Wie Schlaf-Apps deine Insomnie verschlimmern können

photographed by Michael Beckert; produced by Sam Nodelman; modeled by Selah Fong; produced by Yuki Mizuma.
Egal, wie sehr deine Augen auch vor Müdigkeit brennen, vor Mitternacht kannst du so gut wie nie einschlafen. Bist du dann endlich im Land der Träume angekommen, wachst du auch schon wieder auf. Und dann brauchst du gefühlt Stunden, um wieder einzuschlummern. Als Folge daraus, bist du morgens total übermüdet und ausgelaugt. So in etwa sieht die Routine einer Person mit Schlafstörungen aus.
Laut einer Studie der DAK sind Schlafstörungen bei Erwachsenen im Alter von 35 bis 65 Jahren seit 2010 um 66 Prozent angestiegen. Dabei macht uns Schlafentzug nicht nur träge und mürrisch. Schlechter Schlaf kann auch ernsthafte gesundheitliche Probleme mit sich bringen, wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes und sogar eine verkürzte Lebenserwartung.
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Da ist es kein Wunder, dass es unzählige Apps auf dem Markt gibt, die bei Schlafstörungen Abhilfe verschaffen wollen. Viele von ihnen konzentrieren sich darauf, deine Bewegungen in der Nacht zu tracken und dir so zu zeigen, wie gut du geschlafen hast. Jedoch warnt der Londoner Schlafexperte Dr. Guy Leschziner davor, diesen Apps zu viel Vertrauen zu schenken, da sie in den meisten Fällen mehr schaden, als dass sie nutzen.
„Wir haben viele Menschen beobachtet, die aufgrund von Schlaf-Trackern und Broschüren über die verheerenden Auswirkungen der Schlaflosigkeit, eine Insomnie entwickelt haben“, erklärt der Neurologe und klinische Leiter des Zentrums für Schlafstörungen am Guy’s Hospital. Außerdem ist Dr. Leschziner vor allem der technologischen Grundlage von Schlaf-Apps gegenüber eher skeptisch eingestellt. „Viele von ihnen verfolgen nur die Bewegungen, die die Person in der Nacht macht“, erklärte er in einem Interview mit der Times. „Einige sind schon etwas fortschrittlicher und zeigen dir, wie viel du wirklich geschlafen hast. Was sie aber außer Acht lassen, ist zu ermitteln, wie gut der Schlaf war und in welchen Schlafphasen du dich befunden hast. Eben diese Aufzeichnungen sind für Menschen mit einer Schlafstörung aber von Bedeutung.“
Er plädiert dafür, mit gesundem Menschenverstand an das Thema heranzugehen: „Wenn du jeden Morgen nach dem Aufstehen noch müde bist und das Gefühl hast, in der Nacht nicht so gut geschlafen zu haben, weißt du, dass du ein Problem hast. Bist du jedoch morgens munter und ausgeschlafen und fühlst dich weder tagsüber ausgelaugt, noch hast du abends Probleme einzuschlafen, brauchst du auch keine App, die dir das mit irgendwelchen Zahlen bestätigt“.
Der Mythos, jeder Mensch benötigt mindestens acht Stunden Schlaf, ist, nebenbei gesagt, auch nicht richtig. Wenn du abends besser schlafen möchtest, dann versuche lieber, vor dem Schlafen gehen zu entspannen. Das bedeutet: kein Smartphone im Schlafzimmer! Das blaue Licht der Geräte in Kombination mit dem ständigen Informationsfluss von Instagram, Facebook und Co. sorgen dafür, dass unser Gehirn ständig weiterarbeitet und dann können wir einen erholsamen Schlaf ganz schnell vergessen. Und ja, viele verwenden das Smartphone auch als Wecker. Aber wenn du deinen Schlafrhythmus wirklich verbessern willst, solltest du dir einen normalen Wecker zulegen. Mittlerweile gibt es sogar richtig stylische Varianten, die dich morgens auch nicht mit einem nervtötenden Klingeln aufwecken, sondern deine Lieblingssongs spielen.
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