Interview: Janina Uhse über ihre Leidenschaft & ihr neues Kochbuch

Von Intervall-Fasten, über Keto-Diäten bis hin zu Superfood-Hypes: Bei all den Diät- und Ernährungstrends vergessen wir manchmal, dass es beim Essen nicht nur um Lebenserhaltung, Gesundheit und Trends geht, sondern auch um Gefühle. Essen kann uns mit anderen Menschen zusammenbringen, Gespräche eröffnen, für Geborgenheit sorgen. Es kann uns ein Kribbeln in den Bauch und ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Oder anders gesagt: Es kann uns glücklich machen. Vorausgesetzt, es schmeckt. Und da kommt Janina Uhse ins Spiel.
Die Schauspielerin hat vor kurzem ihr erstes eigenes Kochbuch veröffentlicht, in dem sie Gerichte vorstellt, die nicht nur leicht zu kochen, sondern auch noch richtig lecker sind. “Meine Glücklichküche: Lieblingsrezepte aus drei kulinarischen Ecken dieser Welt“ heißt die Rezeptesammlung des ehemaligen GZSZ-Stars, der heute zu den beliebtesten TV- und Kinogesichtern Deutschlands zählt. Eingeteilt in drei Kapitel nimmt uns das Buch mit auf eine kleine Reise: Von der Nordseeinsel Föhr, wo sie einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte, über die japanische Metropole Osaka, in die sie seit sie ein Teenager ist jährlich reist, bis in ihre Wahlheimat: das multikulturelle Berlin.
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Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sie den Schritt vom Kochkanal Janina and Food zum Buch gemacht hat, welchen Herausforderungen sie sich stellen musste und woher ihre Leidenschaft fürs Kochen und Essen kommt. 
Refinery29: Du bist eine beschäftigte Schauspielerin und ebenfalls auf Instagram sehr aktiv – wann kam dir die Idee, noch zusätzlich das Projekt mit dem Buch anzugehen?
Janina Uhse: Ich liebe Bücher – nicht digital, sondern physisch. Sie in der Hand zu halten, an ihnen zu riechen und ihr Gewicht zu spüren, ist etwas Echtes. Ein Buch später wiederzuentdecken, es heraus zu kramen und darin zu blättern, inspiriert mich. Das geht wohl auch meiner Community so, denn um ehrlich zu sein, bin ich auf die vielfache Nachfrage meiner Follower eingegangen. Das finde ich persönlich toll, da es ein natürlicher Entwicklungsprozess von Janina and Food ist, der sich nicht einer Marken- oder Marketingstrategie unterordnet.
Wieso hast du dich dazu entschlossen, das Buch selbst auf den Markt zu bringen?
Ich hatte im Vorfeld einige Gespräche mit großen Verlagen doch ich musste feststellen, dass Verlagsstrukturen verkrustet sind. Das Medium ist alt, aber man muss es nicht alt denken und auch noch alt vermarkten. Doch das passiert. Man hat das Gefühl, dass Verlage die sozialen Medien kennen, aber nicht verstehen. Wenn man schon dieses große Geschenk eine bestehenden Community hat, warum sollte man das nicht nutzen? Und zwar so, wie sie es kennen: Input, direktes Feedback, all das kann doch nur förderlich sein, um ein Buch erfolgreich zu machen. Unabhängig von der Vermarktungsebene wollte ich keine Kompromisse eingehen. Anstelle mit einem guten Konzept, einer schlüssigen Strategie ein starkes Produkt zu machen, wird vorrangig auf die Kosten geachtet. „Meine Glücklichküche“ ist am Ende eben weit mehr Herzensprojekt als Business-Case. Das ist aber einem profitorientierten Unternehmen schwer zu vermitteln.
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Sich auf neues Terrain zu begeben erfordert viel Mut und Energie, wie war der Prozess für dich? Hattest du Angst, zu scheitern?
Nein, ich hatte keine Angst, zu scheitern. Es war eher die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. Es ist wie ein gewaltiges Uhrwerk, bei dem man sich früh im Prozess für Zahnräder entscheiden muss, die später ganz schwer wieder auszutauschen sind, weil alle ineinander greifen. Papier, Druckerei, Vertrieb, Grafik, Bildsprache, Grundlinienraster und und und... Als Autodidakt löst man Herausforderungen aber unkonventioneller, trifft Entscheidungen unvoreingenommen und hält sich nicht an Regeln – das hilft, weil es einem die Luft zum atmen lässt und die zu erwartenden Herausforderungen einem nicht schon vorher den Hals zuschnüren.  
Hast du dir Input von anderen Menschen geholt, die bereits Bücher publiziert haben oder wolltest du bewusst ganz deiner Intuition folgen?
Natürlich. Ich habe mich bemüht, ein Team aufzustellen, das klar definierte Kompetenzen hat und Erfahrungen im Bereich Buch mitbringt. Aus dem Nichts geht es dann eben doch nicht. Es sind zu viele Komponenten, die in erfahrene Hände gehören, wie Art-Direction oder Food-Fotografie.
Welches Feedback zum Buch hat dich besonders gefreut?
Dass die Leser*innen merken, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in dem Buch steckt. Es bestätigt mich in der Meinung, dass Qualität sich auszahlt. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, das Papier auszuwählen, die Ausstattung zu bestimmen und keine Kompromisse gemacht, auch wenn es oftmals um einiges teurer war.
Welches Feedback zum Buch hat dich verärgert, verletzt?
