Junge Frauen erzählen, warum sie in Krypto-Währung investieren (& du das auch tun solltest)

Illustration: Elena De Santi.
HODL“ oder „Buy the dip“: Wenn du auf Twitter unterwegs bist, bist du sicher beim Scrollen früher oder später über eine dieser Catchphrases gestolpert, vermutlich zusammen mit dem Raketen-Emoji. Und je nachdem, wie gut du dich mit Krypto-Währung auskennst, hattest du darauf vermutlich eine ganz bestimmte Reaktion: Entweder wusstest du sofort, worum es geht – oder du hattest nicht die geringste Ahnung. Die Anzahl der Krypto-Boom-Eingeweihten wächst aber mit jedem Tag. 
Dabei ist Krypto inzwischen so viel mehr als nur Bitcoin, und die Zeiten, in denen man Zweifel daran hatte, ob sich eine Investition in eine ausschließlich digitale Währung wirklich lohnen könnte, sind längst vorbei. Tatsächlich sind Krypto-Währungen im letzten Jahr – vielleicht befeuert durch die lockdownbedingte Langeweile – für viele junge Leute zu einem leidenschaftlichen, vielleicht sogar lukrativen Hobby geworden. 
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Mittlerweile ist Bitcoin, wie gesagt, dafür auch längst nicht mehr die einzige Option; inzwischen gibt es zahlreiche Krypto-Währungen zur Auswahl, wie zum Beispiel das beliebte Ethereum, das meme-freundliche Dogecoin und das weniger unbeständige Tether. Das digitale Geld kommt gut an: Studien zufolge interessieren sich mehr Leute denn je für die Investition in Krypto-Währungen, und von den Krypto-Inhaber:innen sind über 94 Prozent Millennials oder Gen Z
Und das sind nicht nur Männer, wie oft vermutet wird. Während sich Krypto zunehmend in den Mainstream drängt und die Preise für Währungen wie Bitcoin weiterhin schwindelerregende Höhen erreichen, entdecken immer mehr junge Frauen die Vorteile von Krypto für sich. Einige Krypto-Trading-Apps bemerken einen Anstieg der weiblichen User auf ihren Plattformen – wie zum Beispiel die Social-Handelsfirma eToro, deren weiblicher Useranteil in den letzten zwei Jahren um rund die Hälfte gestiegen ist und jetzt bei etwa 20 Prozent liegt.
„Als ich anfing, in Krypto zu investieren, war mein Ziel die finanzielle Unabhängigkeit“, meint Kimberly Phan, 28, die 2020 den Krypto-Markt für sich entdeckte. „Das hieß, ich musste genug Geld in Krypto investieren, um daraus Profit zu gewinnen, den ich dann in andere Aktien investieren konnte.“ Sie erzählt, dass Bitcoin dabei ihr „seriöses“ Investment war; das Geld, das sie in die Spaßwährung Dogecoin steckte, war eher zum Spaß.

Obwohl ich noch nicht sehr viel Geld reinstecke, hilft mir Krypto dabei, mehr zu sparen. Das ist viel besser, als eine instabile Währung anzusparen, die vermutlich an Wert verliert.

