So schaffst du es, 2019 mehr zu lesen – 11 Autorinnen geben Tipps

Illustration: Louisa Cannell
Ich könnte stundenlang über die Vorteile des Lesens reden. Es macht uns erwiesenermaßen zu intelligenteren, empathischeren Menschen. Es fördert die Fantasie. Es erweitert unseren Horizont. Und es macht schlicht und einfach Spaß – vorausgesetzt, du liest das richtige Buch.
Zeit zum Lesen zu finden, fällt vielen in unserer hektischen Welt jedoch schwer. Trotzdem sollte es doch irgendwie machbar sein, den Neujahrsvorsatz „mehr lesen“ 2019 umzusetzen, oder? Wie, verraten euch 11 Leseprofis.
Warum wir gerade diese Frauen nach Tipps gefragt haben, ist einfach: In ihrem Leben spielen Bücher eine besonders große Rolle. Crystal Patriarche muss beispielsweise als CEO von Bookspark, einer PR-Agentur für Bücher, zwei bis drei Bücher pro Woche lesen. Und unsere Lieblingsautorinnen verbringen naturgemäß einen Großteil des Tages mit den Werken anderer Schriftsteller*innen – um ihre eigenen Skills zu verbessern und weil sie Bücher lieben. Wie sie es schaffen, täglich (oder zumindest regelmäßig) zu lesen, erfährst du in der Slideshow.
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Jenny Han
Autorin von To All The Boys I Loved Before (2015)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich habe schon immer leidenschaftlich gern gelesen, aber je älter ich werde, desto schwerer ist es, eine ruhige Minute dafür zu finden. Beim Lesen musst du dich konzentrieren – du kannst nicht einfach nebenbei Emails beantworten oder Auto fahren. Deshalb downloade oder kaufe ich oft Bücher vor einer langen Reise. Die meisten Seiten schaffe ich in der U-Bahn, im Flugzeug und in der Badewanne.“

Das sagt sie zum Thema Bücher & Geld: „Ich gebe ein Vermögen für Bücher aus, aber das finde ich auch überhaupt nicht schlimm. Für die Stapel ungelesener Bücher auf meinem Nachttisch und in meinen Regalen schäme ich mich dagegen sehr. Ich nehme mir immer vor, erst ein neues Buch zu kaufen, wenn ich die alten gelesen habe, aber ich schaffe es nicht. Es gibt einfach zu viele neue tolle Schätze, die Jenny! rufen.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: Farbenblind von Trevor Noah.“
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Alice Bolin
Autorin von Dead Girls (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich glaube das Wichtigste ist, sich Ziele zu setzen. Manche Menschen überlegen sich, wie viele Bücher sie pro Jahr, pro Monat oder pro Woche lesen wollen. Aber ich gehe lieber nach der Seitenanzahl: Ich nehme mir 100 pro Tag vor, meistens werden es aber nur 30 oder 50. Aber das ist vollkommen okay. Nach dem Schulabschluss wurde ich zu einer zielorientierten Leserin, weil mir bewusst wurde, wie viel ich aufzuholen hatte.“

So wählt sie Bücher aus: „Auszuwählen, was ich in meiner Freizeit lese, ist gar nicht mal so einfach für mich. Ich habe sehr viel Glück, weil mein Partner und ich Millionen von Büchern besitzen. Dazu kommen hunderte von e-Books und verschiedene Bücherei-Mitgliedschaften. Ich habe also praktisch zu allen Büchern der Welt Zugang und muss nur noch herausfinden, worauf ich in diesem Moment gerade Lust habe. Außerdem erzählen mir oft meine beste Freundin, meine Freund und meine Mutter von neuen Büchern, so dass ich mich gar nicht selbst kümmern muss.“

