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Autogenes Training: 7 einfache Übungen, die gegen Stress & Schlafstörungen helfen

Foto: Lauren Perlstein
Natürlich wollen in der gegenwärtigen Situation immer mehr Menschen für sich selbst sorgen. Schauen Sie sich nur die Zahl der Jogger an, die in diesem Jahr auf den Straßen erschienen sind. Da die Sporthallen noch immer auf unbestimmte Zeit geschlossen sind, müssen Lösungen für Sport, Yoga, Entspannung und Meditation in unseren Wohnzimmer oder Räumen gefunden werden.
Tatsächlich in letzter Zeit habe ich mich ziemlich häufig in Gesprächen wiedergefunden, in denen es im weitesten Sinne um das Thema Selfcare ging. Begriffe wie Mindfulness oder das deutsche Synonym Achtsamkeit werden momentan meiner Wahrnehmung nach schon fast inflationär gebraucht. Klar, man könnte jetzt argumentieren, dass es sich hierbei mal wieder um eine Handvoll gehypter Trends handelt, die schon immer da gewesenes einfach mit einem neuen Wort umschreiben. Andererseits kann man die ganzen Hypes auch einfach mal beiseite lasssen und probieren, sich ernsthaft auf die Dinge einzulassen oder zumindest versuchen die positiven Aspekte darin zu sehen. Denn echt immer mehr Menschen fühlen sich in ihrem Alltag gestresst, sind andauernd unkonzentriert oder schlafen jeden Abend schlecht ein. Befindet man sich dauerhaft in einem Zustand der Aktivität oder Anspannung, kann das bewiesenermaßen langfristig zu körperlichen Erkrankungen führen. Deshalb bin ich grundsätzlich der Meinung, dass alles, was zu Stressabbau und Entspannung führt, eine absolut legitime Daseinsberechtigung hat.
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Entspannungstechniken, die dabei helfen Stress zu mindern, Ängste zu überwinden oder sogar Depressionen vorbeugen, gibt es allerdings viele. Für alle, die nach einer Methode suchen, die ganz easy in den Alltag zu integrieren ist und rasch Erfolge und Erholung verspricht, könnte Autogenes Training (AT) aber wirklich eine Lösung sein. Wir sagen, worauf es ankommt:

Was ist Autogenes Training & wofür ist es gut?

Autogenes Training ist eine Methode, die zu mehr Wohlbefinden und Entspannung beitragen soll. Als Erfinder des Autogenen Trainings gilt der deutsche Psychiater Johannes Heinrich Schulz, der schon 1926 im Bereich der „konzentrativen Selbstentspannung“ forschte. Die Wurzeln der Entspannungstechnik liegen offensichtlich in der Hypnose, einem Verfahren, das beispielsweise auch schon sehr früh in der Psychotherapie angewendet wurde, um tiefer in das menschliche Bewusstsein vorzudringen. Schulz entwickelte ausgehend von der Hypnose jedoch eine abgeänderte Methode, die zwar auch mithilfe der eigenen Vorstellungskraft arbeitet, um in einen Entspannungszustand zu gelangen, aber keine so tiefe Bewusstseinsveränderung wie die Hypnose hervorruft. Er selbst beschrieb die Technik des Autogenen Trainings auch als „Yoga des Westens“ und nahm damit schon sehr früh Bezug auf die aus Indien stammende Meditationsphilosophie, die bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gelehrt wird.

Wie funktioniert Autogenes Training?

Im Unterschied zum Yoga und anderen Meditationsformen setzt Autogenes Training nicht auf den Wechsel von An- und Entspannung, sondern verzichtet größtenteils komplett auf körperliche Aktivität. Vielmehr stehen hier wirklich leichte, autosuggestive Übungen zur Tiefenentspannung im Fokus. Der Grundgedanke beim Autogenen Training ist, dass in einer möglichst bequemen Körperhaltung (entweder im Sitzen oder Liegen) bei völliger Ruhe (!) eine optimale gedankliche Fokussierung auf einen Gegenstand gelingt, um so körperliche sowie psychische Entspannung herzustellen. Die Person soll sich beim Autogenen Training ganz auf sich selbst konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit nach innen lenken, in dem sie sich bestimmten Formelsätzen hingibt und versucht innerlich vor Augen zu führen. Ziel dieser Konzentrations- und Fokussierungsübungen ist es, im Hier und Jetzt anzukommen und sich von nichts im Außen mehr ablenken zu lassen.
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Die drei Grundstufen des Autogenen Trainings:

