Deine Schamlippen sind dunkler als die von anderen? Mach dir keine Sorgen!

Photographed by Ashley Armitage.
Auch wenn uns die Gesellschaft etwas Anderes weismachen will: Es gibt keine “normale“ Vulva. Die weiblichen Geschlechtsteile können nämlich sehr unterschiedlich aussehen! Und trotzdem haben viele Frauen Angst, ihre wären nicht “normal“, wie eine Umfrage, die Refinery29 UK 2019 durchgeführt hat, zeigt. Knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen gab an, sie mache sich Sorgen um das Aussehen ihrer Vulva. Wiederum ein Drittel dieser Personen bezog sich dabei unter anderem auf die Farbe der Scham.
Schuld an der weit verbreiteten Unsicherheit und dem damit einhergehendem Anstieg an Schönheitsoperation an den Genitalien könnte die Pornoindustrie sein, die uns glauben lässt, Schamlippen müssen klein, pink und perfekt proportioniert sein. Und deswegen lassen mittlerweile auch viele Frauen eine Schamlippenverkleinerung (Labioplastik) oder Schamlippenstraffung (vaginale Verjüngung) durchführen. Auch Laserbehandlungen und Bleachings sind beliebt. Aber diese Behandlungen sind laut Expert*innen nicht nur unnötig, sie können sogar gefährlich sein.
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„Wir raten dringend von Behandlungen der empfindlichen Gegend um die Vagina ab“, warnt Dr. Vanessa Mackay, Gynäkologin und Sprecherin für das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. „Dadurch könnte die zarte Haut der Vulva beschädigt und das fragile Gleichgewicht der guten Bakterien in der Vagina zerstört werden. Diese natürliche Flora hilft, die Vagina zu beschützen. Wenn sie nicht mehr intakt ist, kann das zu Reizungen, Entzündungen und Infektionen führen, wie beispielsweise einer bakteriellen Vaginose.“ In manchen Fällen können die Behandlungen auch für Vernarbungen, Verbrennungen oder allergische Reaktionen sorgen.
Dr. Mackay sagt, es ist wichtig, nicht zu vergessen, dass Vulven so individuell sein können wie die Personen, den sie gehören. „Sie können in Farbe, Größe und Form variieren. Frauen sollten wissen, dass jede einzigartig ist und dass Abweichungen beim äußeren Erscheinungsbild in den meisten Fällen ganz normal sind.“ Und das bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. So heißt es beispielsweise in einer Studie: „In Bezug auf das Aussehen der äußeren weiblichen Genitalien herrscht große Variabilität vor. Die Sexualfunktion scheint davon nicht von abhängig zu sein“.
Was das Thema Farbe angeht, bedeutet das konkret, es ist normal, wenn deine inneren und äußeren Schamlippen dunkler sind als die Haut, die sie umgibt. Und es ist auch normal, wenn die Schamlippen mit der Zeit dunkler werden – wegen der Hormonveränderungen, die zum Beispiel die Pubertät, eine Schwangerschaft und das Altern mit sich bringen. PoC haben im Schnitt dunklere Schamlippen als weiße Frauen, welche allerdings den Großteil der Pornodarstellerinnen ausmachen – und damit den Großteil der Vulven, die wir in den Medien sehen.
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Womit wir bei einem wichtigen Thema wären: Die weiblichen Geschlechtsteile, die wir in Pornos und anderen Medien sehen, spiegeln die Vielfalt, die es in der echten Welt gibt, nicht wider. Von kurz bis lang, dick bis dünn, glatt bis faltig und hell bis dunkel: Schamlippen können sehr unterschiedlich aussehen und es gibt keine Attribute, die besser oder schlechter sind als andere!
Sollte sich die Farbe deiner Schamlippen allerdings von heut auf morgen ändern, suchst du vielleicht doch besser deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen auf. Warum? Weil es sich um ein Symptom eines Ekzems oder einer anderen Krankheit, wie Diabetes, handeln könnte. „Wichtig ist, dir bewusst zu machen, was für dich normal ist“, sagt die Gynäkologin und Sprecherin für das Institute of Psychosexual Medicine Dr. Leila Frodsham. Wenn du dich gut kennst, kannst du auch schneller plötzliche Veränderungen feststellen und sie mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprechen.
Falls du dir immer noch Sorgen darüber machst, deine Vulva könnte “unnormal“ aussehen, empfehle ich dir den Besuch einer digitalen Galerie wie die The Labia Library oder The Great Wall Of Vagina. Dadurch kannst du dir noch mal bewusst machen, wie unterschiedlich “normale“ Vulven aussehen können. Und bestimmt findest du dort auch welche, die deiner sehr ähnlich sehen.

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