Von diesen Büchern erzählt sie gerade allen: I'm So Fine von Khadijah Queen, Caca Dolce von Chelsea Martin, The Professor von Terry Castle, The Possessed von Elif Batuman und alles von Rachel Kushner und Alissa Nutting.“
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Leah Dieterich
Autorin von Vanishing Twins: A Marriage (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Planung. Es ist wie bei vielen Dingen in meinem Leben: Wenn es nicht in meinem Terminkalender steht, mache ich es nicht. Eigentlich lese ich gern abends, aber oft bin ich dann einfach zu müde. Deswegen habe ich angefangen, eine halbe Stunde eher aufzustehen und beim Kaffee trinken zu lesen. So starte ich besser in den Tag, als wenn ich 30 Minuten mein Smartphone checke. Ich fühle mich dann vollkommener und inspiriert.“

Das sagt sie über die Buchsuche: „Ich benutze Goodreads, eine Onlineplattform für Buchfans, um mir die Titel, die ich pro Jahr lese, zu notieren und um neue Bücher zu entdecken und zu speichern. Oft sieht man einen Roman und denkt: Das will ich unbedingt lesen! Aber dann vergisst man es wieder. Goodreads ist eine gute Möglichkeit, diese verloren geglaubten Schätze wieder zu finden.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: „Ich liebe Melissa Broders Fische. Für mich ist das der perfekte Mix aus fesselnd und philosophisch. Es ist total überzogen und absurd, gleichzeitig kannst du dich aber auch mit vielen Dingen identifizieren.“
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Crystal Hana Kim
Autorin von If You Leave Me (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich habe eine Chaiselongue, die ich ausschließlich zum Lesen verwende. Eigentlich ist das komplett unpraktisch, denn ich wohne in einem winzigen Apartment in Brooklyn. Aber ich liebe es, einen festen Leseort zu haben. Jedes Buch, das ich lese, notiere ich in einer simplen Exceltabelle – inklusive Titel, Autor*in und meiner Gedanken. Mein Ziel ist es, 50 Bücher pro Jahr zu lesen. Normalerweise schaffe ich 47 oder 48, doch 2018 sind es nur 38 geworden. Das ist okay, denn ich habe schließlich meinen ersten eigenen Roman rausgebracht und war wegen der Lesetour viel unterwegs.“

So wählt sie Bücher aus: „Ich setze auf Mundpropaganda, Empfehlungen von Freund*innen und Buchrezensionen. Ansonsten ist mir Diversity sehr wichtig: Ich priorisiere Frauen, Autor*innen of Color und Bücher über marginalisierte Individuen oder Gruppen. In den letzten Jahren habe ich auch mehr Lyrik, Sachliteratur und Übersetzungen in mein Leben gelassen – eine sehr gute Entscheidung.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: „Hala Alyans Häuser aus Sand.“
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Ibi Zoboi
Autorin von Pride (2018) und Editor von Black Enough: Stories of Being Young & Black in America (2019)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich lese abends, um zu entspannen. Dazu trinke ich immer ein Tasse Kräutertee. Später lese ich dann noch mal im Bett vorm Schlafen. Ansonsten begleiten mich oft Audiobooks durch den Tag: Ich höre sie, während ich putze, koch oder reise. Ich liebe Audible!“

Das sagt sie zum Thema Bücher & Geld: „Ich erlaube mir selbst, so viel Geld für Bücher wie ich möchte, denn ich teile sie mit meiner Familie. Als ich noch ein Kind war, hatten wir zu Hause kaum Bücher; jetzt haben wir eine richtige Bibliothek. Aussortierte Bücher schenken wir Schulen oder Freund*innen.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen:Dream Country von Shannon Gibney und The Field Guide to the North American Teenager von Ben Philippe.“
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Virgie Tovar
Autorin von You Have the Right to Remain Fat (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich plane gern kleine Buchdates mit mir selbst. Dann fahre ich zum Beispiel in eine Vorstadt oder ein Dorf, setze mich in ein hübsches Café und lese ein Buch, das vom Leben auf dem Land handelt. Letztens habe ich einen Roadtrip gemacht und bin allein mit 17 Büchern auf dem Beifahrersitz von einer Station zur nächsten gefahren. Seit kurzem habe ich außerdem Hörbücher für mich entdeckt.“

