Menstruationstassen: Ein Guide für Anfänger*innen

Als ich das erste Mal eine Menstruationstasse in der Hand hielt, musste ich an ein kleines Plastikweinglas ohne Stiel denken. Das sagt wahrscheinlich mehr über mich und meine Liebe zu Rosé aus, als mir lieb ist, aber was soll’s. Ich will damit sagen: Ich war längst erwachsen, als ich entdeckte, dass es mittlerweile echte Alternativen zu Tampons und Binden gibt. Während sich die Teenies heute alle Periodenprodukte von ihren Eltern erklären lassen können, wenn sie das erste Mal ihre Tage bekommen, musste ich mich selbst informieren. (Meine Mutter ist übrigens ein großer Fan von Binden. Sie ist in einer ländlichen Gegend Jamaikas damit aufgewachsen und für sie gibt es keine Alternativen. Ende der Diskussion. Aber das nur nebenbei.)
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Menstruationstassen sind keine komplett neue Erfindung. Tatsächlich gibt es sie schon seit den 1930ern! Trotzdem fühlt es sich ein bisschen wie ein neuer Trend an, denn sie sind erst jetzt wirklich im Mainstream angekommen. Abgesehen von meinen Hippie-Freundinnen, die schon seit Jahren darauf schwören, verwendete sie in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zumindest bis vor kurzem niemand. Das hat sich aber spätestens mit dem Einzug der Tassen in die Regale der Supermärkte, Bioläden und Drogerien geändert.
„Wir dachten früher, dass Menstruationstassen ein Nischenprodukt sind, das die Leute nur zu bestimmten Anlässen verwenden werden oder nur, wenn sie wirklich super öko sind“, erzählt Rebecca Stoebe-Latham, Senior Scientist bei Tampax. „Aber durch Mundpropaganda und die Aufnahme ins Produktsortiment großer Ketten ist die Nachfrage immer mehr gewachsen.“
Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas von ihnen eingeschüchtert war. Abgesehen von der Weinglasassoziation war mein erster Gedanke: Wie soll ich dieses Ding in meine Vagina bekommen? Damit du dich nicht genauso hilf- und ratlos fühlst wie ich damals (und falls deine Eltern nicht schon echte Tassen-Pros sind), habe ich einen kleinen Guide für Anfänger*innen für dich zusammengestellt. Dafür habe ich mit Expert*innen interviewt und Frauen, die die Cups bereits nutzen, nach ihren Erfahrungen gefragt. Bist du bereit, alles über Menstruationstassen-Profi zu werden? Los geht's.

Was ist eine Menstruationstasse?

Eine Menstruationstasse ist eines kleines, formbares Gefäß aus medizinischem Silikon, das an einen Minitrichter erinnert, aber wie eine Tasse unten geschlossen ist. Sie wird in die Vagina eingeführt, um das Menstruationsblut aufzufangen und kann für bis zu zwölf Stunden am Stück getragen werden. Wenn sie voll ist, drückst du den unteren Teil leicht zusammen, hältst die Tasse daran fest und ziehst sie langsam und vorsichtig heraus. Den Inhalt spülst du – im Vergleich zu Tampons – einfach im Klo herunter. Anschließend wäscht sie unter fließendem Wasser gründlich ab und führst sie wieder ein.
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Mit bloßen Händen eine Tasse voller Blut aus meiner Vagina herauszuziehen klingt super ekelig. Ich kann das nicht. Ich will das nicht. Muss ich wirklich?

Natürlich zwingt dich niemand dazu, eine Menstruationstasse zu verwenden. Ja, es ist super, dass du durch sie weniger Müll produzierst und eine längere Tragedauer hast. Aber es ist deine Periode. Du musst damit leben. Du solltest dich von niemandem – auch nicht von der Gesellschaft oder deinem schlechten Gewissen – unter Druck gesetzt fühlen, eine benutzen zu müssen.
Solltest du es allerdings ausprobieren wollen, musst du dich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden, ab und zu Blut auf der Hand zu haben. Perioden an sich sind aber weder ekelig noch unhygienisch. Aber dazu später mehr.

