Schwangerschaft: Lassen sich Geburtstermine wirklich genau festlegen?

Photo: Francis Specker/CBS/Getty Images.
Auch wenn viele werdende Eltern gerne den Geburtstermin ihre Babys allen Freund*innen, der Familie und eigentlich jeder Person, die fragt, mit Freude mitteilen, passiert es doch sehr oft, dass der kleine Sonnenschein etwas früher kommt oder manchmal einfach auf sich warten lässt. Das liegt nicht etwa daran, dass unbedingt etwas schief gelaufen sein muss. Tatsächlich kommen 90 Prozent aller Säuglinge nicht an ihrem vorgeschriebenen Geburtstermin zur Welt. 
Ein großer Teil der Verwirrung ist auf die ungenaue Art, wie der Termin berechnet wird, zurückzuführen. Noch heute wird dafür nämlich eine komplizierte Formel aus dem 18. Jahrhundert verwendet. Bei der sogenannten Naegele-Formel schätzt man zuerst den Tag der Empfängnis ein, wodurch dann der Geburtstermin festgelegt werden soll. Kurz erklärt funktioniert die Rechnung folgendermaßen: Der erste Tag deiner Periode + sieben Tage  – drei Monate + ein Jahr.
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Zusammengerechnet entspricht das etwa 40 Wochen nach dem ersten Tag deiner Regelblutung. Und weil das ja nicht schon ungenau genug ist, basiert die gesamte Rechnung dazu noch auf der Annahme, dass jede Person mit einer Gebärmutter einen 28-tägigen Menstruationszyklus und am 14. Tag dieses Zykluseinen Eisprung hat, was definitiv nicht der Fall ist. Außerdem können Ärzt*innen den Geburtstermin auch ändern, wenn sie beim Ultraschall irgendwelche Unregelmäßigkeiten entdecken und die in den nächsten Untersuchungen noch näher kontrollieren wollen. Wir wissen auch, dass die erste Schwangerschaft in der Regel länger dauert als die darauffolgenden und trotzdem wird bei allen die gleiche Formel angewendet. Wenn du Zwillinge bekommen solltest, wirst du wahrscheinlich früher entbinden (normalerweise in etwa 37 Wochen), aber auch hier wird der Geburtstermin wie bei allen anderen Schwangeren berechnet.
Wenn es also sowieso nur eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass du dein Baby zum Stichtag bekommen wirst, kannst du dann überhaupt einen Zeitraum für die Geburt festlegen? Nun, die meisten Menschen entbinden in der Regel innerhalb von zwei Wochen nach ihrem berechneten Termin (teilweise, weil Ärzte mit ziemlicher Sicherheit Wehen einleiten werden, wenn das Baby nach zwei Wochen immer noch nicht herauskommen will). Und allgemein kommen die meisten Säuglinge zwischen der 39. und der 40. Schwangerschaftswoche zur Welt. Ein bestimmter Tag ist also gar nicht wirklich berechenbar, aber die Formel hilft dir zumindest einen Zeitraum festzulegen. 
Die Dinge ändern sich ein wenig, wenn es um die künstliche Befruchtung geht, denn da kennst du den Tag der Befruchtung, was den Rest dieser Berechnung genauer macht. Und natürlich, wenn du einen Kaiserschnitt geplant hast, weißt du natürlich auch genau, wann dein Baby kommt. Für die meisten von uns stellen die Geburtstermine aber bestenfalls ein ungefähres Fenster dar. Im Grunde kannst du es aber oft nur auf dich zukommen lassen.
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