Nach dem Suizidversuch: 15 Überlebende erzählen ihre Geschichten

Foto zur Verfügung gestellt von: Dese'Rae L. Stage.
Am 10. September ist Internationaler Tag der Suizidprävention.
Wenn du über Suizid nachdenkst oder jemanden kennst, der das tut, kannst du die fachkundigen Helfer der TelefonSeelsorge kostenfrei und 24 Stunden am Tag telefonisch unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 erreichen. Dein Anruf bleibt anonym und unerkannt, deine Nummer wird weder bei der TelefonSeelsorge angezeigt, noch auf deiner Telefonrechnung erscheinen.
Jahre nach ihrem Suizidversuch googelte Dese'Rae L. Stage "Suizidüberlebende". „Was ich fand“, teilt sie auf ihrer Website mit, „waren Menschen, die jemanden verloren hatten, den sie liebten, nicht aber Leute wie mich, die versucht hatten zu sterben und stattdessen lebten — Menschen, die verwirrt waren über das, was als nächstes passierte, die so viel Scham fühlten, dass sie nicht darüber sprechen konnten, was mit ihnen passiert war, Menschen, die sich missverstanden und alleine fühlten.“
Werbung
Stage wusste aus erster Hand, dass Isolation tödlich sein kann. „Bei mir wurde 2004 eine bipolare Störung des Typ II diagnostiziert“, schreibt sie. „Ich habe außerdem neun Jahre Selbstverletzung und einen Suizidversuch hinter mir, der durch eine emotional und körperlich missbräuchliche Beziehung katalysiert wurde.“ Stage war nicht nur durch ihren eigenen Kampf mit psychischer Krankheit und Selbstverletzung zum Handeln gezwungen, sagt sie, sondern auch durch den Verlust von Freunden an den Suizid und den ungeheuerlichen Mangel an Ressourcen, die Suizidüberlebenden in den USA zur Verfügung stehen. Deshalb schuf sie als autodidaktische Fotografin das Multimedia-Geschichten-Erzählprojekt Live Through This, das Überlebende eines Suizidversuchs unter dem Schleier der Anonymität unserer Kultur hervorholt und sie dazu ermutigt, ihre Erfahrungen zu teilen — mit Gesichtern und Namen. Das Projekt zielt auch darauf ab, das Bewusstsein für das „grundlegende Prinzip der Suizidprävention“ zu erhöhen, das lautet: „Wenn du befürchtest, eine geliebte Person könnte suizidal sein, FRAGE."
Stage weist darauf hin, dass Suizid die zehnthäufigste Todesursache in den USA ist. Und mehr noch, es ist die einzige der zehn häufigsten Todesursachen, die von 2011 zu 2012 gestiegen ist. Heute ist die Lebenserwartung höher als jemals zuvor, aber die Suizidrate steigt — vielleicht ein Indikator dafür, dass das Management im psychischen Gesundheitsbereich hinter dem Rest der Medizin zurückbleibt. Bei der Demontage des Stigmas um den Suizid geht es für tausende von Menschen wahrhaftig um Leben und Tod: mehr als 40.000 Amerikaner sterben jedes Jahr durch Selbstmord. Mit Live Through This stellt Stage eine Plattform für die Leute hinter diesen Zahlen zur Verfügung und geht näher auf die Geschichten ein — die zerstörerischen, vielfältigen, erbaulichen, ungewissen, hoffnungsvollen, verzweifelten, heilenden Geschichten — derer, die einen Suizidversuch überlebt haben. Klicke dich durch, um 15 dieser Menschen zu treffen.
Werbung
1 von 15
Foto zur Verfügung gestellt von: Dese'Rae L. Stage.
Anita Estrada
„[Die Depression] wurde immer offensichtlicher, immer mehr zum Problem als ich meine späten Teenager- und frühen 20er-Jahre erreichte — Depression mit untypischer Angst — und dann, als ich meinen ersten Suizidversuch unternahm, änderten sie [meine Diagnose] zu einer bipolaren Verhaltensstörung. Und ich dachte: ,Nun, das erklärt all meine rasenden Gedanken und das Ganze drumherum.‘ Ich habe Geld ausgeben, das ich nicht hatte. Ich hatte all diese Ideen… es war die Manie. Ich wusste nie genau, was los war, deshalb konnte ich es nicht kontrollieren.“

