Karriere-Kick: So überwindest du dein Impostor-Syndrom

Design: Abbie Winters
Fran Hauser, Autorin von The Myth Of The Nice Girl beschäftigt sich mit kniffligen Situationen im Berufsleben und bietet nützliche Ratschläge dazu. Im Folgenden beantwortet sie die Frage einer 28-jährigen Frau, die als Communications Specialist tätig ist und mit einem Problem zu kämpfen hat, von den die meisten von uns ein Lied singen können: Sie leidet am Impostor-Syndrom.
Frage: Ich bin in meiner Karriere bisher recht erfolgreich gewesen. Trotzdem fühle ich mich ständig so, als wäre ich meinen Aufgaben nicht gewachsen. Ich habe wirklich hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo ich heute bin. Obwohl ich weiß, dass ich kompetent bin, habe ich immer Angst, dass meine Vorgesetzten mich eines Tages für nutzlos erklären und mich auf der Stelle feuern. Ich weiß, wie lächerlich das wahrscheinlich klingt. Mir ist auch bewusst, dass mir hier meine Selbstzweifel, und nicht meine Kompetenz, einen Strich durch die Rechnung machen. Was kann ich gegen das Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein, tun, wenn ich das nächste Mal wieder einmal an mir zweifle?
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Frans Antwort und Tipps: Wir alle fühlen uns manchmal so; sogar deine Vorgesetzten! Außerdem ist Selbstvertrauen nicht etwas, mit dem wir einfach geboren werden. Es handelt sich dabei um eine Fähigkeit, die du entwickeln kannst, indem du den Erfolgen in deinem Leben große Beachtung schenkst. Das alles beruhigt dich jetzt hoffentlich etwas.
Wenn ich mit einer Entscheidung zu kämpfen habe oder mich unsicher fühle, greife ich bis heute auf Beweise in der Vergangenheit zurück. Gegen Fakten lässt sich ja schließlich nur schwer etwas sagen. Vor nicht allzu langer Zeit musste ich eine große Rede vor 300 Manager:innen halten und war deshalb ziemlich nervös. Ein guter Freund sagte zu mir: „Erinnere dich an eine Zeit, in der du eine gute Rede gehalten hast.“ Das war zwar ein einfacher, aber guter Ratschlag. Vor dieser großen Präsentation erinnerte ich mich also an eine Rede, die ich einige Jahre zuvor gehalten hatte und die bei meinem Team wirklich gut angekommen war. Ich rief mir diese Erinnerung so detailliert wie möglich wieder ins Gedächtnis: was ich gesagt hatte, wie ich es gesagt hatte und wie es sich angefühlt hatte, erfolgreich zu sein. Das war ein richtiger Boost für mein Selbstbewusstsein.“
Diese gezielte Selbstreflexion führt zu dem, was ich evidenzbasiertes Vertrauen nenne. Um dieses zu entwickeln, solltest du damit beginnen, deine bisherigen Erfolge aufzulisten. So kannst du immer einen Blick auf diese Erfolgsliste werfen, wenn dich Selbstzweifel plagen. Stell dir die folgenden Fragen:
Welche schwierige(n) Aufgabe(n) konnte ich in der Vergangenheit erfolgreich meistern?
Wann habe ich gute Entscheidungen getroffen?
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Wann habe ich etwas getan, das für das Unternehmen, für das ich arbeite, einen Mehrwert geschaffen hat, und wie habe ich mich danach gefühlt?
Wann habe ich mich das letzte Mal wegen meines Beitrags zu einem Projekt wirklich gut gefühlt?

Selbstvertrauen ist nicht etwas, mit dem wir einfach geboren werden. Es handelt sich dabei um eine Fähigkeit, die wir entwickeln können.

Wann immer du also an dir selbst zweifelst, solltest du diese Liste rausholen und dich an die großartige Arbeit, die du geleistet hast, erinnern. Ruf dir bestimmte Details ins Gedächtnis und versuch, in Erinnerung zu bringen, wie du dich in diesen erfolgreichen Momenten gefühlt hast. Selbstvertrauen ist kumulativ: Es basiert sowohl auf positiven als auch auf negativen Situationen. Denk an deine Misserfolge aus der Vergangenheit oder an die Fehler, die du gemacht hast (die uns allen unterlaufen): Was hast du daraus gelernt? Was hast du seither besser gemacht?
Du hast die Möglichkeit, das, was deine:n innere:n Kritiker:innen dir in deinem Kopf zuflüstern, zu verändern.
Das Umformulieren von Gedanken ist ein Trick, den ich gerne anwende. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, bei dem das Glas halb voll ist und du das Drehbuch deiner inneren Erzählung umschreibst. Notier zuerst jene Gedanken, die negativ und somit kontraproduktiv sind. Schreib dann die entgegengesetzte Sichtweise desselben Szenarios nieder. Wenn du z. B. zu einem Treffen mit hochrangigen Führungskräften eingeladen wirst, denkst du vielleicht: „Ich werde von all diesen brillanten Leuten umgeben sein, die mich durchschauen werden.“ Ersetz diese negativen Gedanken doch lieber mit: „Ich werde von all diesen brillanten Leuten umgeben sein, von denen ich so viel lernen kann!“ Studien zeigen, dass dein Gehirn und dein Körper anfangen, Gedanken zu glauben, wenn du sie positiv umformulierst.
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Letztendlich sind die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen und die Worte, die wir uns zusprechen, das mächtigste Hilfsmittel, das wir haben, um wahres Selbstvertrauen aufzubauen.
Follow-up (der 28-jährigen Frau, die als Communications Specialist tätig ist): Ich fand Frans Ratschläge unglaublich nützlich. Es ist sehr hilfreich, die Antworten auf die von ihr gestellten Fragen aufzuschreiben und sie durchzulesen, wann immer ich mich wie eine „Hochstaplerin“ fühle. Da diese Liste auf echten Fakten und Leistungen beruht, bestärkt sie mich darin, dass ich es verdiene, in bestimmten Positionen zu sein. Sie erinnert mich auch daran, dass ich schon einmal schwierige oder unsichere Situationen bewältigt habe. Es ist sehr wichtig, sich seine Unverwüstlichkeit ins Gedächtnis zu rufen. Frans Tipps haben mir definitiv dabei geholfen, mein Vertrauen in mich selbst auf neue Weise zu stärken.
Meine Vorgesetzten baten mich, ein neues Projekt zu leiten, bei dem es darum ging, die Arbeitsweise unseres Teams zu innovieren. Diese neue Aufgabe schüchterte mich am Anfang ein, da es nichts gab, woran ich mich orientieren konnte. Außerdem wusste ich, wie wichtig Innovation für unser Gesamtportfolio ist. Meine Lösungsstrategie würde also besonders große Aufmerksamkeit erhalten. Zuerst fühlte ich mich nicht kompetent genug, diese Verantwortung zu übernehmen. Dann las ich mir aber meine Erfolgsliste durch und erinnerte mich daran, dass ich, auch wenn diese Gelegenheit ein anderes Endziel hat, Projekte dieser Natur bereits erfolgreich abgewickelt hatte. Ich hatte bereits Teams geleitet. Ich erinnerte mich auch daran, dass ich deshalb darum gebeten worden war, diese Aufgabe zu verrichten, weil ich weiß, wie, gute Ideen habe und die richtigen Leute zur Unterstützung heranziehen kann. Es ist nicht narzisstisch, dir selbst konkrete Beweise dafür vor Augen zu führen, dass du kompetent bist, und potenziell lehrreiche Momente zu nutzen.

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