Chasity Samone: Das schwarze Playmate ist das, was dem Playboy fehlte

Im März 1965 wurde Model Jennifer Jackson als erste schwarze Frau überhaupt zum Playmate des Jahres gekürt. Mit nur 18 Jahren war sie außerdem die jüngste Frau, die in den Playboy Club in Chicago aufgenommen wurde. „Damals hab ich nicht so viel von mir gezeigt, wie es heute so üblich ist“, erzählte sie in einem Interview mit The Hollywood Reporter im Jahr 2017. „Nur mein Oberkörper war zu sehen, aber das war auch schon ein Meilenstein.“
Damit ebnete sie den Weg für andere schwarze Playmates, wie Darine Stern (das erste schwarze Playmate, das 1971 allein auf dem Cover der Zeitschrift abgelichtet wurde) oder die legendäre Naomi Cambpell, die 1999 ein 14-seitiges Pictorial im Magazin bekam. Der Playboy hat also schon eine Reihe von schwarzen Playmates dargestellt und über die Jahre setzte sich das Magazin auch öffentlich für die Gleichberechtigung unter den Rassen ein. Währen der Bürgerrechtsbewegung veröffentlichte Playboy zum Beispiel das längste Interview mit Dr. Martin Luther King Jr. Nichtsdestotrotz gestand Playboy-Gründer Hugh Hefner in einem Interview mit der New York Times 2008, dass es dem Magazin vor allem an sehr dunkelheutigen Frauen mangelt.
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„Wir versuchen mehr ethnische Diversity zu zeigen, aber es scheint so, als hätten wir das typische Blond noch nicht wirklich losgelassen.“
Und genau aus dem Grund wurde Chasity Samone in der Equality-Ausgabe für Februar 2020 gezeigt.
„In der Winterausgabe 2020 des Playboy dreht sich alles um Gleichberechtigung“, erklärt das Unternehmen. „In diesem Magazin wirst du Menschen kennenlernen, die die Welt verändern, deren Arbeit uns die Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft und Gesellschaft macht.“
Die 28-Jährige ist nicht nur Model, sondern auch eine ehemalige Soldatin und angehende Politikerin. Außerdem gehört sie zu den wenigen sehr dunkelhäutigen Frauen, die der Playboy abgelichtet hat. Samone, die für Top-Modedesigner*innen wie Michael Costello gemodelt und mit Musiker*innen wie A$AP Ferg und Pusha T gearbeitet hat, erklärt, dass sie sich schon in ihrer Kindheit nie wirklich repräsentiert gefühlt hat.
„Mädchen wie mich gab es in Musikvideos nicht“, erklärt sie uns. „Ich fragte mich immer: ’Finden Menschen mich nicht schön?‘“
Genau deshalb hat es sich Samone zur Aufgabe gemacht ein Vorbild für alles jungen Frauen zu sein, die so aussehen wie sie. „Darum geht es mir: Kleine Mädchen, die so aussehen wie ich, sollen sich repräsentiert und schön fühlen.“
Wir haben mit Samone über ihr Playboy-Feature gesprochen und sie zu Themen wie Diversity in der Modelwelt und ihren Plänen, in ihrer Heimatstadt Dallas für den Stadtrat zu kandidieren.
Refinery29: Herzlichen Glückwunsch erstmal für die Playboy-Ausgabe. Wie fühlst du dich?
Chasity Samone: Ich bin happy. Ich komme aus Dallas und alle freuen sich richtig für mich. Deshalb fühle ich mich echt gut.
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R29: Kannst du uns etwas mehr über dich erzählen?
CS: Also, ich bin in Dallas aufgewachsen. Meine Eltern haben 11 Kinder. Ich war Nummer 7, sprich: Ich lebe in einer Großfamilie. Mein Vater arbeitete bei der Army und für die Regierung, deshalb ist auch das Militärleben mir nicht fremd. Nach meinem Highschool-Abschluss meldete ich mich freiwillig in der Army. Drei Jahre war ich dort. Direkt danach entdeckte mich eine Frau namens Ashley Williams, teilte ein Foto von mir auf Facebook und fragte die Community, ob jemand weiß, wer ich bin. Ein paar Freund*innen taggten mich und so kam ich zu meinem ersten Fotoshooting.
R29: Wie lange ist das jetzt her? Wie lange modelst du schon?
CS: Ich bin seit sieben oder acht Jahren Model, glaube ich – wahrscheinlich eher sieben.
