Wie es ist, masturbierende Menschen zu fotografieren

Photo: Courtesy Of Katharina Poblotzki.
Als ich das erste Mal eine masturbierende Person fotografierte, war das für ein kleines, feministisches Porno-Magazin in Berlin. Nach dem Shooting habe ich dem Modell ein Stück Kuchen und einen Kaffee gekauft. Dabei beschwerte er sich halb witzelnd darüber, ich habe etwas asexuelles an mir – und dass ihm das bei seiner Performance vor der Kamera nicht sehr geholfen hat.

Als ich vom Neon Magazin beauftragt wurde, ein größeres Projekt über das Verhältnis meiner Generation zur Masturbation zu machen, habe ich über meine Rolle als weibliche Fotografin nachgedacht: Würde es Druck auf die darstellenden Jungs ausüben? Wäre es für Mädchen weniger einschüchternd? Und würden sie erwarten, dass ich ihnen helfe, scharf zu werden?

Ein Masturbations-Shooting ist für das Modell ziemlich einsam. Es gibt nur dich, deinen Körper, deine privaten Fantasien in deinem Kopf und niemand anderen; dieser Punkt ist zentraler Bestandteil des Projekts. Ich wollte die sexuelle Befriedigung meiner Modelle in keiner Weise beeinflussen. Ich habe versucht, sie so wenig wie nur möglich zu stören – und die kaum wahrnehmbare Fliege an der Wand zu sein, statt eines ungeschickten Voyeurs, der beim Vorbeischleichen an der Bettkante Gegenstände umwirft, während die Modelle versuchen, zum Orgasmus zu kommen.

Ich hatte gehofft, für meine Modelle eine sichere Umgebung zu schaffen, in der sie sich wirklich gehen lassen konnten und ich habe versucht, ihnen den Raum zu geben, in dem sie ihre eigenen Vorlieben ausleben konnten. Aber ehrlich gesagt war ich genauso nervös wie sie auch. Ich habe Stunden mit jeder Person verbracht, bevor sich diese auszog, um die notwendige Intimität für den finalen Akt aufzubauen, der gewöhnlich nur 15 bis 20 Minuten dauerte.

Dieser seltsame Moment, in dem die Modelle ihre Hand langsam in ihre Hose bewegten (und ich mich entfernte) war für alle schwierig. Und ich war überrascht, wie ehrlich und wenig gespielt die Darstellungen waren. Es gab kein eitles, übertriebene Posieren oder vorgetäuschtes Stöhnen. Ich habe den Modellen keine Anweisungen gegeben und jeder hatte seinen eigenen Stil, eine eigene Körpersprache und eine Methode, mit der er oder sie alles andere ausblenden und sich nur auf sich konzentrieren konnte. Ich wollte diesen Teil der Sexualität, diese Spannung – die manchmal bis zum Rand der puren Anstrengung geht – aufnehmen. Schließlich wird sie für so viele Zwecke verwendet: als Mittel gegen Kater, aus Langeweile oder um Schlaflosigkeit zu bekämpfen.

Masturbation ist nicht unbedingt romantisch; Es ist keine Show für irgendwen und es muss nicht gut aussehen. Das war Grund genug, dieses Grenzen überschreitende Projekt zu machen und so einen intimen Akt auszustellen.

Hinweis der Redaktion: Die nachfolgenden exklusiven Ausschnitte sind nicht geeignet, um sie sich am Arbeitsplatz anzusehen.

Katharina Poblotzki arbeitet als Fotografin in New York und Berlin. In ihren Arbeiten drückt sich eine Einfühlsamkeit und eine Faszination für die menschliche Natur aus. Ihre Portraits beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Intimität und persönlichen Beziehungen.

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