So wählt sie Bücher aus: „Ab und zu habe ich das Gefühl, ein Buch ruft richtiggehend nach mir. Wenn das passiert, nehme ich es immer mit. Ich denke, manchmal wählen Bücher dich aus und nicht umgekehrt. Abgesehen davon habe ich auch gute Informanten: Leute, die dieselben Bücher lieben wie ich oder die wissen, was ich liebe.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen:Eine andere Welt von James Baldwin (eigentlich alles von James Baldwin), Carceral Capitalism von Jackie Wang, Labyrinth der Einsamkeit von Octavio Paz.“
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Rae DelBianco
Autorin von Rough Animals (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich habe immer ein Buch dabei. Wenn du immer eins in deiner Tasche trägst, merkst du schnell, wie viele Momente es gibt, in denen du lesen kannst und die du sonst wahrscheinlich mit deinem Smartphone verbracht hättest. Mach dir das bewusst und nutze diese Zeit.“

So wählt sie Bücher aus: „Bookstagram (Lese-Community auf Instagram) habe ich entdeckt als ich nach Leuten gesucht habe, mit denen ich die Werke von Faulkner besprechen kann. Das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem habe ich in diesem virtuellen 24/7-Buchclub echte Buchfreund*innen gefunden, die mir immer wieder spannende neue Titel empfehlen. So konnte ich schon viele Lieblingsromane entdecken. Was ich nicht mache ist, vorauszuplanen. Wenn ich ein neues Buch anfangen will, entscheide ich mich einfach für das, das zu meiner aktuellen Gefühlslage passt. Ich denke, es gibt für jeden Moment in deinem Leben das perfekte Buch.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: Pferde stehlen von Per Petterson – eine herzzerreißende Geschichte über Familie, Natur und Verlust –, den LGBTQ+ Epos Earthly Powers von Anthony Burgess und Cold Snap von Thom Jones für alle, in denen ein amerikanisches Herz schlägt. Diese Bücher haben mein Leben verändert.“
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Peng Shepherd
Autorin von The Book of M (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich lese lieber mehr am Stück als ab und zu mal ein paar Minuten. Deswegen komme ich auch nicht jeden Tag dazu. Wenn ich mich dazu zwinge, zum Buch zu greifen, schaffe ich es maximal fünf Seiten zu überfliegen und habe dabei euch noch weniger Spaß. Deshalb lese ich lieber nur jeden zweiten oder dritten Tag, dann aber auch am liebsten gleich ein paar Stunden.“

Über ihre Leseliste: „Ich habe eine ziemlich umfangreiche Liste mit Büchern auf meinem Smartphone, die ich ständige update oder umsortiere – wenn ich zum Beispiel neue Empfehlungen bekomme, sich meine Laune ändert, Bücher im Sale landen oder das Rückgabedatum der Bibliothek näher rückt. Ich führe sogar eine Liste mit Büchern, die noch gar nicht auf dem Markt sind, damit ich sie nicht vergesse.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen:Das Lied des Achill von Madeline Miller, I'll Be Gone in the Dark von Michelle McNamara, The Poppy War von R.F. Kuang und The Library at Mount Char von Scott Hawkins.“
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Katie Williams
Autorin von Tell the Machine Goodnight (2018)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Ich stehe extra eine Stunde früher auf, um zu lesen und dabei meinen Kaffee zu trinken. Für diejenigen unter euch, deren Terminkalender überquellen klingt das sicher absolut dekadent. Für euch ist das wahrscheinlich gar nicht realisierbar. Und ich muss zugeben: Ich hasse es, wenig Schlaf zu bekommen. Aber noch mehr hasse ich es fast, nicht genügend Zeit zum Lesen zu haben. Damit meine morgendliche Routine überhaupt möglich ist, habe ich angefangen, eine Stunde eher ins Bett zu gehen. Wie mein Ehemann so schön zu sagen pflegt: Unter der Woche passieren nach 22 Uhr selten gute Dinge – dann gibt es nur noch YouTube und noch mehr Wein. Da mache ich es mir doch lieber mit einem Buch im Bett gemütlich.“

