Bringt’s wirklich etwas, Dinge zu „manifestieren“?

Foto: Natalia Mantini
Wenn du etwas wirklich willst, brauchst du es nur zu „manifestieren“ und schon wird es Wirklichkeit werden, stimmt's? Dieses Konzept ist nicht neu – das Manifestieren von Wünschen ist, worum es in dem sehr erfolgreichen Selbsthilfebuch The Secret geht. Es basiert auf einem Film, in dem behauptet wird, dass das Visualisieren bestimmter Dinge diese Wirklichkeit werden lassen kann.
Das ist eine Vorstellung, die sich wie Musik in unseren Ohren anhört. Deshalb ist The Secret wohl auch zum Bestseller geworden. Aber bringt's wirklich etwas, Träume zu „manifestieren“?
Nun, genau dafür gibt es keine wissenschaftlichen Beweise. Was aber außer Frage steht, ist, dass unsere Gedanken kraftvoll sind – egal, ob sie nun positiv oder negativ sind.
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„Wenn wir also daran glauben, dass wir in der Lage sind, etwas zu tun, schaffen wir in eine bessere Ausgangsposition, um unsere Ziele tatsächlich erreichen zu können“, sagt Dr. Marni Amsellem, klinische Psychologin bei Smart Health Psychology. Die Art und Weise, wie du denkst, wirkt sich nämlich auf dein Verhalten aus.
Und es gibt einige Beweise dafür, dass positives Denken wirklich von Vorteil sein kann. Eine Studie aus dem Jahr 2017, die 70.000 Frauen über einen Zeitraum von acht Jahren untersuchte, fand heraus, dass diejenigen, die ein höheres Maß an Optimismus aufwiesen, ein geringeres Risiko hatten, an den Todesursachen wie Krebs, Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Atemwegserkrankungen und Infektionen zu sterben, als diejenigen, die nicht so optimistisch waren. Die Ergebnisse, so die Forscher:innen, deuten darauf hin, dass Positivität die Widerstandsfähigkeit stärkt, was wiederum zu einem längeren und gesünderen Leben führen kann.
Die Überzeugung, dass sich eine optimistische Einstellung vorteilhaft auf die Gesundheit auswirken kann, ist das, was positive Psychologie auszeichnet. Manifestation, sagt Dr. Amsellem, kann als eine Erweiterung der Grundidee hinter dem positiven Denken angesehen werden.
Wenn wir denken, dass wir etwas tun können, versetzen wir uns in eine bessere Lage, um diesen Wunsch wahr werden zu lassen.
Andererseits kann der Glaube an eher negative Dinge zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen. „Weil wir nicht davon überzeugt sind, dass unsere Träume in Erfüllung kommen werden, ist unsere Ausgangsposition eine ganz andere als bei einer positiven Einstellung“, sagt Dr. Amsellem. „Wenn wir glauben, dass wir scheitern werden, bereiten wir uns geistig und emotional darauf vor und sorgen am Ende unbewusst dafür, dass wir tatsächlich scheitern.“
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So oder so musst du aber fest daran glauben, was du dir zusprichst, damit Manifestation wirklich „funktioniert“. Wenn du dir zum Beispiel sagst, dass du besser darin sein wirst, den Kontakt zu anderen aufrechtzuerhalten, wird sich nichts ändern, wenn du nicht tatsächlich davon überzeugt bist und dich dementsprechend verhältst. Auch wenn du im Moment vielleicht noch deine Zweifel hast, so wirst du mit der Zeit anfangen, deinen Gedanken Glauben zu schenken, wenn du sie immer wieder in deinem Kopf wiederholst, so Dr. Amsellem.
„Das ist auch die Kraft von Mantras“, sagt sie. „Beim ersten Mal fühlt sich der Spruch vielleicht nicht authentisch an, aber wenn du etwas immer wieder sagst, ergibt es mehr und mehr Sinn und fühlt sich weniger aufgesetzt an.“
Auch wenn das Denken an etwas nicht automatisch dazu führt, dass es geschieht (kannst du dir vorstellen, wie die Welt aussähe, wenn das der Fall wäre?), haben deine Gedanken einen Einfluss auf deine Handlungen, und das ist etwas, das du auf keinen Fall unterschätzen solltest. In diesem Sinne geht es beim Manifestieren nicht nur darum, etwas mit Hilfe deiner Gedanken Wirklichkeit werden zu lassen. Manifestation hat auch damit zu tun, diese Gedanken in die Tat umzusetzen.
„Unsere Einstellung ist eine Superkraft, wenn es darum geht, unser Verhalten zu gestalten“, sagt Dr. Amsellem. „Natürlich führt kein Weg an damit verbundenen Handlungen und Engagement vorbei, um deine Ziele umzusetzen. Wenn wir aber bestimmte Vorstellungen davon haben, wie wir an die Umsetzung unserer Wünsche herangehen können, hat das einen Einfluss auf unsere Handlungen.“

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