Die Liebesgeschichte einer vergangenen Beziehung in Fotos (NSFW)

Foto: Michael Northrup
Unzählige Fotograf:innen und Künstler:innen verbrachten ihr ganzes Leben damit, ihre Partner:innen als öffentliches und persönliches Projekt zu dokumentieren. Immer wieder verschmolzen dabei die Rollen des:der Partners:Partnerin mit jener einer Muse vor der Kameralinse. Die amerikanische Fotografin Sally Mann zum Beispiel – die keinen Trennungsstrich zwischen ihrer Rolle als Künstlerin und als Mutter zieht – machte jahrzehntelang tief bewegende Fotos voller Schwermut von ihrer Familie, einschließlich ihres Mannes Larry. Lee Friedlander fotografierte seine Frau Maria über 50 Jahre lang; sein erstes Foto von ihr entstand 1959. Und Nobuyoshi Arakis bahnbrechende Serie Sentimental Journey zeichnete seine Beziehung zu seiner verstorbenen Frau Yoko Aoki in zärtlichen Schwarzweiß-Porträts nach.
Inmitten dieser kurzen Affären und lebenslanger intimer Beziehungen, verlorenen Liebe und sich verändernden Gefühlen, Beziehungsdynamiken und Rollen, Liebesgeschichten, die hielten, und solchen, die zu Ende gingen, befindet sich Michael Northrups Projekt Dream Away. Es ist ein wunderbar ehrliches und aufschlussreiches Porträt von Northrups ehemaliger Frau von dem Moment an, als sie sich Mitte der 1970er Jahre kennenlernten. Außerdem ist diese Arbeit eine fortlaufende visuelle Reflexion ihrer Beziehung und zeigt, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelte. Diese Fotoserie ist ein träumerisches visuelles Tagebuch, eine Konstellation von Schnappschüssen, die ein bewegendes Porträt ihrer gemeinsamen Zeit – vom jungen Liebespaar bis zu ihrer Zeit als Eltern – bietet.
„Ich wuchs in einer schönen, historischen, kleinen, konservativen Stadt in Ohio auf, die an zwei Flüssen liegt“, beginnt Northrup. „Ich hatte großartige Eltern. Mir standen viele Möglichkeiten zur Verfügung, auch wenn ich nicht immer wusste, in welche Richtung ich gehen sollte. In diesen frühen Jahren lernte ich, Ironie und Humor wertzuschätzen. Mein Vater, der Arzt, Chirurg und Gerichtsmediziner war, hatte einen ausgezeichneten Sinn für Humor und brachte uns beim gemeinsamen Abendessen immer mit Themen wie Darmverschlüssen zum Lachen. Meine ganze Familie war großartig darin, traurige Dinge in etwas Lustiges zu verwandeln. Das hat mir eine bestimmte Sichtweise vermittelt. Für mich geht es beim Fotografieren um mein tägliches Leben, die bedeutungsvollen Bilder, die ich daraus extrahieren kann, und die persönliche Vision, die ich in diese visuellen Erzählungen einbringe.“
Obwohl die Beziehung letztlich nicht von Dauer war, gehört das Projekt zu Northrups intimsten und bewegendsten Arbeiten. Die Erfahrung, die er dabei machte, half ihm dabei, eigentlich nicht greifbare Emotionen zu erfassen und mithilfe von Fotografie liebevoll auf jene Dinge zu reagieren, die um ihn herum geschahen. Im Folgenden erwarten dich einige Fotos, die Northrup ausgewählt hat, weil sie ihm zufolge das Projekt prägten. Der Fotograf erzählt uns, wie seine Beziehung zu einem Spielplatz wurde, auf der sich seine Kreativität entfalten konnte.

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