Die North-Face-Jacke, von der wir einfach nicht genug bekommen

Foto: George Pimentel/WireImage.
Spätestens im frühen Oktober sichtest du die erste North-Face-Jacke in freier Wildbahn – meist eine Daunen-, manchmal auch eine Fleecejacke. Spätestens dann geht es auch in der Promiwelt damit los. (Siehe: Kendall Jenners klassische braune Nuptsejacke an einem regnerischen Tag in New York.) Kurz darauf taucht die Jacke überall auf – an Models auf und fernab des Catwalks, Streetstyle-Fotograf:innen und Influencern. Das zieht sich dann bis in die warmen Frühlingstage, wenn die Jacke bis zum nächsten Frühherbst wieder im Schrank verschwindet. Dieser Kreislauf wiederholt sich Jahr für Jahr – und um die North-Face-Jacke scheint insbesondere seit Beginn der Coronakrise kein Weg herumzuführen. Die Kult-Daunenjacke ist überall. Aber… wieso eigentlich?
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Im letzten Jahr stieß North Face seine Beliebtheit schon Monate vor Beginn der Daunenjacken-Saison los, indem die Outdoor-Brand aus San Francisco auf TikTok eine Collection mit Gucci ankündigte. Nur einen Monat später launchte auch die langersehnte Collaboration von MM6 Maison Margiela und North Face. Die Capsule Collection aus diversen Versionen der North-Face-Fleece- und Daunen-Westen, ellbogenlangen Handschuhen und Rucksäcken war innerhalb von zwei Monaten ausverkauft. Kein Wunder: Laut der General Merchandise Managerin Stephanie Roberson von der Luxus-Retail-Plattform Shopbop wünschen sich Kund:innen funktionale Kleidung mit einem „Fashion-Element“. Die Zusammenarbeit von North Face und MM6 war also „die perfekte Balance“. 
Foto: Raymond Hall/GC Images.
Foto: Robert Kamau/GC Images.
Wir kriegen einfach nicht genug von North Face – und damit das auch so bleibt, sorgt die Brand dafür, dass immer wieder neue Modelle auf den Markt kommen. „Stars und Designer:innen wissen traditionsreiche Marken zu schätzen und unterstützen gern ein Comeback solcher Brands“, erklärt Roberson. North Face hat noch dazu immer gern auf Zusammenarbeit mit anderen Marken gesetzt; schon 2006 ging die Brand eine Langzeitpartnerschaft mit dem japanischen Fashion-Label Junya Watanabe ein, nur um im Jahr darauf mit Supreme zu kooperieren. Vor der Collab mit Gucci hatte die Marke aber noch nie einen derart luxuriösen Markenpartner gehabt. Das gestiegene Interesse an North Face könnte auch damit zu tun haben, dass die Models Emily Ratajkowski und Bella Hadid 2020 in den Daunenjacken fotografiert wurden. 
North Face gibt es übrigens schon seit 1966 und erreichte den Höhepunkt seiner Beliebtheit in den 90ern. Während dieses Jahrzehnts traten zum Beispiel Rapper wie LL Cool J und Method Man in Musikvideos auf MTV (wisst ihr noch?!) in North-Face-Jacken auf. Laut The Cut legte die Daunenjacke während der 90er zusätzlich an Beliebtheit zu, weil sie unter Privatschüler:innen in New York quasi zum Must-have wurde.  
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Warum die North-Face-Jacke aber gerade während Corona so beliebt ist, ist leicht erklärt – und hat mit Zufall nichts zu tun. „Bei Throwback-Trends mitzumachen, verleiht uns ein nostalgisches, warmes Gefühl und stimmt optimistisch“, meint Roberson. „Wenn wir berücksichtigen, wie viele Herausforderungen 2020 und 2021 mit sich gebracht haben, ist es kaum eine Überraschung, dass Konsument:innen in Form von alten, wiederkehrenden Trends nach Bekanntem und Bequemem suchen.“
Photo: M. Caulfield/WireImage.
Foto: Arnaldo Magnani/Getty Images.
Weil ich in den 2000ern aufgewachsen bin, brauchte ich bloß ein x-beliebiges Magazin aufschlagen, um Jennifer Aniston, Halle Berry und andere Stars in ihren North-Face-Jacken beim Sundance Festival oder mit UGGs in Drehpausen zu sehen. Beim Sundance 2004 präsentierten sich zum Beispiel Paris Hilton und Nicole Richie in ihren babyblauen North-Face-Mänteln. 
Heute, in einem weiteren Jahr, in dem Komfort über Style geht, ist es kaum verwunderlich, dass die wolkenähnliche, flauschige Puffer-Silhouette der North-Face-Jacke (und UGGs, und Crocs, und Birkenstocks, und so weiter) wieder beliebter ist denn je. Für mich persönlich hat das Unbekannte jedenfalls keinen Reiz mehr; bei der North-Face-Jacke, die ich in unterschiedlichen Fassungen trage, seit ich 12 bin, weiß ich hingegen, was ich bekomme. Die letzten beiden Jahre waren überraschend genug. Was ich jetzt will, ist ein bisschen Berechenbarkeit – in Form einer warmen, gemütlichen Jacke

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