Hat sich dein Piercing infiziert oder sind die Rötungen normal?

Photographed by Beth Sacca.
Instagram ist der perfekte Ort, um dich von den neuesten Piercing-Trends inspirieren zu lassen. Aber worüber du dort nichts erfahren wirst, sind die vielen unschönen Themen, wie beispielsweise der Heilungsprozess oder eitrige Infektionen, die dich nach dem Stechen erwarten können.
Beim Runterscrollen entdeckst du vielleicht, dass Rook-Piercings derzeit der letzte Schrei sind. Was dir aber nicht gezeigt wird ist, was passiert, wenn du allergisch auf das Metall reagierst oder sich die Stelle infiziert und und und.
Brian Keith Thompson, der Piercer des Vertrauens von A-Promis wie Beyoncé und FKA Twigs, und Dr. Patrica Wexler, eine Dermatologin aus New York, haben uns die wichtigsten Piercing-Fragen beantwortet. Hier erklären sie dir alles, was du über dein Piercing wissen musst.

Das Wichtigste zuerst: Woher weißt du, ob du eine Piercing-Infektion hast?

Laut Thompson sind die Anzeichen für eine Infektion leicht zu erkennen: „Der Bereich um das Piercing zeigt extreme Rötungen auf und fühlt sich sehr warm an. Außerdem ist der Eiter grün oder braun verfärbt“, erklärt er. „Möglicherweise sind auch die Lymphknoten geschwollen, da dein Körper versucht gegen die Infektion anzukämpfen.“ Eine starke Infektion fühlt sich manchmal wie eine Erkältung an. In einigen Fällen kannst du sogar Fieber bekommen.
Zudem schwillt der Bereich möglicherweise auch an oder brennt und schmerzt, meint Dr. Wexler. Die entzündete Stelle kann besonders empfindlich sein oder sogar einen Juckreiz auslösen. „Das tritt meist zwei Tage nach dem Stechen des Piercings auf und wird immer dann schlimmer“, sagt die Ärztin. Bei solchen Symptomen brauchst du ganz schnell medizinische Hilfe.

Welche Vereiterung ist unbedenklich und bei welcher handelt es sich um eine Infektion?

„Wenn er grün oder gelb verfärbt ist, ist das ernst und muss sofort von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt werden“, sagt Thompson. Dem stimmt die Dermatologin zu. Bei weißem Eiter oder Verkrustungen besteht dagegen kein Grund zur Sorge, aber dazu später mehr.

Kommen Infektionen am Piercing oft vor?

„Was die meisten Menschen für eine Infektion halten, ist oftmals nur die gereizte Haut um das Piercing herum“, meint der Thompson. Laut Dr. Wexler sind Piercings (vor allem die am Ohr) nach dem Stechen für mehrere Tage besonders empfindlich – und das ist völlig normal. Also keine Angst!

Was ist die richtige Behandlungsmethode?

Wenn dein Piercing infiziert ist, ist es wichtig, dass du sofort ärztliche Hilfe aufsuchst und dir die richtigen Mittel geben lässt: „Eine kleine Infektion kannst du normalerweise zu Hause mit einer Salzwasserlösung behandeln. Reinige die Stelle dreimal täglich damit und verwende eine Salbe mit antibiotischer Wirkung“, rät Dr. Wexler. Außerdem warnt sie vor einer Krustenbildung des entzündeten Lochs – diese kann nämlich die Bakterien einschließen und das Loch komplett verschließen. Reinige die Vorder- und Rückseite des Piercings und trockne die Stelle mit einer fusselfreien und sterilen Mullbinde oder einem Papiertuch.
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Wie beugst du einer Piercing-Infektion vor?

Halte dich strikt an die Anweisungen der Piercerin oder des Piercers und versuche, dein neues Schmuckstück nicht anzufassen. Wenn du es mal anfassen musst, wasche dir vorher gründlich die Hände. Laut Thompson solltest du dein Piercing mindestens einmal am Tag reinigen – zweimal, wenn du zum Beispiel viel draußen bist oder mit Kindern arbeitest. Für die Reinigung empfiehlt er Dr. Bronners Kastillienseife, aber jede milde Seife passt!
Photographed by Christine Hahn; styled by Courtney Raniszewksi at Apostrophe

Solltest du das Piercing bei einer Infektion besser entfernen?

„Wenn es sich um eine kleine Infektion handelt, sollte der Stecker nicht entfernt werden. Ansonsten schließt sich das Loch und das Piercing ist Geschichte“, sagt Dr. Wexler. „Insbesondere bei Ohrringen kann der natürliche Heilungsprozess mindestens acht Wochen dauern. Das Entfernen des Schmucks verringert die Wahrscheinlichkeit, dass das Loch bestehen bleibt.“

Mein Piercing ist rot, etwas geschwollen und zeigt Irritationen auf, scheint aber keine Infektion zu haben – was könnte das bedeuten?

