Diese TikTok-User stellen Outfits als Plus-Size-Versionen nach

Foto: bereitgestellt von @brooklyn.dallen
Als übergewichtiger Mode-Fan hole ich mir meine Plus-Size-Outfit-Inspiration aus ganz verschiedenen Quellen – aus Filmen (hi, Jennifer Coolidge in Cinderella Story!) oder meinem Instagram-Feed zum Beispiel (Shoutout an Lotte Van Eijk an dieser Stelle). Es ist so wichtig für mich, in den Medien nicht bloß Klamotten-Styles zu finden, die mir gefallen, sondern sie auch an dickeren Figuren zu sehen. Ohne diese Repräsentation hätte ich mich im Laufe der Jahre wohl kaum getraut, modische Risiken einzugehen und auch mal mit meinen Outfits rumzuexperimentieren. Andere Menschen hingegen, deren Social-Media-Feeds nicht so von den diversesten Körperbildern bestimmt sind wie meiner, denken bei #outfitinspo aber wohl meistens erstmal an dünne, weiße Körper. 
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Kaylin, die auf TikTok Plus-Size-Modetrends teilt, erzählt mir, dass sie sich für ihren Style früher immer auf Pinterest inspirieren ließ. Viele dieser Looks wurden aber meist an dünnen, weißen Körpern präsentiert – also beschloss Kaylin, ihre Plattform auf TikTok zu benutzen, um „anderen Plus-Size-Frauen zu zeigen, dass Pinterest auch uns gehört“. Dieses Video-Konzept, in dem sie die gleichen Outfits der Pinterest-Posts an ihrem eigenen Körper zeigt, hat nicht nur Kaylin für sich entdeckt. Daraus ist inzwischen ein ganzer TikTok-Trend geworden: Zahlreiche Plus-Size-Frauen stellen die Outfits dünner Pinterest-Models nach. 
Brooklyn, die auf TikTok über 38.000 Follower hat, erklärt mir, ihr war gar nicht klar, dass es diesen Trend schon gab, als sie selbst damit anfing, Pinterest-Fashion für ihre Follower zu modeln. „Die Idee für diese Videos kam mir, als ich immer mehr Kommentare unter den Fashion-Videos von dünnen Frauen las, in denen Leute schrieben: ‚Ich könnte das selbst nie tragen‘“, sagt Brooklyn. „Diese Kommentare gingen mir irgendwie sehr nah, also beschloss ich, verschiedene Outfits anzuprobieren. Ich wollte diesen Plus-Size-Frauen – und mir selbst – beweisen, dass wir in denselben Outfits gut aussehen können wie dünne Frauen.“
Dieses Gefühl, „zu dick“ für manche Looks zu sein, ist schon seit Jahrzehnten tief in der Psyche übergewichtiger Menschen verankert – und das wurde mir schmerzhaft klar, als ich bei der Recherche zu diesem Trend direkt auf ein Pinterest-Board namens „Outfits, für die ich zu fett bin“ stieß. Die Creators, die beim TikTok-Trend mitmachen, hoffen, genau dadurch bewirken zu können, dass sich niemand mehr durch seinen oder ihren Körper in Sachen modischer Kreativität eingeschränkt fühlen muss. 
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„Ich weiß noch, wie ich als Teenager immer dachte, mich mit manchen Klamotten einfach nicht selbst ausdrücken zu können. Deswegen fühlte ich mich oft wie eine Außenseiterin“, erzählt mir Trinity mit 78.000 TikTok-Followern, deren Video zu dem Trend momentan mit 838.000 die meisten Views hat. „Manche Kinder und Jugendlichen sehen in den sozialen Medien kaum jemanden mit ihrer Kleidergröße. Ich glaube, wenn sie auf TikTok jemanden finden, der aussieht wie sie, merken sie: ‚Oh, es gibt ja doch Leute wie mich.‘ Vielleicht fühlen sie sich dann nicht mehr so ausgegrenzt und entmutigt, das zu tragen, worauf sie Lust haben.“
Das sieht auch Kaylin so. „Alle Körpertypen können toll aussehen und Fashion-Trendsetter werden. Das soll jetzt nicht kitschig klingen, aber: Ich finde es schön, mir vorzustellen, dass zukünftige Generationen in den Medien viel mehr Body Positivity zu sehen bekommen – eben durch Trends wie diesen hier. Das hätte mein eigenes Selbstbewusstsein jedenfalls extrem gepusht, als ich 10 war.“
Als jemand, die schon seit über sieben Jahren über Plus-Size-Mode und ein selbstbewusstes Körpergefühl schreibt, finde ich es aufregend, Gen Z dabei zuzusehen, wie sie TikTok inklusiver zu machen versucht. Es ist irgendwie beruhigend, zu wissen, dass diese Generation nicht zulässt, dass fat liberation – also die Befreiung dicker Menschen – zu einem vergänglichen Trend wird. Natürlich ist aber auch TikTok nicht völlig fehlerfrei; noch immer wird dort viel fälschlicherweise zensiert, und in den Kommentaren wird es manchmal ganz schön toxisch. „Es kommen so viele hasserfüllte Kommentare“, beklagt sich auch Brooklyn. „Obwohl ich mir zwar angewöhnt habe, ‚fett‘ nicht mehr als Beleidigung zu sehen, merke ich ja, ob jemand das Wort mit gemeiner Absicht benutzt. Manchmal tut das immer noch weh. Es ist auch echt schwer, bei TikTok Reichweite zu bekommen. Ich habe das Gefühl, dass Videos, in denen ich freizügiger oder sexy gekleidet bin, automatisch weniger Reichweite kriegen, erst überprüft werden müssen oder sogar ganz geblockt werden, weil ich damit gegen irgendwelche Community Guidelines verstoßen haben soll. Und dann sehe ich aber ein Video einer dünnen Frau, die noch viel freizügiger gekleidet ist oder sogar nur einen Bikini trägt. Das tut dann schon weh, weil mein Körper scheinbar auf der Plattform als ‚Verstoß‘ gesehen wird, während diese anderen Figuren gefeiert und auf die For You Page gepusht werden.“
Abgesehen davon betont aber jede der Frauen, mit denen ich gesprochen habe, dass die Vorteile der Plus-Size-Community gegenüber der Nachteile enorm überwiegen. „Wir sind einfach alle so lieb zueinander und ermutigen uns in unseren Posts gegenseitig“, schwärmt Brooklyn. „Ich bekomme so viele Kommentare von Leuten, die mir schreiben, wir hätten einen ähnlichen oder den gleichen Körpertyp, und dass meine Videos ihnen deswegen Selbstbewusstsein verleihen. Es macht mich stolz, dass ich das für andere tun kann.“
Repräsentation ist wichtig, war schon immer wichtig, wird es auch immer bleiben und kann sogar revolutionär sein. TikTok-Creators finden kontinuierlich neue Wege, um den Fortschritt voranzutreiben und beziehen dabei ein wachsendes Publikum mit ein – indem sie zum Beispiel einen Rock an einem Größe-50-Körper zeigen, der ursprünglich von einer 36er-Figur getragen wurde, oder in Erklärvideos das Privileg dünner Menschen analysieren. Und selbst ein vermeintlich simpler Trend wie das Nachstellen von Pinterest-Looks hilft vielen, die Schönheit des eigenen Plus-Size-Körpers zu entdecken – und daran kann kein gemeiner Kommentar etwas ändern.

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