Warum sich manche Entscheidungen einfach „richtig“ anfühlen

Tagein, tagaus treffen wir eine Vielzahl von Entscheidungen. Öfter, als uns vielleicht lieb ist, haben wir im Nachhinein Zweifel daran, ob wir uns richtig entschieden haben. Was genau gibt uns aber das Gefühl, die „richtige“ Entscheidung getroffen zu haben? Und warum machen wir uns über die Wahl unseres Outfits und die Auswahl von Vorspeisen genauso viele Gedanken wie über lebensverändernde Entscheidungen wie die Partner:innensuche und unsere Wohnsituation? Die Wissenschaft hat jetzt eine Antwort darauf – und sie ist viel einfacher, als du möglicherweise denkst.
Wie Science Daily berichtet, hat es sich ein Forscher:innen-Team der ETH Zürich und der Universität Zürich zum Ziel gemacht, diese Fragen zu beantworten. Anhand von experimentellen Daten haben die Wissenschaftler:innen ein Computermodell entwickelt, das im Wesentlichen Vorhersagen darüber erstellt, wie eine Person zwischen verschiedenen Optionen wählen wird und warum sie anschließend zufrieden mit dieser Entscheidung sein oder sie bereuen könnte.
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Natürlich sind Entscheidungen und unsere damit verbundenen Gefühle subjektiv. Wie lassen sie sich also untersuchen? Dazu beschäftigte sich das Team damit, wie Testpersonen alltägliche Lebensmitteloptionen bewerten und auswählen.
Zunächst wurden alle Teilnehmer:innen gebeten, 64 Produkte aus zwei Supermärkten zu bewerten. Dazu wurde ihnen ein Bild jedes Produkts auf einem Bildschirm präsentiert. Anschließend wurden sie gefragt, wie gerne sie jedes Produkt am Ende des Experiments essen würden. Im zweiten Teil des Experiments wurde den Versuchspersonen eine Reihe von Bildern gezeigt, auf denen zwei dieser Artikel gleichzeitig abgebildet waren. Sie wurden dazu aufgefordert, sich zwischen diesen beiden Optionen zu entscheiden. Anschließend mussten die Proband:innen die Produkte tatsächlich essen und bewerten, wie sicher sie sich in Hinblick auf ihre Entscheidung waren. Die Forscher:innen verwendeten dabei Augenscanner, um die Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung zu überwachen.
„Mit unserem Modell konnten wir zeigen, dass sich Entscheidungen am ehesten richtig anfühlen, wenn wir beim Abwägen von verschiedenen Optionen viel Aufmerksamkeit investiert haben und uns darüber hinaus bewusst sind, dass wir das getan haben“, sagt Polanía, der das Decision Neuroscience Lab an der ETH Zürich leitet. Je mehr Aufmerksamkeit für die Optionen aufgewendet wurde, desto größer war das Vertrauen in die endgültige Entscheidung.
Die Forscher:innen kamen zu folgendem Schluss: Unsere Neigung, „schlechte“ Entscheidungen infrage zu stellen und zu revidieren, hängt davon ab, ob wir den Eindruck haben, alle Optionen angemessen abgewogen zu haben oder ob wir uns während des Entscheidungsprozesses ablenken ließen oder die Sache nicht allzu ernst nahmen. „Wir haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit, ein schlechtes Gefühl nach einer Entscheidung zu haben, besonders hoch ist, wenn einer Person klar ist, dass sie nicht ausreichend Zeit und Energie damit verbracht hatte, unterschiedliche Optionen abzuwägen, bevor sie sich entschied“, schreibt Polanía. Selbstwahrnehmung und die Fähigkeit zur Reflexion sind wesentliche Voraussetzungen für Selbstsicherheit. So lässt es sich möglicherweise vermeiden, nach einer Entscheidung von Zweifeln geplagt zu werden, wenn wir die Dinge davor gut durchdacht haben.
Die wichtigste Erkenntnis dieser Ergebnisse ist, dass wir uns dann mit einer Entscheidung zufriedengeben können, wenn wir das Gefühl haben, die verfügbaren Möglichkeiten ausreichend abgewogen zu haben. Natürlich kann es auch passieren, dass unser Gehirn uns einen Streich spielt und uns von Dingen überzeugt, die vielleicht nicht richtig sind –auch wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns unsere Entscheidung gut überlegt haben. Die Wissenschaft hinter unserem „Bauchgefühl“ legt aber nahe, dass es sich immer lohnt, Dinge ein wenig zu überdenken, bevor du dich festlegst.
Außerdem sind Zweifel ein natürlicher, meist unvermeidlicher Teil des Lebens, und die Freiheit, Entscheidungen zu treffen und damit auch Fehler zu machen, ist nie etwas, das du auf die leichte Schulter nehmen solltest. Wir neigen oft dazu, uns mit Entscheidungen, die wir bedauern, zu beschäftigen, sogar mit solchen, die Jahre zurückliegen. Aber es ist wichtig, dich selbst dazu zu ermutigen, dich auch an all die guten Entscheidungen zu erinnern, die du bisher getroffen hast – selbst wenn es dabei nur darum geht, die richtige Vorspeise auszuwählen.

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