„Oft kommen Menschen und glauben, dass sie eine Infektion haben. Dabei ist es meisten nur eine leichte Hautirritation“, so Thompson. Wahrscheinlich haben sie zu viel damit herumgespielt oder sind zu oft drangekommen – beides sollte dringend vermieden werden. Das ist besonders bei Piercings der Fall, die an knorpeligen Stellen sind. Denn sie vielen Gefahren (Berührungen, Luft usw.) immer ausgesetzt. Sowas kann zu Rötungen, Schwellungen und Schmerzen führen und es könnte sich vielleicht sogar eine weiße oder klare Flüssigkeit um das Piercing sammeln. Das ist Lymphflüssigkeit, kein Eiter. Das ist normal und erscheint meistens einige Tage nach dem Stechen, so Dr. Wexler. Wenn die Symptome mehrere Tage anhalten, solltest du sicher stellen, dass es sich nicht um eine Schmuckallergie handelt.
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Apropos: Kann ich auf mein Piercing allergisch reagieren?

Billiger Schmuck enthält oft Allergene wie Nickel. Deshalb ist es besser auf Titan, Gold und Platin zu setzen, weil sie hypoallergen sind. Solltest du allergisch auf dein Piercing reagieren, musst du es so schnell wie möglich auswechseln. Nach dem Wechseln solltest du einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um sicherzustellen, dass dein Piercing richtig verheilt, erklärt die Dermatologin. In manchen Fällen ist es nötig, die Irritation mit Steroiden zu behandeln.

Ich habe gehört, dass der Körper das Piercing abstoßen kann. Was bedeutet das genau?

Zu einer Abstoßung kommt es, wenn dein Immunsystem versucht, das Piercing für dich zu entfernen. Das passiert oft bei Nippel- oder Bauchnabelpiercings. Es ist so wie es klingt: Der Körper schiebt den Schmuck langsam heraus.

Wie sieht ein abgestoßenes Piercing aus?

Abgestoßener Schmuck ist nicht so schlimm wie eine Infektion, er kann aber die Langlebigkeit des Piercings bedrohen. Normalerweise entzündet es sich und schiebt sich dann aus dem Loch heraus. Laut Thompson wird die Haut bei einem abgestoßenen Nippelpiercing glatter und weist rote Streifen. Das Gleiche gilt bei Bauchnabelpiercings.
„Ein abgestoßenes Piercing sagt nicht über zukünftige Piercings aus“, erklärt Dr. Wexler. „Selbst, wenn das Piercing aufgrund einer Infektion abgestoßen wurde, sollte es ein neues Piercing nicht beeinflussen, solange du dich um die richtige Infektionsprävention kümmerst.“ Sie betont nochmal, das die gründliche Pflege das Wichtigste bei einem neuen Piercing ist. Halte es also immer sauber und stelle sicher, dass der Schmuck vor Gebrauch sterilisiert wurde.

Was solltest du im Falle einer Abstoßung tun?

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Laut Thompson solltest du nicht darauf warten, bis dein Körper das Piercing komplett abgestoßen hat, da sich das Loch sonst vernarbt. Gehe zum Piercingstudio und lass die Expert*innen einen Blick darauf werfen. Eventuell wechseln sie dann den Stecker oder entfernen ihn komplett. Wenn Letzteres der Fall ist, kannst du die Stelle nach dem Heilen nachstechen lassen.

Wie oft passiert das?

Das ist schwer zu sagen, da jeder Körper und jedes Immunsystem anders ist. Außerdem ist es von vielen weiteren Faktoren abhängig. Wie empfindlich bist du? Wurde das Piercing gut gestochen? Aus welchem Material ist der Schmuck? Das sind nur einige Punkte, die dabei eine Rolle spielen.

Ist ein abgestoßenes Piercing anders als ein wanderndes?

Ja, manchmal merken die Leute, dass sich die Position ihres Piercings leicht verändert hat – das nennt man ein wanderndes Piercing. „Sagen wir, du lässt dir eine knorpelige Stelle am Ohr piercen und schläfst dann immer auf der Seite deines Piercings. Dann wird dein Körper den Schmuck etwas verschieben, um die Stelle vor Verletzungen zu schützen“, erklärt der Thompson. Das passiert meistens aber nur da, wo es zu vielen Berührungen kommt.

Was sollte jede*r vor dem ersten Piercing wissen?

Piercings heilen nicht über Nacht, betont Thompson. Bei manchen kann der Heilungsprozess bis zu sechs Monate dauern – und das nur, wenn du sie in Ruhe lässt und sauber hältst. „Piercer*innen können dir ein perfektes, Bilderbuch-Piercing stechen, wenn du es nicht richtig pflegst, wird es auch nicht richtig heilen“, sagt der Piercer zum Schluss.
Fazit: Die Pflege deines Piercings liegt in deiner Verantwortung.
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