„Mein erster Suizidversuch — ich glaube, das war 2004, also war ich 24. 2008 habe ich einen erneuten Versuch unternommen mir das Leben zu nehmen - das war unangenehm, weil ich auf der Intensivstation behandelt wurde, in der ich zu dem Zeitpunkt auch gearbeitet habe. Die eine Sache, die ich jedoch niemandem versprechen kann, der mir lieb ist, ist, dass ich es nie wieder tun werde, weil ich einfach nicht weiß, ob ich es nicht nochmal tun werde. Ich kann die Zukunft nicht voraussagen. Ich weiß nicht, ob es schlimmer werden wird, wenn die Medikamente nicht mehr wirken, wenn meine Umstände sich verändern und ich mir Medikation und Therapie vielleicht nicht mehr leisten kann.“
2 von 15
Foto zur Verfügung gestellt von: Dese'Rae L. Stage.
Melody Moezzi
„Bevor ich nach einem Suizidversuch ins Krankenhaus kam, hatte ich mit anderen Menschen, die psychisch krank waren, nichts zu tun. Erst während meines stationären Aufenthalts realisierte ich, was für eine große, aber verdammt leise Gruppe von Menschen das ist. Wir sprechen hier nicht von einer unerheblichen Minderheit, die im Laufe ihres Lebens psychisch erkranken. Diese Gemeinschaft ist so unglaublich verletzlich, so still, aber alle drumherum sind so verdammt verschwiegen und das war das, was mich wirklich angekotzt hat, als ich ins Krankenhaus kam und das realisierte.“
Werbung
3 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Carlton Davis
„[Nach meinem Suizidversuch] erinnere ich mich daran im Bett neben einem Mann gelegen zu haben, der gestorben ist, und ich hörte sein Todesgeröchel die ganze Nacht hindurch. Ich sagte: ,Okay, ich möchte leben.‘ Und ich sagte: ,Ich werde leben.‘ Und ich habe es da durch geschafft. Ich landete schließlich für eine Weile in der psychiatrischen Abteilung des Yale New Haven Hospital. Ich kam raus und fing an mich mit Kunst und Design zu beschäftigen. Ich lebte mein Leben weiter. Aber ich erkannte auch, dass ich eine Person war, die immer wieder Phasen von Depression und schwerer Depression ausgesetzt war, und Zyklen von großer Manie und Aufregung durchmachte, in denen ich die ganze Nacht wach blieb und Dinge tat.“

„Ich erinnere mich, zu dieser Zeit Sylvia Plath gelesen zu haben, weil ich mich häufig wie sie gefühlt habe. Das ist etwas, das sie gesagt hat, was eigentlich mein Leben beschreibt: ,Es ist, als ob mein Leben auf magische Weise von zwei elektrischen Strömungen angetrieben wird: freudige und positive, und verzweifelt negative; die jeweils stärkere Strömung dominiert dann temporär mein Leben. Jetzt gerade flutet Verzweiflung mein Leben, fast schon Hysterie, als ob ich ersticke.‘“
4 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Keris Myrick
„Mein erster Therapeut sagte immer — was sehr hilfreich war, ich weiß nicht, weshalb — er sagte: ,Ich werde die Hoffnung für dich halten.‘

„Ich dachte: ,Okay, das ist nett. Mach das. Ich weiß nicht, was zur Hölle das bedeutet. Du hältst einfach die Hoffnung für mich. Ich bin hier drüben, bringe mich selbst um. Aber dir viel Spaß mit dieser Hoffnung. Du hältst die Hoffnung, und ich bin tot. Es ist alles gut, es ist alles gut.‘“

„Dann war ich gerade dabei und hörte immer wieder seine Stimme, die mir sagte: ,Ich halte die Hoffnung, ich halte die Hoffnung.‘ Dann dachte ich: ,Ich weiß nicht, was das heißt, aber es muss so wichtig sein, dass ich immer wieder versuche zu sehen, ob ich es um eine weitere Stunde verschieben kann, zwei Stunden, einen Tag, noch etwas länger.‘ Es war etwas, das nachhallte, ich weiß nicht, warum.“
5 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Marie Lindsey
„[Nach meinem Suizidversuch] wusste ich, was ich fühlte und ich wusste, was ich dachte - aber ich wollte das alles nicht mehr denken. Ich wollte das alles nicht mehr fühlen. Es war eine wirklich schwierige Zeit, mit Ärzten, die mir das Gefühl gaben, sie würden meine Situation gar nicht wirklich wahrnehmen. Ich fühlte mich, als würde ich lügen, als ob die Ärzte meine Geschichten anschauten und dachten, [sie wären] nicht wirklich wahr. Es fühlte sich so an, als ob ich das, was wirklich geschehen war, erfunden hätte.“

