Was ich daraus lernte, in einem Liebesdreieck festzuhängen

Liebesdreiecke kennst du vielleicht vor allem aus Filmen, Büchern oder Serien (und „Team Jacob oder Team Edward?“ beschäftigt uns bis heute), aber auch im echten Leben spielen in der Liebe nicht unbedingt nur zwei Leute eine Rolle. Ob du nun in zwei Menschen gleichzeitig verliebt bist oder jemanden liebst, der:die dich nicht mag, während jemand anderes total auf dich steht: Ein Liebesdreieck kann unterschiedlich aussehen und natürlich auch unterschiedlich ausgehen. Wir haben mit drei Leuten gesprochen, die das selbst schon erlebt haben – und ihre Geschichten sind nicht nur ziemlich dramatisch, sondern auch noch voller hilfreicher Ratschläge. 
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Keeley*, 24
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„Mein bester Freund (ich nenne ihn mal D.) und ich freundeten uns an, während wir online zusammen zockten. Wir kamen uns nah – supernah. Ich erzählte ihm sogar jedes Detail, als ich mit meinem neuen Freund zusammenkam, der über meine Freundschaft zu D. Bescheid wusste. Ich versicherte ihm, dass D. und ich nur befreundet seien. Tatsächlich kannte ich D. schon seit sieben Jahren, als wir uns letzten Herbst endlich mal persönlich trafen, als ich für das Studium in seine Stadt zog. Meinem Freund sagte ich, er habe keinen Grund, sich deswegen Sorgen zu machen.
„Mit der Zeit entwickelte ich aber doch Gefühle für D. und machte den Fehler, ihn sogar zu küssen. Das bereue ich total! Ich hatte damals nicht den Mut, es meinem Freund direkt zu gestehen. Letztlich fand er es doch raus, kurz nach Valentinstag. Er ging sehr anständig damit um und erwähnte es weder gegenüber seiner Freund:innen noch seiner Familie, die ich alle schon kannte. Außerdem sprach er ganz ehrlich mit mir über mein Verhalten und wollte wissen, wieso ich D. geküsst hatte. Daraufhin stand ich vor der Wahl, mit meinem Freund zusammen zu bleiben (da waren wir schon seit zwei Jahren zusammen), oder mit ihm für D., meinen besten Freund, Schluss zu machen. Ich liebte beide sehr.
„Ich entschied mich schließlich dafür, mit meinem Freund zusammen zu bleiben, weil ich nicht dazu bereit war, ihn und die Beziehung hinter mir zu lassen. Da wurde mir klar, wie sehr ich ihn wirklich liebte – mehr als D., der schon viel länger zu meinem Leben gehört hatte.
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„Diese Entscheidung brach mir trotzdem das Herz, und ich bin immer noch dabei, diese Konsequenzen zu verarbeiten. Ich habe seitdem sämtlichen Kontakt zu D. abgebrochen, was mir zwar sehr wehtut – aber mein Freund und ich sind uns dadurch viel näher gekommen. Diese Erfahrung hat unsere Beziehung gestärkt und uns dabei geholfen, an einigen unserer Probleme zu arbeiten. Wir respektieren einander jetzt mehr. 
„Ich glaube daran, dass Menschen immer aus bestimmten Gründen in unserer Leben treten und uns entweder nur eine Zeit lang begleiten sollen – oder für immer bleiben. Vielleicht sollte mir D. einfach beibringen, zu einer besseren Freundin und Partnerin zu werden, und mich begreifen lassen, wie sich echte Seelenverwandtschaft anfühlt. Hoffentlich sind mein Freund und ich für immer zusammen.
„Mein Rat für all diejenigen, die mal in einer ähnlichen Situation stecken: Vielleicht schämst du dich zuerst dafür, aber Liebesdreiecke ergeben sich eben manchmal von selbst. Wenn du den Menschen in deinem Leben vertraust, würde ich dir dazu raten, dich ihnen zu öffnen und die Situation mit ihnen durchzusprechen. Als Außenstehende haben sie vielleicht eine Perspektive, die dich schneller zu einer Entscheidung bringt. Höre ihnen gut zu, aber sei auch ehrlich zu dir selbst: Was willst du? Gleichzeitig solltest du bedenken, dass du kein schlechter Mensch bist, bloß weil du in dieser schwierigen Situation festhängst. Sei nachsichtig mit dir selbst!“
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Alice, 25
„Im letzten Schuljahr wechselte ich an eine neue Schule. Da freundete ich mich schnell mit diesem süßen Typen und seiner besten Freundin an, die beide superlieb zu mir waren. Es dauerte nicht lange, bis er mir gestand, dass er mich mochte. Seiner Freundin erzählte er, wie süß er mich fand. Obwohl wir miteinander flirteten, hatte ich aber keine Gefühle für ihn.