Das hält sie von Hörbüchern: „Audiobooks sind eine wunderbare Möglichkeit, Bücher in dein Leben zu integrieren. Du kannst sie auf dem Weg zur Arbeit, beim Gassi gehen oder bei Hausarbeiten hören. Abgesehen davon: Wann hat dir das letzte Mal jemand vorgelesen?“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: „Tauche mit Was du nicht hast, das brauchst du nicht von Helen Oyeyemi in eine fantastische, seltsame Welt ein. Wenn du Rätsel und Romantik verpackt in Geschichten über smarte, mutige, feministische Heldinnen magst, solltest du dir Lady Sherlock-Serie von Sherry Thomas nicht entgehen lassen.“
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Rowan Hisayo Buchanan
Autorin von In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün (2017)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „Manchmal bekomme ich eine Leseblockade. MeinKopf fühlt sich dann schwer an und meine Gedanken driften ständig ab. In diesen Momenten lese ich gern eine Kurzgeschichte oder Novelle, denn es ist sehr befriedigend, eine Geschichte abzuschließen. Tipp Nummer zwei: Wenn du ein Buch hasst, dann leg es beiseite. Niemand zwingt dich dazu, es zu Ende zu lesen. Last, but not least: Halte deine Neugier am lieben. Lies verschiedene Textformen. Graphic Novels, Aufsatzsammlungen, Gedichte, Hörbücher – alles ist erlaubt.“

Ihr Trick bei schwierigen Büchern: „Such dir eine*n Lesefreund*in. Eine Bekannte und ich lesen beispielsweise gerade Anna Karenina. Wir schreiben uns gegenseitig aller paar Tage und vergleichen unsere Notizen und wie weit wir gekommen sind. Wir treiben uns gegenseitig an – ein kleiner Wettbewerb kann Wunder bewirken.“

Von diesem Buch erzählt sie gerade allen: Ponti von Sharlene Teo, America is Not the Heart von Elaine Castillo, What Happens When a Man Falls from the Sky von Lesley Nneka Arimah, Things to Make and Break von May-Lan Tan, Edinburgh von Alexander Chee.“
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Anna Pitoniak
Autorin von Necessary People (2019)

So schafft sie es, regelmäßig zu lesen: „In einer Ecke meines Wohnzimmers steht ein Sessel. Die Lichtverhältnisse sind super da, weil er in der Nähe des Fensters steht. Dort trinke ich jeden Morgen meinen Kaffee und lese 10 bis 15 Minuten. Wenn ich unterwegs bin, habe ich auch immer ein Buch dabei – im Zug, im Bus, im Café, im Wartezimmer beim Arzt. Und im Bett muss ich dann auch noch mal lesen, sonst kann ich nicht einschlafen. Ich liebe nichts mehr als in eine lange, spannende Geschichte einzutauchen.“

So wählt sie Bücher aus: „Ich vertraue oft auf die Empfehlungen der Mitarbeiter*innen in Buchläden. Außerdem versuche ich, im Bereich Klassiker aufzuholen, was ich bisher verpasst habe. Ich wechsle also oft zwischen neuen und alten Büchern hin und her. Meistens geben mir Kolleg*innen und Freund*innen Tipps.“

Von diesen Büchern erzählt sie gerade allen:Becoming von Michelle Obama, The Quiet American von Graham Greene und Im Weißen Haus von Ben Rhodes.“
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