Sind Menstruationstassen billiger als Binden und Tampons?

Auf lange Sicht kannst du mit Menstruationstassen auf jeden Fall Geld sparen, denn du kannst sie mehrere Jahre benutzen. Zwar werfen manche ihre Tasse bereits nach zwei oder drei Jahren in den Müll, weil sie verfärbt sind (müssten sie aber gar nicht), aber wenn du sie richtig pflegst, kann sie sogar bis zu zehn Jahren halten.
Pro Cup musst du mit etwa zehn bis 32 Euro rechnen – je nachdem für welche Brand du dich entscheidest. Viele empfehlen, zwei Tassen zu kaufen, damit du immer einen Ersatz hast, wenn du eine von beiden gerade reinigst. Macht also 20 bis 64 Euro, die du bestenfalls in zehn Jahren ausgibst. Und jetzt überleg mal, wie viel du jeden Monat für Binden und Tampons hinblätterst! Da brauchst es keine wissenschaftlichen Studien, um festzustellen: Jupp, mit Menstruationstassen kannst du viel Geld sparen. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass viele Menschen zusätzlich zum Cup Einlagen, Binden oder Periodenwäsche verwenden, um auf Nummer sicher zu gehen. Ob und wie viel Geld du sparst, hängt also auch von deinen Präferenzen und Gewohnheiten ab.
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Sind Menstruationstassen die beste Option für die Umwelt?

Ja, weil sie wiederverwendbar und, etwa im Vergleich zu ebenso wiederverwendbarer Periodenwäsche, am längsten haltbar sind.

Wie verwendet man eine Menstruationstasse? Sie sieht viel zu groß für meine Vagina aus!

Hab etwas Geduld. Am Anfang fällt es dir vielleicht etwas schwerer, die Tasse einzuführen. Als ich es das erste Mal versucht hab, konnte ich quasi hören, wie meine Vagina mich auslachte und wie ein Türsteher am Berghain sagte: „Nope. Not happening“. Mit dieser Erfahrung stehe ich nicht allein da. „Du musst sie erst zusammenfalten und dann einführen. Wenn sie richtig sitzt, ploppt sie dann wieder auf“, erklärt Amber Buchanan, die den Cup einen Zyklus lang ausprobiert und gehasst hat. „Sie soll da drin sitzen und alles auffangen. Das klingt in der Theorie ja super, aber ehrlich gesagt habe ich ewig in meiner blutigen Vagina herumgewühlt und versucht, die Menstruationstasse richtig zu platzieren und am Ende fühlte es trotzdem nicht richtig an.“
Zugegeben: Wenn du einen Cup verwenden willst, musst du dich mehr mit deiner Anatomie beschäftigen als wenn du eine Binde oder einen Periodenschlüpfer verwendest. Aber genau wie bei Tampons wird es mit der Zeit leichter. Jennifer Barnes benutzt schon seit dem Jahr 1996 Cups. „Als ich es das allererste Mal probierte dacht ich nur WTF? Das fühlt sich einfach falsch an!“, erzählt Jennifer. „Aber ich habe es weiter versucht und würde es mittlerweile hassen, Tampons oder Binden verwenden zu müssen.“
Die meisten Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe sagten spätestens beim dritten Zyklus klappte alles wie am Schnürchen. Also gib einfach nicht zu schnell auf – falls du gern eine Tasse verwenden möchtest.
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Wie fühlt sich eine Menstruationstasse an, wenn sie drinsteckt?

Jennifer spürt ihren Cup so gut wie gar nicht, wenn er richtig sitzt. Sie erzählte mir, dass sie einmal richtig Panik bekam, weil sie dachte, sie hätte ihre Menstruationstasse zu Hause vergessen – sie war auf dem Weg zu einen Wochenendtrip mit Freundinnen. Später stellte sie dann aber fest, dass sie sie doch dabei und einfach nur nicht gespürt hatte. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass mir so etwas in der Art mal passiert, weil ich den Cup die ganze Zeit ziemlich deutlich gespürt habe. Es fühlte sich so an als würde eine kleine Qualle ein Nickerchen in meinem Unterleib machen. Nicht gerade super angenehm, aber auch nicht extrem unangenehm.

