vermeiden, dass während der Feiertage auch mal unangenehme Themen angesprochen werden. Du weißt selbst am besten, welche das sein können. Trotzdem solltest du die Feiertage mit der Absicht angehen, einfach eine schöne Zeit zu haben – und das heißt, dass du unhöfliche Kommentare auch ruhig mal ignorieren kannst. „Es hilft niemandem, wenn ihr euch darüber anschreit, wer welche Partei gewählt oder nicht gewählt hat“, meint DeGeare. „Niemand wird dadurch die eigene Meinung zu so wichtigen Themen ändern.“ Wenn du dich über so etwas aufregst, bringt dir das nichts. Trotzdem solltest du dir verzeihen, wenn es denn doch mal passiert. Das Leben ist oft ziemlich stressig, und die Kombi aus Alltags- und Feiertagsstress ist für uns alle schwierig.
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Trotzdem: Wenn du weißt, dass sich im Laufe der Feiertage irgendwann eine Chance ergeben könnte, ein Gespräch über Politik, die Nachrichten oder Ähnliches zu führen, solltest du dir vorher überlegen, welche Message du dabei vertreten möchtest – und sie am besten vorher üben. „Wenn du einen Plan dazu hast, wie du auf diese Art von Themen reagieren möchtest, kann dir einen echten Vorteil in solchen Situationen verschaffen“, sagt sie.
Und denk dran: Du kannst dir deine Familie zwar nicht aussuchen, aber sehr wohl selbst entscheiden, wie du mit ihnen umgehst – und dir Pläne zurechtlegen, mit denen du deine eigene geistige Gesundheit schützt.
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