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„Trotzdem verbrachten wir weiterhin viel Zeit zusammen, und irgendwann telefonierten wir jeden Abend vier bis fünf Stunden miteinander. Ich war mir nicht sicher, was ich für ihn empfand; unser Verhalten kam mir aber nicht vor, als seien wir wirklich noch ‚nur befreundet‘, also bat ich ihn, seiner besten Freundin von uns zu erzählen. Das tat er dann auch – um daraufhin zu erfahren, dass sie in ihn verliebt war.
„Jetzt wurde unser Liebesdreieck richtig kompliziert, zumindest für mich. Ich bin mir nicht sicher, wann oder wie das passierte, aber ich entwickelte plötzlich Gefühle für sie. Sie war echt süß, fand ich. Am Ende entschied er sich für mich und gegen sie. Ich weiß immer noch nicht, wieso. Sie war total rücksichtsvoll, und obwohl es ihr das Herz zu brechen schien, dass er sich für mich entschieden hatte, behandelte sie mich weiterhin wie eine Freundin.
„Dann wurde alles noch etwas chaotischer, als er mir seine ganze Aufmerksamkeit schenkte und keine Zeit mehr mit ihr verbrachte. Ich sagte ihm, dass ich mir nicht sicher war, ob ich mit ihm zusammen sein konnte, weil ich mich immer dafür schlecht fühlen würde, zwischen ihn und seine beste Freundin geraten zu sein. Daraufhin war er frustriert von seiner besten Freundin, die dann wiederum auf mich sauer war. Gleichzeitig war ich enttäuscht von ihm, weil er scheinbar meine Freundschaft mit ihr ruiniert hatte, für die ich sogar stärkere Gefühle hatte.
„In meinem Coming-Out spielte sie demnach eine große Rolle. Bevor ich sie kennenlernte, hatte ich keine Ahnung, dass ich bisexuell bin. Sie hatte so eine süße Stimme und Art, und war das hübscheste Mädchen, das ich je getroffen hatte. Sie hatte schwarze, gestufte Haare, und absolut perfekte Haut. Ihre Wangen wurden sofort rot, wenn sie sich auch nur ein bisschen schämte. Sie war einfach umwerfend.
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„Ich blieb schließlich eine Weile mit dem Typen zusammen, bevor ich mich von ihm trennte, weil mir klar wurde, dass ich nicht wirklich in ihn verliebt war. Heute habe ich mit keinem der beiden Kontakt.
„Ich denke trotzdem noch oft daran, wie wunderschön ich das Mädchen fand. Irgendwann melde ich mich vielleicht mal wieder bei ihr – ich habe nie wieder dasselbe für jemanden empfunden.“
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Emma, 43
„Mein Liebesdreieck war besonders intensiv, weil die beiden Menschen, zwischen denen ich mich entscheiden musste, miteinander verwandt waren. Sie waren Cousins und arbeiteten in der Firma, in der ich eine Fortbildung machte. Der Ältere sprach mich zuerst an, und wir freundeten uns an. Heute weiß ich, dass er schon damals Gefühle für mich hatte, die er mir aber verheimlichte. Er stellte mir seinen Cousin vor, der sofort interessiert wirkte.
„Es dauerte nicht lange, bis der zweite Cousin mich dann um ein Date bat. Ich sagte ihm, ich würde es mir überlegen; in der Zwischenzeit wurde der erste Cousin wütend auf den zweiten und betonte, er habe mich ‚zuerst gesehen‘. Ich behielt die Antwort auf die Date-Frage also für mich (ich hätte gern Ja gesagt), weil die Stimmung zwischen den beiden sehr schnell kippte. Das war alles umso unangenehmer, weil wir zusammen arbeiteten.
„Ich wollte nicht der Grund dafür sein, dass sich zwei Cousins zerstritten, also zog ich mich von beiden zurück. Es fühlte sich einfach nicht gut an, zwei Leute meinetwegen streiten zu sehen. In der Hoffnung, dass sie sich dann wieder vertragen würden, distanzierte ich mich von ihnen. Ich entschied mich also für keinen von beiden, sondern für mich.
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„Nachdem ich die Firma verließ, brach ich den Kontakt zu ihnen komplett ab. Drei Jahre später begegnete ich ihnen beiden allerdings bei einer Verlobungsparty. Der jüngere Cousin, der mich zuerst um ein Date gebeten hatte, war inzwischen verheiratet.
„Der Ältere der beiden war allerdings immer noch Single, also beschlossen wir, von vorne anzufangen. Diesmal war sein Cousin schließlich schon glücklich verheiratet und erwartete ein Kind; er hatte also kein Problem damit, dass wir uns trafen. Wir sind bis heute zusammen. Ich bin sehr froh darüber, dass ich ihm eine zweite Chance gegeben habe, weil er wirklich ein toller Mensch ist.
„Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, immer direkt nachzufragen, wenn jemand plötzlich supernett zu dir ist: Was sind seine:ihre Absichten? Es hätte mir definitiv Zeit und Schmerzen erspart, wenn ich meinen jetzigen Partner direkt gefragt hätte, was er von mir wollte. Die Moral von alldem: Manche Beziehungen brauchen einfach Zeit. Daraus lernt man viel.“
*Name wurde von der Redaktion geändert.

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