„Ich wurde zwischendurch eine Weile auf Lithium gesetzt und natürlich hat mich das fett gemacht, deshalb ging es nach dem Krankenhaus für mich immer weiter auf und ab. Die Leute fingen an, mir direkt ins Gesicht sowas zu sagen wie, ,Wir glauben nicht, dass du vergewaltigt wurdest. Wir glauben dir nicht. Und dein Selbstmordversuch war doch auch nicht echt. Wir glauben nicht, dass das wirklich passiert ist.‘“
6 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Jennifer Nykanen
,Das letzte Mal, als ich [ritzte], war ich 26... Mal sehen... Das war das erste Mal, dass die Polizei tatsächlich gerufen wurde. Ich habe wohl eine gute Woche in Shoal Creek verbracht, die psychiatrische Krankenstation der 1950er. Ich schwöre bei Gott, sie haben das Teil direkt aus den 1950ern, 1960ern herausgenommen. Das ist echt nicht okay.“

„Ich kann nicht sagen, ob überhaupt irgendwas Gutes aus der Zeit in Shoal Creek herauskam. Eigentlich kommt dort nichts wirklich wieder raus. Shoal Creek ist wie ein Lagerbehälter, nichts mehr als das. So werden auch die meisten psychiatrischen Krankenhäuser gesehen. Sie behalten Menschen. Diese Menschen werden bis zur Besinnungslosigkeit narkotisiert, und wenn feststeht, dass sie nicht länger eine Gefahr für sich selbst oder andere Menschen sind, werden sie zurück in die Gesellschaft entlassen, im Allgemeinen ohne wirkliche Hilfe, weil das natürlich die beste Art ist, Leute am Leben zu halten.“

„Ich hatte Horrorgeschichten von Leuten gehört, die unter Tränen auf psychiatrische Stationen gingen, die wirklich Angst davor hatten, dass sie sich tatsächlich selbst töten würden, und die dann abgewiesen wurden, weiI die Mitarbeiter dort entschieden haben, dass sie keine ‚echte‘ psychische Krankheit haben. Die Mitarbeiter!“
7 von 15
Natasha Winn
„Eines Tages wachte er einfach auf und beschloss, böse auf mich zu sein. Er entschied einfach: ,Ich werde böse auf Natasha sein — egal, was sie tut oder sagt, ich werde einfach böse auf sie sein.‘ Ich fing an zu weinen und sagte ihm, dass er alles schlimmer machte und dass ich mich selbst töten werde, und weil ich es so viele Male zuvor gesagt hatte, meinte er nur so: ,Was soll’s, was soll’s‘…“

„Ich fühlte mich wirklich wertlos, als ob ich es nicht verdient hätte zu leben und all diese Dinge wahr wären und dass… Ich weiß nicht. Ich dachte einfach, dass ich eine schreckliche Person wäre und die einzige Art, nicht schrecklich zu sein, [wäre] zu sterben…“

„Selbst wenn dein Freund oder deine Freundin oder wer auch immer ständig sagt: ,Ich bringe mich um, ich bringe mich um‘, solltest du sie ernst nehmen und nicht sagen: ,Oh, das ist etwas, was du immer sagst.‘“
Werbung
8 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Suzanne Miller
„Ich kam aus der oberen Mittelschicht — ich war wahrscheinlich die wohlhabendste unter meinen Freunden — und ging auf eine Privatschule und verbrachte die Sommer in Feriencamps. Ich hatte alles Materielle. Wir hatten ein hübsches Haus. Ich hatte einen Freund. Hatte viele Freunde. Und mir lag einfach nichts an irgendetwas davon.“