R29: Wie bist du beim Playboy gelandet?
CS: 2016 kontaktierte mich jemand vom Playboy und fragte, ob ich ein Feature machen will. Daraufhin habe ich die Casting Direktorin für Playmates auf Instagram angeschrieben und sie hat mir zurück geantwortet und mir gesagt, ich solle ihr nochmal eine Mail schreiben. Das hab ich dann auch gemacht und so wurde ich Playmate.
R29: Wie stehst du zum Playboy? War es schon immer dein Traum, dich dafür ablichten zu lassen?
CS: Ja, natürlich! Als ich mit dem Modeln angefangen hab, war das mein großes Ziel. Schon als Kind wusste ich, wie wichtig der Playboy und Hugh Hefner waren und ich konnte mich damit gut identifizieren. Meine Familie kennt meine Sexualität und weiß, wie ich zu meinem Körper stehe. Es war Schicksal, dass ich beim Playboy lande.
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R29: Wie lief das Shooting ab?
CS: Am Tag des Shootings konnte ich einfach nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit war. Es war unglaublich – eine riesengroße Produktion. Sie haben ein ganzes Kino gemietet, nur für mich. Das war so surreal.
R29: Auf Instagram kann man sehen, wie du mit talentierten, schwarzen Menschen am Set gearbeitet hast. Kannst du uns ein paar Namen nennen?
CS: Meine Fotografin war Adrienne Raquel. Ich hab schon vor fünf Jahren mal mit ihr zusammengearbeitet – damals in New York City für eine Kampagne für Rue 107. Und mein Make-up-Artist Sparkle – einfach phänomenal! Sie hat schon für Fashion Nova und Pretty Little Things gearbeitet und kennt sich mit dunkler Haut besonders gut aus. Ich hab mich so wohl gefühlt bei ihr. Sie ist einfach toll.
R29: Schon viele schwarze Frauen sind im Playboy erschienen und einige von ihnen haben sehr dunkle Haut. Welche Bedeutung hat es für dich, als eine der wenigen schwarzen Frauen mit einer dunkleren Komplexion beim Playboy gesehen zu werden?
CS: Ich finde, wir schwarzen Frauen mit dunkler Haut, bekommen noch viel zu selten Anerkennung. Außerdem ist Colorismus immer noch ein weit verbreitetes Problem in der Mode-Industrie. Deshalb wollte ich mich und meine Hautfarbe auch zeigen.
R29: Inwieweit passt der Playboy zu deiner Mission?
CS: Meine Mission ist Repräsentation und meine Mission ist es, jungen schwarzen Frauen zu zeigen, dass sie alles erreichen können. Ich will, dass sie über ihre Grenzen hinaus gehen. Der Playboy ist zum Beispiel etwas, was für viele Menschen der schwarzen Community immer noch unerreichbar scheint. Viele sagten mir: „Ich wusste nicht, dass schwarze Frauen Playmates werden können.“ Und ich kann ihnen antworten: „Ich bin ein Playmate!“ Das macht mich sehr stolz.
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R29: Welchen Rat möchtest du jungen schwarzen Models mit auf den Weg geben?
CS: Macht, was ihr machen wollt. Verwendet Instagram. Benutzt Hashtags. Kontaktiert Fotograf*innen in eurer Nähe. Macht Fotoshootings und erweitert euer Portfolio – hört niemals auf.
R29: Erzähl mir mehr über deinen Wunsch im Stadtrat zu sitzen. Wann hast du bemerkt, dass eine politische Karriere ein langfristiges Ziel ist?
Ich wollte schon immer etwas für das Allgemeinwohl tun. Deshalb bin ich zur Army gegangen. Mein Vater hat nach seinem Ruhestand für die Regierung gearbeitet, aber er war praktisch immer in Dallas und bei der Regierung tätig. Der Grund, warum ich jetzt für den Stadtrat kandidieren möchte ist meine Begeisterung für Bildungsthemen. Ich möchte, dass die Menschen in dem Ghetto, in dem ich damals aufgewachsen bin, endlich besseren Zugang zu Bildung bekommen.
R29: Wie soll sich deine Karriere jetzt erstmal weiterentwickeln?
CS: Mein nächstes Ziel ist die Schauspielerei. Ich möchte in Filmen zu sehen sein und bei Serien oder anderen TV-Shows mitspielen. 
R29: Welche Schauspieler*innen inspirieren dich?
CS: Regina King, Regina Hall, Lupita Nyong’o.

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