Wieso Bewegung bei deiner Angststörung helfen kann

Foto: Molly Cranna
Ich werde oft gefragt, wie ich es über mich bringe, morgens früh genug aufzuwachen, um Sport zu treiben. Die ehrliche Antwort ist, dass mich meine innere Unruhe normalerweise noch vor Sonnenaufgang aufweckt. Aufs Laufband zu springen und zu versuchen, sie „wegzutrainieren“, ist für mich dann die einzige Möglichkeit, mich zu beruhigen. Oft fällt es mir leichter, den Tag zu bewältigen, wenn ich mir in der Früh Zeit genommen habe, um einen Teil meiner überschüssigen Energie abzubauen. Das ist aber bloß meine persönliche Erfahrung.
Wie sich herausstellt, bin ich aber nicht alleine damit. Expert:innen ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass Sport gut für die psychische Gesundheit ist. Natürlich ist Bewegung kein Ersatz für psychologische Betreuung oder psychiatrische Medikamente (und es wäre herablassend, anzunehmen, dass Menschen mit Angstzuständen und Depressionen nur Sport zu treiben brauchen, um sich besser zu fühlen). Sport kann aber deine Stimmung verbessern, deinen Schlaf fördern, Depressionen verringern und dein Selbstwertgefühl steigern. Vor allem für Menschen mit Angststörungen kann Bewegung in einigen spezifischen Bereichen hilfreich sein.
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„Dich zu bewegen, wirkt wie ein Puffer gegen Stressfaktoren“, sagt Dr. Jasper Smits, Professor für Psychologie an der University of Texas Austin und Autor von Exercise for Mood and Anxiety. Aus physiologischer Sicht verursacht Sport einige der gleichen Empfindungen wie Angst, wie z. B. schweres Atmen, Schweißproduktion und eine erhöhte Herzfrequenz, sagt er. Bei manchen Menschen kann regelmäßiger Sport deshalb dazu führen, dass sie sich damit wohler fühlen als ohne. Das verändert letztlich die Art und Weise, wie dein Körper auf psychologische Stressfaktoren reagiert. „Durch Bewegung bist du in einer besseren Verfassung, mit stressigen Situationen umzugehen“, sagt er.
Abgesehen davon, dass du deinen Körper daran gewöhnst, mit innerer Unruhe und Ängsten umzugehen, kann Sport auch einfach eine gute Möglichkeit sein, dich abzulenken, sagt Dr. Smits. Wenn wir uns unruhig fühlen, hat das damit zu tun, dass wir uns auf das konzentrieren, was uns stresst: z. B. Abgabetermine bei der Arbeit, passiv-aggressive Nachrichten von Mitbewohner:innen oder anstehende Rechnungen. „Sobald wir anfangen, uns zu bewegen, richten wir unser Augenmerk automatisch viel weniger auf das, was uns Stress bereitet, weil dann die Bewegung, die wir ausführen, unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Eine morgendliche Jogging-Runde oder am Ende des Tages auf einen Boxsack zu schlagen, um den Kopf freizubekommen, kann also eine Möglichkeit sein, dich vorübergehend von dem zu distanzieren, was dich aus der Ruhe bringt. Außerdem kann das Boxen oder Joggen an sich schon eine therapeutische Wirkung auf deinen Gemütszustand aufweisen.
Du musst nicht unbedingt ein Fan von Boxen oder Laufen sein, um von den Vorteilen von Bewegung für deine geistige Gesundheit profitieren zu können. Alle Arten von Sport können sich positiv auf deine innere Unruhe auswirken, aber die meisten bisherigen Studien haben sich eigentlich nur mit den Vorteilen von Ausdauertraining (auch bekannt als Cardio-Training) beschäftigt, sagt Dr. Smits. Das bedeutet nicht, dass Gewichtheben oder Widerstands-Workouts mit niedriger Intensität (wie Barre-Kurse oder Pilates) nicht bei Angstzuständen helfen können – es gibt bloß keine Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Trainingsarten. Aerobic zum Beispiel löst in der Regel auch die Art von körperlicher Reaktion aus, die deinem inneren Ungleichgewicht entgegenwirkt, weshalb Therapeut:innen in der Regel genau diese Art von Bewegung empfehlen, sagt er.
Nach Cardio-Trainings scheint Yoga die nächstbeste Option zu sein, da es sich dabei um eine Bewegungsform handelt, die auf Achtsamkeit basiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass Hot Yoga bei Angstzuständen hilfreich sein kann, weil es die Art und Weise verändert, wie wir mit Stress umgehen, da Hitze eine Art von Stress für uns darstellt, sagt Dr. Smits. Manche von uns mögen Ausdauer-Workkouts und Yoga aber nicht. Deshalb ist es wichtig, eine Art von Training zu finden, die dir gefällt, damit du auch ja motiviert bist, weiterzumachen, sagt er. Und wer weiß? Vielleicht macht dir etwas ja so viel Spaß, dass du dafür sogar früh aufstehen willst.

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