„Wirklich alles in unserer Familie drehte sich um meine Mom. Wie fühlte sich meine Mom? Wie würde sie die Dinge bewältigen? Man hatte wirklich keine Zeit, sich schlecht zu fühlen. Du solltest keine Zeit dazu haben dich schlecht zu fühlen. Wenn du anfingst, dich so zu fühlen oder das auszudrücken, [würdest du hören]: ,Nun, deine Mutter wuchs mit einer schizophrenen Mom auf und sie hatte noch nicht einmal einen Dad. Du hast einen Dad und ein hübsches Haus‘, es ging immer viel um Schuld. Sie sagte dann immer: ,Oh, dich macht das traurig? Nun… Ich war einmal obdachlos.‘“
9 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Tile Celeste
„Ich denke, die Nachwirkung war wirklich konstruktiv. Ich musste wissen, was an mir bewahrenswert war. Danach verbrachte ich so viel Zeit allein, weil ich mich fühlte, als ob ich mich selber rehabilitieren müsste. Ich fing an zu schreiben und Dinge zu fotografieren und mit mir selbst zu leben, ich wurde meine eigene Freundin... Ich begann, herauszufinden, wen es zu retten galt: die Teile, die ich nicht sterben sehen wollte.“

„Nachdem ich tatsächlich alles getan hatte, was ich so lange plante, habe ich für mich erkannt, dass ich nicht sterben wollte. Aber das ist einzigartig. Das ist nicht bei jedem so. Da war auch keine Befreiung, da war Angst. Ich hatte Angst, und ich sagte: ,Es muss da drinnen jemanden geben, den ich mag‘, und das war es, was ich verstand.“
10 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Grace Kim
„Ich wuchs wirklich sehr religiös auf. Meine Eltern schickten mich jede Woche in die Kirche, etwa drei Tage pro Woche, und darum glaubte ich aufrichtig, dass ich für den Großteil meines Lebens in die Hölle komme. Ich dachte auch, dass ich nicht in der Lage wäre, in diesem Leben glücklich zu sein, weil ich dieses schreckliche Geheimnis hatte, dass ich ihnen nicht mitteilen konnte, weil sie einfach so verdammt religiös waren und ich es glaubte… [Anmerkung: Grace erkannte im Alter von 4 Jahren, dass sie homosexuell ist.] Ich dachte einfach, dass es keine Hoffnung im Leben gibt… Meine ewige Seele war verdammt, und… ich konnte in diesem Leben nicht glücklich sein, welchen Zweck hatte das also alles?“

„Also war ich, wahrscheinlich von 4 bis 24, wirklich depressiv. Mit 8 Jahren beschloss ich, dass ich mir das Leben nehmen würde, aber ich legte einen Tag fest. Ich wählte den Tag nach meinem College-Abschluss, wegen des ganzen Drucks in asiatischen Familien, ein Wissenschaftler oder Doktor zu werden. Aus eigenartigen Gründen dachte ich: ,Ich muss zumindest aufs College gehen und es dann beenden‘. Meine Logik macht keinerlei Sinn.“
11 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Pamela Northrup
„Die Schwangerschaft selbst war eigentlich nicht schlimm. Ich war ziemlich glücklich. Die typische Morgenübelkeit, aber nicht viel… Jetzt, auf einmal, bin ich zuhause. Ich bin alleine mit diesem winzigen, hilflosen Ding, das vollkommen abhängig von mir ist…“

„Mein Arzt setzte mich auf Zoloft in der Hoffnung mich vor einer postnatalen Depression zu bewahren… Ich hatte es zu dieser Zeit nicht begriffen, aber meine Körperchemie hatte sich so verändert, dass ich nicht mehr funktionierte, und ich schlitterte nur weiter und weiter und weiter, sehr langsam, sodass niemand von uns begriff, wie schlimm es wirklich war…“

„Die hormonellen Veränderungen, durch die man während und nach der Schwangerschaft geht, bringen dich einfach um den Verstand. Das tun sie wirklich. Außerdem ist da der Schlafentzug und der Druck und… es ist hart… Es gibt den Babyblues, der es wie keine große Sache klingen lässt, aber es gibt Grade davon, die das sind, man nennt das Wochenbettpsychose, wo es wirklich schlimm werden kann.“
12 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Nicole Keimer
„Wenn du ein Problem mit Essen hast, kannst du nicht einfach aufhören zu essen und Essen aus deinem Leben verbannen. Also gab es eine Zeit, in der ich dachte: ,Ich werde niemals hier rauskommen. Jeder Tag wird darauf hinauslaufen, aufzustehen und über Essen nachzudenken.‘“

„Eine Zeit lang verbrachte ich buchstäblich 16 Stunden meines 24-Stunden-Tags damit, über Essen nachzudenken: Wie ich Kalorien reduzieren könnte, wie ich einfach so dünn wie möglich werden könnte. Wie komme ich an einen Punkt, an dem ich aufhören kann, über Essen nachzudenken? Ich dachte einfach, dass dies niemals passieren würde, weil man jeden Tag über Essen nachdenken muss.“