Welche Größe sollte ich verwenden?

Viele Hersteller bieten zwei oder drei verschiedene Größen an. Welche Größe du verwenden solltest, hängt von der Stärke deiner Blutung ab, aber auch davon, wie alt du bist und ob du schon ein Kind zur Welt gebracht hast. Laut Dr. Dr. Jen Gunter ist es schwer, eine Empfehlung auszusprechen, weil es keine Studien zu dem Thema gibt. „Manche Cuphersteller empfehlen, Menstruationstassen erst ab 30 zu verwenden, aber ich denke, du musst nicht bis zu deinem 30. Geburtstag warten – deine Vagina wird sich schließlich nicht über Nacht wie von Zauberhand vergrößern. Wichtig ist, dass sich die Tasse einfach einsetzen lässt. Außerdem solltest du sie während des Tragens nicht spüren können und du solltest du problemlos deine Blase entleeren können.“

Kann Blut aus der Menstruationstasse herauslaufen?

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Kommt darauf an wen du fragst. Jennifer Barnes sagt zum Beispiel sie hat damit gar keine Probleme – selbst an den starken Tagen: „Ich hatte früher ständig Flecken in meiner Unterwäsche als ich noch Tampons benutzt habe. Jetzt ist das gar kein Thema mehr“. Amanda Reimer verwendet dagegen zusätzlich immer noch eine Binde, obwohl sie Menstruationstassen schon seit Jahren verwendet. „An den starken Tagen kann ich mich einfach nicht darauf verlassen. Außerdem arbeite ich als Schwimmlehrerin und verwende nie einen Cup, wenn ich ins Wasser steige, weil ich mich dann nicht sicher fühle. Ich denke Tampons sind da besser.“
Generell scheint das Risiko von Flecken also in etwa so hoch zu sein wie bei der Benutzung von Tampons – bei manchen geht etwas daneben, bei anderen nicht. Das hängt sicher auch davon ab, ob du die richtige Tassengröße gewählt hast und ob der Cup perfekt sitzt oder nicht.

Wenn wir gerade bei etwas unangenehmeren Themen sind: Was, wenn ich den Cup auf einer öffentlichen Toilette leeren muss?

Das ist sicher eine der Horrorfragen, die durch deinen Kopf geistert, wenn du über Menstruationstassen nachdenkst, richtig? Was passiert, wenn der Cup voll ist, du ihn aber nicht zu Hause in deinem eigenen Bad ausleeren, auswaschen und wieder einsetzen kannst? In den wenigsten öffentlichen Toilettenanlagen gibt es schließlich ein Handwaschbecken pro Kabine. Erst Mal kann ich dich beruhigen: Vor diesem Dilemma wirst du nur extrem selten stehen, weil du die Tasse bis zu zwölf Stunden lang verwenden kannst, ohne sie leeren zu müssen. Jennifer sagt dazu: „Ich bin praktisch nie lang so lange unterwegs, weshalb ich noch nie vor dem Problem stand – selbst, wenn ich nach einem 8-Stunden-Arbeitstag noch was mit Freundinnen trinken gehe.
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Amber hat da leider ganz andere Erfahrungen gemacht: „Erst fummelst du in deiner blutigen Vagina herum und versuchst, dieses Ding herauszubekommen – in der Hoffnung, dass es dir nicht versehentlich aus der Hand rutscht und ins Klo oder auf den Fußboden fällt. Und dann sitzt du da, hältst den Cup in den Fingern und denkst: ‚Und jetzt?‘. Du fühlst dich wie ein einarmiger Bandit, weil du nur eine saubere Hand hast, mit der du die Tür aufmachen kannst. Und dann musst du mit dem Ding zum – sehr öffentlichen – Waschbecken laufen und es vor den Augen Fremder auswaschen.“ Arme Amber.
Damit es bei dir gar nicht erst soweit kommt, planst du deinen Tag am besten von vornherein so, dass du nicht länger als zwölf Stunden am Stück unterwegs bist. Ansonsten würde ich dir raten, immer eine kleine Wasserflasche dabei zu haben. Dann kannst du die Tasse zur Not direkt über der Toilette ausspülen und entweder wieder einsetzen oder aber einpacken und vorübergehend eine Binde verwenden. Mittlerweile bieten manche Cup-Hersteller außerdem spezielle Reinigungstücher an, dank der du gar kein Wasser brauchst – wie zum Beispiel lunette.