Grundsätzlich wird das Autogene Training in drei Stufen gegliedert, wobei die erste nicht nur für Anfänger*innen geeignet ist, sondern auch die Voraussetzung für die nächsten Stufen ist, die sich in ihrer Intensität weiter steigen:

Die Grundstufe:

Die in dieser Phase angewendeten Techniken richten sich in erster Linie an das vegetative Nervensystem, an spezielle Muskelpartien und das gesamte Herz-Kreislauf-System. Diese Stufe enthält ein komplettes Programm zur körperlichen Entspannung, das besonders für Anfänger*innen geeignet ist - und das wir euch gleich noch genauer vorstellen werden.

Mittelstufe & formelhafte Vorsatzbildung:

In dieser Stufe, die für Fortgeschrittene gedacht ist, geht es darum, die in der ersten Stufe erlernten Übungen mittels selbstformulierter oder vorgegebener Formeln (Leitsätzen) zu beeinflussen. In dieser Stufe stehen insbesondere seelische und soziale Faktoren im Mittelpunkt, da es auch um Veränderungen des Verhaltens oder der Einstellung geht.

Die Oberstufe:

Die Methoden, die in der Oberstufe Anwendung finden, zielen noch stärker auf Selbsterfahrung und Selbstfindung ab. Mithilfe der formelhaften Vorsatzbildung werden hier noch stärker Bereiche unseres Unterbewusstseins angesprochen, sodass es auch zum Ausbruch bisher unbekannter Emotionen und Erlebnisse kommen kann. Diese Stufe ist nicht unbedingt für Anfänger*innen geeignet, da man mehr Erfahrung braucht.

Die 7 Grundformeln des Autogenen Trainings:

Für den Anfang genügt es, sich auf die Grundstufe zu konzentrieren, die aus insgesamt sieben Übungen besteht. Jede Übung wird durch eine Formel, die du dir gedanklich vorsagst, eingeleitet und gesteuert:

1. Die Ruhe-Formel

Ich bin ganz ruhig, nichts kann mich stören: Die Ruhe-Übung hat eine einleitende Funktion. Sie dient der Beruhigung und soll insbesondere die Konzentration fördern. Schließe dafür die Augen und versuche dir die Formel vor deinen Augen vorzustellen.
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2. Die Schwere-Formel

Die Arme und Beine sind ganz schwer: Die Schwere-Übung soll ein Schweregefühl in den gewünschten Körperpartien auslösen, indem man sie sich immer wieder gedanklich vorspricht.

3. Die Wärme-Formel

Die Arme und Beine sind warm: Diese Formel soll die Durchblutung der verschiedenen Gliedmaßen anregen.

4. Die Atem-Formel

Mein Atem fließt ruhig und gleichmäßig: Mit der Übung soll sich Entspannung durch gezieltes Atmen einstellen. Lies dir die Formel vor deinem inneren Auge vor. Aber aufgepasst: Es geht nicht darum, den Atem anzuhalten, sondern er soll im Rhythmus deines Körpers fließen. Du wirst sehen, wie schnell er sich ganz von allein beruhigt.

5. Die Herz-Formel

Mein Herz schlägt ruhig und regelmäßig: Bei diesem Wortlaut soll sich deine volle Konzentration auf den lebendigen Herzschlag richten.

6. Die Sonnengeflechts-Formel

Mein Leib wird strömend warm: Konzentriere dich bei dieser Übung intensiv auf das Zentrum deines Bauches.

7. Die Kopf-Formel

Der Kopf ist klar, die Stirn ist kühl: Diese Formel hilft dir dabei, wach zu bleiben (oder wieder zu werden) und dich besser zu konzentrieren.
Autogenes Training sowie viele andere Formen der Meditation kann jede*r lernen. Das wichtigste ist, dass du offen bist und dich darauf einlässt. Ob du dir die Meditationstechnik innerhalb einer Gruppe von einer*m professionellen Trainer*in, über CD und Video oder aber selbst aneignen willst, ist dir ganz allein überlassen. Bei YouTube findet ihr beispielsweise eine Reihe von Video-Clips, in denen ihr Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Autogenes Training findet. Probiere es einfach mal aus. Falsch machen kannst du eigentlich nicht viel. Aber Obacht: Du könntest vor lauter Entspannung ziemlich schnell einschlafen. Also besser nicht auf dem Bürostuhl bei der Arbeit nachmachen!

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