„Sobald ich anfing, mich zu fühlen, als ob ich darin seit Jahren feststeckte, begannen die Suizidgedanken. Die einzige Möglichkeit, nicht mehr über Essen nachzudenken, war tatsächlich, mich zu töten, weil ich sonst jeden einzelnen Tag über Essen nachdenken muss.“
Werbung
13 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Rene Severin
„Irgendein Typ… ich möchte diesen Typen wirklich treffen… Dieser Typ schlug mich. Er prügelte die Scheiße aus mir raus. Er sagte: ,Hey. Hey, wach auf. Wach auf.‘“

„Und ich hörte nur: ,Er atmet.‘ Sie riefen einen Krankenwagen für mich. Im Krankenwagen wachte ich vollständig auf, mit schrecklichen Schmerzen — schreckliche Schmerzen. Alles, woran ich denken konnte, war meine Mom… Sie meinten so zu mir: ,Wen sollen wir anrufen?‘ Und ich meinte: ,Meine Mom. Meine Mom, gleich jetzt.‘“
14 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Dominick Quagliata
„Man sagt, Zeit heilt alle Wunden… Ich habe diese Gedanken immer noch jeden Tag. Von Zeit zu Zeit denke ich darüber nach und frage mich: ,Warum bin ich hier? Was hält mich hier angebunden, gerade hier?‘“

„Ich habe einen Haufen Leute getroffen und sie sagen, dass ich ein wirklich toller Typ bin, dass es leicht ist, mit mir zu reden, dass ich wirklich lustig bin. Sie machen mir all diese Komplimente und so, und ich denke nur: ,Du siehst das vielleicht so, aber ich weiß nicht, wie viel davon wirklich wahr ist.‘

„Ich weiß nicht, ob ich nicht einfach ein gezwungenes Lächeln aufsetze, oder ob ich das alles wirklich bin. Weil ich glaube, dass ich im Laufe der Zeit wirklich viel von meinem Sinn für meine eigene Identität verloren habe. Ich wusste eine ganze Weile nicht, wer ich bin. Ich kannte diese Person nicht, die ich geworden war, weil ich mein Selbstbild wirklich zerschmettert hatte. Das wurde zur schwierigsten Sache, die ich bewältigen musste — mein eigenes Selbstbild und der Versuch, es wieder aufzubauen. Ich habe lange dafür gebraucht, aber letztendlich fand ich einen Teil meiner selbst wieder.“
15 von 15
Photo: Courtesy Of Dese'Rae L. Stage.
Dese'Rae L. Stage
„2004 wurde bei mir eine bipolare Störung Typ II diagnostiziert. Mir wurden davor fälschlicherweise bereits Depressionen attestiert und ich wurde stetig mit Antidepressiva gefüttert, die nichts bewirkten außer meinen Sexualtrieb abzutöten und mich müde und sogar noch niedergeschlagener zu machen als zu Beginn. Und ich ritzte mich seit nahezu zehn Jahren… [Meine erste Liebe] war eine dieser Wirbelsturm-Romanzen, aber eben auch unbeständig. Dann fing ein Wall von häuslicher Gewalt an, wie man ihn aus dem Lehrbuch kennt. Zuerst waren da die Drohungen; dann begann sie mich zu schubsen (wortwörtlich), dann an Stellen zu schlagen, die nur unter meiner Kleidung lagen und dann war es irgendwann egal. Es gab keine Grenzen mehr, kein Tabu.“

„Irgendwer, irgendwo findet dieses Projekt und sieht vielleicht eine Geschichte, die seiner eigenen ähnlich ist, und findet Kraft darin. Vielleicht teilen diese Leute ihre eigene Geschichte mit jemand anderem oder haben weniger Angst, einen Freund anzusprechen, um den sie sich Sorgen machen. Vielleicht haben sie einfach nicht so viel Angst, darüber zu reden… Ich habe die Geschichten und Portraits von Suizidüberlebenden im ganzen Land gesammelt, von Menschen wie dir und mir, und merke: je lauter ich schreie und je mehr Menschen ich dazu kriege mit mir zu schreien, desto näher kommen wir dem Ziel, diese Wände der Stigmatisierung und der Scham niederzureißen, und umso leichter wird es, einfach hierdurch zu leben.“
Werbung

Mehr aus Seele

Watch

R29 Originals