Jessica
„Ich kaufte Doge, weil ich mit der Währung auch ohne die Beteiligung einer Bank handeln und sie sofort anderen Leuten übers Internet weiterleiten konnte“, erklärt Kimberly. Nach nur ein paar Monaten hat sie sich so eine 2.ooo-prozentige Gewinnmarge aufgebaut und damit einen großen Teil ihrer Studienschulden abzahlen können. 
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Auch die 25-jährige Jessica Martins stürzte sich 2020 in den Krypto-Markt, weil sie das Gefühl hatte, etwas zu verpassen – echte Krypto-FOMO also. Weil sie von allen Seiten immer wieder davon hörte, beschloss sie, es einfach mal auszuprobieren, und wünscht sich heute, sie hätte schon 2017 damit begonnen. Ihre Investments hatten sich nämlich enorm gelohnt. „Obwohl ich noch nicht sehr viel Geld reinstecke, hilft mir Krypto dabei, mehr zu sparen“, sagt sie. „Das ist viel besser, als eine instabile Währung anzusparen, die vermutlich an Wert verliert.“ 
Noch dazu ist der Krypto-Markt – im Gegensatz zu traditionellen Finanzmärkten – so designt, dass er für alle zugänglich ist. Jede:r mit einem internetfähigen Gerät kann sich eine digitale Wallet (z. Dt.: Geldbeutel) erstellen und direkt loslegen, und viele Leute machen dabei guten Profit. Trotz des konstanten Zuwachses an weiblichen Krypto-Tradern beleuchten viele Studien aber auch einen erstaunlichen Fakt: Im Krypto-Markt sind immer noch deutlich weniger Frauen als Männer unterwegs. Obwohl ihre Anzahl zwar zu Beginn von 2021 zunahm, sind laut eToro nur 15 Prozent der dortigen Bitcoin-Trader Frauen. Auf dem Ethereum-Markt sieht es ähnlich aus: Der Prozentsatz der weiblichen Trader ist dort seit Anfang 2020 nur minimal gestiegen, von 11 auf 12 Prozent. 
Diese niedrigen Zahlen sind ein Symptom eines größeren Problems – der traditionellen Ausgrenzung von Frauen im Finanz- und Tech-Wesen. Noch dazu beweisen sie die enorme finanzielle Bildungslücke unter Frauen, wodurch sich viele von ihnen in dieser Branche nicht so heimisch fühlen wie Männer. 
Auf Twitter, wo Krypto-Trends öffentlich diskutiert werden, stolpert man daher immer wieder über Kommentare von Frauen, die sich gern aus der Debatte raushalten möchten. „Der Gruppenzwang, Krypto zu kaufen, ist bei mir ehrlich gesagt stärker als der zum Drogenkonsum“, schreibt zum Beispiel eine Nutzerin und bekam dafür mehr als 3.500 Retweets und 25.500 Likes. „Ich will kein Geld in etwas investieren, dem ich nicht vertraue und das ich auch nicht komplett verstehe“, schrieb eine andere.  
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In eine Währung zu investieren heißt, dass du gleichzeitig in die Firma dahinter investierst. Insofern ist das dem Aktienkauf nicht ganz unähnlich – aber eben ohne dessen Regulierungen und Schutzmaßnahmen.

