Bitte hört auf, meine Haarwaschroutine zu verurteilen!

PHOTOGRAPHED BY RUBEN CHAMORRO.
Hi, mein Name ist Mi-Anne Chan und ich wasche täglich meine Haare. Jeden. Einzelnen. Tag.
Oft behalte ich diese Information für mich, aber wenn ich es dann doch mal erzähle, muss ich mir meistens Antworten wie „Oh, aber das ist doch superschlecht für die Haare?“ oder „Also ich wasche meine Haare nur selten – ich bin dafür viel zu faul“ anhören. Und ich denke immer nur: Okay, cool. Gönn' dir.
Vor einer Weile hatte ich eine ähnliche Unterhaltung mit einer Vloggerin. Irgendwann während des 15-minütigen Gesprächs über Lippenstifte und Sonnencremes kam auch das Thema Haare auf. Sie erzählte mir, sie würde ihre alle zwei Wochen (!) waschen. Da mischte sich ihr Ehemann auf einmal ein und erzählte, seine täglich zu waschen. Ihre Reaktion? „Du solltest wirklich damit aufhören.“ Wenigstens bin ich nicht die einzige, die sich solche Kommentare anhören muss.
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Ich wasche meine Haare täglich, weil ich das schon mein ganzes Leben lang so mache und es für mich einfach gut funktioniert. Ich mag sie lieber, wenn sie an der Luft trocknen können und ich steige gern jeden Abend mit einem sauberen Kopf ins Bett (Ich muss allerdings zugeben, dass ich ein bisschen paranoid bin, was Keime angeht. Der Gedanke, mit fettigen Haaren unter die Bettdecke zu kriechen, macht mir Angst).
Vielleicht ist das Revival des 90er Grunges ja der Grund dafür, vielleicht die Sehnsucht, dem Model-off-duty-Look ein Stückchen näher zu kommen, aber mittlerweile ist es tatsächlich cool, sich nicht die Haare zu waschen. Auf einmal gilt regelmäßige Haarpflege als „High Maintenance“ – etwa so, wie den Apfelkuchen extra aufwärmen zu lassen und dazu Eis in einer Extraschüssel zu bestellen. Und zwar bitte nicht Vanille-, sondern Erdbeereis. Laktosefrei. Und ohne Zucker. Danke. (Ein bisschen wie die neurotische Sally Albright von When Harry Met Sally, falls du dich noch erinnerst.)
Versteh mich nicht falsch: Ich liebe den entspannten, lässigen Out-of-Bed-Look, nur dass er bei mir eben nicht entsteht, weil ich meine Haare drei Tage lang nicht gewaschen habe, sondern durch ein paar Spritzer Meersalzspray. Und ich will hier auch niemanden verurteilen, der oder die sich die Haare nicht so oft wäscht wie ich! Alles, was ich sagen will, ist: Wascht doch alle eure Haare so oft ihr wollt und entschuldigt euch nicht für eure Angewohnheiten ­– ich versuche, es auch nicht mehr zu machen.
Nehmen wir zum Beispiel R29-Beauty-Redakteurin Taylor Bryant. Sie wäscht ihr natürliches lockiges Haar, das sie als dick, kraus und oft trocken beschreibt, einmal pro Woche. Für sie klappt diese Methode perfekt. Frauen und Männer mit gefärbten Haaren müssen diese meist auch nicht so oft waschen: R29-Redakteurin Lexy Lebsack etwa hat glatte, dünne Haare, die sie regelmäßig blondieren lässt und zwei Mal wöchentlich Waschen reicht bei ihr vollkommen aus. Das heißt umgekehrt aber nicht, dass Menschen mit gefärbten Haaren sie nicht täglich oder jeden zweiten Tag waschen dürfen, erklärt Celebrity-Colorist Rita Hazan. Wichtig ist nur, zu sanften, sulfatfreien Shampoos zu greifen, damit die Haare nicht zu sehr beschädigt werden, so Rita. Allein in unserem Beauty-Team sieht man, dass die Routine bei jedem anders ist – weil wir alle unterschiedliche Haarschnitte und -strukturen haben.
Was ich mich jedoch immer noch frage ist, wie meine Haare reagieren würden, wenn ich sie mal nicht waschen würde. Würden sie irgendwann gesünder aussehen? Um das herauszufinden, habe ich zusammen mit einer Kollegin das Experiment gewagt und es ein paar Tage lang ausprobiert. Um es kurz zu machen: Ich habe herausgefunden, dass die tägliche Pflegeroutine einfach am besten zu meinem Lifestyle passt. Ich habe keinen Bock darauf, mit Trockenshampoo und Duschhaube den Waschtag künstlich so weit nach hinten rauszuschieben wie möglich. Aber hey, ich habe es zumindest mal ausprobiert.
Und trotzdem ist es immer ein kleiner Stich ins Herz, wenn mich mal wieder jemand für meine Routine verurteilt. Ich frage mich auch immer, ob meine Haare denn wirklich sooo schlimm (aka kaputt) aussehen? Wenn meine Kollegin zu mir sagt, meine Haare würden „sauber“ aussehen, meint sie dann damit eigentlich „trocken und leblos”? Ich finde es auch schwer, die ganzen „Tägliches Waschen macht die Haare kaputt“-Sprüche nicht zu Herzen zu nehmen (aber Glätteisen und Fön sind gut für sie, oder was?!). Aber am Ende des Tages muss ich mir nur immer wieder bewusst machen, dass es okay ist, wenn mein Waschritual nicht super hip und on trend ist. Sollen die anderen doch denken, was sie wollen, ich bin happy mit meiner Routine. Punkt.
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