Wieso dir momentan so viele Wimpern und Brauenhaare ausfallen

Illustration: Olivia Santner
Vermutlich achtest du momentan mehr denn je auf sämtliche Signale, die dir dein Körper so schickt – immer auf der Ausschau nach Corona-Symptomen. Vielleicht hast du auch gehört, Haarausfall sei eine recht typische Spätfolge des Virus, und hast seitdem deine Haare besonders im Auge; vor allem die, die du in deiner Bürste, der Dusche oder auf deinem Kopfkissen findest. Dabei kann übermäßiger Haarausfall natürlich viele Ursachen haben, doch geht es im Gespräch darüber meist um die Haare am Oberkopf. Aber was hat es zu bedeuten, wenn es stattdessen deine Wimpern und Augenbrauen sind, die aktuell deutlich lichter aussehen als sonst?
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Vor allem, weil moderne Schönheitsideale häufig einen dramatischen Wimpernaufschlag und perfekt definierte Augenbrauen von uns erwarten, kann der Verlust dieser Haare genauso traumatisch sein wie Haarausfall am Oberkopf – mal ganz davon abgesehen, dass du dir bei allen Arten des Haarverlusts vermutlich erstmal Sorgen um deine Gesundheit machst. Bevor ich mich hier aber in medizinische Ratschläge stürze, eine kurze Erinnerung vorweg: Corona und die damit einhergehende Selbstisolation hat unser aller Selbstbild auf den Kopf gestellt. Die Konsequenz spiegelt sich in den Zahlen wider: Die Nachfrage nach Schönheitsoperationen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Kein Wunder, wenn du bedenkst, wie oft wir derzeit mit unserem eigenen Aussehen konfrontiert werden, wenn wir tagein, tagaus in Videocalls rumhängen. Da kann es schon passieren, dass wir Dinge zu sehen glauben, die gar nicht wirklich da sind. – Okay, aber jetzt habe ich mich aber lange genug wie deine Mama angehört. Sehen wir uns die medizinischen Fakten genauer an.
„Wenn sich der Haarverlust auf deine Augenbrauen und Wimpern beschränkt, könnte die Ursache Alopecia Areata sein – also kreisrunder Haarausfall“, meint die Trichologin Stephanie Sey. Tricholog:innen beschäftigen sich mit allen Haarproblemen. „Wie auch bei anderen Arten des Haarausfalls wird Alopecia Areata durch eine Immunreaktion ausgelöst, bei der der Körper damit anfängt, Haarfollikel anzugreifen. Die Besonderheit des kreisrunden Haarausfalls liegt darin, dass er nur kleine, örtlich begrenzte Bereiche betrifft.“ Laut Sey kann sich der Ausfall daher auch durchaus nur auf eine Lücke in einer Augenbraue begrenzen. Meist liegt dem Ganzen eine schief gelaufene Stressreaktion zugrunde: „Gerade jetzt hört man häufig von Alopecia Areata, weil aktuell viele Menschen unter Stress und Angstzuständen leiden – und einer der Vorboten des Haarausfalls ist Stress“, erklärt Sey und ergänzt, dass davon häufig Student:innen, entlassene Angestellte oder Leute, die große Lebensveränderungen durchmachen, betroffen sind. 
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Wenn du dickes, dichtes Haar auf dem Kopf hast, ist dir vielleicht bisher kein Haarverlust am Oberkopf aufgefallen. Das heißt aber nicht, dass er nicht da ist. „Häufig bemerken Leute mit dichtem Haar gar nicht, dass sie es verlieren, bis ein:e Friseur:in sie darauf hinweist“, sagt Sey. Das liegt auch daran, dass der Wachstumszyklus deiner Wimpern und Augenbrauen deutlich kürzer ist  (etwa drei Monate) als der deiner anderen Haare (bis zu sieben Jahre). Nach dieser Zeit fallen sie aus – und daher fallen dir an den Wimpern und Brauen eben schneller kahle Stellen auf. 
Bitte lass dir davon jetzt aber keine Angst machen! Ich will dir bloß alle möglichen Fakten geben, damit du im Zweifelsfall gut informiert zum Facharzt bzw. zur Fachärztin gehen kannst. Und es gibt auch gute Neuigkeiten: „In vielen Fällen von Alopecia Areata ist die Ursache für den Haarverlust schon behoben, wenn er dir überhaupt auffällt“, meint Sey. Konkret heißt das: Wenn deine Haare abgestorben sind und ausfallen, liegen der Stress oder die Krankheit, die dafür verantwortlich war, meist schon eine Weile zurück. Der Verlust ist also quasi eine Art Kater – noch dazu ein normalerweise gut heilbarer, versichert mir Sey. Trotzdem solltest du dir im Zweifel eine (fach-)ärztliche Meinung einholen. 
Wenn du aber glaubst, der Verlust deiner Wimpern und Augenbrauen sei womöglich auf dich selbst zurückzuführen, weil du immer daran rumzupfst, hilft dir womöglich dieser Artikel zur sogenannten Dermatillomanie – dem zwanghaften Zupfen an der eigenen Haut. Und auch vermeintlich harmlose Angewohnheiten wie das Spielen mit den Haaren können irgendwann krankhaft werden. Generell kann es helfen, deinen Stresspegel (insbesondere momentan) zu senken, beispielsweise durch Meditation, Yoga, lange Spaziergänge oder Trash-TV. Wenn du an dir selbst solche Angewohnheiten feststellst, bitte andere darum, dich darauf hinzuweisen, wann immer sie dich dabei erwischen; und deine unruhigen Finger kannst du zum Beispiel durch einen Stressball oder Fidget Spinner ablenken.
Von Seren, Supplements & Co., die schnelleres Haarwachstum versprechen, würde Sey aber eher abraten, weil die Wirksamkeit vieler solcher Produkte bisher nicht wissenschaftlich erwiesen ist. „Wenn du ein Serum oder Ähnliches verwenden willst, ist das okay – aber kombiniere es dann bitte mit medizinischer Beratung, damit du keine Zeit mit etwas verschwendest, was vielleicht gar nicht funktioniert.“ 

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