Ab wann wäre ein Feedback verletzend? Für mich: Wenn man mir vorwerfen würde, das Buch sei herzlos und ich wolle mit dem Projekt nur Geld verdienen. Ansonsten ist alles andere konstruktive Kritik. Aber bisher gab es weder das eine, noch das andere.
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Gab es einen Moment im Prozess des Buches, an dem du am liebsten alles hingeworfen hättest?
Nein, nie. Es hat mich zwar zeitweise angestrengt, aufgerieben und viel Schlaf gekostet, doch diese Phasen wurden dann von absoluten Hochgefühlen abgelöst. Die Mischung macht es. Und spätestens als ich das Buch in den Händen hielt, waren die Anstrengungen und Mühen vergessen. Außerdem: Ich hatte mir dieses Buch vorgenommen und das musste durchgezogen werden. Und: Es steckte von Stunde eins an so viel Geld in dem Projekt, das Aufhören keine Option war.
Woher kommt deine Liebe zum Kochen?
Essen und Kochen spielt in meinem Leben eine elementare Rolle! Für mich ist Essen nicht nur Nahrungsaufnahme. Es ist ein Lebensgefühl, eine Leidenschaft und manchmal auch eine Belohnung. Und: Essen ist der Universalschlüssel für die Tür zu anderen Kulturen. Dieses Gefühl, diesen Zugang, möchte ich mit den Menschen teilen. Mit Zutaten zu experimentieren und aus vielen kleinen Dingen ein Großes zu machen, ist ein tolles Erfolgserlebnis. Und das macht glücklich.
Was war deine erste positive Erinnerung, die du mit dem Kochen verbindest?
Ich habe es schon immer geliebt, meinen Großeltern und Eltern beim Kochen zuzuschauen. Wie sie Lebensmittel verarbeiteten, der Gasherd eine Flamme erzeugte und der Geruch von Knoblauch, Zwiebeln und Butter die Küche erfüllte. Es klingt diffus aber eine konkrete Erinnerung kommt da nicht. 
Der Titel deines Buches sagt es bereits: Kochen macht dich glücklich. Gibt es trotzdem auch Momente in der Küche, in denen du am liebsten laut losschreien wollen würdest?
Wenn es ans Backen geht und ich mal wieder nicht die exakten Mengenangaben für Backpulver und Hefe beachtet habe und der Kuchen platt wie ne Flunder bleibt.
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In einer Welt, in der – unter anderem auch durch Social Media – eine oft sehr strikte Beziehung zu essen propagiert wird, geht das Schlemmen und Genießen oft unter. Welche Beziehung hast du zum Essen?
Wie immer im Leben: Es geht um die richtige Balance und die Dosis macht die Droge. Ich halte nichts von Extremen.
Für welche drei Personen würdest du gerne mal ein Dinner kochen?
Mir ginge es nicht um Persönlichkeiten, sondern um Eigenschaften, die ein Dinner-Gast mitbringen sollte. Ich möchte an meinem Tisch nur Leute sitzen haben, die gerne essen, trinken und Tischmanieren an den Tag legen. Aber Philip Rosenthal von „Somebody Feed Phil“ würde ich gerne mal zum Dinner feeden.
Was ist deine liebste Mahlzeit am Tag und wieso?
Das Dinner. Es ist meist die kommunikativste Mahlzeit des Tages und lässt sich stundenlang strecken.
Was ist dein Lieblingsgericht, das dir auch an schlechten Tagen die Laune hebt?
Rübenschmaus geht immer – am liebste gekocht von meiner Mama. Wer es nicht glaubt, sollte es ausprobieren. Das Rezept findet man in „Meine Glücklichküche“.
Was war das Beste, das du je in deinem Leben gegessen hast?
Ich durfte schon so viele geile Dinge probieren. Aber der Miso-Cod im Nobu oder die Ramen im Nakiryu in Tokio werde ich definitiv nie vergessen.
Welches Lebensmittel findest du überbewertet?
Chiasamen.
Was ist für dich ein absolutes No-Go in der Küche oder beim Essen?
Schlechte Tischmanieren. Am schlimmsten finde ich es, wenn Menschen das Messer ablecken, da bekomme ich Gänsehaut.
Im Job als Schauspielerin hat man oft längere Phasen an denen man nicht dreht – ist das Küchenstudio sowie deine Kochsendungen ein weiteres Standbein für dich, das deinem Leben Stabilität gibt?
Ja, auf jeden Fall. Es ist wichtig, eine Komponente im Leben zu haben, die man selbst beeinflussen kann. Es schafft einen emotionalen Ausgleich zu der Abhängigkeit, die der Job als Schauspielerin mit sich bringt. Bei Janina and Food bin ich Produzentin, Regisseurin, Autorin und Protagonistin zugleich – und das mit einem selbstgewählten Team, das ich gerne um mich habe. Das macht mich wahrhaftig glücklich.
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Janina and Food in fünf Jahren: Was würdest du gerne noch erleben, aufbauen, realisieren?
Hoffentlich schaffe ich es dann noch immer, Menschen zu inspirieren und selbst inspiriert zu werden – durch starke Gäste, tolle Freund*innen und eine aktive Community. Ich möchte auf alle Fälle das Produktsortiment erweitern, Länderküchen vor Ort erleben und erlebbar machen. Und niemals die Freude an der Sache verlieren.
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“Meine Glücklichküche: Lieblingsrezepte aus drei kulinarischen Ecken dieser Welt“ von Janina Uhse ist erhältlich bei Amazon (29,90 €).

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