Rebekah Keida
Diese Zweifel sind nicht ganz unberechtigt: Es gibt legitime Gründe gegen ein Krypto-Investment. Zuallererst ist der Markt eine Blase, die platzen kann; die Investition ist daher mit einem gewissen Risiko verbunden. Noch dazu trifft man auch hier Betrüger:innen, und das Krypto-Mining (also die Gewinnung der Währung) schadet der Umwelt. Die Server, die den Markt am Laufen halten, verschlingen Unmengen an Strom.
Nicht zu vergessen: Der Krypto-Markt ist alles andere als stabil, wodurch viele Interessent:innen daran zweifeln, ob die Investition eine sichere Sache sei. Elon Musks liebste Digital-Währung, Dogecoin, schoss beispielsweise vor seinem Auftritt bei Saturday Night Live in die Höhe – stürzte aber um ein Drittel ab, als er Dogecoin während der Show als „Abzocke“ bezeichnete. Als Musk dann kurz darauf verkündete, Tesla würde wegen der durch die Währung bedingten Umweltschäden keine Bitcoin-Zahlung mehr akzeptieren, löste er damit auf dem Krypto-Markt ein weiteres Erdbeben aus. Diese Vorfälle zeigen, wie hochreaktiv und wechselhaft Krypto sein kann. Noch dazu befürchten Expert:innen, die digitale Währung könnte existierende finanzielle Systeme gefährden, weswegen Forderungen nach Ordnungspolitiken für Bitcoin und Co. immer lauter werden. 
Aber wie sollten deine ersten Krypto-Schritte denn aussehen, wenn du dich dazu entscheidest, es mal auszuprobieren? Rebekah Keida, Krypto-Expertin bei der Krypto-Marke Ethernity Chain, empfiehlt allen Interessent:innen – und insbesondere jungen Frauen –, dabei vorsichtig vorzugehen, und auch nur, wenn du genug Erspartes hast. Laut ihr ist es wichtig, in Projekte zu investieren, die auf Fairness und Regeltreue achten, und nie zu vergessen: Jede Investition kann schiefgehen.
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„Weil Krypto so ein spekulativer, ungeregelter Markt ist, wie es der Aktienmarkt anfangs mal war, solltest du dich darüber informieren, welche Projekte hinter welchen digitalen Währungen stecken“, sagt Rebekah. „In eine Währung zu investieren heißt, dass du gleichzeitig in die Firma dahinter investierst. Insofern ist das dem Aktienkauf nicht ganz unähnlich – aber eben ohne die Regulierungen und Schutzmaßnahmen der Börse.“
Abgesehen vom Handel mit digitaler Währung verdienen sich immer mehr junge, kreative Leute ihr digitales Geld, indem sie ihre Arbeit als sogenannte non-fungible tokens (z. Dt.: „nicht austauschbare Wertmarken“), kurz NFTs, verkaufen. Das sind einzigartige digitale Daten, die mit wertvollen digitalen Objekten verknüpft werden können und diese so mit einem Kopierschutz versehen. Dadurch können die Ersteller:innen oder Besitzer:innen die Werke auf einem digitalen Marktplatz verkaufen, ohne Kopien befürchten zu müssen. Auf diesem neuen Marktplatz kann prinzipiell jede:r alles kaufen oder verkaufen – von Kunstwerken über Musik bis hin zu digitalen Sammelkarten, Designerprodukten und sogar Immobilien. 
Obwohl dieser Markt noch in den Kinderschuhen steckt, bemühen sich schon jetzt einige Communitys darum, Frauen innerhalb des NFT-Markts einen sicheren Raum zu schaffen, in dem sie ihre Arbeiten verkaufen und somit gleichberechtigt an dieser kreativen Plattform teilhaben können. Eine dieser Gruppen ist Women of Crypto Art (WOCA), eine 2020 gegründete Community aus digitalen Künstlerinnen, die sich als Frauen identifizieren. WOCA bietet Künstlerinnen die Möglichkeit, sich über NFTs und andere Formen der Krypto-Kunst auszutauschen. Seit ihrer Gründung hat WOCA schon mehrere digitale Ausstellungen veranstaltet, in denen die Organisation die Kunst ihrer Mitglieder präsentiert. Ihr jüngstes Projekt – der Launch der ersten NFT-Tarotkarten namens The Arcana Crypto Tarotentstand aus der Zusammenarbeit von 22 Künstlerinnen der Gruppe. 
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„Als Frauen wünschen wir uns in dieser Branche oft, als Künstlerinnen mehr gesehen und gewürdigt zu werden“, meint Maalavidaa, digitale Künstlerin und Gründerin von Heal The Deal, einer Supportgruppe für junge Menschen in der Krypto-Industrie. „Und tatsächlich kann die Kommunikation von Mann zu Frau in dieser Branche ganz schön triggernd wirken; zum Beispiel, wenn man mit uns auf unangebrachte oder ignorante Art spricht oder sich über die Kunstwerke einer Frau lustig macht.“ Durch ihre emotionale Selbsthilfegruppe hofft sie, „Krypto-Künstlerinnen dabei zu helfen, mit den Auswirkungen solcher Probleme auf die geistige Gesundheit umzugehen“. 
Durch die Schnelllebigkeit der Krypto-Welt sind Veränderungen aber immer zum Greifen nah. „Durch den Aufstieg von Krypto-Währungen wird die Industrie für Frauen immer zugänglicher“, meint Kimberly. „Wir könnten noch mehr Frauen dafür begeistern, wenn Krypto verständlicher wäre und mehr Bildungsprogramme angeboten würden.“
Die Zukunft der Krypto-Währung ist unsicher; sowas hat es bisher nie gegeben. Eines ist aber sicher: Auch junge Frauen wollen daran teilhaben – und könnten den Markt positiv beeinflussen, wenn sie dafür die nötige Sicherheit erhalten.

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