Ich kann kein Blut sehen. Und jetzt?

Wenn das Blut in einer Binde oder in einen Tampon landet, bekommst du kein richtiges Gefühl für die Menge, die du jeden Tag verlierst. Wenn du dann das erste Mal eine Tasse verwendest, kann das etwas spooky sein, sagt Jennifer. Amanda ergänzt: „Durch den Cup begann ich, mich mehr im Einklang mit meinem Körper zu fühlen. Mir viel auf, dass meine Blutung sehr stark ist und ich – und ich weiß, dass ist ziemlich ekelig das zu sagen – viele Klümpchen im Blut habe. Das war mir vorher nicht bewusst. Ich kann jetzt besser mit meiner Gynäkologin über meine Periode sprechen, weil ich mehr über sie weiß. Das fühlt sich irgendwie gut an.“
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Ja, der Cup wird voller Blut sein, wenn du ihn rausnimmst. Aber das ist, wie schon gesagt, nichts Unhygienisches. Wir werden dazu erzogen, Blut als ekelig zu empfinden. Viele von uns schämen sich sogar für ihre Tage. Wenn ihnen versehentlich mal eine Binde aus der Handtasche fällt, würden sie am liebsten im Boden versinken. Eine Kollegin zu fragen, ob sie mal einen Tampon für einen hat, kostet sie viel Überwindung. Manchen ist es sogar unangenehm, Hygieneprodukte in der Drogerie zu kaufen. Aber das sollte es nicht. Es wird Zeit, die Periode – und alles, was sie mit sich bringt – als das zu sehen, was es ist: eine ganz normale Körperfunktion, die du nicht steuern kannst.

Wie reinige ich meine Menstruationstasse? Gibt es eine spezielle Seife?

Stoebe-Latham von Tampax sagt, sanfte Seife ohne Duftstoffe und Wasser reichen während der Tage vollkommen aus. Danach solltest du den Cup dann gründlicher reinigen, in dem du ihn ein paar Minuten in kochendes Wasser legst.

Besteht das Risiko des Toxic Shock Syndromes, wenn ich eine Menstruationstasse verwendest?

Das Risiko ist besteht, ist aber sehr gering. In Dr. Gunters Buch „The Vagina Bible“ heißt es, eine von 100.000 Frauen ist betroffen. Dennoch kannst du nicht davon ausgehen, dass Menstruationstassen sicherer sind als Tampons, welche oft mit TSS in Verbindung gebracht werden. Prinzipiell birgt alles, was du in deine Vagina steckst das Risiko, TSS zu verursachen. Deswegen ist auch so wichtig, den Cup richtig zu reinigen. Außerdem empfiehlt Dr. Gunter, die kleinstmögliche Größe zu verwenden.

Solltest du nun zur Menstruationstasse wechseln, ja oder nein?

Vielleicht! In einer Untersuchung, die Dr. Gunter zitiert, heißt es: „91 Prozent der Frauen, die Menstruationstassen getestet haben würde sie auch nach der Studie weiterverwenden.“ Aber es geht hier nicht um den Körper irgendeiner anderen Person, sondern um deinen Körper. Letztendlich kannst nur du entscheiden, welches Periodenprodukte das richtige für dich ist.

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